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Wulf Rössler, Holm Keller u.a. (Hrsg.): Betriebliches Gesundheits­management

Cover Wulf Rössler, Holm Keller, Jörn Moock (Hrsg.): Betriebliches Gesundheitsmanagement. Herausforderung und Chance. Verlag W. Kohlhammer (Stuttgart) 2016. 2. Auflage. 128 Seiten. ISBN 978-3-17-031326-2. D: 29,00 EUR, A: 29,90 EUR.
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Thema

Das Werk „Betriebliches Gesundheitsmanagement Herausforderung und Chance“ ist in der zweiten Auflage erschienen. Es greift die für Arbeitsmarkt und Gesellschaft immer wichtigere Frage nach der Gesundheit im Unternehmensumfeld auf. Dabei ist es sowohl äußerst hilfreich für die Leserschaft, die die Grundlagen kennenlernen will, als auch für die, die bereits Vorkenntnisse erworben hat.

Herausgeber

  • Wulf Rössler ist langjähriger Klinikdirektor und Vorstand an der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich und lehrt an der Leuphana Universität Lüneburg und an der Universität Sao Paulo.
  • Holm Keller war hauptberuflicher Vizepräsident für Innovation und Universitätsentwicklung an der Leuphana Universität Lüneburg.
  • Jörn Moock verantwortet an der Leuphana Universität Lüneburg das Kompetenztandem „Vernetzte Versorgung“.

Entstehungshintergrund

Das Werk entspringt dem Innovations-Inkubator der Leuphana Universität Lüneburg. Dort werden Themenstellungen aus der Gesundheitswirtschaft mit den Möglichkeiten und Bedarfen von mittelständischen Unternehmen (KMU) zusammengebracht. Einen Schwerpunkt bildet die Ausarbeitung innovativer Konzepte und Ideen zur Versorgung von Menschen mit chronischen Erkrankungen.

Für das konkrete Werk bildet die Befassung mit den Herausforderungen des demographischen Wandels und dem Mangel an Fachkräften am Arbeitsmarkt die Grundlage: Wie kann es Arbeitgebern gelingen, ihre Arbeitnehmer zu stärken und für die vorhandenen oder potentielle Mitarbeiter attraktiv zu sein?

Aufbau

Das Werk ist in ein Vorwort und Einzelthemen mit dazugehörigen kurzen Aufsätzen gegliedert, die von verschiedenen Autoren verantwortet werden. Grundlagen des Betrieblichen Gesundheitsmanagements bilden dabei ebenso zentrale Gliederungspunkte des Werks, wie der Umgang mit Burnout und das herausfordernde Unternehmensumfeld der mittelständischen Unternehmen (KMU).

Inhalt

Carola Kleinschmidt befasst sich in ihrem Beitrag mit der Frage der zunehmenden psychischen Erkrankungen im Arbeitsumfeld. Permanenter Zeitdruck, ständige Erreichbarkeit und eine immer größere Masse an Informationen werden konstatiert. Definitionen, statistische Daten und Auswirkungen auf die individuelle Arbeitsleistung und das Unternehmen stehen im Mittelpunkt.

Eberhard Ulich betrachtet die Optionen Betrieblichen Gesundheitsmanagements für Unternehmen. Dargestellt werden die Vorteile für Unternehmen, die Fragen des demographischen Wandels und die Gestaltungsmöglichkeiten: Gesundheitsfördernde Arbeitsgestaltung, altersgerechte Arbeitsgestaltung und differentielle Arbeitsgestaltung

Stefanie Scheske, Laura Diedrich und Sebastian Fischer nehmen sich den speziellen Fragestellungen mittelständischer Unternehmen (KMU) an und legen den Schwerpunkt dabei auf psychische Erkrankungen:

  • Auslöser und Erklärungsansätze psychischer Erkrankungen
  • Folgen für mittelständische Unternehmen
  • Lösungsansätze für mittelständische Unternehmen

Jörn Moock geht auf Prävention und betriebliche Gesundheitsförderung ein und gibt einen Überblick über die relevanten Begrifflichkeiten, Rahmenbedingungen und Voraussetzungen:

  • Begriffe und Definitionen
  • Ziele, Zielgruppen und gesetzlicher und organisatorischer Rahmen
  • Maßnahmen, Umsetzung, Steuerung

Mathias Berger, Carlotta Schneller und Wolfgang Maier widmen sich der Frage nach der Definition von Burn-Out und den Schlussfolgerungen für das Gesundheitssystem. Burnout an sich ist keine Krankheit, zieht aber Folgeerkrankungen nach sich. Die dabei aufkommenden Herausforderungen für Arbeitswelt und Gesundheitssystem werden näher beleuchtet. Dieser Teil steht in enger Verbindung zur Einschätzung von Dirk Windemuth, der nach einer Darstellung der definitorischen Grundlagen auf die Rolle der gesetzlichen Unfallversicherung eingeht und Burnout folgerichtig nicht als Berufskrankheit ansieht.

Ursula Engelen-Kefer analysiert die Folgekosten von Burnout und stellt sich die Frage, wer diese zu tragen hat. Sie konstatiert eine besondere Verantwortung von Staat und Tarifparteien und sieht vor allem gesunde Arbeitsbedingungen, faire Löhne sowie Qualifizierung und lebenslanges Lernen als zentral an.

Carola Brinkmann und Liese gehen auf die finanziellen Vorteile der Betrieblichen Gesundheitsförderung ein und stellen fest, dass sich diese für alle Beteiligten auszahlt. BGF sollte dabei den Erfordernissen der Branche und des Unternehmens gerecht werden. Es sollten alle betrieblichen Partner einbezogen werden, es muss sich um ein strukturiertes Programm handeln und es müssen Prozesse gestaltet werden, die nachvollziehbar und transparent sind.

Frank Hauser und Andreas Schubert zeigen Aspekte von Unternehmens- und Führungskultur auf, die für Betriebliches Gesundheitsmanagement unverzichtbar sind. In den Mittelpunkt rückt dabei die Schaffung einer Vertrauenskultur im Unternehmen.

Diskussion

Gelesen haben sollte die Leserschaft in jedem Fall die Ausführungen von Jörn Moock, die zusammen mit der Darstellung durch Stefanie Scheske, Laura Diedrich und Sebastian Fischer das Herzstück des Werks bilden, weil hier alles Grundlegende sichtbar und auf mittelständische Unternehmen und damit die überwiegende Anzahl unserer Unternehmen zugeschnitten wird. Sehr interessant und lesenswert sind auch die Ausführungen zu allen Facetten des Burnout, wobei hier kritisch zu konstatieren ist, dass die Beiträge teils redundant sind, was in gemeinsamen Aufsätzen hätte vermieden werden können. Ein kleines, weil so wahres und wichtiges Highlight stellt ohne Zweifel der Teil von Hauser und Schubert zur Arbeitsplatzkultur dar.

Fazit

Das Werk gibt der an einem Einstieg interessierten oder bereits fachkundigen Leserschaft einen prägnanten Einblick in das Betriebliche Gesundheitsmanagement. Sicher ist bei einer solch knappen Darstellung nicht alle relevante Materie erwähnt, aber darin liegt auch die Stärke des Werks, das sich auf das Wesentliche konzentriert und dabei insbesondere mittelständische Unternehmen im Blick hat.


Rezension von
Prof. Dr. Matthias Knecht
Hochschule Kempten, Professur für Sozialversicherungsrecht, Betriebliches Gesundheitsmanagement und Führung in der Sozial- und Gesundheitswirtschaft, früher Leiter der GesundheitsRegion Stuttgart und zuvor wissenschaftlicher Referent am Max-Planck-Institut für Sozialrecht und Sozialpolitik in München
Homepage www.hochschule-kempten.de/metanavigation/personen/d ...
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Zitiervorschlag
Matthias Knecht. Rezension vom 24.03.2017 zu: Wulf Rössler, Holm Keller, Jörn Moock (Hrsg.): Betriebliches Gesundheitsmanagement. Herausforderung und Chance. Verlag W. Kohlhammer (Stuttgart) 2016. 2. Auflage. ISBN 978-3-17-031326-2. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/20970.php, Datum des Zugriffs 20.09.2020.


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