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Wolfram Kinze: Die forensisch-psychiatrische Begutachtung

Cover Wolfram Kinze: Die forensisch-psychiatrische Begutachtung. Leitfaden für Psychiater, Psychologen und Juristen. MWV Medizinisch Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft (Berlin) 2016. 48 Seiten. ISBN 978-3-95466-269-2. D: 14,95 EUR, A: 15,40 EUR, CH: 18,00 sFr.
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Thema und Zielsetzung

Ziel des Autors Dr. med. habil. Wolfram Kinze ist es, Basiswissen über den forensisch-psychiatrischen Begutachtungsprozess an Psychiater, Psychologen und Juristen zu vermitteln. Das Buch gibt den Lesern einen kleinen Leitfaden an die Hand, der sowohl über inhaltliche als auch über formale Aspekte forensisch-psychiatrischer Begutachtungen kurz und knapp informiert und die jeweiligen Rollen der Protagonisten bei Strafprozessen darstellt.

Autor

Der 1942 geborene Autor, PD Dr. med. Wolfram Kinze, ist promovierter und habilitierter Mediziner. Er promovierte 1967 und habilitierte sich 1986 mit einer Arbeit über „Diagnostik und Therapie von Konzentrationsstörungen im Kindesalter – eine mehrdimensionale Analyse von 248 verhaltensauffälligen Normalschulkindern“. Kinze ist Facharzt für Neurologie und Psychiatrie sowie Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie und publizierte mehrere Fach- und Sachbücher.

Entstehungshintergrund

Ausgangspunkt ist die Schwierigkeit der Interdisziplinarität forensisch-psychiatrischer Begutachtungsprozesse und die Verwertung von Inhalten forensisch-psychiatrischer Gutachten vor Gericht. Kinze macht hier deutlich, wie unterschiedlich Rechtswissenschaften und Medizin bzw. Psychologie funktionieren, was zu Verständigungs- und Verständnisproblemen zwischen Juristen und Medizinern bzw. Psychologen führt. Hier leistet er mit seinem Buch „überbrückende“ bzw vermittelnde Arbeit.

Aufbau und Inhalt

Wolfram Kinze beginnt mit einer knappen „Vorbemerkung“, in der er die Verständigungsschwierigkeiten zwischen Rechtswissenschaften und Medizin bzw. Psychologie darlegt und den Leser für die Problematik sensibilisiert. Hier weist er explizit auch auf die Partikularinteressen der Beteiligten (Richter, Staats- und Rechtsanwalt, Angeklagter) vor Gericht hin.

In den darauf folgenden zwei Kapiteln mehrere Unterkapiteln im zweiten Kapitel geht er zunächst auf die „Rahmenbedingungen“ in Kap. 1 und später auf die „Grundsätze für Gutachten und Gutachter“ in Kap. 2 ein. Am Ende folgt ein Literaturverzeichnis.

Im ersten und kurz gehaltenen Kapitel findet der Leser die Unterkapitel „Recht und Rechtsprechung“ und „Verfahrensabläufe und Verfahrensbeteiligte“. Kap. 1.1 berichtet über die Unterschiedlichkeit von Rechtswissenschaften und Medizin bzw. med. Klassifikationssystemen wie dem ICD bzw. dem DSM. Hier betont der Autor die Unstimmigkeiten zw. beiden Systemen und betont die Interpretationsspielräume; hier klärt er auch über die fehlenden Interpretationsspielräume im Prozess- und Strafrecht auf, gibt aber zu bedenken, dass die Richter in ihrem Strafmaß wiederum sehr große Spielräume haben.

Kap. 1.2 stellt dann Verfahrensabläufe und die Rollen der Verfahrensbeteiligten dar. Hier wird beschrieben, welche Rollenaspekte die Protagonisten (Staatsanwalt, Schöffen, Berufsrichter, Angeklagte, Zeugen) vor Gericht haben. Spezifisch bei der Vorstellung der Protagonisten werden die Charakteristika und Abläufe kurz und deutlich dargestellt. Auch die Aspekte der Glaubhaftigkeit und Jugendlichkeit werden adressiert.

