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Claudia Berther, Therese Niklaus Loosli: Die Marte-Meo-Methode

Cover Claudia Berther, Therese Niklaus Loosli: Die Marte-Meo-Methode. Ein bildbasiertes Konzept unterstützender Kommunikation für Pflegeinteraktionen. Hogrefe (Bern) 2015. 247 Seiten. ISBN 978-3-456-85532-5. D: 36,95 EUR, A: 38,00 EUR, CH: 45,90 sFr.

Video-DVD beiliegend.
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Thema und Zielgruppe

Marte Meo – „aus eigener Kraft“ – ist ein ressourcenorientiertes videobasiertes Beratungsverfahren, das auf die Niederländerin Maria Aarts zurückgeht. Mit Hilfe kurzer Videoclips aus dem Pflegealltag erhalten Pflegekräfte, freiwillige HelferInnen und Angehörige konkrete Informationen, wie sie unterstützend und bedürfnisorientiert mit Pflegebedürftigen umgehen können. Die Beratung setzt bei den gelungenen Momenten der Kommunikation an und arbeitet gemeinsam mit den Pflegekräften heraus, was sie in Zukunft vermehrt einsetzen können, um die Bedürfnisse der Pflegebedürftigen noch besser zu beantworten und ihre Selbstwirksamkeit zu stärken.

Das Buch richtet sich an Pflegefachkräfte, die Menschen mit Demenz begleiten, und zeigt darüber hinaus Lehrenden und Pflegemanagern auf, wie Marte Meo in Institutionen bereichernd eingesetzt werden kann.

Autorinnen

Claudia Bertherist Pflegefachfrau und lizensierte Marte Meo Supervisorin und Therese Niklaus Loosli ist Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Organisationsentwicklerin, ebenfalls Marte Meo Supervisorin und Hochschuldozentin. Beide sind in der Schweiz beheimatet.

Aufbau

Das Buch gliedert sich- neben Schlussreflexionen – in zehn Teile:

  1. Interview mit Maria Aarts
  2. Was ist Marte Meo?
  3. Theoretische Grundlagen der Marte Meo Methode
  4. Grundhaltung der Marte Meo Methode
  5. Die Marte Meo Ausbildung
  6. Nachhaltigkeit
  7. Wichtige Aspekte bei der Umsetzung der Marte Meo Arbeit
  8. Marte Meo anhand von Fallbeispielen
  9. Erfahrungsberichte aus der Praxis
  10. Erfahrungsberichte über Marte Meo und andere Methoden (z.B. Validation)

Einige Inhalte werden – illustriert durch Videoclips aus der Altenpflege in der Schweiz – zusätzlich auf der DVD präsentiert:

  • Interview mit Maria Aarts (ca. 16 Minuten)
  • Unterstützendes Kommunikationsverhalten in freien Situationen
  • Unterstützendes Kommunikationsverhalten in strukturierten Situationen
  • Demenz: Interdisziplinäre Zusammenarbeit: Marte Meo Prozess Herr H.
  • Die Botschaft hinter dem Verhalten: Marte Meo Prozess Frau A.
  • Ambulante Pflege, Betreuung und Beratung
  • Lernende begleiten und beraten
  • Freude teilen – Happ Happ Momente

Inhalt

Wie Maria Aarts in ihrem Interview erklärt, hilft die Marte Meo Methode wahrzunehmen, was Menschen mit Demenz brauchen. Pflegekräfte (und Angehörige) erhalten konkrete Informationen, wie man im Alltag Schritt für Schritt unterstützend vorgehen kann. Hierzu werden Videos im Pflegealltag aufgenommen, die die Marte Meo Kollegentrainerin/ Marte Meo Therapeutin anschließend auswertet (Videointeraktionsanalyse). In Form von kurzen Clips werden dann den Pflegekräften ihre gelungenen Kommunikationsmomente vorgespielt und im sogenannten Review besprochen:

  • Wann zeigt sich ein Verhalten?
  • Was genau ist zu sehen?
  • Warum ist dieses Verhalten der Pflegekraft förderlich für die Menschen mit Demenz?

Bei den Videoaufnahmen wird zwischen freien und strukturierten Situationen unterschieden: Die Basis für eine gelingende Kommunikation in freien Situationen ist eine gute Atmosphäre durch eine freundliche, interessierte Grundhaltung. Auf den Videos sieht man sehr genau Momente, in denen die Pflegekräfte ein „gutes“ Gesicht machen und mit freundlichen Tönen sprechen. Von großer Bedeutung ist es, aufmerksam zu warten und genau zu schauen, was das Gegenüber tut. Das Benennen von Handlungen macht die Situation für Menschen mit Demenz vorhersehbarer. In freien Situationen werden Pflegekräfte durch Marte Meo ermutigt, Gefühle zu benennen und Freude zu teilen. Momente gemeinsamer Freude nach gelungenen Situationen nennt Maria Aarts: „Happ-Happ“.

