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Julia Schuchardt, Eckhard Roediger: Schematherapie

Cover Julia Schuchardt, Eckhard Roediger: Schematherapie. Psychotherapie-Verlag (Tübingen) 2016. 160 Seiten. ISBN 978-3-86333-007-1. D: 19,80 EUR, A: 20,40 EUR.

Handwerk der Psychotherapie, Band 7.
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Thema

Schematherapie ist eine Weiterentwicklung der Kognitiven Verhaltenstherapie. Sie geht davon aus, dass Menschen im Lauf Ihrer Kindheit und in Abhängigkeit von der Befriedigung/Frustration zentraler menschlicher Bedürfnisse ein Konzept ihrer selbst und der Welt entwickeln. Solche (auch gestörten) Schemata und hieraus abgeleitete sog. Modi (aktuelle Erlebensweisen) sind Ansatzpunkte für Veränderungen in einem durchaus pädagogisch-psychologisch angelegten Veränderungsprozess, bei dem die führend-partnerschaftliche Beziehung zwischen Therapeutin und Klientem wesentlich ist. Das vorliegende Buch stellt Theorie und Praxis der Schematherapie knapp und dennoch fundiert dar.

Autorin und Autor

Julia Schuchardt ist Dipl.Psychologin und hat nach verschiedenen auch leitenden Tätigkeiten in Hochschulkontext seit 2012 die Leitung des Schematherapeutischen Institutes Konstanz (IST-KN) inne.

Dr. E. Roediger ist Arzt, hat langjährig in Kliniken gearbeitet und leitet heute das Institut für Schematherapie (IST) in Frankfurt. Er ist als Buchautor zum Themenbereich Schematherapie vielfältig ausgewiesen.

Entstehungshintergrund

Die Autoren erleben in ihrer Ausbildungspraxis ein gewisses Defizit an aktuellen und die bisherigen Entwicklungen in der Schematherapie nach Young reflektierenden Veröffentlichungen, die die Methode einem größeren Kreis insbesondere an integrativen Ansätzen interessierten Psychotherapeuten näherbringt – diesem Mangel soll die vorliegende Veröffentlichung abhelfen.

Aufbau und Inhalt

Das vorliegende Buch erscheint im Psychotherapieverlag in der Reihe „Handwerk der Psychotherapie“ – Zielsetzung hierbei sind knappe und dennoch fundierte Darstellungen aktueller Entwicklungen und Essentials im Bereich praktizierter Psychotherapie.

Das Buch ist in sieben Kapitel untergliedert, eine Materalienzusammenstellung für den Praxisgebrauch schließt sich an das im Kap 7 vorgelegte Literaturverzeichnis an.

Die Autoren beginnen praxisnah mit zwei Fall-Vignetten, die sie auch im Verlauf des Buches, wenn es um schemabasierte Interventionen geht, immer wieder als Beispiel verwenden.

Im 2. Kapitel werden die Grundlagen der Schematherapie, im 3. Kapitel das handlungsleitende Menschenbild und das implizite Krankheitsmodell dargestellt. Hierbei betonen die Autoren zunächst, dass Menschen nicht als gestört geboren werden, vielmehr aufgrund von Kontextbedingungen und ungünstiger Wechselwirkung mit persönlichen Entwicklungsvoraussetzungen Verarbeitungsformen der Wirklichkeit und ihrer Selbst entwickeln, die letztlich Leiden verursachen, weil sie später nicht mehr adaptiv sind. Hier soll im therapeutischen Prozess eine „Nachbeelterung“ sattfinden, die hilft, unzureichend befriedigte Bedürfnisse zu kompensieren und es dem Klienten ermöglichen, sich von „maladaptiven“ Schemata zu emanzipieren.

