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Norbert Lotz: Metaphern in der Akzeptanz- und Commitmenttherapie

Cover Norbert Lotz: Metaphern in der Akzeptanz- und Commitmenttherapie. Mit E-Book inside und Arbeitsmaterial. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2016. 270 Seiten. ISBN 978-3-621-28294-9. D: 36,95 EUR, A: 37,90 EUR, CH: 48,00 sFr.
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Thema

Die Akzeptanz-Commitment- Therapie (ACT) nach Hayes wird als Weiterentwicklung der (kognitiven) Verhaltenstherapie betrachtet. Sie stellt in den Focus der Intervention, Prozesse von Schmerz und Leid nicht energievoll abzuwehren und hieran letztlich zu scheitern (und im Leid dadurch festzustecken!), sondern zu lernen, Gefühle anzunehmen, sie als Bestandteil des Lebens zu akzeptieren und dadurch die Energie und Verantwortung „frei“ zu haben, sich auf erwünschte Werte, Ziele zu orientieren und diese durch konkretes Handeln anzustreben. Hierbei spielt die Sprache und ihre Verknüpfung mit Handeln eine bedeutsame Rolle – sich von ungünstigen Verknüpfungen zu befreien ist u.a. das Ziel beim Einsatz von Metaphern innerhalb der ACT – es werden Aspekte der Wirklichkeitsbeschreibung in einen Zusammenhang gebracht, der helfen kann, eigene rigide Verknüpfungen von Sprache und Handeln zu lockern und sich von solchen zu emanzipieren. Lotz stellt neben einer theoretischen Grundlegung aus verschiedenen Quellen und eigenen Therapieerfahrungen einen Fundus von Metaphern für verschiedene Veränderungsprozesse innerhalb der ACT zur Verfügung.

Autor

Norbert Lotz ist approbierter Psychotherapeut und leitet das FIRST- Institut in Frankfurt. Er ist ausgewiesen insbesondere in Verhaltenstherapie, aber darüber hinaus auch in anderen Verfahren der Psychotherapie und des Coachings.

Entstehungshintergrund

Mit zunehmender Bekanntheit der ACT stellt sich dem Autor die Frage, in wieweit die Vielzahl der dabei benutzten Metaphern in einen Bezugsrahmen integriert und systematisiert zusammengestellt werden können. Dies gelingt dem Autor, indem er für die zentralen Veränderungsprozesse (wie sie im sog. Hexaflex der ACT dargestellt werden, s.u.) hilfreiche Metaphern vorstellt. Grundgelegt wird das Werk mit einer knappen theoretischen Einführung in die ACT und deren sprachlogische Grundlage, den funktionalen Kontextualismus

Aufbau und Inhalt

Nach Vorwort und einem Geleitwort (von Georg H. Eifert) ist das Buch in 14 Kapiteln untergliedert, Literatur- und Metaphernregister schließen sich an.

Kap 1 bis 3 beschäftigen sich mit einer knappen Grundlegung der ACT und des Methapherngebrauchs. Im ersten Kapitel wird insbesondre das Hexaflex als Handlungsmodell innerhalb der ACT vorgestellt. Die Ansatzpunkte zur Verhaltensänderung mit Ziel größtmöglicher psychischer Flexibilität bilden dann auch die Grundlage für ein Systematisierung der Metaphern. Im 2. Kapitel wird der funktionelle Kontextualismus als ein ganzheitlicher Ansatz in der Tradition des Pragmatismus knapp vorgestellt – das Ganze wird in Bezug auf den Kontext gesehen und nicht analytisch zergliedert. Das Wesen der Handlung wird von den beabsichtigten Folgen her definiert; Wahrheit ist also pragmatisch – sie wird vom Ergebnis der Handlung definiert, ist zweckorientiert. Im 3. Kapitel werden formal-inhaltliche Merkmale von Metaphern und deren Gebrauch erläutert.

Die Kap 4 -14 stellen dann die Ansatzpunkte für Veränderungen im Hexamodell dar und liefern hierzu geeignete Metaphern (vgl. das Inhaltsverzeichnis).

So wird im 4. Kapitel unter dem Titel „Gegenwärtig Leben“ wie folgt ausgeführt: Dieses Beispiel soll quasi pars pro toto angeführt werden, weil sich die weit über 100 Methapern, die Lotz zusammengestellt hat, innerhalb der Rezension nicht verkürzt dargestellt lassen.

