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Tanja Brandl: Kindliches Lernen und pädagogisches Handeln im Kindergarten

Cover Tanja Brandl: Kindliches Lernen und pädagogisches Handeln im Kindergarten. Subjektive Theorien angehender Kindheitspädagoginnen und Kindheitspädagogen. Logos Verlag (Berlin) 2016. 344 Seiten. ISBN 978-3-8325-4202-3. 42,50 EUR.
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Thema

In der vorliegenden Dissertation von Tanja Brandl, angenommen an der philosophischen Fakultät und dem Fachbereich für Theologie der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, steht kindliches Lernen und pädagogisches Handeln im Elementarbereich im Vordergrund. Demnach thematisiert die Autorin mithilfe eines qualitativen Forschungsdesigns die subjektorientierten Ansätze zum Lernen und pädagogischen Handeln als Handlungsgrundlage angehender Kindheitspädagoginnen und Kindheitspädagogen. Das Herausarbeiten des implizierten Wissens und der individuellen Verständnisse der Befragten gelingt Tanja Brandl mithilfe des methodologischen Konzepts der subjektiven Theorien sowie dem Forschungsprogramm Subjektive Theorien (FST).

Die forschungsleitenden Fragestellungen der Dissertation werden in folgende drei Themenblöcke unterteilt:

1. Der Lernbegriff in der Biographie, in der Ausbildung und im Studium sowie in der Praxis:

  • Welche subjektiven Begriffe von kindlichem Lernen haben angehende Kindheitspädagoginnen und Kindheitspädagogen?
  • Welche Einflussfaktoren tragen zur Entstehung und zur Weiterentwicklung eines individuellen Lernbegriffs bei?
  • Welche Lernerfahrungen machen angehende Kindheitspädagoginnen und Kindheitspädagogen in ihrer Kindheit, im Lauf ihrer Berufsausbildung (Ausbildung und Studium) und welchen Stellenwert nehmen diese in der pädagogischen Praxis ein?

2. Das pädagogische Handeln in der Biographie, in der Ausbildung und im Studium sowie in der Praxis:

  • Wie erleben die Befragten pädagogisches Handeln in der eigenen Biografie und wie wirken sich die eigenen Erfahrungen auf das pädagogische Handeln aus?
  • Welche Chancen zur Weiterentwicklung des pädagogischen Handelns bieten Studium und Ausbildung?
  • Welche Aspekte bilden die pädagogische Basis im Berufsalltag und woran wird die Qualität pädagogischen Handelns festgemacht?

3. Bedeutung des eigenen Lernbegriffes für das pädagogische Handeln im Berufsalltag:

  • Worin unterscheiden sich die jeweiligen Lernbegriffe und Begriffe von pädagogischem Handeln und wie wirkt sich der Lernbegriff auf das Spektrum vom pädagogischen Handeln aus?

Zur Beantwortung der Fragestellungen wurden mithilfe einer Interviewstudie und anschließendem Struktur-Lege-Verfahren 14 angehende Kindheitspädagoginnen und Kindheitspädagogen zu ihren Erfahrungen, der subjektiven Bedeutung zu kindlichem Lernen und pädagogischem Handeln befragt (Brandl, 2016, S. 80f).

Autorin

Die Dipl. Pädagogin Tanja Brandl leitet die Fachakademie für Sozialpädagogik der Stiftung Hensoltshöhe in Gunzenhausen.

Aufbau und Inhalt

Die Dissertation umfasst inklusive der Verzeichnisse (Abkürzungs-, Abbildungs-, Tabellen- und Literaturverzeichnis) und Anhang (Informationsschreiben zur Studie, Kurzfragebogen sowie Interviewleitfaden) 336 Seiten. Die Inhalte verteilen sich auf 14 Kapitel.

Beginnend mit der Einführung, in der theoretische Zugänge, die Einflussfaktoren auf die Begriffsentwicklung von Lernen und pädagogischem Handeln und Aufbau der Forschungsarbeit thematisiert werden, nimmt die Autorin im ersten Kapitel das Lernen im Elementarbereich in den Fokus. Bestandteile sind demnach die Zugänge und Annahmen eines frühpädagogischen Lernbegriffs, Faktoren und Entwicklungslinien der Gestaltung von kindlichen Lernprozessen sowie die Bedeutung angehender Kindheitspädagoginnen und Kindheitspädagogen im kindlichen Lernprozess.

Das zweite Kapitel thematisiert wissenschaftliche Theorien (die konstitutiven Prinzipien pädagogischen Handelns nach Benner, die pädagogische Handlungstheorie nach Peukert und pädagogisches Handeln als kritisch-rationales Handeln nach Brezinka), um die innere Struktur pädagogischen Handelns und dessen Handlungsformen im Elementarbereich aufzuzeigen.

