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Friederike von Gross: Informelles Lernen in Jugendszenen

Cover Friederike von Gross: Informelles Lernen in Jugendszenen. Zum Erwerb berufsrelevanter Kompetenzen in Jugendszenen am Beispiel der Visual Kei-Szene. Beltz Juventa (Weinheim und Basel) 2016. 248 Seiten. ISBN 978-3-7799-2463-0. D: 34,95 EUR, A: 35,90 EUR, CH: 45,90 sFr.
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Thema

Früher war die Allerweltsrezeption japanischer populärer Kultur in Deutschland geprägt von feuilletonhaften Darstellungen ausgewählter Traditionen wie Ikebana und Origami, die uns seltsam fremd erschienen. Auch Informationen zu Shogun, Samurai und Harakiri haben uns das Japanische nur bedingt nähergebracht: Fernost erschien uns tatsächlich weit weg. Und die massenmediale Invasion japanischer Ikonen in der Nachfolge von Godzilla (1954) hat daran wenig geändert, außer dass nach und nach die Jugend in den Fokus kam – nicht nur bei den Konsumenten, sondern auch bei den Protagonisten. So tauchten Ende der Achtziger die Kostümspieler des Cosplay bei uns auf, und 1997 hat uns William Gibson in seinem Aidoru gezeigt, dass die japanischen Idole nicht bloß artifiziell auftreten, sondern durchaus überhaupt ohne Wirklichkeitsbezug auskommen können. Damit hatte er auch das Virtuelle als literarisches Thema entdeckt. Zur gleichen Zeit blühten mit dem Tamagotchi und den Pocket Monsters weitere merkwürdige Manifestationen trivialer japanischer Kultur auch bei uns auf – zum Kopfschütteln des mediokren mainstream. So weit dazu.

In diese Fernostfolge reihe ich das Visual Kei (VK) ein, eine in Deutschland außerhalb der ‚inner circles‘ wenig bekannte und sehr spezielle Jugend-(Musik-)Szene. VK umfasst – vereinfachend gesagt – sowohl die von Kopf bis Fuß grell durchgestylten Musiker ebenso wie deren Anhänger, die sich im Outfit ihren Idolen maximal annähern wollen. Dabei scheinen sie alle der alten Maxime Marshall MacLuhans zu folgen, dass das Outfit das Medium und damit bereits die Botschaft ist: Man kommt ohne eine definierte inhaltliche Ausrichtung der produzierten und konsumierten Rock- und Pop-Musik aus. So unterscheidet sich VK von exponierten westlichen Styles – vom Grunge oder dem Gangsta-Rap bis zum Gothic oder dem R&B: Deren Anspruch ist die Identität von expressiver musikalischer Form und Hardcore-Inhalten.

Die Fernost-Optik, die stattdessen beim VK zählt, orientiert sich auf der einen Seite an den Vorbildern des klassischen Kabuki-Theaters und auf der anderen Seite an westlichen Leitbildern wie Bowie und Kiss oder Siouxsie und der Gothic Music. In Japan ist das ein Freizeit-Style, weil die immer noch strengen Verhaltens- und Kleiderkonventionen der Schule ein öffentliches Auftreten der jugendlichen Szenegänger verbieten.

Weil aber das Fernöstliche seltsam und so fern ist, wundert es einen, wenn das Beispiel werden kann und wofür. Also ist man sehr gespannt auf das zur Rezension anstehende Buch, denn das will ja genau ein solches Beispiel liefern. Dabei geht es der Autorin- abweichend vom Buchuntertitel – nicht um Erläuterungen zur Szene insgesamt, sondern um die Szene-Elite (also die Szenegänger der ersten Stunde, die die Trends gesetzt haben: S. 11). Von Gross ist der Überzeugung, dass bereits deren bloße Teilhabe am VK zu nicht intendiertem Lernen führe und dass man – en passant – Kompetenzen erwerbe, die man woanders – im wirklichen Leben – brauchen kann. Explizit schreibt sie, sie wolle „mögliche Handlungsfelder Jugendlicher in der Szene-Elite der Visual Kei-Szene durch den qualitativen Zugang im Detail“ erfassen (208).

