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Gundula Barsch, Julia Walta: Baukasten für eine anonyme Drogensprechstunde

Cover Gundula Barsch, Julia Walta: Baukasten für eine anonyme Drogensprechstunde. Das Beispiel CheckPoint-C. Pabst Science Publishers (Lengerich) 2016. 112 Seiten. ISBN 978-3-95853-200-7. 15,00 EUR.

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Thema

Die illegale Droge Crystal Meth (Methamphetamin) erreicht in den letzten Jahren vermehrt Konsumierende in Deutschland. Die anregende und aufputschende Wirkung der psychoaktiven Substanz scheint v.a. im Freizeitbereich eine wachsende Rolle zu spielen. Trotz hoher physischer, psychischer und sozialer Gesundheitsrisiken meiden oder verzögern Crystal Meth-Konsumierende aber bislang die etablierten Hilfsangebote.

Besonders stark in Süd- und Mitteldeutschland erfährt das professionelle Suchthilfesystem die Folgen des Konsums von Crystal Meth, doch ist es (noch) zu wenig auf die sehr heterogen und schwer zu erreichende Gruppe ausgelegt.

Entstehungshintergrund

„CheckPoint-C“ stellt einen Versuch dar, „unsichtbare“ Konsumierende nicht nur mit Information und Aufklärung zu versorgen, sondern den diversen Problemlagen, die in Zusammenhang mit dem Konsum zu bringen sind, präventiv zu begegnen.

Mit ihrem Buch legen Gundula Barsch und Julia Walta eine umfassende Dokumentation und kritische Beurteilung dieses interdisziplinären Projekts vor. In Zusammenarbeit der Hochschule Merseburg, der Ostdeutschen Arbeitsgemeinschaft Suchtmedizin e.V. und der Medizinischen Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle wurde „CheckPoint-C“ als kostenlose, anonyme und niedrigschwellige Drogensprechstunde mit psychosozialen und medizinischen Check-Ups konzipiert. Zentrale Zielgruppen waren Konsumierende, Angehörige und Institutionen (u.a. Schule, Jobcenter). Medizinstudierende und Studierende der Sozialen Arbeit realisierten nach eingehender Schulung und unter Supervision von erfahrenen Senior Experten über neun Monate die Sprechstunde im Reformhaus in Halle.

Aufbau und Inhalt

Die Autorinnen geben im ersten Kapitel eine kurze Einführung in die Besonderheiten des Crystal Meth-Konsums sowie dadurch ausgelöste Probleme und Folgen für das Hilfesystem.

Mit dem zweiten Kapitel beginnt die Vorstellung des Konzepts der Sprechstunde. Es werden ausführlich die theoretischen Grundideen und Determinanten zur Inanspruchnahme aufgezeigt (u.a. Anonymität, Peer-to-Peer-Ansatz, Niedrigschwelligkeit, Akzeptierendes Arbeiten, Distanzierung von der Leidensdruck-Theorie, Freiwilligkeit), bevor der daraus abgeleitete Leistungskatalog detailliert wird (auch in Hinblick auf seine Abgrenzungen z.B. von therapeutischen oder Langzeit-Angeboten).

Im dritten Kapitel beschreiben die Autorinnen systematisch die Vorbereitungsphase des Pilotprojektes: von der Rekrutierung und Ausbildung der Mitwirkenden, über die notwendigen organisatorischen Vorarbeiten und Kooperationen bis hin zur Öffentlichkeitsarbeit und Finanzierung.

Das vierte Kapitel belegt die praktische Durchführung der Sprechstunde, insbesondere im Hinblick auf die Organisation, den tatsächlichen Ablauf und die begleitende Dokumentation.

Abschließend werden im fünften Kapitel das Konzept und die Ergebnisse der finalen Evaluation aufgezeigt und diskutiert.

Darüber hinaus gibt das letztes Kapitel einen kurzen Einblick in die weiterführende Entwicklung einer App für Crystal Meth-Konsumierende.

Diskussion

Kompakt auf 112 Seiten beschreiben Gundula Barsch und Julia Walta nicht nur die Idee und die Umsetzung des durchaus innovativen Projektes, sondern zeigen ehrlich und sachlich die Diskrepanz zwischen theoretischen Vorstellungen und praktischen Herausforderungen auf. Ganz im Sinne ihrer Einladung auf Nachahmung lassen sich zum einen die logische Herangehensweise nachvollziehen, zum anderen finden aber auch (im Vorwege) zu berücksichtigende Fallstricke einer solchen Projektarbeit genügend Aufmerksamkeit.

Ein gut strukturierter Argumentationsaufbau ermöglicht den Lesern und Leserinnen einen leichten Einstieg in die Problematik um Crystal Meth im deutsche Hilfesystem. Wie im Buch angekündigt bezieht sich dieser aber ausschließlich auf die Schwierigkeit die heterogene und nicht leicht zugängliche Gruppe von Konsumierenden durch das routinierte Hilfesystem zu versorgen. Wer dagegen tiefergreifende Informationen zur Droge Crystal Meth sucht, sei auf weiterführende Literatur sowie internationale und vermehrt auch nationale Studien verwiesen.

Die Autorinnen halten sich an die Intention des Buches, ihre Erfahrungen in Form eines Baukastens detailliert zur Verfügung zu stellen. Wer selbst schon einer ähnlichen Idee gefolgt ist und ein ehrenamtliches, auf limitierenden Finanzen basierendes, Versorgungsprojekt entwickelt hat, findet viele Übereinstimmungen in diesem Buch und ist nicht erstaunt über die Hindernisse, die ein solches Unterfangen mit sich trägt. Wer dagegen noch keine Erfahrungen dieser Art gemacht hat, dem sei dieses Buch an die Hand gelegt. Durch eine verständliche Sprache, zahlreiche Abbildungen und eine mitgelieferte CD-ROM liefern die Autorinnen wichtige und modifizierbare Arbeitsmaterialen und Vorlagen für ein Gelingen.

Fazit

Einmal mehr verdeutlicht dieser innovative Versuch die Notwendigkeit einer interdisziplinären psychosozialen Versorgung, um modernen gesundheitlichen und sozialen Herausforderungen zu begegnen. Das Buch von Gundula Barsch und Julia Walta erfüllt dabei die Bezeichnung eines Baukastens, in dem es durch die Materialsammlung und ausführliche Projektbeschreibung für (unerfahrene) Nachahmer eine Bereicherung sein kann.


Rezensentin
Stefanie Neumann
M.A., Hochschule Neubrandenburg – University of Applied Sciences, Fachbereich Soziale Arbeit, Bildung und Erziehung
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Zitiervorschlag
Stefanie Neumann. Rezension vom 18.01.2017 zu: Gundula Barsch, Julia Walta: Baukasten für eine anonyme Drogensprechstunde. Das Beispiel CheckPoint-C. Pabst Science Publishers (Lengerich) 2016. ISBN 978-3-95853-200-7. mit CD-ROM. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/20967.php, Datum des Zugriffs 15.12.2018.


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