In strukturierten Situationen (z.B. Mobilisation, Waschen, Essen reichen) geht es darum, ein Kooperationsmodell zu entwickeln, das genau den Strukturverlust der Menschen mit Demenz berücksichtigt. Auch hier ist es wichtig, durch Benennen vorhersehbar zu werden, angemessen zu warten und die Handlung in sehr kleine Schritte aufzuteilen. Aktionen und Anleitungen werden immer wieder durch Kontaktmomente unterstützt. Das Ende einer Aktion wird durch Lob oder gemeinsame Freude markiert. So werden alltägliche Pflegesituationen zu positiven Beziehungsmomenten.

Das Buch setzt sich auch mit dem Argument auseinander, ob Marte Meo angesichts der Zeitnot der Pflegenden praktikabel sei: Durch Erfahrungsberichte, publizierte Evaluationen (beispielsweise aus Dänemark) und anhand konkreter Videos wird deutlich, dass Marte Meo hilft, problematisches Verhalten von Menschen mit Demenz zu reduzieren. So wird die anfänglich aufgewendete Zeit im Umgang mit aggressiv reagierenden Menschen wieder eingespart. Weiterhin nimmt die Arbeitszufriedenheit der Pflegenden zu und die Krankschreibungen sinken.

Die Grundhaltung der Marte Meo Methode ermutigt, ist respektvoll und lösungsorientiert. Sie will an Hand positiver Bilder weg vom Problemdenken hin zum Lösungshandeln. Sie traut dem Gegenüber Veränderungspotential zu.

Das Buch geht auch auf die Marte Meo Ausbildung selbst und auf den Einsatz von Marte Meo in der Ausbildung von Pflegekräften ein. Es stellt Bezüge zu systemischen Ansätzen, zur Validation und zum Konzept Lebensqualität her.

Diskussion

Das Buch selber ist leider nicht gut strukturiert: die Bezüge zu den Filmsequenzen auf der DVD sind häufig unklar gehalten, so dass man die passenden Videos selber suchen muss. Bei Zitierungen anderer Autoren findet man Aneinanderreihungen von Zitaten ähnlichen Inhalts. Die Aussagen werden sehr früh durch konkrete Beispiele mit schönen Fotos im Buch untersetzt. An mancher Stelle kommen jedoch die hilfreichen Erläuterungen, was konkret mit den Marte Meo Begriffen gemeint ist, erst im Nachhinein, dafür aber in wörtlicher Wiederholung mehrfach.

Sieht man einmal von der schlechten Strukturierung ab, ist das Buch eine Fundgrube für konkrete Beispiele aus der Altenpflege.

Die DVD ist ausgesprochen gelungen. Zwar sind die Videosequenzen in Schweizer Deutsch, jedoch finden sich an schwer verständlichen Stellen Untertitel. Die Videoclips werden mit prägnanten Stichpunkten eingeführt, sind inhaltlich sehr gut ausgewählt und mit Beschriftungen angereichert, die die konkreten Marte Meo Elemente deutlich machen.

Fazit

Marte Meo kann die Altenpflege sehr bereichern und wesentlich zur Qualitäts- und Organisationsentwicklung beitragen. Das Buch beschreibt die Marte Meo Grundhaltung, die einzelnen Marte Meo Elemente und die Einsatzmöglichkeiten des Ansatzes in der Altenpflege. Eine Stärke des Buches liegt in seinen vielen Fallbeispielen, die besonders mithilfe der beiliegenden DVD das Verfahren anschaulich erläutern. Die Lesbarkeit würde von einer besseren Strukturierung des Buches sehr profitieren.


Rezensentin
Prof. Dr. Annemarie Jost
Professorin für Sozialpsychiatrie an der Fakultät 4 der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg
Homepage www.b-tu.de/fg-sozialpsychiatrie/
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Zitiervorschlag
Annemarie Jost. Rezension vom 30.06.2016 zu: Claudia Berther, Therese Niklaus Loosli: Die Marte-Meo-Methode. Ein bildbasiertes Konzept unterstützender Kommunikation für Pflegeinteraktionen. Hogrefe (Bern) 2015. ISBN 978-3-456-85532-5. Video-DVD beiliegend. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/21007.php, Datum des Zugriffs 21.06.2018.


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