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Frieda Boudesteijn, Esther van der Vegt u.a.: Psychosexuelle Entwicklung bei Jugendlichen mit Autismus

Cover Frieda Boudesteijn, Esther van der Vegt, Kirsten Visser, Nouchka Tick, Athanasios Maras: Psychosexuelle Entwicklung bei Jugendlichen mit Autismus. Das Training „ich bin in der Pubertät“. Autismusverlag Schweiz (St. Gallen) 2016. 230 Seiten. ISBN 978-3-0385200-6-1. 42,00 EUR.
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Thema

Dieses Handbuch „Psychosexuelle Entwicklung bei Jugendlichen mit Autismus“ gibt Hintergrundinformationen rund um die sexuelle Entwicklung bei Menschen mit Autismus und erläutert Probleme, die in der Pubertät zusätzlich zu den Besonderheiten in der Wahrnehmungsverarbeitung und im Denken auftauchen können wie Freundschaften zu knüpfen, angemessene (sexuelle) Beziehungen zu leben oder den Umgang mit vermeintlichen Freunden und „Loverboys“. Dieses Training „Ich bin in der Pubertät“ wurde in Holland von einem interdisziplinären Team mit dem Ziel entwickelt, Heranwachsende in dieser wichtigen Phase des Lebens zu unterstützen. Es besteht aus zwei Teilen: dem hier besprochenen Handbuch (für die betreuenden Pädagogen/Sozialarbeiter) und einem Arbeitsbuch (mit dem die Jugendlichen selbständig arbeiten können).

Autorinnen und Autor

Das hier vorgelegte Buch wurde von fünf Autorinnen und Autoren geschrieben. Es sind Frieda Boudesteijn, Esther van der Vegt, Kirsten Visser, Nouchka Tick und Athanasios Maras. Alle arbeiten in einem interdisziplinären Team an der Yulius Akademie in Breda, Holland. Die Originalausgabe erschien 2011.

Entstehungshintergrund

Die Idee zur Gründung dieses Verlages ist im Elternverein „autismus deutsche schweiz“ im Rahmen eines Sozialtrainings für Menschen mit Autismus entstanden. Es begann damit, englischsprachige Literatur zum Thema Autismus ins Deutsche zu übersetzen. Diese Übersetzungen werden – anstatt sie einem Verlag weiterzugeben – in einem eigens dafür gegründeten Verlag www.autismusverlag.ch herausgebracht. Die Gründer*innen des Autismusverlag leisten die ganze Arbeit am Buch – abgesehen von Lektorat und Layout – ehrenamtlich. Jedes Buch wird selber kopiert, geheftet und vertrieben. Es kann nicht die gleiche Qualität wie bei einer Großdruckerei erreicht werden, dafür entstehen Arbeitsplätze für Menschen mit Autismus. Mittlerweile gibt es ein 8 Teilzeitarbeitsplätze. Der Verlag ist keine Einrichtung für Menschen mit Behinderung, sondern ein Betrieb auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt. Es besteht eine Bürogemeinschaft mit einer anderen Firma. Die Arbeitsplätze sind individuell angepasst und strukturiert, die Arbeitszeit ist gleitend, sodass die Arbeitnehmer sich selbst Ruhephasen und Pausen einplanen und nehmen können. Mittlerweile hat der Verlag 16 Bücher herausgegeben.

Aufbau und Inhalt

Das Handbuch umfasst 230 Seiten und ist in Ringbindung gebunden. Diese Bindung erlaubt es, Seiten ganz aufzuschlagen und ist damit einfach zu handhaben, nicht nur für Menschen mit motorischen Einschränkungen. Als ergänzendes Material ist eine CD mit den Arbeitsblättern angefügt.

Das Handbuch besteht neben einem ausführlichen Vorwort Bitte keine schlafenden Hunde wecken? und der Einleitung aus vier Kapiteln. Der Fließtext wird durch Illustrationen, Tabellen und farblich hervorgehobenen Textboxen ergänzt. Zahlreiche Zwischenüberschriften strukturieren den Text und lockern auf. Piktogramme am Seitenrand geben Hinweise, was zu tun ist bzw. wo man Materialien findet.

