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Thorsten Benkel (Hrsg.): Die Zukunft des Todes

Cover Thorsten Benkel (Hrsg.): Die Zukunft des Todes. Heterotopien des Lebensendes. transcript (Bielefeld) 2016. 350 Seiten. ISBN 978-3-8376-2992-7. D: 32,99 EUR, A: 34,00 EUR, CH: 43,70 sFr.

Kulturen der Gesellschaft, Band 15.
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Thema

Das Anliegen dieses interdisziplinären Sammelbands ist eine überblicksartige Darstellung aktueller Entwicklungen zum gesellschaftlichen Umgang mit dem Tod. Im Mittelpunkt der Betrachtung stehen zwei miteinander verwobene Perspektiven: eine zeitliche und eine räumliche. Zum einen geht es um die Zukunftsoffenheit sowie das damit verbundene Entwicklungspotenzial innerhalb des Spannungsfeldes von Tod und Gesellschaft. Zum anderen werden jene Formen der Verräumlichung von Sterben, Tod und Trauern betrachtet, die im Sinne Michel Foucaults als ‚Heterotopien‘ bezeichnet werden können. Anhand dieser beiden Fokussierungen werden unterschiedliche Thanatophänomene behandelt, wie der Friedhof, das Hospiz, Ordnungsamtbestattungen, Heimtierbestattungen, Totenmasken und Online-Friedhöfe.

Herausgeber

Dr. Thorsten Benkel ist Mitarbeiter am Lehrstuhl für Soziologie an der Universität Passau und betreibt seit 2011 gemeinsam mit Matthias Meitzler ein Forschungsprojekt zur „Friedhofssoziologie“.

Entstehungshintergrund

Die Entstehung dieses Sammelbands geht zurück auf einen interdisziplinär ausgerichteten Call for Papers, der gegen Ende des Jahres 2014 veröffentlicht wurde. Als thematische Schwerpunkte wurden nicht nur die Verräumlichung des Todes in der Gegenwartsgesellschaft im Allgemeinen, sondern auch die Vielfalt und kulturellen Positionen der Heterotopien des Sterbens und des Todes im Speziellen genannt. Gefördert wurde die Publikation durch die gemeinnützige Verbraucherinitiative Bestattungskultur Aeternitas e.V.

Aufbau und Inhalt

Der Sammelband gliedert sich in vier Teile:

Zunächst erfolgen durch den Herausgeber ein kurzes Vorwort sowie eine Einleitung zu den gegenwärtigen Problembereichen der Thanatosoziologie. Daraufhin folgen die vier Aufsätze umfassende Sektion „Sterbediskurse“ sowie die beiden Sektionen „Tod im Wandel“ und „Verräumlichungen“, die jeweils fünf Texte beinhalten.

Nachdem im Vorwort die thematische Fokussierung des Sammelbands auf die Zukunftsoffenheit und heterotopischen Aspekte im gesellschaftlichen Umgang mit Sterben, Tod und Trauer offengelegt werden, unterscheidet Thorsten Benkel in seinem einleitenden Beitrag zwei Körper der Toten: Der erste Körper ist der Organismus des Menschen, der institutionell eingerahmt „eine hochspezifische Karriere des Sichtbarkeitsverlusts“ (S. 23) durchläuft. Der zweite Körper ist hingegen ein Bewusstseinsphänomen, das in den Erinnerungen der Hinterbliebenen lebendig wird. Diese Art der postmortalen Fortexistenz entzieht sich jedoch dem Wissen der Verstorbenen und ist primär eine sich in Deutungskämpfen ausformende Angelegenheit der Hinterbliebenen. Da die persönliche Individualität zunehmend in den Vordergrund rückt, werden auch die Lebens- und Sterbewelten immer stärker miteinander verzahnt. Die Folge ist eine Pluralität, aber keineswegs eine Beliebigkeit der Bestattungsrituale: Es herrsche ein „Re-Konstruktionszwang gesellschaftlicher Angebote und Leistungen unter der Regie des auf sich selbst zurückgeworfenen Subjekts“ (S. 35).

