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Michael St Maur Sheil: Fields of Battle, Lands of Peace

Cover Michael St Maur Sheil: Fields of Battle, Lands of Peace. Edition Lammerhuber (Baden) 2016. 256 Seiten. ISBN 978-3-903101-07-4. D: 59,00 EUR, A: 59,00 EUR.
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...but the country would come back to life

Erster (europäischer) Weltkrieg 1914 – 1918. Aus Anlass der einhundertsten Wiederkehr des Beginns des Massakers, 2014, hat es zahlreiche Publikationen, Biographien, Kino- und Fernsehfilme, Berichte, Dokumentationen und Ausstellungen gegeben, in denen das Grauen des Krieges dargestellt wurde. Die „Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“ hat der US-amerikanische Historiker und Diplomat George F. Kennan den Ersten Weltkrieg bezeichnet. Der Schriftsteller Erich Maria Remarque hat 1928/29 mit dem Buch „Im Westen nichts Neues“ die Schrecken und Leiden eines jungen deutschen Soldaten beim Ersten Weltkrieg eindrucksvoll geschildert und damit ein Antikriegsbuch vorgelegt, das 1930 in Hollywood verfilmt wurde. Mit der einfühlsamen Erzählung des Lebens und Sterbens des irischen Soldaten William Dunne (Willie) in den Schützengräben des Völkergemetzels wird der Alltag des Krieges deutlich: „Gefechtsverläufe, Begraben der Toten, ob Deutsche oder Iren, ließen die Unterscheidungen ob Freund oder Feind, in eigenartiger Weise verschwimmen“ (Sebastian Barry, Ein langer, langer Weg, 2014, www.socialnet.de/rezensionen/16268.php).

Der britische Fotojournalist, Kriegsberichterstatter und „embedded“ Reporter Michael St Maur Sheil hat, rund 100 Jahre nach dem Ersten Weltkrieg, über mehrere Jahre hinweg, Landschaften und Orte des Krieges von 1914 – 1918 dokumentiert. Es sind eindrucksvolle und aussagekräftige, großformatige Farbbildern von heutigen Landschaften aus den Kriegszeiten des Ersten Weltkriegs. „Remembrance is not history“, so stellt der schottische Militärhistoriker Sir Hew Strachan in seinem Vorwort zum Bildband fest; aber sie bilden eine Brücke zwischen Erinnerung und Geschichte. Geschichtliche Erinnerung ist ein Mittel, um Historie zu verstehen und den Lebensfluss Vergangenheit – Gegenwart – Zukunft zu begreifen. „A hundred years later all living memory has passed.. The healing of the land after conflict is but a metaphor for the healing of the minds of men.. so it becomes to celebrate and nurture the peace which follows“. Es sind die Formen von individueller und kollektiver Erinnerung, die aus dem bösen Vergangenen Bilder voller Schönheit, Eindrücklichkeit und Aussagekraft entstehen lassen können. Das ist ganz und gar kein Widerspruch zum trauernden und ehrenden Gedenken, sondern kann aus „Fields of Bsattles – Lands of Peace“ machen. Der britische Geschichtswissenschaftler und Militärhistoriker Richard Holmes ging davon aus: „You cannot really understand a battle without viewing der ground on which it was fought“. Kriegsgelände, als strategisches und kartografisches Planungsszenarium, wird in Bildern, im Abstand eines Jahrhunderts, zum Naturdenkmal, zum Memorial und zum literarischen Ort, etwa wenn Edmund Blunden als „Dichter des Ersten Weltkriegs“ seinen Gefühlen freien Lauf lässt: „And yet ist stream ran through my heart.. When by ist battered bank I stood / And shared ots wounded moam“.

Viel Gras ist inzwischen über den Schlachtfeldern und von Bomben, Minen und Granatfeuern zerfetzten Landschaften des ersten industriell geführten Krieges gewachsen. An vielen Stellen sind Narben geblieben, die das Grauen und Sterben der Soldaten erahnen lassen. Wären nicht die Bildbeschreibungen in englischer, spanischer und französischer Sprache, würde niemand auf die Idee kommen, grübe man etwas in der Erde, dass unter den „schönen“ Naturlandschaften Überreste von Krieg, Sterben und Gemetzel zu finden wären. Die martialischen, von Gras, Moos und Sträuchern überwucherten Ruinen von Bunkern, Gefechtständen und Unterkünften für Soldaten künden eher schon davon, dass hier Krieg war, ebenso wie Reste von Geschützen und Kriegsgerät, das die barmherzige Natur teilweise bereits wieder in ihren Besitz gebracht hat. Soldatenfriedhöfe mit exakt ausgerichteten Kreuzen, Namensschildern, Geburts- und Todesdaten und Hinweisen, dass hier „ein unbekannter Soldat“ begraben ist, stellen Parallelen zu Bataillonsaufstellungen und militärischen Aufmärschen her. Einige, neu errichtete Denkmäler mahnen an die Völkerfeindschaften – und dokumentieren auch gelungene Versöhnung heute, wie etwa das Schlachtfeld von Verdun, das heute zum Zeichen der deutsch-französischen Freundschaft geworden ist.

Michael St Maur Sheils Fotos zeigen nicht nur ehemalige Kriegslandschaften und Kampforte der so genannten „Westfront“, sondern auch Bilder von „Frontier battles“ aus Flanders, Nord-Pas-de-Calais, Picardy, Oise-Aisne, Champagne-Ardenne, Lorraine, Alsace, The Masurian Lakes, Italy, Thessaloniki, Gallipoli, Africa, Palestine. Der Erste Weltkrieg richtete seine Feuer- und Todesstrahlen auf viele, in der historischen Aufarbeitung herausgehobene und vergessene Regionen, tatsächlich hin bis zu den Verteidigungsfronten des kolonialen Deutschen Reiches in Ostafrika, den Machtzentren der österreich-ungarischen und türkisch-osmanischen Machtsphären. Die eindrucksvollen Fotodokumentationen wurden aus Anlass des 100. Gedenkjahrs des Beginns des Ersten Weltkriegs in Ausstellungen im Jardin du Luxembourg in Paris, im St. James´s Park in London in der türkischen Gallipoli centenary commemoration gezeigt. Rund vier Millionen Besucher haben die Exhibition gesehen.

Fazit

Der im österreichischen Baden ansässige Verlag Lammerhuber legt die Ergebnisse der jahrelangen Suchbewegungen und abenteuerlichen, historischen Explorationen des Fotoreporters und -dokumentators Michael St Maur Sheil in einem großformatigen Fotoband in einem im Design, haptisch und ästhetisch ansprechend gestalteten Fotoband vor, entsprechend dem Werbespruch: „Bücher sind Häuser des Wissens und der Kunst“.

Nicht nur (Militär)Historiker, sondern auch Friedensfreunde und -optimisten dürften an dem Fotoband Interesse haben!


Rezension von
Dipl.-Päd. Dr. Jos Schnurer
Ehemaliger Lehrbeauftragter an der Universität Hildesheim
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Zitiervorschlag
Jos Schnurer. Rezension vom 09.09.2016 zu: Michael St Maur Sheil: Fields of Battle, Lands of Peace. Edition Lammerhuber (Baden) 2016. ISBN 978-3-903101-07-4. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/20965.php, Datum des Zugriffs 21.01.2021.


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