Stefan Meyer, Barbara Brüning-Wolter et al.: Trauerbegleitung organisieren
Rezensiert von Petra Rechenberg-Winter, 31.08.2016
Stefan Meyer, Barbara Brüning-Wolter, Esther Fischinger, Regine Rudert-Gehrke, Christine Stockstrom: Trauerbegleitung organisieren. Kohlhammer Verlag (Stuttgart) 2016. 81 Seiten. ISBN 978-3-17-029948-1. D: 19,00 EUR, A: 19,60 EUR.
AutorInnen
Die AutorInnen sind als Professionelle praktischer Trauerbegleitung im engen und weiteren Kontext der Hospiz- und Palliativversorgung tätig. Als BildungsreferentIn, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin, Lehrerin, Pfarrerin, AusbilderInnen in Trauerbegleitung beschreiben sie unterschiedliche Trauerangebote, Qualifizierungen und Begleitmaterialien von den theoretischen Grundlagen bis zu konkreten Umsetzungsschritten.
Entstehungshintergrund
Das Buch ist eines der vom Bayerische Hospiz- und Palliativverband herausgegebenen Buchreihe „Umsorgen – Hospiz- und Palliativarbeit praktisch“, die als Praxishilfe konzipiert eine Brücke zwischen übergreifender Fachliteratur und praktisch-individuellen Fragen der Hospiz- und Palliativeinrichtungen baut.
Aufbau und Inhalt
Kapitel 1. Theoretische Grundlage von Regine Rudert-Gehrke und Stefan Meyer. Das Grundverständnis der Trauer als individuelle existentielle Krise im Kontext gesellschaftlicher Veränderung wird skizziert und Trauerbegleitung im Verständnis unterstützender Reorganisation trauernder Menschen dargestellt. Als Grundlage dient das „Duale Prozessmodell“ der aktuellen Trauerforschung. Es wird auch auf Trauer im Team eingegangen, dann wenn die TrauerbegleiterInnen eigene Verluste zu betrauern haben und an die Grenzen ihrer Professionalität geraten.
Kapitel 2. Voraussetzung und Qualifizierung für Trauerbegleitung von Christine Stockstrom. Trauerbegleitung ist eine anspruchsvolle und herausfordernde Tätigkeit. Ob ehrenamtlich geleistet oder im Rahmen hauptamtlicher Tätigkeit benötigt sie eine entsprechende Qualifizierung. Der Bundesverband Trauerbegleitung e.V. hat Standards entwickelt, die hier beschrieben sind. In diesem Zusammenhang wird Trauerbegleitung von Sterbebegleitung unterschieden.
Kapitel 3. Angebote und Formen von Trauerbelgeitung in Hospizdiensten von Barbara Brüning-Wolter. Hospizvereine bieten trauernden Menschen vielfältige Angebote. Es wird auf diverse Formen und deren Rahmenbedingungen eingegangen, auf Überlegungen zur Organisation, Finanzierung und regionaler Vernetzung.
Kapitel 4. Kinder und Jugendliche in der Trauer begleiten von Esther Fischinger. Passagere und endgültige Verluste im Kontext eines systemisch-psychologischen Entwicklungsverständnisses bilden den Ausgangspunkt für die Annahme einer grundsätzlichen Befähigung des Kindes, Themen von Verlust, Sterben und Tod zu begegnen. Es wird auf Bindungsaspekte und kindlicher Resilienz ebenso eingegangen wie auf altersentsprechender Teilhabe an einer im Umbruch befindlichen Familienidentität und die Bedeutung einer dialogische Psychoedukation. Es ist die spezifische Situation Jugendlicher zwischen Verselbständigungswünschen und Zugehörigkeitssehnsucht ebenso berücksichtigt wie die besonderen Herausforderungen in der Geschwistertrauer. Auch wird auf Risiken für Komplikationen im natürlichen Trauerprozess hingewiesen und auf Belastungszeichen, die u.U. einer kindertherapeutische/jugendpsychiatrische Abklärung bedürfen. Den Abschluss bilden Hinweise auf stärkende Rituale und strukturierende Zeremonien.
Anhang mit Praxishilfen
- Barbara Mallmann bietet eine Art Checkliste zum Umgang mit Trauer und Verlust am Arbeitsplatz.
- Monika Weis gibt praxisrelevante Hinweise, wenn lebensbedrohliche Krankheit, Behinderung oder Tod das Leben der Schule berühren.
- Chris Paul stellt ein Dokumentationssystem für Trauerbelgeitung vor, das wesentliche Informationen und Zusammenhänge erfasst.
Diskussion
Die Beiträge des vorliegenden Buches sind erfahrungsbasierte Informationen und Handreichungen aus der Praxis für die Praxis. Sie spannen einen weiten Bogen von theoretischen Überlegungen, methodischen Hinweisen, selbstreflexiven Betrachtungen und haltungsbezogenen Aspekten.
Ihrem Anspruch, Erfahrungen zusammen zu tragen, um die diejenigen zu unterstützen, die Trauerbegleitungsangebote in ihrem Tätigkeitsfeld organisieren, wird konsequent eingelöst.
Fazit
Trauerbegleitung als ein zentrales Element in regionalen Hospiz- und Palliativversorgungsnetzwerken ist auf dafür qualifizierte Menschen angewiesen, die sich dieser Aufgabe verantwortungsvoll, kompetent und sensibel stellen.
Der schmale Band bietet Basisinformation und theoretische Überlegungen, die all denen empfohlen sei, die sich mit Überlegungen tragen, Trauerangebote zu implementieren.
Rezension von
Petra Rechenberg-Winter
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