Das erste Kapitel widmet sich unterschiedlichen Sterbediskursen. Hierzu beschreibt Peter Fuchs aus systemtheoretischer Sicht, wie die ‚Angst zum Tode‘ in der funktional ausdifferenzierten Gesellschaft bearbeitet wird. Der Tod werde gesellschaftlich nicht verdrängt, sondern in der polykontexturalen Moderne als „Letztontologie“ (S. 48) aus verschiedenen Perspektiven heraus beobachtet. Hierbei zeigt der Autor gesellschaftliche Narrationen auf, für die der Tod eine Voraussetzung darstellt. So benötigt die (Auto-)Biographie den Tod, um ein Leben ‚abschließend‘ erzählen zu können. Ebenso sei auch die Benennung des Sterbeprozesses nur rückwirkend vom Tod her zu denken.

Stephanie Stadelbacher und Werner Schneider zeigen, dass im ‚Zuhause‘ als Sterbeort „der Einzelne auch über Definitions-, Gestaltungs- und Beziehungsmacht verfügt“ (S. 68). Es bildet einen Gegenraum zu anderen Sterbeorten, dessen konkrete Ausprägung sich jedoch erst aus der Logik des Sterbens ergibt. Sobald die Aspekte der Emotionalität, Intimität, Autonomie und Selbstbestimmung überwiegen, sei das Zuhause eine „Normalisierungsheterotopie“. Wenn jedoch die Logik der institutionalisierten Sterbearbeit überwiegt, dann sei es eine „Krisenheterotopie“, in der der Prozess des Sterbens als eine existenzielle Erfahrung erscheint.

Demgegenüber beschreibt Doris Lindner das Hospiz als eine Krisenheterotopie par excellence, in der die ‚Lebenskrise Sterben‘ an Bedeutung gewinnt, die Sterbepraxis durch institutionelle Handlungsorientierungen und -strategien konstituiert wird und zu der nur Sterbende und ihre Angehörigen Zugang haben. Es sei ein Ort der Heterochronie, in dem der Sterbeprozess nicht zukunftsorientiert, sondern aus einer rückschauenden, das Leben bilanzierenden Perspektive bewertet wird. Hierbei entfalte das Hospiz auch eine kompensatorische Wirkung, da der Sterbeprozess „‚außerhalb‘ als ungeordnet, wirr oder missraten (in der Regel ‚unwürdig‘) gezeichnet wird, um im Inneren einen Raum außergewöhnlicher Ordnung und Kontrolle von Handlungen, Menschen und Dingen einkehren zu lassen“ (S. 98).

Birgit Richard und Birte Svea Philippi untersuchen die jugendliche (Selbst-)Darstellung als toter Körper am Beispiel der Fotocommunity flickr.com. Diese Bilder beschreiben die beiden Kunstpädagoginnen als „die maximale artistische Perfektion eines Reenactment des Todes“ (S. 125), das sich zunehmend zu einem popkulturellen Phänomen entwickelt. Die Autorinnen stellen eine Typologie der Todes(selbst)darstellung auf, anhand der sie genderspezifische Ausprägungen deutlich machen: „Während bei flickr die totspielenden jungen Frauen überwiegend als schön, nackt und dekoratives Objekt gezeigt werden, ist der männliche Körper ein gemarterter“ (S. 115).

In der Sektion Tod im Wandel untersucht Matthias Meitzler zunächst – ausgehend von Ulrich Becks Individualisierungsthese – den Wandel zeitgenössischer Friedhöfe in Zentraleuropa. Hierbei schließt er in seinen Kerngedanken an die einführenden Ausführungen von Thorsten Benkel an: Analog zu den oben erwähnten zwei Körpern unterscheidet der Autor zwei Gräber der Toten. Das erste Grab bezeichne jene der Sichtbarkeit entzogene Stelle, an der der tote Organismus aufbewahrt wird, während das zweite Grab den sicht- und gestaltbaren Teil meint, wie die Graboberfläche oder die Urnenwand. Letzteres sei der primäre Austragungsort der ‚postexistenziellen Existenzbastelei‘, die als ein fremdinszenierender Akt der Lebenden beschrieben werden könne. Anstelle von einer Individualität der Grabanlagen könne jedoch nur von einer „Inszenierung einer Vorstellung von Individualität“ (S. 157) gesprochen werden, da die Gestaltung der Ruhestätten beispielsweise durch Friedhofssatzungen oder durch die Darstellung der verstorbenen Person als Mitglied einer bestimmten Gemeinschaft eingeschränkt werde.