Im Kap. 2 widmet sich Wolfram Kinze den Grundsätzen für den Gutachter und das Gutachten selbst. Der Autor beginnt mit einem Unterkapitel über „Merkmale und Mindestanforderungen eines forensischen Gutachtens. Hier verweist der Autor auf die Richtlinien der (Landes-) Ärztekammer(n) hin und stellt die (Mindest-) Anforderungen an ein forensisches Gutachten dar. Auch verweist Kinze auf die Besonderheiten von Glaubwürdigkeitsgutachten.

Im darauf folgen Unterkapitel werden „Qualifikation und Zuständigkeit des Gutachters“ geklärt und weist in diesem Zusammenhang auch auf die Aspekte der Unparteilichkeit bzw. Befangenheit hin, um darauf folgend die Beauftragung zur Begutachtung“ darzustellen.

„Rechtliche Grundlagen der Begutachtung mit den Besonderheiten bei Kinder und Jugendlichen“ werden im folgenden Unterkapitel erläutert. Hier wird das Spezialwissen des Autors im kleinen aber hoch komplizierten Kinder- und Jugendpsychiatriebereich deutlich. Immer wieder weist der Autor auf best. Paragraphen hin.

Die „Stellung des Gutachters“ wird im Kap. 2.5 dargestellt. Hier wird die Rolle als Sachverständiger mit notwendigen Kompetenzen aber auch Grenzen gezeigt und die Definition des Sachverständigen wird von der des sog. „Sachverständigen Zeugen“ abgegrenzt.

Bevor Wolfram Kinze dem Leser den „Aufbau des schriftlichen Gutachtens“ erklärt, stellt er die „Stellung des Gutachters um Begutachteten“ dar. In diesem Kontext werden erneut die Verfahrensschritte deutlich. Die Gliederung eines Gutachtens wird dann detailliert dargelegt.

Auch die Thematik der „Vergütung und Rechnungsstellung des Gutachters“ findet Platz in dem kleinen Leitfaden. Hier beschreibt der Autor mehrere für die Remonerierung des Gutachters praktisch nutzbare Orientierungshilfen und verweist auf das Justivollzugsentschädigungsgesetz (JVEG).

Am Ende des Büchleins findet der Leser ein für den kurzen Leitfaden reich ausgestattetes Literaturverzeichnis.

Zielgruppe

Die Zielgruppe des Leitfadens werden vom Autor klar benannt: Das Buch eignet sich für Juristen, Mediziner und Psychologen und bietet ihnen einen kurzen, auf das Wesentlichste beschränkten und dennoch aussagekräftigen Leitfaden.

Diskussion und Fazit

PD Dr. med. Wolfram Kinze stellt sein theoretisches Wissen und seine praktischen Erfahrungen im Bereich der forensisch-psychiatrischen Begutachtungen in den Dienst der Leser. Der Buch bietet dem Leser genau das, was es verspricht: einen (kurzen) Leitfaden. Der Autor bietet vor allem unerfahrenen Personen im Bereich der forensisch-psychiatrischen Begutachtungen einen ersten Einblick und stellt die wichtigsten Aspekte für die Praxis in Kürze dar, die der Leser dann in Büchern wie „Psychiatrische Begutachtung. Ein praktisches ‚Handbuch‘ für Ärzte und Juristen“ von Venzlaff, Foerster, Dreßing und Habermeyer mit seinen über 800 Seiten vertiefen kann. Als „Handbuch“ kann man aber sicher eher den Leitfaden von Wolfram Kinze bezeichnen.


Rezensent
Prof. Dr. med. et Dr. disc. pol. Andreas G. Franke
M.A. Professur für Medizin in Sozialer Arbeit, Bildung und Erziehung. Hochschule der Bundesagentur für Arbeit Mannheim
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Zitiervorschlag
Andreas G. Franke. Rezension vom 18.08.2016 zu: Wolfram Kinze: Die forensisch-psychiatrische Begutachtung. Leitfaden für Psychiater, Psychologen und Juristen. MWV Medizinisch Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft (Berlin) 2016. ISBN 978-3-95466-269-2. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/20920.php, Datum des Zugriffs 11.12.2019.


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