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Emil Gataullin, Peter-Matthias Gaede: Bis zum Horizont

Cover Emil Gataullin, Peter-Matthias Gaede: Bis zum Horizont. Towards the Horizon. Edition Lammerhuber (Baden) 2016. 256 Seiten. ISBN 978-3-903101-16-6. D: 49,90 EUR, A: 49,90 EUR.
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Fotograf und Autor

Emil Gataullinist ein russischer Monumental- und Freskomaler. Er studierte am V. Surikov Moscow State Academy Art Institute. Kurz nach der Jahrtausendwende begann er, sich für Fotografie zu interessieren, und fand im Fotografietheoretiker Alexander Lapin seinen Lehrer und Mentor. Seine Liebe gehört der Schwarz-Weiß-Fotografie mit zunehmend häufigeren Ausflügen zur Farbe. Emil Gataullin wurde im Jahr 1972 geboren und lebt in Korolyov bei Moskau.

Peter-Matthias Gaedestudierte Sozialwissenschaften in Göttingen und absolvierte die Henri-Nannen-Journalistenschule. Nach drei Jahren bei der Frankfurter Rundschau wechselte er 1983 als Reporter zum Magazin GEO und war von 1994 bis 2014 dessen Chefredakteur, außerdem Chefredakteur, später Herausgeber von GEO WISSEN, GEOlino, den GEO Specials und weiterer Ableger von GEO. Gaede wurde unter anderem mit dem Reinhard-Wolff-Förderpreis und dem Egon-Erwin-Kisch-Preis ausgezeichnet. Er ist Mitglied im Stiftungsrat der Körber-Stiftung, im Kuratorium von Reporter ohne Grenzen und der Akademie für Publizistik sowie seit 2014 im Vorstand von UNICEF Deutschland. 

Kunst der Schwarzweiß Fotografie

Unter Schwarzweiß Fotografie versteht man heute die hohe Kunst der Fotografie. Die Faszination für Schwarz-Weiß-Fotografie ist nach wie vor ungebrochen. Elegant und hochwertig, grafisch und kontrastreich kommt sie daher – die Schwarz-Weiß-Fotografie. Schwarz-Weiß-Bildern haftet etwas Nostalgisches an. Für die Betrachter war, ist und bleibt eine Schwarz-Weiß-Aufnahme etwas ganz Besonderes, was möglicherweise auf die weltberühmten Aufnahmen der Fotogrößen des 19. und frühen 20. Jahrhunderts zurückgeführt werden kann. Aber die Farbfotografie hat die Schwarz-Weiß-Fotografie bzw. das Fotografieren in Grautönen nicht verdrängt. Auch in digitalen Zeiten finden Fotografen und Betrachter großen Gefallen an dem Weglassen von Farben und an den entsprechenden Ausdrucksmöglichkeiten der monochromen Bilder. Insbesondere für künstlerische Arbeiten sowie in der Reportage- und Dokumentarfotografie ist das Fotografieren in Schwarz-Weiß oder die nachträgliche Konvertierung in der Bildbearbeitung nach wie vor sehr beliebt, weil Bilder in Schwarz-Weiß den Blick für das Wesentliche schärfen. Was macht den Reiz der Schwarzweiß-Fotografie aus? Es handelt sich nicht nur um die Erinnerung an alte Schwarzweiß-Fotos, auch die Zeit des Schwarzweiß-Fernsehens umgibt sich mit einem Hauch Nostalgie. Tatsächlich kann die Form oder Schattierung eines Motivs in Schwarzweiß dramaturgisch sehr interessant hervorgehoben werden. Einige Motive können dann sogar stärker als in Farbe wirken. Also, Schwarzweiß fotografieren wird wieder in. Die Schwarzweiß-Fotografie erlebt heutzutage eine Renaissance, obwohl sie nie ganz von der Bildfläche verschwand.