  1. Theoretischer Hintergrund
  2. Rahmendbedingungen und Hintergrund des Trainings „ich bin in der Pubertät“
  3. Praktischer Leitfaden
  4. Die Lektionen

Das erste Kapitel Theoretischer Hintergrund gibt Erklärungen zur Autismus-Spektrum-Störung (ASS). Daran schließen sich Erläuterungen zur Adoleszenz und die psychosexuelle Entwicklung an. Besonderes Augenmerk wird auf die sexuellen Probleme bei Jugendlichen mit ASS gelegt. An dieser Stelle werden auch Probleme besprochen, die sich aus den Erklärungsmodellen und aus der Praxis ableiten. Dieses Kapitel schließt mit Befunden aus der wissenschaftlichen Forschung ab. Wichtig ist auch die Auskunft über Sexualität, die Betreuung und Begleitung vor dem Hintergrund der Betreuung.

Das zweite Kapitel Rahmenbedingungen und Hintergrund des Trainings Ich bin in der Pubertät erklärt die Rahmenbedingungen und Hintergründe. Darunter fallen Zielvorgaben, Zielgruppe, Ausgangspunkte und Niveaus und Themen, was sich im Konzept niederschlägt. Wichtig ist, dass das Umfeld (Eltern und/oder der Betreuer) in Form von Informationen einbezogen wird und Eltern sollten während des Trainings zusätzlich unterstützt werden.

Der Trainerin und dem Trainer kommt eine wichtige Rolle zu. Um diese Arbeit gut vorzubereiten wurde ein Steckbrief erarbeitet, der Orientierung gibt. Die Trainerperson ist gehalten, die Inhalte der Lektionen für die Zielgruppe aufzubereiten. Auch die Haltung ist entscheidend. Darunter fallen der Umgang mit Privatsphäre und ein Bewusstsein über Nähe und Distanz. Es folgen die Themen sexuell grenzüberschreitende Verhaltensweisen und psychosexuelle Probleme, sexuelle Belästigung und sexueller Missbrauch, abweichendes Sexualverhalten, übrige psychosexuelle Probleme, und die Beurteilung sexuell grenzüberschreitender Verhaltensweisen. Der Umgang mit anderen psychosexuellen Problemen gehört auch in die Verantwortung der Trainerperson. Dieses Kapitel schließt mit dem Unterkapitel „Trainiere den Trainer-Kurs“ ab.

In diesem Kapitel wird auch über den Umgang mit möglichen Tätern und den Umgang mit Missbrauchsopfern (Enthüllungen, weitere Indikationen für einen sexuellen Missbrauch, Signale deuten und die Meldung des Verdachtes) gesprochen.

Das 3. Kapitel bildet den  Praktischen Leitfaden und enthält Basismaterialien aus dem Arbeitsbuch. Das sind z.B. die sog. „Ich passe“-Karte mit einem Aufklärungskoffer. Hingewiesen wird auf eine DVD, das Masturbationsmännlein und auf „Rutgers WPF“. Bei „Rutgers WPF“ werden verschiedene Lernmittel, Spiele, DVDs und Broschüren verlegt. Es folgen Erklärungen zu den Illustrationen, die sich auf den Arbeitsblättern befinden und den Inhalt der Lektionen abbilden. Die Illustrationen sind teilweise auch Teil von Übungen.

Das Training beginnt mit einem Kennenlerngespräch „Intakegespräch“ und einem Fragebogen in Bezug auf die gehegten Erwartungen und den Verlauf der psychosexuellen Entwicklung. Es muss genau geschaut werden, was der Grund der Anmeldung ist, wie es mit der Motivation ist und was Schwerpunkte sind – dabei ist zu beachten, dass es auch Kontraindikationen gibt, die gegen das Training sprechen. Hier werden auch Inhalt des Trainings in Bezug auf die elterliche Unterstützung, die Informationsvermittlung und die Terminierung der ersten Lektion behandelt. Das Training „Ich bin in der Pubertät“ sollte maßgeschneidert sein.

Das vierte Kapitel Die Lektionen erläutern die 18 Lektionen des Trainings:

  • Lektion 1: Über die Pubertät sprechen
  • Lektion 2: So sehe ich aus
  • Lektion 3: Ein guter erster Eindruck
  • Lektion 4: Wie heißt das?
  • Lektion 5: Veränderungen während der Pubertät bei Jungen
  • Lektion 6: Veränderungen während der Pubertät bei Mädchen
  • Lektion 7: Selbstbefriedigung
  • Lektion 8: Freundschaft
  • Lektion 9: Verliebt sein und so…
  • Lektion 10: Zweifel und Verwirrung während der Pubertät
  • Lektion 11: Verliebt sein und Beziehung
  • Lektion 12: Geschützter Geschlechtsverkehr
  • Lektion 13: Das erste Mal
  • Lektion 14: Schwangerschaft und Geburt
  • Lektion 15: Wo liegen deine Grenzen?
  • Lektion 16: Die eigenen Grenzen und die Grenzen anderer
  • Lektion 17: Kontakte knüpfen übers Internet
  • Lektion 18: „Vermeintliche Freunde“ und sogenannte „Loverboys“

