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Therese Garstenauer, Thomas Hübel u.a. (Hrsg.): Arbeit im Lebenslauf

Cover Therese Garstenauer, Thomas Hübel, Klara Löffler (Hrsg.): Arbeit im Lebenslauf. Verhandlungen von (erwerbs-)biographischer Normalität. transcript (Bielefeld) 2016. 210 Seiten. ISBN 978-3-8376-3373-3. D: 29,99 EUR, A: 30,90 EUR, CH: 36,80 sFr.
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Thema

In multidisziplinärer Ausrichtung wird durch die Beiträge in diesem Buch ein vertiefender, fundierter Einblick in die aktuellen Debatten über Arbeit, Prekarität und sozialen Wandel gegeben. Wie „verarbeiten“ Menschen als Individuen und in Gruppen die Phasen von Arbeit und Nicht-Arbeit in ihrem Lebenslauf? Was ist „normale“ Arbeit im sich wandelnden gesellschaftlichen Umfeld? An unterschiedlichen Lebens(ver)läufen erfolgen die Veranschaulichung und die Problematisierung der Antworten auf diese (und andere) Fragen: von Dienstboten/innen, von Arbeiterinnen und Arbeitern, von Führungskräften in Betrieben in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Autor/innen und Herausgeber/innen

sind 15 Wissenschaftler/innen der Soziologie und z. B. der Psychologie, Pädagogik, Geschichte, Philosophie, Germanistik, Volkskunde. So arbeitet im Team der Herausgeber/innen Therese Garstenauer am Institut für Wirtschafts- und Sozialgeschichte der Universität Wien, wo auch Klara Löffler am Institut für Europäische Ethnologie tätig ist; Thomas Hübel ist seit 2006 Generalsekretär des Instituts für Wissenschaft und Kunst in Wien.

Entstehungshintergrund

ist eine Tagung im Mai 2011 in Wien, in der es um die unterschiedlichen Facetten von Normalität in den menschlichen Lebensläufen ging: Berufstätigkeit, Reproduktionsarbeit, Ruhestand oder andere Formen von Nichterwerbsarbeit. An der Tagung haben vorwiegend (und unerwartet) jüngere Wissenschaftler/innen teilgenommen.

Aufbau und Inhalt

Nach einer informativen Einleitung der Herausgeber/innen (7 ff.) wird das „Generalthema“ in den neun Beiträgen wie folgt akzentuiert.

Von der Arbeit im (fremden) Haushalt. Lebensabschnitte und Lebensverläufe von Dienstbot/innen im Vergleich (Österreich 1918 – 1938)“ u. a. auch mit einem Vergleich von zwei Lebensläufen im 20. Jahrhundert und der Erkenntnis der großen Vielgestaltigkeit dieses Arbeitsbereichs in den landwirtschaftlichen und hauswirtschaftlichen Diensten; das Literaturverzeichnis enthält ca. 90 Autorenangaben (15 ff.).

Künsterische Arbeit in Selbstzeugnissen von Käthe Kollwitz (1867-1945)“ (53 ff.).

Die Problematik des sehr differenzierten deutschen Bildungswesens lässt sich bereits im Titel des nächsten Beitrages erkennen: „Arbeiten ja, aber nicht sofort und nicht um jeden Preis! Berufsfindung im Spannungsfeld von gesellschaftlicher Normierung und Individualentwicklung“ (75 ff.).

Die Notwendigkeit einer weiteren vertiefenden Untersuchung erkennt der Autor abschließend (107) in seinem Beitrag: „Formen und Funktionen autobiographischen Berichtens über die Prekarität immaterieller Arbeit“ (95 ff.).

47 Interviews bilden die Grundlagen der Dissertation des Autors des Folgebeitrags, in dem darüber berichtet wird: „Das Haltungs- und das Handlungskonzept in der Biographieforschung am Beispiel älterer und gut ausgebildeter Stellensuchender in der Schweiz“ (113 ff.).

Einblick in die noch nicht publizierte Studie (150) gibt der Autor durch seinen Beitrag (auch mit internationalen vergleichenden Hinweisen): „Die interessantere Zeit? Berufsbiographische Erzählungen über den Wandel der Arbeitswelt im Hamburger Hafen“ (133 ff.).

Zum 01. Oktober 2008 wurde erstmals in Deutschland eine unbefristete Beschäftigungsförderung von Langzeitarbeitslosen mit besonderen Vermittlungshemmnissen gesetzlich geregelt. Die Umsetzung in Nordrhein-Westfalen wurde vom Institut für Arbeits- und Berufsforschung untersucht. Darüber berichtet ein Team im Beitrag: „Simulierte Normalität in (dauerhaft) geförderter Arbeit“ (155 ff.).

Seit Ende der 1970er Jahre nimmt die türkischstämmige Einwanderungsgruppe in Westdeutschland zu. Ist die BRD inzwischen ein Einwanderungsland oder nicht? Drei Fallbeispiele werden ausgewertet und in den gesellschaftlichen Kontext gestellt: „‚Ich hätte nicht gedacht, dass es so gut klappt.‘ Chancen und Grenzen sozialer Mobilität von türkeistämmigen Männern in Deutschland“ (169 ff.).

Den Abschluss bildet der Beitrag aus Wittenberge (beispielhaft für viele Städte Ostdeutschlands): „Die Normsetzer/innen der gebrochenen Lebensläufe. Über Arbeit und Leben nach dem politischen Umbruch“ (189 ff.).

Diskussion

  1. Wie geben Sie (als Lesende dieses Buches und als Tätige im Bereich der beruflichen Hinführung und Bildung der Jugendlichen) diesen Jugendlichen Hilfe bei der Berufsfindung, um „berufliche Zielvorstellungen zu entwickeln und individuelle Entwicklungsmöglichkeiten auszureizen“ (91)?
  2. Explizit wird in keinem Beitrag die Bedeutung des Lernens im lebenslangen Bildungsprozess des Individuums (in Abhängigkeit vom jeweiligen gesellschaftlichen Kontext) hervorgehoben. Welchen Stellenwert hat jedoch das Lernen als die aktive Aneignung der Arbeitsergebnisse anderer Menschen bei dieser individuellen Arbeit des Menschen im Lebenslauf?

Fazit

Ein hochaktuelles Thema wird in diesem Buch hinsichtlich der jeweils ausgewählten Schwerpunkte gründlich und aspektreich bearbeitet und sehr praxisbezogen aus soziologischer Sicht, aber auch mit interdisziplinären Bezügen, dargestellt. Übliche Vorstellungen von einer „Normalität“ des Arbeitens werden hinterfragt und diskutiert sowie in die sich verändernden Rahmenbedingungen durch den gesellschaftlichen Wandel eingeordnet. Die Lektüre regt zum Nachdenken und Nacharbeiten an.


Rezensent
Dipl.-Hdl. Dr. phil. Klaus Halfpap
Ltd. Regierungsschuldirektor a. D.


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Zitiervorschlag
Klaus Halfpap. Rezension vom 04.07.2016 zu: Therese Garstenauer, Thomas Hübel, Klara Löffler (Hrsg.): Arbeit im Lebenslauf. Verhandlungen von (erwerbs-)biographischer Normalität. transcript (Bielefeld) 2016. ISBN 978-3-8376-3373-3. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/20917.php, Datum des Zugriffs 23.10.2019.


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