Der Fotobildband

Bei dem vorliegenden Buch handelt es sich um einen Fotobildband des russischen Fotografen Emil Gataullin, der im Westen noch weithin unbekannt war, bis er seine Arbeit dem Alfred Friend Photography Award im Jahr 2014 vorgelegt hatte. Dank seiner Anerkennung in der Auszeichnung begann sein großes Oeuvre mehr Aufmerksamkeit zu erlangen, was zur Veröffentlichung eines Buches mit dem Titel „Bis zum Horizont“ führte. „Bis zum Horizont“ ist das erste Buch der Serie VISUAL POETRY. Gataullin hat ein Werk von klassischer Schönheit zusammengetragen, das Kenner bereits mit jenen der großen Meister seines Faches vergleichen.

Der akademisch ausgebildete russische Freskomaler ist ein Meister der poetischen Schwarz-Weiß-Fotografie, einer magischen und berührenden Fotografie, die an Henri Cartier-Bresson denken lässt. Sein Thema: das russische Dorf, das Leben weit weg von Alltagsstress und Verkehr, fernab der wichtigen Entscheidungen und Sensationen. Mit seinen Bildern macht er eine romantische Liebeserklärung an ein Russland, das jenseits von der Hauptstadt Moskau beginnt. Sein Grundmotiv ist melancholisch. Gataullin schafft es, auch aus banalsten Alltagsszenen Bilder von besonderer Magie zu machen. Er ist ein poetischer Chronist der einfachen Menschen, der versucht in seinen Bildern, die Magie des Alltags einzufangen. Das Gataullins Werk stellt zugleich Dokumentation wie fotografisches Gedicht dar, das auf dem Grat zwischen bewusster Kargheit und Zurückhaltung und zärtlicher Komposition tanzt.

Gataullin versucht in seinen archaischen Schwarz-Weiß-Fotografien der Frage nachzuspüren, was den Alltag sinnvoll und lebenswert macht. Er sucht in seinen Bildern nach dem Sinn, was andere Menschen in ihrer von Reizüberflutung, Schnelllebigkeit und Oberflächlichkeit geprägten Welt vergeblich zu finden versuchen. Emil Gataullins meisterliche, in der russischen Provinz entstandene Fotografien sind visuelle Dichtungen mit einem dokumentarischen Touch. Er erzählt in seinen Bildern wahre Geschichten, die nie laut, indiskret oder schamlos werden. Begleitet werden die zauberhaften Bilder des russischen Landlebens von einem ebenso poetischen Text von Peter-Matthias Gaede, dem langjährigen Chefredakteur von GEO.

Gataullin dokumentiert in einer von humanistischer Einstellung geprägten Perspektive das einfache Leben – mit der immerwährenden Sehnsucht nach Glück, Erfüllung, Liebe, schlicht einem friedvollen Zusammensein. Gataullin als Baumeister der unsichtbaren Räume ruft in seinen Bildern zur Anbetung des Moments auf und visualisiert das, was andere nicht sehen. Die Kompositionen seiner Bilderwelten sind einfach, klar und strukturiert. Er schafft es, die Komplexität auf das Wesentliche zu reduzieren. Sein Blick ist dementsprechend aufrichtig, authentisch, ungeschönt. Jedes Bild ist zugleich großartig und wunderbar unzeitgemäß – Zeitgeist verweigernd.

Fazit

Bei der vorliegenden Veröffentlichung handelt es sich um einen überaus gelungenen und prachtvollen Schwarz-Weiß-Fotobildband von Emil Gataullin. Die zauberhaften Begleittexte stammen aus der Feder von Peter-Matthias Gaede und ergänzen dieses wunderschöne Werk vortrefflich. Gataullins Werk kann Liebhabern anspruchsvoller Schwarz-Weiß -Fotografie nur ausdrücklich empfohlen werden.


Rezensentin
Dr. Olga Frik
Finanzuniversität Omsk, Russische Föderation. Ehemalige Lehrbeauftragte und Gastwissenschaftlerin an der Leibniz-Universität Hannover
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Zitiervorschlag
Olga Frik. Rezension vom 20.10.2017 zu: Emil Gataullin, Peter-Matthias Gaede: Bis zum Horizont. Towards the Horizon. Edition Lammerhuber (Baden) 2016. ISBN 978-3-903101-16-6. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/21023.php, Datum des Zugriffs 21.11.2017.


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