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Monika Lang (Hrsg.): MAASarbeit. Barrierefreiheit auf dem Weg in die Arbeitswelt

Cover Monika Lang (Hrsg.): MAASarbeit. Barrierefreiheit auf dem Weg in die Arbeitswelt für Menschen aus dem Autismusspektrum. Weidler Buchverlag (Berlin) 2015. 133 Seiten. ISBN 978-3-89693-634-9. D: 21,90 EUR, A: 22,60 EUR, CH: 31,50 sFr.
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Thema

Eine der größten Belastungen im Erwachsenenalter von Menschen mit Autismus Spektrum ist die erschwerte Teilhabe am Arbeitsleben, das melden Hauptpersonen aus dem Spektrum, Angehörige und auch Selbsthilfe- und Selbstvertretungsgruppen. Von 2010-2013 konnte mit Unterstützung von Aktion Mensch ein bis dahin bundesweit einmaliges Modellprojekt durchgeführt werden, um ein Konzept für ein autismusfreundliches Job-Coaching zu entwickeln und dies mit vielen Teilnehmenden in die Praxis umzusetzen. Aufgrund des hohen Bedarfs wurde die Begleitung im Verlauf des Projektes auf die Bereiche Berufsausbildung und Studium ausgeweitet.

Herausgeberin

Die Herausgeberin Monika Lang arbeitet am Institut für Rehabilitationspsychologie und Autismus (IRA) in Hessen. Im Zentrum der Arbeit des Instituts steht die Verbesserung der Lebensqualität von Menschen mit Behinderung bzw. Autismus und ihren Familien. Wesentlich in Fortbildung und Beratung sind eine differenzierte Wahrnehmung der individuellen Situation und eine systematische Analyse relevanter Umfeldbedingungen.

Entstehungshintergrund

Das Buch MAASarbeit ist im Weidler Verlag Berlin in der Reihe autismus erschienen. Diese Schriftenreihe möchte ein Forum bieten, in dem monographische Studien, Erfahrungsberichte, handbuchartige Sammlungen von Daten und Informationen sowie Quellen zur Geschichte der autistischen Behinderung publiziert werden. Herausgeberin ist Brita Schirmer. Das hier vorgelegte Buch ist Nr. 29. (vgl. www.weidler-verlag.de/Reihen/autismus).

Aufbau

Das Buch hat einen Umfang von 133 Seiten und gliedert sich in sieben Kapitel, die sich in zahlreiche Unterkapitel aufteilen. Das Buch wird durch eine CD ergänzt.

  1. Vorstellung der Träger, Projektbeteiligten und des Teams
  2. Personenkreis: Menschen aus dem Autismusspektrum – speziell hochfunktionaler Autismus und Asperger-Syndrom.
  3. Teilhabe am Berufsleben
  4. Autismus-Spektrum-Störung als unsichtbare Behinderung und vorhandene Barrieren
  5. Das Projekt MAASarbeit
  6. Konzeptionelle Bausteine des Projektes MAASarbeit
  7. Zusammenfassung und Ausblick

Inhalt

Im ersten Kapitel Vorstellung der Träger, Projektbeteiligten und des Teams werden die Beteiligten vorgestellt. Man findet verschiedene Grußworte, einmal von der Vorsitzenden des Bundesverbandes autismus Deutschland e.V. Maria Kaminski und ein Grußwort der Beauftragten der Hessischen Landesregierung für Menschen mit Behinderung.

Das zweite Kapitel Personenkreis: Menschen aus dem Autismusspektrum – speziell hochfunktionaler Autismus und Asperger-Syndrom definiert, um wen es geht. Dabei werden historische Aspekte beleuchtet. Ausgeführt werden die aktuelle diagnostische Einordnung und Symptomatik, diagnostische Fragen im Erwachsenenalter, die Prävalenz und Betrachtungen zum Autismus und die Bedeutung der neuro-psychologischen Ebene.

Im dritten Kapitel Teilhabe am Berufsleben wird die berufliche Teilhabe unter Betrachtung des Menschenrechtsabkommens der UN-Behindertenrechtskonvention erläutert. Vorgestellt wird die Initiative Inklusion am Beispiel Hessen. Das Kapitel schließt mit der Betrachtung der Ausgangssituationen in Bezug auf berufliche Chancen und Hürden von Menschen aus dem autistischen Spektrum.