Die Lektionen bauen aufeinander auf. Sie lassen sich zeitlich in adäquate Einheiten gliedern, sodass gewährleistet ist, dass sie individuell angepasst werden können. Mit dem Ziel ein eindeutiges Programm zu bilden wurden alle Lektionen innerhalb des Leitfadens gleich aufgebaut. Der beginnt mit

  1. Thema,
  2. Lernziele,
  3. Begriffsliste und
  4. Text und Übungen Arbeitsbuch

Hier findet man Erklärungen zum Aufbau der Lektionen für die Klientinnen und Klienten und die inhaltliche Beschreibungen der Formate wie Quiz und Übungen, die das Ziel unterstützen, Lernstoff passend zu vermitteln.

Auch die Übungen in den Lektionen haben den gleichen Aufbau, diesmal in Tabellenform. Durch dieses Layout findet man sich schnell zurecht. Die Übungen beginnen mit der Definition des Ziels und einer kurzen Einführung. Es wird beschrieben, was der Schwerpunkt dieser Übung ist und wieviel Zeit pro Übungen einzuplanen ist. Am Ende des Trainings fasst der Trainer/die Trainerin Ergebnisse zusammen und gibt Tipps. Für die Zeit zwischen den Trainingseinheiten bekommen die Jugendlichen Hausaufgaben. Diese sind auch nach dem gleichen Schema wie die Übungen beschrieben. Wichtig ist, dass jedes Training abgeschlossen wird. Dazu gehören ein Gespräch und eine individuelle Nachbetreuung.

Das Handbuch schließt mit der Begriffliste (einem Stichwortverzeichnis) , die sich über 12 Seiten erstreckt und alphabetisch geordnet ist, Literaturhinweisen und der Vorstellung der Autoren.

Diskussion

Keine schlafenden Hunde wecken? Die sexuelle Entwicklung beginnt nicht erst in der Pubertät. Sie ist ein Zusammenspiel zwischen biologischen (z.B. Hormone) und sozialen Faktoren (soziale Kontakte, Medien etc). Soziale Regeln sollten bereits früh vermittelt werden. Ich teile die Meinung von Brita Schirmer, die es bemerkenswert findet, dass andere Lebensfunktionen wie Schlaf und Nahrungsaufnahme von Geburt an Thema sind, das Thema Sexualität aber auf ferne Zeiten verschoben wird. „Selbstverständlich muss die Art und Weise, wie ein Thema mit einem Kind besprochen wird, abhängig von seinem Entwicklungsstand sein. Aber schließlich käme auch niemand auf die Idee, mit einem Einjährigen über Kalorien und Nährwerte zu sprechen. Man redet darüber, ob er satt oder hungrig ist und versucht zu verhindern, dass er zum Abendessen Süßigkeiten nascht. Niemand käme auf die Idee, Gespräche dieser Art auf die Zeit nach der Einschulung zu verschieben“ (S.8).

Eine wichtige und turbulente Phase im Leben junger Menschen ist die Pubertät. Jugendliche aus dem autistischen Spektrum haben durch ihre Besonderheiten in der Wahrnehmungsverarbeitung und im Denken oft zusätzliche Schwierigkeiten, Freundschaften zu knüpfen und zu pflegen sowie Probleme, angemessene (sexuelle) Beziehungen zu leben. Geschrieben wurde das Buch von fünf Autorinnen und Autoren, die interdisziplinär an der Yulius Akademie in Breda (Holland) arbeiten. Dort werden Kurse angeboten und es wird zum Thema geforscht. Ziel ist, Heranwachsende in dieser wichtigen Phase des Lebens zu unterstützen. Das Training besteht aus zwei Teilen: aus dem hier besprochenen Handbuch und aus einem Arbeitsbuch. Das Handbuch ist für die betreuenden Pädagogen/Sozialarbeiter geschrieben und das Arbeitsbuch (Ordner) für die Jugendlichen, damit sie selbständig damit arbeiten können. Neben den hier behandelten Themen der psychosexuellen Entwicklung bei Jugendlichen mit Autismus werden Hintergrundinformationen rund um die sexuelle Entwicklung bei Menschen mit Autismus gegeben und Probleme beschrieben, die in der Pubertät auftauchen können, erläutert. Dazu gibt es im deutschsprachigen Raum viel zu wenig Literatur. Deshalb ist es ein Glück, dass der Autismusverlag Schweiz diese Bücher (Handbuch und Arbeitsbuch) übersetzt hat.

