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Friedhelm Henke, Christian Horstmann: Pflegeplanung exakt formuliert und korrigiert

Cover Friedhelm Henke, Christian Horstmann: Pflegeplanung exakt formuliert und korrigiert. Praktische Arbeitshilfen für Lehrende und Lernende unter Berücksichtigung der LA, ATL, A(B)EDL und Themenfelder der SIS zum Übergang in die vereinfachte (entbürokratisierte) Pflegedokumentation. Kohlhammer Verlag (Stuttgart) 2016. 4., überarbeitete und erweiterte Auflage. 176 Seiten. ISBN 978-3-17-029072-3. D: 19,00 EUR, A: 19,60 EUR, CH: 27,50 sFr.
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Autoren

Henke Friedhelm, Gesundheits- und Krankenpfleger, Lehrer für Pflegeberufe, Multiplikator der Bundesregierung zur Entbürokratisierung der Pflegedokumentation, Dozent in der Aus- und Weiterbildung

Horstmann Christian, Gesundheits- und Krankenpfleger, Diplom-Berufspädagoge, Schulleiter an der Lippstädter Akademie für Pflege und Gesundheit in der ESTA-Bildungswerk gGmbH in Lippstadt, Dozent in der Aus- und Weiterbildung

Thema und Zielsetzung

Die Pflegedokumentation ist ein oft beklagtes, weil zeitfressendes Thema im Bereich der muralen Pflege sowie insbesondere der mobilen und stationären Altenbetreuung und -pflege. Im Buch zeigen die beiden Autoren einen Weg auf, wie der Pflegeprozess entbürokratisiert werden kann. Vielversprechend klingt dabei ein (pflege-)prozessorientiertes Training als unabdingbare Voraussetzung.

Aufbau und Inhalt

Die allgemeinen Grundlagen zur Pflegeplanung werden im ersten Kapitel dargestellt.Ausgangspunkt sind die drei Bestandteile des Pflegeprozesses: Problemlösungsprozess, Beziehungsprozess und Dokumentation. Zudem startet das Buch mit dem Thema „Pflegeplanung“, da damit ein zielorientiertes, systematisches, strukturiertes und damit logisches Handeln ermöglicht wird. Dabei ist den Autoren eine einheitliche Sprache ein Anliegen, da damit Pflege transparenter wird. Zudem zielt der Ansatz auf die weitmögliche Einbeziehung der PatientInnen und somit auf eine Individualisierung der Pflege ab. Eine standardisierte Pflegeplanung ist somit Ausdruck der Professionalität und Qualität der Pflege- und Betreuungsleistungen. Schließlich wird das gängige Modell der Pflegeplanung („Die 6 Schritte des Pflegeprozesses“) abgearbeitet. Auch die Biografie nimmt in diesem Modell (noch) einen besonders prominenten Platz ein. Im zweiten Prozessschritt gilt es die Ressourcen und Pflegeprobleme zu erfassen, was tunlichst mit der gleichen Sprache bzw. Formulierung erfolgen soll. Basis dafür sind Modelle, die die Lebensaktivitäten beschreiben. Damit ist die Basis gelegt, dass Pflegeziele festgelegt werden können. Daran anschließend können Pflegemaßnahmen formuliert und nach den 6W begründet werden. Dabei werden Hilfestellungen nach Kategorien der Pflegebedürftigkeits-Richtlinien des Sozialgesetzbuches XI formuliert. Im fünften Schritt werden die Pflegemaßnahmen durchgeführt, wobei der Formulierung des Pflegeverlaufs großes Augenmerk geschenkt wird. Es gilt wertende Formulierungen zu unterlassen und beobachtbares Verhalten festzuhalten. Im sechsten Pflegeprozess-Schritt erfolgt dann die Evaluation des vorher geplanten und dann beobachteten Pflegefortschritts. Im letzten Punkt dieses Kapitels gehen die Autoren auf die entbürokratisierte Form der Pflegedokumentation ein, wobei die Dokumentation des Pflegeaufwands einerseits und die vereinfachte Dokumentation bis hin zum Wegfall der Dokumentation von Routinetätigkeiten und Selbstverständlichkeiten besonders hervorzuheben sind. Es wird dabei das Ziel verfolgt die Dokumentation des Zeitaufwandes zu minimieren, wobei dies rechtlich einwandfrei sein muss. Dabei greifen die Autoren auf das WHO-Modell der strukturierten Informationssammlung zurück. Dieses hat sechs Kategorien:

  1. Kognition und Kommunikation
  2. Mobilität und Beweglichkeit
  3. Krankheitsbezogene Anforderungen und Belastungen
  4. Selbstversorgung
  5. Leben in sozialen Beziehungen
  6. Haushaltsführung bzw. Wohnen

Darauf aufbauend werden die 6 Planungsschritte von der Informationssammlung bis zur Evaluierung für das entbürokratisierte Modell in 4 Planungsschritten zusammengefasst:

  1. Strukturierte Informationssammlung
  2. Individuelle Maßnahmenplanung
  3. Verlaufsbericht
  4. Evaluierung

Diese sehr logisch nachvollziehbaren Begründungen werden auf 33 Seiten sehr strukturiert dargeboten, sodass im zweiten Kapitel ein etappenweises Training zur Formulierung und Korrektur der Pflegeplanung aufsetzen kann – dies als zentrales Element einer entbürokratisierten Pflegedokumentation. Hier wird sehr anschaulich mit Beispielen gearbeitet. Zunächst geht es um die Formulierung von Ressourcen, Pflegeaktivitäten, Pflegezielen und Pflegemaßnahmen. Dem folgen eine Vielzahl von „falsch formulierten“ Beispielen zusammen mit Lösungsvorschlägen am Ende des Kapitels.

Im dritten Kapitel bieten die Autoren dann Aufgaben an, die vom Lehrpersonal mit den SchülerInnen absolviert werden können. Dies reicht von offenen Aufgaben, über Lückentext, und Multiple-Choice-Aufgaben bis hin zu einem Rätsel und Strukturlegeverfahren. Insgesamt eine recht bunte Mischung bis hin zu handlungsorientierten Aufgaben als Angebot und Ideengeber für Lehrende.

Im vierten Kapitel sind Beispiele zum spielerischen Wiederholen von Elementen der Pflegedokumentation, ein Fragenkatalog mit Antworten sowie ein Spiel zur Pflegedokumentation enthalten. Insgesamt eine Fülle kreativer Anregungen.

Im fünften Kapitel werden Beispiele zur Pflegeplanung dargestellt, die das Anliegen entbürokratisierten Pflegeplanung mit juristischer Sicherheit transparent werden lassen.

Fazit

Insgesamt geben die Autoren einen recht fundierten Einstieg in der gebotenen Kürze. Dieser bildet dann auch die Informationsgrundlage für die nachfolgenden Vorschläge für Formulierungstrainings für eine entbürokratisierte Pflegedokumentation. Die Standardisierung der Formulierungen wird hier sehr nachvollziehbar als profunde Hilfestellung für eine nachvollziehbare Pflegedokumentation vorgestellt. Eine darauf zurückgreifende Pflegedokumentations-Software scheint vielversprechend, so ferne auch für die Individualität der Pflege Platz bleibt. Insgesamt bedarf es jedenfalls des Trainings zur sicheren Formulierung.


Rezensent
Prof. Dr. Paul Brandl
Studiengang Sozial- und Verwaltungsmanagement (SVM). Masterstudiengang Services of General Interest (SGI). Koordinator des Studiengangs Sozialmanagement. FH OÖ-Studienbetriebs GmbH, Campus Linz
Homepage www.fh-ooe.at
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Zitiervorschlag
Paul Brandl. Rezension vom 24.06.2016 zu: Friedhelm Henke, Christian Horstmann: Pflegeplanung exakt formuliert und korrigiert. Praktische Arbeitshilfen für Lehrende und Lernende unter Berücksichtigung der LA, ATL, A(B)EDL und Themenfelder der SIS zum Übergang in die vereinfachte (entbürokratisierte) Pflegedokumentation. Kohlhammer Verlag (Stuttgart) 2016. 4., überarbeitete und erweiterte Auflage. ISBN 978-3-17-029072-3. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/20900.php, Datum des Zugriffs 20.10.2017.


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