Anschließend schildert Norbert Wichard anhand der katholischen Kirche und ihrer Praxis in Nordrhein-Westfalen, inwiefern sich in Sozial- und Ordnungsamtbestattungen sowohl juristische bzw. gesellschaftliche als auch kirchlich-religiöse Diskurse wiederfinden lassen. Aus katholischer Sicht sind anonyme Bestattungen – ein regelmäßiger Fall der Ordnungsamtbestattungen – als kritisch zu betrachten, da die Kirche zum einen die namentliche Nennung der Verstorbenen am Grab und zum anderen das Beisein der Gemeinde bei der Beisetzung für notwendig erachtet und nachhaltig befürwortet. Die kirchlichen und staatlichen Akteure müssten sich deshalb besser vernetzen, um im Hinblick auf den Einzelfall gegebenenfalls andere Formen als die der anonymen Bestattung zu wählen.

Dirk Preuß nähert sich in seinem Beitrag der Thematik der Heimtierbestattung aus Sicht der Theologie. Hierfür zeichnet er zunächst die historische Entwicklung des Tierfriedhofs nach und zeigt auf, dass auch diese Ruhestätte als Heterotopie bezeichnet werden kann. Aufgrund des betriebenen Aufwands für Tierbestattungen mag der Tierfriedhof als ein Ort ‚ehrlicher Trauer‘ und „im Vergleich zum Humanfriedhof vielleicht sogar als der ‚authentischere‘ Ort erscheinen“ (S. 188). Der Autor verweist darauf, dass auf dem Tierfriedhof zum einen durch das Nebeneinander von ‚Hund und Katz?‘ eine gewaltfreie Sicht der Mensch/Tier- bzw. Tier/Tier-Beziehung umgesetzt werde und zum anderen Herrschaftsmuster zwischen Tier und Mensch aufgehoben werden. Der Tierfriedhof diene darüber hinaus als Spiegel klassischer Formen der Humanbestattung und als ein Ort der Einübung von Trauerritualen bzw. des Umgangs mit dem Tod.

Kathleen Warnhoff zeichnet in ihrem Beitrag vor allem Jean Baudrillards Überlegungen zum Tod nach. Hierbei geht sie nacheinander auf den archaischen Tod, den Tod in der Moderne sowie den fraktalen Tod ein. Dabei hält sie fest, dass Baudrillards Kerngedanken zwar gegenwärtig noch plausibel erscheinen, jedoch nur geringfügig rezipiert werden. Vor dem Hintergrund ökonomischer Zwänge sowie im Rahmen einer digitalen und medialen Bilderflut des Todes seien seine Ausführungen für einen sinnvollen Zukunftsdialog nicht ausreichend.

Am Ende der zweiten Sektion zeigt Susanne Regener, wie die Totenmaske im 15. Jahrhundert noch ein Hilfsmittel zur Anfertigung von Effigies war und sich um 1800 „zu einem selbstständigen Objekt“ (S. 241) wandelte, bei dem die Erinnerungsfunktion und somit auch die Frage nach Authentizität in den Vordergrund rückten. Ihr Interesse gilt dann im Speziellen der Totenmaske von Verbrechern: Diese diente im 19. Jahrhundert einerseits als Beweismittel für die hinter den Gefängnismauern stattgefundenen Hinrichtungen und andererseits als „ein Studienobjekt der Klassifikation“ (S. 258) zu Ausbildungszwecken angehender Kriminalisten.

Unter der Überschrift Verräumlichungen widmet sich die letzte Sektion des Sammelbands unterschiedlichen Bestattungs- und Erinnerungsorten. Hierbei beschreibt Norbert Fischer den Wandel in der Friedhofslandschaft als eine „gesellschaftliche, kulturelle und räumliche Partikularisierung“ (S. 264), in der sich die sepulkralen Muster der veränderten Lebenswelt widerspiegeln. Bezeichnend seien eine Individualisierung, Flexibilisierung und Exterritorialisierung. Diese ‚Entfesselung‘ des Friedhofs veranschaulicht der Autor, indem er nacheinander auf die Entwicklung des modernen Friedhofs, das Aufkommen naturnaher Friedhofsanlagen, Ruhestätten bestimmter sozialer Gruppen sowie auf das ‚public mourning‘ und die digitale Erinnerungskultur eingeht.

