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Rassismus begreifen

Rezensiert von Dipl.-Päd. Dr. Jos Schnurer, 28.06.2005

Cover Rassismus begreifen ISBN 978-3-938081-10-5

Rassismus begreifen. Was ich immer schon über Gewalt und Rassismus wissen wollte. biblioviel Verlag (Bochum) 2004. 96 Seiten. ISBN 978-3-938081-10-5. 5,80 EUR.
In Zusammenarbeit von Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK).

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In der Unterschiedlichkeit und Vielfalt liegt das Gemeinsame

Praktiker aus der schulischen und außerschulischen Kinder- und Jugendbildung greifen gerne zu Arbeiten, die mit und von Jugendlichen gemacht werden; vor allem, wenn es um Fragen geht, die das kulturelle und interkulturelle Zusammenleben von jungen Menschen in unserer Gesellschaft diskutieren. Die Herausgeber des hier rezensierten Heftes scharen sich um eine Initiative, die sich im Haus Villigst, im Amt für Jugendarbeit der Evangelischen Kirche von Westfalen, vor Jahren gebildet hat und mittlerweile ein stattliches Netz von Initiativen bildet, wie z. B. der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland, dem Zentralrat der Juden in Deutschland, dem Zentralrat der Muslime in Deutschland, der Ausländerbeauftragten des Landes Brandenburg, der Arbeitsgruppe SOS-Rassismus NRW, der Aktion Courage - SOS Rassismus / Schule Ohne Rassismus, der Verband Christlicher Pfadfinderinnen und Pfadfinder, u.a. Die Handreichungen der Initiative, wie z. B. "Schule ohne Rassismus. Ideen, Projekte und Erfahrungen...", "Spiele, Impulse und Übungen zur Thematisierung von Gewalt und Rassismus..." und "Die schärfsten Rätsel aus dem Orient für 1001 Nacht", alle 1996, sind wahre Fundgruben auf der Suche nach einer praktischen, antirassistischen Bildung und Erziehung. In diese reiht sich das neue Heft "Rassismus" ein.

Inhalt

Über den Umgang mit "Minderheiten, Mehrheiten und soziale Identitätsprozesse", als schulische und außerschulische Perspektiven für eine antirassistische Pädagogik, wird mittlerweile im didaktischen, curricularen und gesellschaftlichen Diskurs zum Glück intensiver nachgedacht (vgl. dazu die Rezension zu Silke Schuster). Karin Priester erinnert in ihrem Buch "Rassismus. Eine Sozialgeschichte" (vgl. dazu die Rezension ) daran, dass Rassismus auf den Willen zur Vorherrschaft beruhe, mit Unschärferelationen operiere und an die Ängste, die durch den sozialen Wandel ausgelöst werden, appelliere. "Rassismus und Gewalt entwickeln sich vor allem dort, wo auf dem Hintergrund ungerechter Lebensverhältnisse die einen ihren Vorteil durch Herrschaft, Machtmissbrauch, Ausgrenzung, Abwehr und Diskriminierung schützen wollen und andere ihr Recht auf Teilhabe einfordern", so macht die Arbeitsgruppe SOS-Rassismus NRW mit Ralf-Erik Posselt ihre Position deutlich. In einer Art sach- und themenorientiertem Lexikon, das Kinder und Jugendliche direkt ansprechen will, werden die vielfältigen Fragen und Problembereiche beim gesellschaftlichen Umgang mit Rassismen, Fremdenfeindlichkeit, Stereotypen, Vorurteilen und Gewalt in einfachen, eingängigen Texten behandelt, nicht mit dem Zeigefinger, bei dem ja bekanntlich, wenn man ihn gegen andere ausstreckt, drei Finger auf sich selbst weisen, sondern behutsam und im Bewusstsein, dass es "schwierig ist, nicht rassistisch zu sein" (Anita Kalpaka / Nora Räthzel). Die Arbeitsgruppenmitglieder, die das Heft, wie sie deutlich machen, erst einmal für sich selbst geschrieben haben, lassen sich dabei von zwei Prinzipien leiten: Reflektieren und bewusst Agieren. Sie zeigen auf, dass Widerstand gegen gewalttätiges und rassistisches Denken und Handeln gelernt und eingeübt werden kann, gemeinsam mit Gleichgesinnten und mit Hilfe von Experten. Interkulturelles Lernen und Interkulturelle Kompetenz sind die beiden Zugangstore zu einem friedlichen, humanen und demokratischen Miteinander. Dafür gibt es keine Rezepte und fest gefügte Handlungsanweisungen; vielmehr kommt es darauf an zu erkennen, dass "Rassismus begreifen" bei jedem einzelnen anfangen muss, um sich als Haltung mit anderen Menschen zusammen zu festigen. "Dabei wirst du merken, dass es nicht reicht, nur zu sagen, was Du nicht willst. Du wirst auch sagen und zeigen müssen, warum es sich lohnt, ein friedliches, offenes, menschliches Klima in unserer Gesellschaft zu entwickeln".

Fazit

Das Handbuch gehört in jede Schul- und Klassenbücherei, genau so wie in die Handapparate in der außerschulischen Jugendarbeit.

Rezension von
Dipl.-Päd. Dr. Jos Schnurer
Ehemaliger Lehrbeauftragter an der Universität Hildesheim
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Es gibt 1564 Rezensionen von Jos Schnurer.

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Zitiervorschlag
Jos Schnurer. Rezension vom 28.06.2005 zu: Rassismus begreifen. Was ich immer schon über Gewalt und Rassismus wissen wollte. biblioviel Verlag (Bochum) 2004. ISBN 978-3-938081-10-5. In Zusammenarbeit von Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK). In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/2091.php, Datum des Zugriffs 27.01.2023.


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