Autorin

Friederike von Gross arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der erziehungswissenschaftlichen Fakultät der Universität Bielefeld. Das zur Rezension anstehende Buch ist ihre Dissertation, die 2015 eingereicht worden ist. Dem Vorwort entnehmen wir, dass sich von Gross schon in ihrer Diplomarbeit der Untersuchung jugendlicher Szenen gewidmet hat und dass sie sich dem Thema auch nach zwei Mutterschaften und den folgenden Elternzeiten weiter verbunden fühlt.

Aufbau

Die vorliegende Monographie bietet eine komplexe Struktur in schwieriger Gliederung: Nach Danksagung und Einleitung wird in fünf Schritten (I.2-6) die ‚Theoretische Ausgangslage‘ entfaltet:

  • Jugend und Jugendszenen
  • Kompetenz, informelles Lernen und informelle Bildung
  • Selbstsozialisation
  • Populärkulturelles Kapital
  • Stand der Forschung.

Danach (II.7) begründet von Gross ihr methodisches Vorgehen (‚Ethnografie‘; Untersuchung von Subkulturen der eigenen Gesellschaft) und schließt als umfangreichsten Teil des Werkes die Ergebnisse dieses Vorgehens (III.) in drei Schritten (8-10) an, die sie dann zusammenfasst (11) bevor ‚Pädagogische Implikationen (12) diskutiert werden; zum Ende gibt es ‚Fazit und Ausblick‘ (13).

Inhalt

2. Jugend und Jugendszenen: Zu Beginn der Skizze der Theoretischen Ausgangslage findet von Gross ihren Zugang zur VK-Szene über die Erläuterung einer eigenständigen Lebensphase Jugend, die sie in verschiedenen musikaffinen Szenen verortet. VK ist für sie ein Beispiel. Allerdings sei VK keine Musikrichtung im klassischen Sinne, sondern eher (ein) Kleidungsstil (34) bei Musikern und Konsumenten. Die zu Anfang der 80er Jahre in Japan entstandene Szene sieht sie in Deutschland erst zwanzig Jahre später sich über das Internet verbreiten – als Adaption japanischer popkultureller Codes. Ob diese Nischenszene in Deutschland Zukunftschancen hat, lässt von Gross offen (39).

3. Kompetenz, informelles Lernen und informelle Bildung: In einem weiteren theoretischen Neuansatz kümmert sich von Gross um die Aufschlüsselung der drei Titelbegriffe, denen sie noch mit ‚Qualifikationen‘ (3.1) einen vierten an die Seite stellt. Sie beschreibt, dass sie trotz aller Vorbehalte am Kompetenzbegriff (3.2) festhalten wolle, weil er die subjektive Strategie biographierelevanter Entscheidungen betone. Ein Bestandteil von Kompetenz sei informelles Lernen (3.3), das sie aber für ihren eigenen Ansatz nicht trennscharf von ‚formalen Kontexten‘ betrachtet sehen möchte (50). Obwohl von Gross sieht, dass in der Literatur unbefriedigender Weise informelles Lernen und informelle Bildung (3.4) oftmals synonym verwendet werden, will sie einen Versuch machen, die beiden Sachverhalte begrifflich zu differenzieren. Dazu setzt sie sich, knapp und sekundär zitierend mit Humboldts Bildungsverständnis auseinander und kommt zum Ergebnis, dass nur eine ganzheitliche Sicht auf formale, nonformale und informelle Bildung das Ganze sichtbar werden lasse. Im Anschluss (3.5) stellt sie die Entscheidungsfrage: ‚Lernen oder Bildung‘ und kommt, wie der Titel der Arbeit nahelegt zum Schluss, dass der Lernbegriff tragfähiger sei (54). Eine systematische und vergleichende Begründung bleibt aus.

4. (Selbst-) Sozialisation: Unter dieser Überschrift beschreibt sie auf den folgenden vier Seiten (55-58) ‚einen weiteren Fokus‘ (55), in dem biographierelevante Entscheidungen betrachtet werden könnten. Sie kommt zum Ergebnis, dass Selbstsozialisation nicht im Widerspruch zur klassischen Vergesellschaftung stehe, sondern vielmehr die Eigenleistungen des Subjektes in diesem Prozess betone. Der Stellenwert wird nicht erläutert: Was bedeutet ‚weiterer Fokus‘?