Im 4. Kapitel wird die „Praxis der Schematherapie“ vorgestellt. Grundbedürfnisse des Menschen sensu Young, die 18 sog. maladaptiven Schemata, schließlich das sog. Modus-Konzept ( 6 „Kind-Modi“, z.B. verletzbares, impulsives, glückliches Kind; 5 maladaptive Bewältigungsmodi: z.B. angepasster Unterwerfungsmodus, narzisstischer Selbsterhöher/ Wichtigtuer; Dyfunktionale innere Elternmodi: z.B. strafende innere Eltern und der integrierte Modus des gesunden Erwachsenen) werden knapp aber dennoch präzise und mit der Erfahrung reichlicher Ausbildungstätigkeit der Autoren vorgestellt. Dazu wird Bezug genommen auf die im Kap. 1 vorgestellten Fallvignetten und auf das von den dabei vorgestellten Klienten entwickelte und analysierte Fragebogenmaterial – welches dem Leser im Anhang zugänglich gemacht wird.

Als besondere Methode in einem doch eher verhaltenstherapeutischen Kontext wird auf „Imagination“ im Kap 4.3 eingegangen – Rescripting und Entmachtungsstrategien werden am Beispiel erläutert und an Therapie-Transkripten verdeutlicht.

Gleiches geschieht mit der eher psychodramatischen Methode der „Stuhldialoge“, mit Achtsamkeitsübungen, dem Reparenting und der begrenzten Selbstoffenbarung der Therapeutin. Die Entwicklung und Förderung/Stärkung des sog. „Gesunden Erwachsenen Modus“ sind verschiedene erläuterte Übungen zugedacht und Arbeitsblätter für die Klienten hierzu werden vorgelegt und erläutert. Schön, dass die Autoren im Kap 4.7 eine knappe zusammenfassende Struktur und einen Überblick über die Vielzahl der Methoden vorlegen. Auf Anwendung im Bereich der Krisenintervention und auf besonderes schwierige Situationen in der therapeutischen Arbeit mit der Methode wird danach eingegangen.

Im 5. und 6. Kapitel berichten die Autoren knapp zum gegenwärtigen Stand der Evaluationsforschung der Schematherapie.

Diskussion

Man spürt dem vorgestellten Buch an, dass die Autoren von reichhaltiger eigener Ausbildungserfahrung als Lehrende und Lernende profitieren und zudem von der praktischen Relevanz des Schema-Ansatzes überzeugt sind. Es gelingt Ihnen, eine relativ einfache und dennoch präzise Sprache zu finden, Ausführungen durchgängig an nachvollziehbaren Beispielen zu erläutern und durch Schaubilder auch einen theoretischen Zugang zu ermöglichen. Vergleicht man mit deutlich ausführlicherer einführenden Literatur, so kann in dem vorgelegten Buch kein inhaltlicher Mangel festgestellt werden, vom Praxisgehalt her beurteilt ist das Buch trotz (oder gerade wegen?) der knappen 160 Seiten wirklich beispielhaft- es passt hervorragend in die vom Verlag vorgelegte reihe „Handwerk der Psychotherapie“!

Fazit

Ein erfreulich gründliches, gut lesbares und durch Beispiele und Arbeitsmaterialien überaus praxistauglich-anregendes Buch- es sei gerade wegen seiner Kürze und Prägnanz Novizen der Schematherapie ans Herz und den Kopf gelegt: so angeregt wird man dann im Literaturverzeichnis auch in deutschsprachiger Literatur Ergänzungen und Vertiefungen finden und sich ggf. dialogisch in Ausbildung begeben.

Ein großes Lob an die Autoren und an der Verlag: Weiter so in der genannten Buch-Reihe!


Rezensent
Prof. Dr. Christian Schulte-Cloos
Hochschullehrer Hochschule Fulda, Fachbereich Sozialwesen, seit 31.8.2011 pensioniert
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Zitiervorschlag
Christian Schulte-Cloos. Rezension vom 09.09.2016 zu: Julia Schuchardt, Eckhard Roediger: Schematherapie. Psychotherapie-Verlag (Tübingen) 2016. ISBN 978-3-86333-007-1. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/20934.php, Datum des Zugriffs 19.10.2019.


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