Das vierte Kapitel Autismus-Spektrum-Störung als unsichtbare Behinderung und vorhandene Barrieren beleuchtet lebenslange Entwicklungs- und Bildungsprozesse, individuelle Hilfen und strukturelle Anpassungen im Bereich Therapie und Bildung sowie Barrieren und Hilfen in der beruflichen Bildung und Barrieren. Dabei geht es auch um die Überwindung der sog. „zweiten Schwelle“, denn der Zugang zum ersten Arbeitsmarkt ist oft wie verriegelt. Eltern haben in dem Zusammenhang einen doppelten Auftrag, was ihre Situation belastet.

Das fünfte Kapitel Das Projekt MAASarbeitberichtet von der Vorgeschichte und Entstehung des Projektes. Hier werden zudem das Projekt, die Zielgruppe und die individuelle Ausgestaltung im Projekt dargestellt. Dazu gehören auch das Personal und Kosten, der zeitliche Ablauf sowie statistische Daten mit Auswertung und Ergebnissen.

Das sechste Kapitel beinhaltet die konzeptionellen Bausteine des Projektes MAASarbeit. Ein zentraler Baustein ist die Tatsache, dass es sich um ein barrierefreies Angebot handelt. Es folgen weitere konzeptionelle Bausteine und Aspekte einer inklusiven Grundhaltung. Danach folgen Ausführungen zur Bedeutung der Zusammenarbeit mit Kooperationspartnern am Beispiel des Autismus Therapie Institut Langen. Hier schließen sich Fallvignetten an. Es wird von Frau C. berichtet und der Bedeutung von Komorbidität und von Herr A. und dessen Umgang mit der Diagnose. Am Beispiel von Herrn Müller wird in einem Interview beschrieben, wie seine Eingliederung nach der Maßnahme „Unterstützte Beschäftigung“ über das Persönliche Budget erfolgte, am Beispiel von Herrn K wird erläutert, wie eine Studienassistenz abläuft und am Beispiel von Herrn Mathias werden Autismus spezifische Probleme bei der Arbeitssuche aufgezeigt.

Das siebte Kapitel ist die Zusammenfassung und der Ausblick. Es schließt sich ein Literaturverzeichnis und ein Linkverzeichnis an. Im Anhang findet man die Checkliste „Arbeitsplatz als ‚Safe Place‘“ und ein Kompetenzprofil. Als Zugabe befinden sich im Buch zudem Vorträge von zwei Hauptpersonen, die auf der Tagung im November 2011 gesprochen haben. Es sind Markus Behrendt (Start ins Berufsleben – meine Erfahrungen als Asperger Autist) und Henning Böke (Über die Produktion einer Randgruppe). Dem Buch beigefügt sind eine CD und ein Booklet mit dem Titel „Zusammen arbeiten“, welches durch Antworten aus dem beigefügten Kompetenzprofil in Eigenregie erstellt werden kann.

Diskussion

Das Buch legt verschiedene inhaltliche Bausteine vor und verdeutlicht anhand von Beispielen aus der Praxis was es braucht, damit eine Teilhabe am Arbeitsleben gelingen kann. Es sind vor allem die individuellen und manchmal auch ungewöhnlichen Wege der Interaktions- und Kommunikationsgestaltung, die man kennen muss. Dazu gehört auch ein Autismus spezifisches Wissen und die Anwendung verschiedener methodischer Werkzeuge wie z.B. das Zusammenstellen von Information über das jeweilige Anderssein für Kollegen und Vorgesetzte. Erfolgreich ist ein kooperatives Aufeinander zugehen auf Augenhöhe mit den Teilnehmenden und dem sozialen Umfeld. Am Ende stand fest: Viele Teilnehmende und Angehörige im Modellprojekt wurden von professioneller Seite passgenau und mit konkreten Erfolgen begleitet, sodass Belastungen abgebaut werden konnten. Im Junfermannverlag ist 2016 ein weiteres Buch über das Modellprojekt MAASarbeit erschienen: Ina Blodig: Hochfunktionale Autisten im Beruf. Navigationshilfen durch die Arbeitswelt. Junfermann Verlag GmbH (Paderborn) 2016 (vgl. die Rezension). Die Autorin Ina Blodig ist Diplompädagogin und war Teilnehmerin des hessischen Modellprojektes. Heute arbeitet sie als Beraterin bei einem Unternehmen (specialisterne), das Menschen im Autismus-Spektrum bei der Suche nach Arbeitsplätzen unterstützt. Ina Blodig berät dabei Arbeitgeber und Arbeitsuchende, um eine anregende und gelingende Zusammenarbeit zu entwickeln. Auf dieser Basis gelingt eine Integration eher.

