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Iris Beck, Erhard Fischer et al. (Hrsg.): Inklusion im Gemeinwesen

Rezensiert von Prof. Dr. phil. Barbara Wedler, 06.10.2016

Cover Iris Beck, Erhard Fischer et al. (Hrsg.): Inklusion im Gemeinwesen ISBN 978-3-17-031322-4

Iris Beck, Erhard Fischer, Ulrich Heimlich, Joachim Kahlert, Reinhard Lelgemann (Hrsg.): Inklusion im Gemeinwesen. Kohlhammer Verlag (Stuttgart) 2016. 269 Seiten. ISBN 978-3-17-031322-4. D: 39,00 EUR, A: 40,10 EUR, CH: 44,80 sFr.
Beziehungen Inklusion in Schule und Gesellschaft, Band 4.

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Thema

Dieser Sammelband eröffnet Einblicke in Fragen der Inklusion in das Gemeinwesen im Allgemeinen und die Inklusion in Angebote von Bildung, Erziehung und soziale Unterstützung im Besonderen.

Herausgeberin

Die AutorInnen der Buchbeiträge sind sowohl in Forschung als auch in Lehre der Thematik Inklusion direkt und indirekt verbunden. Die Herausgeberin, Iris Beck, ist als Professorin für Allgemeine Behindertenpädagogik und Soziologie an der Universität Hamburg tätig.

Entstehungshintergrund

Dieser Sammelband ist der vierte in einer Buchreihe von geplanten zwölf Bänden. Die Inklusion im schulischen Bereich wird in den notwendigen gesamtgesellschaftlichen Reformprozess eingebettet und in den einzelnen Sammelbänden mit unterschiedlicher Schwerpunktsetzung betrachtet. Der vorliegenden Band geht der Frage nach, inwieweit im Gemeinwesen gerechte Bildungs- und Erziehungschancen erreicht werden können.

Aufbau und Inhalt

Im Vorwort der Reihenherausgeber, Erhard Fischer/ Ulrich Heimlich/ Joachim Kahlert sowie Reinhard Lelgemann, werden Hintergrund und Ziel dieser Buchreihe vorgestellt.

In der Einleitung findet sich die Begründung für die thematische und reale Einbettung von Inklusion in die Gemeinde. Gemeinde wird unter verschiedenen Gesichtspunkten betrachtet, u.a. als Repräsentant der Gesellschaft, als gemeinsamer Raum, als sozialer Raum und Machtraum. Und: Gemeinde ist der Ort für Inklusion.

Iris Beck beschreibt im ersten Beitrag Historische und aktuelle Begründungslinien, Theorien und Konzepte der Gemeindeorientierung. Zunächst setzt sich die Autorin mit dem Begriff der Behinderung auseinander und zeigt die Entwicklung der rechtlichen Stellung von Menschen mit Behinderung. Davon ausgehend analysiert sie, wie Menschen mit einer Behinderung leben. Zur Erörterung, wie Inklusion in die Gemeinde funktionieren kann, erfolgt eine kritische Auseinandersetzung mit dem Gemeindebegriff sowie der Raumsoziologie um dann unterschiedliche Konzepte zur Inklusion in die Gemeinde vorzustellen.

Die deutsche Schulpädagogik setzt sich kaum mit dem Begriff „Gemeinde“ auseinander. An dieses Manko knüpft Joachim Schroeder mit „Schule, Gemeinwesen und Inklusion. Möglichkeiten und Grenzen sozialraumorientierter Schulentwicklung“ an. Ausgehend von Exklusionsprozessen im Sozialraum Schule erörtert der Autor vier Raumdimensionen, die den gesellschaftlichen Raum prägen und deshalb bei der sozialraumorientierten Schulentwicklung mit berücksichtigt werden müssen. Am Exempel zweier Hamburger Stadtteile wird detailliert das Vorgehen für eine inklusionsorientierte kommunale Sozialplanung beschrieben. Eine weitere Herausforderung für die inklusive Schulentwicklung bildet die Kombination aus Behinderung und Migrationshintergrund. Um diese konstruktiv zu meistern weist Schroeder abschließend auf die „Zusammenführung von Behinderungs- und Migrationstheorien in kongruente gesellschafts-, bildungs- und schultheoretische Perspektiven“ (S. 139) hin.