5. (Populär-)Kulturelles Kapital: Von Gross will in diesem Abschnitt die Aneignungsprozesse des Subjektes als Akkumulation von immateriellem Kapital herausarbeiten und referiert dazu (59 f.: 5.1) die bekannten Kapitalsorten Bourdieus, bevor sie auf die für sie wichtige und notwendige Ergänzung durch Fiske verweist, der Bourdieus Skepsis gegenüber dem populären Geschmack nicht teile und deswegen als weitere Kapitalsorte das ‚populärkulturelle Kapital‘ (61 f./5.2) einführe. Die Autorin ihrerseits geht über Fiske hinaus, weil sie – im empirischen Teil ihrer Untersuchung – zeigen will, dass dieser Kapitalanteil eben nicht immateriell sei, sondern durchaus ökonomisch verwertbar.

Im Kapitel 6. Stand der Forschung will die Autorin die bislang getrennt voneinander diskutierten Sachverhalte rund um Lernen, Bildung, Kompetenz und Kapital bündeln und auf jugendliche Szenen beziehen. Dazu liefert von Gross zunächst einen deskriptiven Überblick über die Forschungen zum Thema Informelle Bildung und Kompetenzerwerb in Jugendszenen der letzten zwanzig Jahre (6.1), bevor sie in einem Zwischenfazit (6.2) die Bedeutung von Kompetenzerwerb für das informelle Lernen und die informelle Bildung unterstreicht.

Mit dem Abschnitt Methodisches Vorgehen und Forschungsdesign der Studie (II.7) lässt von Gross einen zweiten Teil (II.Methodisches Vorgehen) ihrer Dissertation beginnen. Hier erläutert sie ihre Forschungsfragen und konkretisiert, dass sie untersuchen will, ob im informellen Kontext erworbene Kompetenzen auch beruflich relevant werden können. Dazu bedient sie sich als Erhebungsinstrument der Methode des qualitativen Interviews. Sie hat in zwei Durchgängen im Abstand von sechs Jahren (2006 und 2012) mit zunächst acht, danach sechs Angehörigen der VK-Szene-Elite solche Befragungen durchgeführt. Sie wählt einen ‚ethnografischen Ansatz‘, mit dessen Hilfe sie den Eigen-Sinn einer eher fremden Szenewelt erkunden will. Dabei orientiert sie sich an Standards für unterschiedliche Leitfadeninterviews, die sie zur Auswertung einer zweistufigen Inhaltsanalyse unterzieht.

Weil sie sich an Hitzlers ethnographischen Verfahren orientiert, übernimmt sie für den dritten Teil ihres Vorgehens: (III. Ergebnisse des ethnografischen Verfahrens) auch dessen drei Analyseschritte: Beobachten, Sichern der Dokumente und Führen von Interviews.

8. Ergebnisdarstellung I: Beobachtungen: Die Beobachtungen beschränken sich auf drei Szeneevents zwischen 2006 und 2001. Von Gross sieht ihre Annahmen bestätigt, was Identitätsbildung und Identitätspräsentation angeht. Von Kompetenzerwerb ist hier noch keine Rede.

9. Ergebnisdarstellung II: Ergebnisse der Dokumentsicherung: Die Autorin trägt ihre Rechercheergebnisse zu Texten, Internetpräsenzen, Veröffentlichungen u. ä. zur VK-Szene der letzten sieben Jahre zusammen (einschließlich von vier ihrer eigenen Arbeiten) und sieht auch hier ‚den theoretischen Rahmen der Arbeit bestätigt‘: Die VK-Szene sei ‚ein Ort jugendkultureller Identitätsarbeit‘ (110).

