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Bettina Engels, Melanie Müller u.a. (Hrsg.): Globale Krisen - Lokale Konflikte?

Cover Bettina Engels, Melanie Müller, Rainer Öhlschläger (Hrsg.): Globale Krisen - Lokale Konflikte? Soziale Bewegungen in Afrika. Nomos Verlagsgesellschaft (Baden-Baden) 2015. 165 Seiten. ISBN 978-3-8487-2250-1. D: 29,00 EUR, A: 29,90 EUR, CH: 41,90 sFr.

Bayreuther Studien zu Politik und Gesellschaft in Afrika, Band 1.
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Herausgeber_innen und Autor_innen

Bettina Engels ist Juniorprofessorin für Empirische Konfliktforschung mit dem Schwerpunkt Subsahara-Afrika am Otto-Suhr-Institut der FU Berlin. Melanie Müller ist wissenschaftliche Mitarbeiterin an demselben Institut. Wer der dritte Herausgeber ist, entzieht sich der Kenntnis. Angaben dazu fehlen.

Die Autor_innen kommen von verschiedenen deutschen Hochschulen. Reinhard Kößler vom Arnold-Bergsträsser-Institut Freiburg hat auch eine Gastprofessur an der University of the Free State in Südafrika, was im Hinblick auf die Thematik des Buches erwähnenswert ist. Die Publikation erscheint als Band 1 der Bayreuther Studien zu Politik und Gesellschaft in Afrika.

Thema

Nach Auskunft der beiden Herausgeberinnen Engels und Müller soll in dem Band der Frage nachgegangen werden, ob systematische Unterschiede zwischen den sozialen Bewegungen in den verschiedenen Weltregionen bestehen, ob konkret die Analyse von sozialen Bewegungen in Europa auf Afrika übertragbar ist. „Und inwiefern erweist sich das theoretische Repertoire der Bewegungs- und Protestforschung als hilfreich für die Analyse von Phänomenen im globalen Süden, insbesondere in Afrika?“ (7) Nach Auffassung der beiden sind die zentralen Ansätze der Forschung auch dort produktiv anwendbar, da die Unterschiede des politischen Kontexts nicht zuletzt aufgrund des globalen neoliberalen Ordnungsrahmens eher zu vernachlässigen seien (9).

In den einzelnen Beiträgen werden politikwissenschaftliche Ansätze der Bewegungsforschung herangezogen und auf ihre Tauglichkeit geprüft (Ressoucenmobilisierung, Framing, politische bzw. diskursive Gelegenheitsstrukturen, politische Identitäten). Zwei Autoren argumentieren mit soziologischen Kategorien von Pierre Bourdieu. Teilweise ist das Repertoire der empirischen Sozialforschung genutzt worden.

Aufbau und Inhalt

Nach dem einleitenden Beitrag der Herausgeberinnen entwirft Lars Schmitt im Anschluss an Bourdieu eine allgemeine Heuristik zum Verständnis sozialen Aufbegehrens, während Reinhart Kößler speziell mit Blick auf die afrikanischen Staaten die ideengeschichtliche Konsequenz des antikolonialen Befreiungskampfs für die heutige politische Situation zum Thema macht.

Das in diesem Kampf genutzte „nationale Identifikationsangebot“ (Kößler) ist nach der historischen Studie von Daniel Kaiser ein Ergebnis des Austauschs afrikanischer Intellektueller in europäischen Metropolen, weshalb der antikoloniale Widerstand für ihn eine „transnationale Praxis“ darstellte.

Die weiteren Beiträge behandeln aktuelle Konflikte.

  • Frauke Banse untersucht, warum die Förderung von Gewerkschaften in Ghana und Benin seitens einer deutschen Stiftung jeweils unterschiedliche Folgen für die dortige Gewerkschaftsarbeit hatte. Eine ähnliche Fragestellung leitet den Beitrag von Antje Daniel über „Gebereinflüsse auf Frauenorganisationen in Kenia“.
  • Das schwierige Verhältnis des Gewerkschaftsverbands COSATU zu sozialen Bewegungen in Südafrika erklärt Melanie Müller.
  • „Konflikte um die Ausweitung des industriellen Bergbaus in Burkina Faso“ werden von Bettina Engels analysiert, wobei sie sich auf die Schwierigkeiten der Mobilisierung von Widerstand konzentriert.
  • Die diskursiven Strategien im Widerstand gegen land grabbing im Senegal sind Gegenstand der Interpretation von Louisa Prause unter besonderer Beachtung des transnationalen Policy-Diskurses.

Diskussion

Die Beiträge des Bandes sind an Fachwissenschaftler_innen adressiert und außer für Politikwissenschaftler_innen oder Vertreter_innen der Afrikanistik höchstens für Leser_innen von Interesse, die aus irgendeinem Grund (z.B. im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit) mit den Verhältnissen in einem der angeführten afrikanischen Staaten befasst sind. Das eigentliche Thema sind Analyseinstrumente zur Erforschung sozialer Bewegungen. Die meisten Texte, nicht alle, können als Beitrag zu einer instrumentell ausgerichteten Politikwissenschaft verstanden werden, die für Macht und Gegenmacht gleichermaßen funktional ist.

Fazit

Ein Beitrag zu den Afrikastudien, der außerdem für die politikwissenschaftliche Forschung von Interesse ist, aber nicht für eine breitere Leserschaft. Der Untertitel „Soziale Bewegungen in Afrika“ kann in die Irre führen.


Rezensent
Prof. Dr. Georg Auernheimer
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Zitiervorschlag
Georg Auernheimer. Rezension vom 22.08.2016 zu: Bettina Engels, Melanie Müller, Rainer Öhlschläger (Hrsg.): Globale Krisen - Lokale Konflikte? Soziale Bewegungen in Afrika. Nomos Verlagsgesellschaft (Baden-Baden) 2015. ISBN 978-3-8487-2250-1. Bayreuther Studien zu Politik und Gesellschaft in Afrika, Band 1. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/20983.php, Datum des Zugriffs 20.10.2018.


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