In „Lokale und kommunale Teilhabeplanung“ vertritt Albrecht Rohrmann die These, „dass die Neuausrichtung der Behindertenpolitik und der Teilhabeleistungen für Menschen mit Behinderungen insbesondere auch einer Neubestimmung der kommunalen Behindertenpolitik bedarf.“ (S. 147) Auf der Basis der Probleme der aktuellen Behindertenpolitik entwickelt der Verfasser Möglichkeiten kommunaler Behindertenpolitik. Den Focus bildet in diesem Zusammenhang der Planungsprozess für eine inklusive Gemeinde, der sowohl Lebensbedingungen von Exklusion bedrohter sozialer Gruppen analysiert und ebenso herausarbeitet, wie „im Rahmen partizipativer und lernorientierter Prozesse“ (S. 148) die Benachteiligung überwunden werden kann.

Stephan Maykus stellt den kommunalen Bezug sowie die Orientierung am Raum in den Mittelpunkt seiner Betrachtung zu „Bildung in der inklusiven Stadtgesellschaft der Gegenwart. Theoretische Reflexionen zu Optionen der Vernetzung, Planung und Partizipation durch eine kommunale Sozialpolitik.“ Diese Vernetzung, Planung und Partizipation bewegen sich in den Feldern der Schule sowie Kinder- und Jugendhilfe. Für die Umsetzung von Bildungschancen auf kommunaler Ebene bedeutet dies in der Endkonsequenz, strukturell vorgegebene Grenzen zwischen diesen Bereichen zu überschreiten und mit deren unterschiedlichen Systemlogiken inklusive Bildung und Partizipation zu planen.

Einen mehrperspektivischen Betrachtungsrahmen zur Inklusion eröffnet Gudrun Wansing der Leserschaft. Soziale Räume als Orte der Lebensführung. Optionen, Beschränkungen, Befähigungen. Der Blick auf die Lebensführung ermöglicht die genauere Betrachtung funktionaler, normativer und räumlicher Dimensionen der Lebensbedingungen. Die Autorin zeigt überzeugend die Komplexität der Aufgaben für die Kommune, für das Individuum Inklusion im Alltag und über die Lebensspanne hinweg zu leben. Und sie resümiert abschließend, auch für diesen Sammelband, dass sich „ein relativistisches Raummodell (…) anschlussfähig für das Konzept der Lebensführung als Vermittlung zwischen Lebensbedingungen und Subjekt“ (S. 262) erweist.

Diskussion und Fazit

Dieser Sammelband vermittelt den LeserInnen ein sozialwissenschaftlich fundiertes Bild von Inklusion. Als Basis dient die UN-BRK. Die Autoren belegen theoretisch und exemplarisch den Zusammenhang einer auf Partizipation ausgerichteten Bildung sowie der dafür notwendigen Lernorte in den Kommunen. So, die VerfasserInnen, beginnt Inklusion bereits bei der Planung und Umsetzung von Bildungschancen. Der Sammelband regt an zur Auseinandersetzung mit Inklusion vor Ort, in der Schule, vor der Haustür und zum Nachdenken über Veränderungen in der kommunalen Arbeit. Dank der unterschiedlichsten Beiträge wird bereits das Lesen mit Einblicken in die Gemeinde als Sozialraum, der inklusionsorientierten Schulentwicklung und zu den einzelnen Konzepten zur Inklusion in der Kommune begleitet.

„Inklusion im Gemeinwesen“ zeigt die ganze Breite der Möglichkeiten und selbst erbauten Grenzen und Schwierigkeiten von breit gefasster Inklusion. Diese durchaus kritische Würdigung der Bemühungen um eine inklusive Bildung i.e.S. und Gemeinschaft i.w.S. schärft die Aufmerksamkeit für die Kleinigkeiten, an denen inklusive Bildung mitunter scheitert bzw. eine Lebensführung mit den voraussetzenden Bildungswegen ermöglicht. Die Buchbeiträge sind wissenschaftlich fundiert und sehr verständlich. Deshalb eröffnet es einer breiten Leserschaft, von SozialarbeiterInnen bis hin zu MitarbeiterInnen in Gemeinden, den Zugang zur Thematik und bietet sehr viele Anregungen zur Inklusion als Solche und zur Verantwortung der Kommune ganz besonders. Dieses Buch ist absolut und uneingeschränkt zu empfehlen.

Rezension von
Prof. Dr. phil. Barbara Wedler
Professur für klinische Sozialarbeit und Gesundheitswissenschaften
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Es gibt 82 Rezensionen von Barbara Wedler.

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ISSN 2190-9245