Barbara Happe geht in ihrem Beitrag der Frage nach, ob im Rahmen zeitgenössischer Bestattungsformen noch von Heterotopien oder nicht doch eher von Atopien gesprochen werden kann. Der Friedhof werde zum Beispiel als Erholungsort in den Alltag integriert und aufgrund der ansteigenden Zahl anonymer Bestattungen zunehmend konturlos. Zwar bleibe dieser Raum als Zeichensystem erhalten, demgegenüber falle aber das Grab als materieller Zeichenträger vermehrt weg und wandele sich zu einem ‚Nicht-Ort‘. Am Beispiel der Seebestattung und des Friedwalds macht die Autorin deutlich, wie sich der Ort und die Markierungen des Grabes verflüchtigen.

Nicole Sachmerda-Schulz untersucht die Zunahme anonymer Bestattungen sowie deren individuelle Ursachen anhand 21 offener Leitfadeninterviews. Die anonyme Bestattung sei zum einen Ausdruck einer Enttraditionalisierung und Individualisierung, zum anderen aber auch eng mit einer Entindividualisierung verknüpft, da der Verweis auf den individuellen Beisetzungsort entfalle. Nachdem die Autorin näher auf die einzelnen Beweggründe der Interviewten für die Wahl einer anonymen Bestattung eingeht, verweist sie auf die Konflikte, die zwischen der Friedhofs- bzw. Forstverwaltung und den Angehörigen entstehen, wenn Letztere versuchen, anonyme Grabanlagen zu ‚individualisieren‘.

Julia Böcker beleuchtet aus kultursoziologischer Perspektive die Verräumlichung der Trauer im Rahmen des Sterbens von Ungeborenen. Hierbei zeigt sie, wie der teilweise sozial nicht anerkannte Verlust durch prä- und perinatalen Tod von Akteurinnen und Akteuren im Raum sichtbar gemacht wird. Explizit geht die Autorin auf drei Räume geteilter Trauer ein: Online-Foren, Selbsthilfegruppen und Betroffenen-Initiativen. Zudem zeigt sie, wie die Platznahme auf Friedhöfen „den umstrittenen Status der Ungeborenen“ (S. 329) transformiert und diese nun „als ‚geliebt‘ bzw. ‚gewollt‘, als ‚zu früh verstorben‘ und damit als ‚bereits vorhanden‘ adressiert werden“ (S. 329).

Den Abschluss bildet Anke Offerhaus´ Beitrag zur wechselseitigen Bedingtheit technischer Infrastrukturen und sozialer Aneignungsweisen auf Online-Friedhöfen. Diese seien einerseits durch die technischen Zugriffsmöglichkeiten und die damit verbundenen programmierten Automatismen strukturiert. Andererseits generierten sie sich im Zeitpunkt der Anwendung als sozialer Raum. Basierend auf einer qualitativen Inhaltsanalyse eines Online-Friedhofs sowie auf Leitfadeninterviews mit Nutzerinnen und Nutzern zeigt die Autorin, dass virtuelle Grab- und Erinnerungsstätten raum- und zeitunabhängig einen individuellen Ausdruck von Trauer ermöglichen. Dabei bilden sie einen alternativen sozialen Raum gegenüber der Kirche und der Familie, durch dessen technische Bedingtheit die Handlungsweisen der Trauerkultur erweitert werden.

Diskussion und Fazit

Der vorliegende Sammelband erhebt den Anspruch, die gegenwärtigen Entwicklungen des gesellschaftlichen Umgangs mit dem Tod überblicksartig nachzuzeichnen und zur Diskussion zu stellen – in Rücksicht darauf, „dass die Zukunft des Todes immer wieder neu skizziert werden kann bzw. muss“ (S. 8). Dem wird dahingehend Rechnung getragen, dass durch die Lektüre des gesamten Buches unterschiedliche soziale Prozesse offengelegt werden, die derzeit das Spannungsfeld zwischen Tod und Gesellschaft konstituieren. Die Bearbeitung der beiden Schwerpunkte des Bandes ist dabei differenziert zu betrachten:

Die Frage nach der Zukunftsoffenheit und insbesondere dem Entwicklungspotenzial des gegenwärtigen Bestattungswesens wird zwar nicht explizit beantwortet, jedoch liefern die Beiträge dem Leser durch die facettenreiche historische Rekonstruktion einzelner Thanatophänomene ein umfassendes Bild auffindbarer Prozesslinien. Eindeutige und aufschlussreiche Überlegungen zu diesem Themenkomplex finden sich zum Beispiel in den Beiträgen von Thorsten Benkel, Matthias Meitzler, Norbert Fischer sowie Stephanie Stadelbacher und Werner Schneider. Die ‚Zukunft des Todes‘ erscheint darin nicht nur als zunehmend an das Individuum geknüpft und riskant, sondern auch als immer stärker mit der Welt der Lebenden verflochten.

Demgegenüber wird dem Schwerpunkt der Heterotopien im Kontext des Todes tendenziell nur oberflächlich und insgesamt unzureichend nachgegangen. Dem Leser werden am Beispiel des Human- und Tierfriedhofs, des Hospizes, des Grabes, des Zuhauses als Sterbeort sowie des Online-Friedhofs zwar detaillierte Ausführungen zu jenen ‚anderen Räumen‘ dargeboten. Jedoch erscheint erstens die Auswahl der entsprechenden Räume als zu gering, um der Vielfalt der Heterotopien des Lebensendes gerecht zu werden. So fehlen beispielsweise mit der Trauerhalle, dem Krematorium, der Pathologie und der Sterbestation wichtige Räume der gegenwärtigen Bestattungskultur. Und zweitens findet in keinem der Beiträge eine originäre Weiterbearbeitung des Konzeptes der Heterotopie statt. Vielmehr stützen sich die Autorinnen und Autoren auf die Vagheit der Ausführungen von Michel Foucault und deklinieren die heterotopischen Merkmale lediglich an ihrem jeweiligen Untersuchungsgegenstand durch.

Der Sammelband profitiert vor allen Dingen von der oft detailreichen Beschreibung der jeweiligen Untersuchungsgegenstände. Aufgrund der vielzähligen Beispiele sowie der größtenteils leserfreundlichen Sprache sind die meisten Texte selbst für soziologisch und thanatologisch uninformierte Leser sehr zugänglich. Eine Ausnahme bildet der systemtheoretische Duktus von Peter Fuchs, der höhere Lektüreansprüche stellt und wohl insbesondere für Nichtsoziologen schwer zugänglich ist. Die Gliederung des Buches erscheint bei näherer Betrachtung wenig systematisch und zielführend, da sich die Themen ‚Sterbediskurse‘, ‚Tod im Wandel‘ und ‚Verräumlichungen‘ letztendlich in fast allen Beiträgen wiederfinden lassen. Dennoch bildet der vorliegende Sammelband einen gelungenen Einstieg in das Themenfeld und eine gewissenhafte Auseinandersetzung mit den thanato(sozio)logischen Überlegungen zum Raum im Allgemeinen und zu der Heterotopie im Speziellen. Bewanderte Leser kommen ebenfalls bei der Lektüre auf ihre Kosten, auch wenn einige Kerngedanken bereits von den Autorinnen und Autoren an anderer Stelle veröffentlicht wurden.

Insgesamt liefert Thorsten Benkel mit diesem Sammelband nicht nur zahlreiche Weiterführungen der bisherigen Fachliteratur zu Sterbe-, Todes- und Trauerräumen, sondern darüber hinaus auch ein Buch, das selbst wiederum eine Vielzahl an Anschlussmöglichkeiten für weitere Forschungen liefert.


Rezensent
Ekkehard Knopke
M.A., Wissenschaftlicher Mitarbeiter Bauhaus-Universität Weimar Lehrstuhl Mediensoziologie
Homepage www.uni-weimar.de/de/medien/professuren/mediensozio ...
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Zitiervorschlag
Ekkehard Knopke. Rezension vom 25.11.2016 zu: Thorsten Benkel (Hrsg.): Die Zukunft des Todes. Heterotopien des Lebensendes. transcript (Bielefeld) 2016. ISBN 978-3-8376-2992-7. Kulturen der Gesellschaft, Band 15. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/20895.php, Datum des Zugriffs 15.12.2017.


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