Ein zentraler Kern des Buches bildet das Kompetenzprofil, welches durch die beigefügte CD in Eigenregie individuell passend erstellt werden kann. Durch vierzehn gezielte Fragen werden verschiedene Faktoren und persönliche Einschätzungen von Kompetenzen und Bedingungen für den Ausbildungs-, Arbeits- oder Studienplatz ermittelt. Jede Frage erhält anfangs eine Erläuterung, warum diese Frage gestellt wird und macht damit den Kontext und den Zweck der Antwort für die Beratung und die Zusammenarbeit deutlich. Vor allem geht es darum, Situationen oder Beispiele nach ihren Rahmenbedingungen zu untersuchen und herauszufinden, welche Faktoren in Situationen als positiv erlebt (und damit tragend) werden und welche hinderlich sein können und zu Schwierigkeiten führen können. In welcher Reihenfolge man die Fragen bearbeitet ist unerheblich.

Es wird nach Kommunikationswegen gefragt wie Telefon, SMS, Email, Chat oder persönlich bzw. über Dritte, nach dem Wissen um die eigene Diagnose, nach Wünschen und Interessen, analysiert werden Erfolgs- und Misserfolgserfahrungen, soziale Kompetenzen und nach der Arbeitsausführung (Tempo, Umgang mit Stress oder Flexibilität). Die Fragen bieten die Möglichkeit der Reflexion im Vorfeld, was hilft, sich auf mögliche Situationen oder Hürden vorzubereiten.

Fazit

Eine der größten Belastungen im Erwachsenenalter von Menschen mit Autismus Spektrum ist die erschwerte Teilhabe am Arbeitsleben, das erklären Hauptpersonen aus dem Spektrum, Angehörige und auch Selbsthilfe- und Selbstvertretungsgruppen. Von 2010 – 2013 konnte mit Unterstützung von Aktion Mensch ein bis dahin bundesweit einmaliges Modellprojekt durchgeführt werden, um ein Konzept für ein autismusfreundliches Job-Coaching zu entwickeln und dies mit vielen Teilnehmenden in die Praxis umzusetzen. Aufgrund des hohen Bedarfs wurde die Begleitung im Verlauf des Projektes auf die Bereiche Berufsausbildung und Studium ausgeweitet. Dem Buch ist eine CD beigefügt mit dem Booklet „Zusammen arbeiten“, in dem die Antworten auf Fragen aus dem Kompetenzprofil von Monika Lang zusammengefasst werden können. Die Fragen im Kompetenzprofil beleuchten unter 14 Überschriften verschiedene Aspekte. Dabei geht es neben allgemeinen Angaben zur Person um Kommunikationswege, den Kenntnisstand über die eigene Diagnose Autismus, Wünsche in Bezug auf Berufs- und Arbeitswünsche sowie die Analyse von Erfolgs- und Misserfolgserfahrungen. Hilfreich ist auch die Checkliste „Arbeitsplatz als Safe Place“, die sieben Seiten umfasst.


Rezensentin
Dipl.-Päd. Petra Steinborn
Heilpraktikerin für Psychotherapie. Einrichtungsleitung in einer großen Ev. Stiftung in Hamburg-Horn und freiberuflich in eigener Praxis ABC Autismus tätig. Schwerpunkte: Herausforderndes Verhalten, Strategien der Deeskalation, Autismus, TEACCH, Erworbene Hirnschädigungen
Homepage www.abc-autismus.de
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Zitiervorschlag
Petra Steinborn. Rezension vom 03.08.2016 zu: Monika Lang (Hrsg.): MAASarbeit. Barrierefreiheit auf dem Weg in die Arbeitswelt für Menschen aus dem Autismusspektrum. Weidler Buchverlag (Berlin) 2015. ISBN 978-3-89693-634-9. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/20988.php, Datum des Zugriffs 22.03.2019.


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