„4.2 Metaphern
Nachdem in den ersten drei Kapiteln dieses Buches die Grundzuge der Akzeptanz- und Commitmenttherapie dargestellt wurden, finden Sie im Folgenden nach den jeweiligen Kapitel-Einführungen die zugeordneten Metaphern. Sie werden – nicht immer, aber meistens – von in kleinerer Schrift gesetzten Kommentaren, Interpretationen und Hinweisen eingeleitet. Die einzelnen Geschichten sind – um die Bandbreite der Möglichkeiten aufzuzeigen – in verschiedensten Formen verfasst: als klassische Metapher, als Dialog und Szene, als Gedicht oder Ich-Erzählung, als Visualisierung oder Kurzgeschichte. Nutzen Sie diese Vielfalt als Anregungen dafür, Ihren eigenen Stil im Mitteilen von ACT-Metaphern zu finden. Beginnen wir mit einem Gespräch, das unseren Hang thematisiert, allzu oft Gegebenheiten aus Vergangenheit und Zukunft zu analysieren. Dieses ständige Nachrechnen, Vorrechnen und damit Hochrechnen ist ursprünglich zu unserem Schutz gedacht (übrigens eine interessante Doppeldeutigkeit des Wortes ‚gedacht‘). Allerdings kann sich diese Analyse auch so sehr aufblähen, dass keine, zu wenige oder zu stark eingefärbte Rezeptionen aus dem gegenwärtigen Reizfluss möglich sind. Damit kann, wie Benoy et al. (2015, S. 238) treffend formulieren, ‚situationssensibles und erfahrungsoffenes Verhalten unterbunden werden, da wir ein solches Verhalten immer nur in der Gegenwart zeigen können‘.
Von der Wichtigkeit der Gegenwart
Oder: Ist das Genannte wichtiger als das Nicht-Genannte?
‚Ist denn die Gegenwart wichtiger als die Vergangenheit und Zukunft?‘
‚Wie kommen Sie darauf?‘ fragt Professor Dadden.
‚Weil der Gegenwart, der Präsenz, ein eigener Kernprozess im Hexagon der ACT gewidmet ist‘, antwortet der Student.
‚Das ist eine interessante, schlussfolgernde Frage‘, antwortet der Professor. ‚Meine Antwort heisst: nein. Das Geschenk der Gegenwart kann es nur geben durch Vergangenheit und Zukunft. Wenn ihr ein, wie Sie sagen, Kernprozess gewidmet ist, dann vorwiegend deshalb, um einer möglichen Vorherrschaft, einer Dominanz der Vergangenheit und/oder Zukunft entgegenzuwirken. Damit wird natürlich explizit die Bedeutung des Gegenwärtigen herausgestellt. Sie wissen: Mit alldem, was war und sein wird, leben wir jetzt. Unser Leben leben, das können wir nur jetzt. Wenn wir etwas beibehalten wollen, so können wir es nur jetzt tun. Wenn wir etwas verändern wollen, so können wir es nur jetzt tun. Damit ist das Jetzt die Bühne und gleichzeitig die Weichenstellung unseres Lebens.‘“

Diskussion

ACT wendet sich gegen die „Abschaffung von Leid“ durch Therapie und legt hierzu Methoden vor, die von ihrem leitenden Menschenbild her, durch ihre theoretische Fundierung und mit ihrem betont respektvollen Umgang zwischen Klient und Therapeut eine Bereicherung für die Psychotherapie und ihre Entwicklung darstellt. Das Ziel insgesamt, psychische Flexibilität zu erhöhen, erscheint gut kompatibel mit anderen psychothera-peutischen Modellen, z.B. dem Konzept der Konsistenz in Grawes „Neuropsychotherapie“. Auch das handlungsleitende Menschenbild und eine Sicht, die menschliches Leid nicht vorschnell pathologisiert und medikalisiert, erschient zeitgemäß, die Fundierung im Kontext eines pragmatischen Funktionalismus überzeugend.

Schön, dass im vorliegenden Werk allerdings auf eine vertiefte theoretische Heranführung verzichtet wird- hierzu gibt es mittlerweile reichliche und gute Literatur. Die Entscheidung praktische Anregung für den Einsatz, die Konstruktion und den Gebrauch von Metaphern zu liefern ergänzt so sinnvoll bereits vorhandene Literatur. Wer die Sammlung liest, wird zudem in eigener Kreativität angeregt, selbst in sich und anderen Quellen nach solchen Metaphern zu suchen, die selbst überzeugend- erhellend sind. Gerade solche sind es, die in Beziehung zum Klienten nicht einfach nur vorgetragen werden, sondern emotional-empathisch im Klientenkontakt dann wirklich „passend“ sind und Veränderungsprozesse mentaler Art triggern können.

Schön auch, dass der Verlag – mittlerweile hier fast Standard – ein ebookinside Zugang zur Verfügung stellt.

Fazit

Eine stringent entwickelte, theoretisch und didaktisch gut aufbereitete Sammlung von Metaphern, die i.S. der Veränderungsprozesse der ACT einsetzbar sind. Ein anregendes Buch für den Praktiker, der schon Erfahrung mit der ACT-Methode auf der Basis verhaltenstherapeutischer Ausbildung hat.


Rezensent
Prof. Dr. Christian Schulte-Cloos
Hochschullehrer Hochschule Fulda, Fachbereich Sozialwesen, seit 31.8.2011 pensioniert
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Zitiervorschlag
Christian Schulte-Cloos. Rezension vom 12.08.2016 zu: Norbert Lotz: Metaphern in der Akzeptanz- und Commitmenttherapie. Mit E-Book inside und Arbeitsmaterial. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2016. ISBN 978-3-621-28294-9. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/20925.php, Datum des Zugriffs 19.09.2019.


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