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Bundesverband Deutscher Stiftungen (Hrsg.): Impact Investing

Cover Bundesverband Deutscher Stiftungen (Hrsg.): Impact Investing. Vermögen wirkungsorientiert anlegen – ein Praxishandbuch. Bundesverband Deutscher Stiftungen (Berlin) 2016. 248 Seiten. ISBN 978-3-941368-79-8. D: 19,80 EUR, A: 20,40 EUR.

Weitere Herausgeber: Eberhard von Kuenheim Stiftung der BMW AG; BMW Stiftung Herbert Quandt.
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Realisierung des Stiftungszwecks ist nur mit Geld möglich

Auch wenn in den letzten Monaten nach Ansicht von Finanzauguren die Zinswende eingetreten ist, ist doch weiterhin zu konstatieren, dass das Zinsniveau auf sehr niedrigem Stand stagniert. Doch Stiftungen benötigen stetige und nachhaltige Erträge, um ihre jeweilig Zwecke finanziell fördern zu können. Gleichzeitig fordert die Öffentlichkeit ein immer höheres Maß an Transparenz ein, um den sachgerechten und wirkungsoptimierten Einsatz der zur Verfügung stehenden Finanzmittel überprüfen zu können. Um dieser Zangenbewegung, denen sich Stiftungen ausgesetzt sehen, gut gerüstet und gewappnet entgegentreten zu können, ist das vorliegende Handbuch, welches sich selbst zu Recht als Praxisratgeber bezeichnet, hervorragend geeignet.

Aufbau

Bei dem Werk handelt es sich um einen Sammelband, der zahlreiche Beiträge zusammenträgt, die sich unter den verschiedensten Blickwinkeln mit den eingangs beschriebenen Themen beschäftigen.

Im Einzelnen enthält das Werk, welches in sechs Abschnitte gegliedert ist, folgende Beiträge:

I. Einführung

  1. Bedeutung. „Eine wirkungsorientierte Investmentstrategie ist Ausdruck von Integrität und Glaubwürdigkeit“ (Interview mit Birgit Radow und Carl-August Graf v. Kospoth)
  2. Entwicklungen. Perspektivwechsel in der Vermögensanlage von Stiftungen (Berenike Wiener)
  3. Standortbestimmung. Stiftungen können ihre Wirkungsbilanz deutlich erhöhen (Mareike van Oosting)
  4. Perspektive Gesellschaft. Wertschöpfung durch Schenkgeldschöpfung (Lukas Beckmann)
  5. Perspektive Sozialstaat. Kluges Zusammenspiel und Kommunikation gefragt (Jake Benford)
  6. Perspektive Ökonomie. An der Schnittstelle von Wirtschaft und Gesellschaft (Rolf D. Häßler)

II. Grundlagen

  1. Definitionen. Was bedeutet Impact Investing? (Johannes P. Weber)
  2. Steuerrecht. Grundsatzfragen besser vorher klären (Barbara Koloczek und Sascha Voigt de Oliveira)
  3. Abgabenrecht. Abgabenrechtliches Neuland (Carina Leichinger)
  4. Bundes- und Landesrecht. Vom Gesetz her grundsätzlich erlaubt (Dr. Peter Lex)
  5. Anlagerichtlinien. Für jeden Investor ein hilfreicher Wegweiser (Franz Suntrup)
  6. Satzungszweck. Kein Hinderungsgrund (Oliver Rohn und Dr. Verena Staats)
  7. Wirkungsanalyse. Größtmögliche Wirkung erzielen (Professorin Dr. Barbara Scheck)
  8. Wirkungsmessung. „Wirkungsmessung hilft uns vor allem, besser zu werden“ (Interview mit Hinnerk Hansen)
  9. Kriterien der Vermögensanlage. Wirkung als vierte Dimension (Professor Dr. Martin Faust)
  10. Sozialunternehmen. Eine bessere Welt schaffen (Dr. Dominik B. Domnik und Susanne Eder)

III. Umsetzung

  1. Anlageprozess. Ein schrittweiser Prozess (Mareike van Oosting)
  2. Negativ- und Positivkriterien. Schritt für Schritt das Portfolio bereinigen (Georg Bernwieser)
  3. Investmentprüfung. Dem Investee auf den Zahn fühlen (Nina Cejnar)
  4. Prüfung des Geschäftsmodells. Auf ein überzeugtes Team kommt es an (André Marius Le Prince)
  5. Sicht der Fondsmanager. Die Expertise von Impact-Fondsprofis nutzen (Jochen Herdrich)
  6. Sicht der Intermediäre. Als Brückenbauer den Markt auf beiden Seiten mitgestalten (Ellinor Schweyer)
  7. Sicht der Vermögensverwalter. Vorbehalten durch systematischen Kompetenzaufbau begegnen (Oliver N. Hagedorn)
  8. Sicht der Banken. Mut gefordert, aber kein Übermut (Dr. Stefan Fritz)
  9. Reporting. Ein zentrales Steuerungsinstrument (Carolin Nierhoff)