Positiv ist der strukturierte und umfassende Aufbau, der sich in der Gliederung widerspiegelt. So bekommt man schon am Anfang des Handbuches einen sehr guten Überblick über die behandelten Themen und Fragestellungen und kann auch während des Trainings schnell nach speziellen Themen suchen. Durch die Mischung von Gruppentraining und Hausaufgaben, die zuhause bearbeitet werden, in dem die Trainees sich beobachten und Gelerntes im Alltag anwenden, entsteht ein Praxisbezug, sodass das Training nicht abgehoben vom Leben der Jugendlichen stattfindet. Die realitätsnahen Illustrationen unterstützen die Erklärungen, was genau gemeint ist. Sie regen zum Nachdenken an. Die Illustration in der Lektion „Veränderung während der Pubertät bei Jungen“ zeigt einen kleinen Jungen und einen Jugendlichen, beide in Boxershorts und hat zum Ziel, die unterschiedlichen Phasen im Verlauf der körperlichen Entwicklung zu veranschaulichen.

Bemerkenswert sind die Kapitel zu „sexuell grenzüberschreitenden Verhaltensweisen und psychosexuellen Problemen“. Dabei geht es neben der sexuellen Belästigung und dem sexuellen Missbrauch auch um abweichendes Sexualverhalten und übrige psychosexuelle Probleme wie sexuelle Unzufriedenheit, Schmerzbeschwerden, übermäßige Beschäftigung mit der Sexualität oder sexuelle Aversion.

Wichtig ist das Kapitel über das Phänomen der sogenannten „Loverboys“ und der „vermeintlichen Freunde“. Ein „Loverboy“ ist ein Mann, der mit einem Mädchen aus dem Grund eine Liebesbeziehung eingeht, um sie daraufhin zur Prostitution zu zwingen und auszubeuten. Das Mädchen wird emotional abhängig gemacht und von Freunden und Familie abgeschirmt. Eine niederländische Untersuchung aus 1998 ergab, dass 2000 Mädchen in der Jugendprostitution arbeiteten und man nimmt an, dass die Hälfte dieser Mädchen von „Loverboys“ angeworben wurde. (S. 200). Erfahrungsgemäß sind Mädchen, die eine geistige Behinderung oder psychische Schwierigkeiten haben leicht zu beeinflussen, auch Mädchen aus dem autistischen Spektrum sind potentielle Opfer. Deshalb ist präventive Aufklärung extrem wichtig. Vertiefende Informationen findet man unter www.no-loverboys.de oder www.eilod.de

Beide Bücher haben einen starken Praxisbezug und sind auch außerhalb von Klinik oder Therapie einsetzbar (anders als viele andere exklusive Trainings, die in den letzten Jahren zum Autismus Spektrum herausgegeben wurden). Endlich Literatur, die diese Themen grundlegend angeht und dazu einen Leitfaden für ein Training entwickelt hat, sodass mit den Heranwachsenden die wahren Probleme zum Thema gemacht werden! Kinder und Jugendliche aus dem autistischen Spektrum haben aufgrund oft fehlender altersentsprechender Sozialkontakte wenig Möglichkeit, sich mit Gleichaltrigen über pubertätsspezifische Themen auszutauschen. Es liegt in der Natur der Sache, dass Erwachsene/Eltern nicht unbedingt die geeigneten Ansprechpartner sind. Nicht selten herrscht bei ihnen Unklarheit und Scham vor, wenn es um diese Themen geht. Die Aussage „DAS macht man nicht“ ist nicht geeignet, um zu verstehen, was konkret gemeint ist. Verhalten im Zusammenhang von Sexualität ist von vielen sozialen Regeln begleitet. Sie werden oft nicht explizit ausgesprochen, die meisten Menschen wissen, was gemeint ist. Dazu gehört das Gefühl von Scham, Körperzonen anderer Menschen, die man nicht berühren darf oder heikle Gesprächsthemen. Es kommt auf den Kontext an, in dem man über bestimmte Themen wie Genitalien, Brüste, Erektion etc. sprechen kann und wann nicht. Menschen aus dem autistischen Spektrum haben es schwerer den Kontext zu erfassen, damit fehlen ihnen wichtige Informationen zur Verhaltenssteuerung. In meinen Beratungen erlebe ich häufig, dass das Bewusstsein fehlt, diese Themen fortlaufend gezielt anzusprechen und alle Fragen bzw. Verhaltenshinweise ernst zu nehmen. Welche Haltung dabei förderlich ist wird im Abschnitt zur Rolle der Trainerperson angesprochen.