Um oft unbewusste und auf persönlichen Erfahrungen beruhende kognitive Überzeugungen beleuchten zu können, werden in Kapitel drei und vier unter Hinzuziehung des Forschungsprogramms Subjektive Theorien (FST), den Einflussfaktoren auf die Entwicklung des Lernbegriffs und des pädagogischen Handelns subjektive Theorien der Befragten rekonstruiert.

Das methodische Vorgehen der Dissertation wird in den Kapiteln fünf bis acht thematisiert. In Kapitel fünf werden die forschungsleitenden Fragestellungen der Datenerhebung auf der Basis des vorab ausgewerteten Forschungsstandes entwickelt. Mithilfe von grundlegenden wissenschaftstheoretischen und forschungsmethodischen Überlegungen wird in Kapitel sechs der empirisch-qualitative Ansatz, das Sample und deren Sampling, das Untersuchungsdesign sowie wissenschaftliche Gütekriterien vorgestellt. Die Durchführung der Studie ist neben der Entwicklung des Leitfadeninterviews, dem Heidelberger Struktur-Lege-Verfahren als Erhebungs- und Auswertungsverfahren und der Member-Check als zweite Form des Dialog-Konsens Bestandteil von Kapitel sieben. Im Zentrum von Kapitel acht steht das Vorgehen zur Datenauswertung; in unterschiedlichen Auswertungsschritten werden die subjektiven Theorien zum kindlichen Lernen und pädagogischem Handeln im Elementarbereich rekonstruiert. Mithilfe der zusammenfassenden Inhaltsanalyse in Anlehnung an Mayring (2015), der induktiven Kategorienbildung, der fallbezogenen und ebenso fallübergreifenden Analyse wird nicht nur das Kategoriensystem zur tabellarische Fallübersicht erweitert, sondern ebenfalls eine Strukturbildanalyse sowie eine Typenbildung zur Rolle angehender Kindheitspädagogen und Kindheitspädagoginnen beim kindlichen Lernen eingesetzt.

Erste Ergebnisse zu den subjektiven Theorien des Samples werden auf der Grundlage eines in die Studie einführenden Kurzfragebogens in Kapitel neun thematisiert.

Die zentralen Befunde der Studie sind Bestandteil von Kapitel 10 bis 13:

  • Kapitel 10: Darstellung der Inhalte zu subjektiven Theorien zum kindlichen Lernen und pädagogischem Handeln sowie deren Zusammenhänge.
  • Kapitel 11: Rekonstruktion von Zusammenhänge und Unterschiede mithilfe von Einzelfallinterpretationen, welche die Basis der Typenbildung darstellt.
  • Kapitel 12: Bündelung der Befunde zum kindlichen Lernen mithilfe der wissenschaftlich-theoretischen Ergebnisse, der Ergebnisse aus dem Fragebogen, der Interviews sowie des Strukturlegeverfahrens.
  • Kapitel 13: Zusammenfassende Interpretation der Ergebnisse zum pädagogischen Handeln im Elementarbereich

Im letzten Kapitel (Kapitel 14) gibt die Autorin eine Gesamtzusammenfassung der Studie und thematisiert darüberhinaus Anregungen für weitere Forschung, Ausbildung und Studium sowie für die pädagogische Praxis im Elementarbereich.

Diskussion und Fazit

Die Dissertation von Tanja Brandl ist eine sehr lesenswerte und erkenntnisreiche Arbeit und bietet dem Leser und der Leserin vielfältige Einblicke zum aktuellen Stand des kindlichen Lernens und dem pädagogischen Handelns. Insbesondere die ausführliche Analyse der subjektiven Theorien, deren Befunde zum impliziten Wissen und dem Ergebnis, das biographische Erfahrungen als handlungsleitend gelten und die Qualität im Elementarbereich beeinflussen ist ein wichtiger Appell für einen reflektierten Umgang mit Kindern im Elementarbereich. Damit richtet sich diese Forschungsarbeit an all jene, die innerhalb der Kindheitspädagogik mit Kindern, Jugendlichen, deren Eltern und Erziehungsberechtigten beruflich tätig sind sowie themeninteressierte Personen, wie Studentinnen und Studenten und Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler.


Rezensentin
Daniela Lambrecht
M.A., Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Bachelorstudiengang Erziehung, Bildung und Gesundheit im Kindesalter-Dual, Evangelische Hochschule Nürnberg, Doktorandin im Promotionskolleg „Bildung als Landschaft“
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Zitiervorschlag
Daniela Lambrecht. Rezension vom 16.11.2017 zu: Tanja Brandl: Kindliches Lernen und pädagogisches Handeln im Kindergarten. Subjektive Theorien angehender Kindheitspädagoginnen und Kindheitspädagogen. Logos Verlag (Berlin) 2016. ISBN 978-3-8325-4202-3. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/20911.php, Datum des Zugriffs 15.12.2017.


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