IV. Beispiele

  1. MRI-Pilotfonds. Ein Anfang (Maren Bianchini-Hartmann)
  2. Stiftung Erinnern, Verantwortung und Zukunft. Konsequente Nulltoleranzstrategie (Dr. Harald Schneider)
  3. St. Elisabeth-Stiftung. Sozialimmobilie als Impact Investment (Matthias Ruf)
  4. Dialog im Dunkeln. Darf ich bitten? (Professor Dr. Andreas Heibecke)
  5. HOFFNUNGSTRÄGER Stiftung. Einen viel größeren Hebel in Bewegung setzen (Marcus Witzke)
  6. Bewegungsstiftung. 100 Prozent ethisch-nachhaltig (Dr. Matthias Fiedler)
  7. Social Business Stiftung. Kleine Stiftung, große Wirkung (Gerhard Bissinger)
  8. Schweisfurth Stiftung. Doppelte Rendite als Leitprinzip (Professor Dr. Franz-Theo Gottwald)
  9. Internationales. Internationale Trends im Impact Investing (Adrian Fuchs)
  10. Schneider Electric Stiftung – Frankreich. Hand in Hand mit Unternehmen (Hannah Rosenkranz und Fabian Suwanprateep)
  11. The J. W. McConnell Family Foundation – Kanada. Den Aufbau einer lösungsorientierten Wirtschaft befördern (Erica Barbosa Vargas und Stephen Huddart)
  12. F. B. Heron Foundation – USA. Investitionen für den amerikanischen Traum (Deirdre Hess)

In Abschnitt V. („Akteure“) werden die Herausgeber, der Expertenkreis, der redaktionelle Beirat sowie die Autoren des Sammelbands näher vorgestellt.

Der Abschnitt VI. („Anhang“) enthält einen Fußnotenapparat, einen Glossar, eine Literaturschau sowie die Stiftungsgesetze der Bundesländer.

Bewertungen einzelner Beiträge

Wegen des Umfangs des Sammelbands können und sollen hier nur wenige ausgewählte Beiträge einer kurzen Bewertung unterzogen werden:

Johannes Weber unterzieht sich in seinem Beitrag (S. 56 ff.) der Mühe, den Begriff des Impact Investing einer Definition oder wenigstens Beschreibung zu unterziehen. Dabei geht er von der Definition des Global Impact Investing Networks (GIIN) aus, die folgende vier Elemente des Impact Investing herausgearbeitet haben:

  • Intentionalität: Der Investor verfolgt das Ziel, mit der Kapitalanlage eine positive gesellschaftliche Wirkung zu erzielen.
  • Renditeerwartung: Das Investment erzielt eine doppelte Rendite – einerseits finanziell, andererseits sozial/ökologisch.
  • Unterschiedliche Anlageklassen: Prinzipiell ist Impact Investing in allen Anlageklassen möglich.
  • Wirkungsnachweis: Die gesellschaftliche Wirkung von Impact Investing muss belegt werden können, z.B. durch Evaluation, Quantifizierung oder Monetarisierung.

Gerade der letztgenannte Punkt wird in der Realität besondere Schwierigkeiten aufwerfen. Aufgrund der Komplexität der Weltwirtschaft und die Verwobenheit sowie Interdependenzen der ökonomischen Strukturen wird wohl immer ein Restzweifel daran bestehen, ob tatsächlich ausschließlich sozial und/oder ökologisch wertvolle Investments getätigt wurden. Das Ziel, eine doppelte Rendite zu erwirtschaften, dürfte daher nie zweifelsfrei feststellbar sein.

Peter Lex geht in seinem Beitrag (S. 76 ff.) der Frage nach, ob stiftungsrechtlich überhaupt zulässig ist, in Impact Investments zu investieren und dabei die Gefahr einzugehen, geringere Renditen zu erwirtschaften, als dies bei konventionellen Investments der Fall ist, bzw. sogar einen Totalverlust zu riskieren. Er kommt dabei zu dem zustimmungswürdigen Ergebnis, dass dies zwar prinzipiell zulässig ist, dabei die Organe der Stiftung jedoch zu prüfen haben, ob das Risiko der Anlage gegenüber herkömmlichen Investitionen höher zu bewerten ist. Hinzuzufügen dürfte in diesem Kontext noch sein, dass mit Blick auf die Stiftungsaufsicht die Entscheidung für ein Impact Investing dokumentiert werden sollte.

Fazit

Der umfangreiche Sammelband fasst in beeindruckender Weise die viele Facetten des Impact Investing zusammen und verschafft dem Leser dadurch einen tiefgehenden und weiterführenden Einblick in die Thematik. Die Praxisberichte aus den unterschiedlichsten Stiftungen runden das Bild ab, so dass das Buch ob seines Praxisbezugs ohne jede Einschränkung empfohlen werden kann.


Rezensent
Dr. iur. Marcus Kreutz
LL.M., Rechtsanwalt. Justiziar des Bundesverbandes Arbeiter-Samariter-Bund Deutschland e.V. in Köln
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Zitiervorschlag
Marcus Kreutz. Rezension vom 10.02.2017 zu: Bundesverband Deutscher Stiftungen (Hrsg.): Impact Investing. Vermögen wirkungsorientiert anlegen – ein Praxishandbuch. Bundesverband Deutscher Stiftungen (Berlin) 2016. ISBN 978-3-941368-79-8. Weitere Herausgeber: Eberhard von Kuenheim Stiftung der BMW AG; BMW Stiftung Herbert Quandt. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/20847.php, Datum des Zugriffs 22.11.2017.


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