Den Jugendlichen bleibt dann oft nur das Internet, dass aber nicht immer ein guter Ratgeber ist. Die Übersetzung und Herausgabe dieser beiden Bücher rückt die Pubertät als zentraler Lebensabschnitt auf dem Weg ins Erwachsenenleben ins Bewusstsein. Die Art der praxisbezogenen Aufbereitung in Form von Schritt für Schritt Lektionen eröffnet die Möglichkeit, dass diese Trainings in das Repertoire der Pädagogik und Praxisbegleitung außerhalb von Therapie aufgenommen werden kann. Der Autismusverlag hat mit der Herausgabe dieser Bücher mal wieder seine Nähe zu zentralen Themen von und für Menschen aus dem Autismus Spektrum gezeigt und es ist zu hoffen, dass noch zahlreiche Bücher dieser Art verlegt werden.

Fazit

Dieses Handbuch „Psychosexuelle Entwicklung bei Jugendlichen mit Autismus“ richtet sich an die zu betreuenden Pädagogen/Sozialarbeiter und gibt Hintergrundinformationen rund um die sexuelle Entwicklung bei Menschen mit Autismus und erläutert Probleme, die in der Pubertät zusätzlich zu den Besonderheiten in der Wahrnehmungsverarbeitung und im Denken auftauchen können wie Freundschaften zu knüpfen und zu pflegen sowie angemessene (sexuelle) Beziehungen zu leben. Es wird durch eine CD Rom mit den verwendeten Materialien ergänzt.

Arbeitsordner und Handbuch sind in dem Training „Ich bin in der Pubertät“ entstanden, welches in Holland von einem interdisziplinären Team mit dem Ziel entwickelt wurde, Heranwachsende in dieser wichtigen Phase des Lebens zu unterstützen. Beide Bücher haben einen starken Praxisbezug und sind auch außerhalb von Klinik oder Therapie einsetzbar (anders als viele andere exklusiven Trainings, die in den letzten Jahren zum Autismus Spektrum herausgegeben wurden). Endlich Literatur, die diese Themen grundlegend angeht und dazu einen Leitfaden für ein Training entwickelt hat, sodass mit den Heranwachsenden die wahren Probleme thematisiert und bearbeitet werden können.

Die Erklärungen enden nicht mit Hinweisen zur Aufklärung in Bezug auf die körperliche Entwicklung oder der Verhütung bzw. dem Kinderwunsch. Das Buch greift auch Themen auf wie „vermeintliche Freunde“ und „Loverboys“ und scheut auch nicht davor zurück die Themen sexuell grenzüberschreitende Verhaltensweisen z.B. sexuelle Belästigung, sexueller Missbrauch und abweichendes Sexualverhalten sowie psychosexuelle Probleme wie z.B. sexuelle Unzufriedenheit, Schmerzbeschwerden, übermäßige Beschäftigung mit der Sexualität oder sexuelle Aversion anzusprechen.

Beide Bücher enthalten praxisbezogene Materialien zu diesen herausfordernden und spannenden Themen. Das Gesamtpaket kostet 62 Euro plus Versand, das ist eine gut angelegte Investition, durch die auch noch Arbeitsplätze für Menschen aus dem autistischen Spektrum geschaffen werden. Es gibt wenig lebens- und praxisnahe Literatur zum Thema psychosexuelle Entwicklungsbegleitung und Pubertät, diese Bücher sind herausragend!


Rezensentin
Dipl.-Päd. Petra Steinborn
Heilpraktikerin für Psychotherapie. Einrichtungsleitung in einer großen Ev. Stiftung in Hamburg-Horn und freiberuflich in eigener Praxis ABC Autismus tätig. Schwerpunkte: Herausforderndes Verhalten, Strategien der Deeskalation, Autismus, TEACCH, Erworbene Hirnschädigungen
Homepage www.abc-autismus.de
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Zitiervorschlag
Petra Steinborn. Rezension vom 12.07.2016 zu: Frieda Boudesteijn, Esther van der Vegt, Kirsten Visser, Nouchka Tick, Athanasios Maras: Psychosexuelle Entwicklung bei Jugendlichen mit Autismus. Das Training „ich bin in der Pubertät“. Autismusverlag Schweiz (St. Gallen) 2016. ISBN 978-3-0385200-6-1. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/20873.php, Datum des Zugriffs 24.07.2019.


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