10. Ergebnisdarstellung III: Kompetenzerwerb in der Visual Kei-Szene – fünf Portraits aus der Szene-Elite: Der längste Abschnitt des Buches (111-193) beleuchtet in der Auswertung der narrativen Interviews von fünf jungen Menschen zentral die Sachverhalte, die im Buchtitel genannt sind. Die Interviews stammen aus zwei Serien, die die Autorin im Abstand von sechs Jahren geführt hat. Die Szeneeliteangehörigen waren zum Zeitpunkt der ersten Interviews zwischen 22 und 34 Jahren alt: Streng genommen handelt es sich bei ihnen also nicht um Jugendliche, sondern um noch junge Erwachsene. Die Auswertung der Interviews folgt immer dem gleichen Prinzip: Zunächst erfolgen Zusammenfassungen der beiden Interviews, dann Forschungsleitende Annahmen und schließlich eine Konklusion. Dabei untersucht von Gross jeweils den Übergang von populärkulturellem Kapital (das sie im theoretischen Teil erläutert hatte) in ökonomisches Kapital, vor allem in Folge vom Erwerb szeneunabhängiger Kompetenten im Rahmen von informellem Lernen.

Diesen fünf sehr ausführlich und differenziert dargestellten Portraits fügt sie anschließend (11.) eine Zusammenfassende Ergebnisdarstellung an, die Gemeinsamkeiten der doch sehr unterschiedlich verlaufenden Karriereverläufe herausarbeiten möchte. Hier achtet von Gross vor allem auf den Sachverhalt Kompetenzerwerb. Sie beschreibt, dass in den fünf erläuterten Fällen tatsächlich der Transfer populärkulturellen Kapital in ökonomisches möglich gewesen sei, auch wenn es von den Beteiligten nicht unmittelbar intendiert worden sei: Einzelne hätten bewusst darauf verzichtet.

Im Anschluss (12.) will von Gross Pädagogische Implikationen herausarbeiten. Sie kommt zu vier Ergebnissen: Die in der Schule erworbenen Kompetenzen reichen nicht für einen guten Einstieg in das Berufsleben. In der Szene werden weitere Kompetenzen erworben. Diese können fehlende Kompetenzen ersetzen. Sie sind für das Berufsleben relevant.

Das Ende liefert ein Abschnitt Fazit und Ausblick (13.). Zwischen die beiden Stichwortbegriffe (13.1 und 13.3) der Überschrift packt von Gross noch einen weiteren Abschnitt Resümierende Bewertung des theoretischen Rahmens für die Fragestellung (13.1). Zum Fazit: Szenen könnten als Spielwiesen angesehen werden. Sie sollten wertgeschätzt werden als Orte, an denen durch szeneaffine Tätigkeiten Kompetenzen erworben werden können, sie im Alltag und im Beruf wertschöpfend eingesetzt werden können. Zum Ausblick: Das Nebeneinander von Szenetätigkeit und Qualifizierung stelle ein Forschungsdesiderat dar, das durch ‚breitere qualitative Studien‘ genauer betrachtet werden sollte.

Diskussion

Stellenwert und Verwendungssinn des zur Rezension anstehenden Buches müssen bedacht werden: Es ist die veröffentlichte Version der Dissertation der Autorin. Eine solche Publikation will in aller Regel eine eigenständige Forschungsleistung zeigen, bei der neue fachliche Erkenntnisse methodisch nachvollziehbar erhoben und ausgewertet worden sind. Für Außenstehende wirken derartige Verfahren mitunter etwas umständlich, weil die einzelnen Schritte eines solchen Verfahrens in ihrer konkreten Abfolge dargestellt und kommentiert werden: Es geht um eine nachvollziehbare Begründung der erkenntnisleitenden Annahmen, aus der dann der wissenschaftliche Mehrwert ablesbar ist.

Und tatsächlich folgt der Band einem solchen Ablaufszenario und arbeitet Schritt für Schritt seine Prämissen, Annahmen, Methodendiskussionen, Erkenntnisse und Schlussfolgerungen gründlich nacheinander ab. Das ist in der Tat fürs Lesen mitunter etwas mühsam, aber dem oben genannten höheren Ziel geschuldet. Allerdings – und das wäre anders, übersichtlicher, transparenter auch gegangen – ist die Struktur, die sich in der Gliederung wiederfindet, unnötig verkompliziert und dem Rezensenten nicht unbedingt einsichtig (z.B.: II.7). Es gibt einen Übereifer in der Differenzierung der Auswertung (E. I-III).

Die Autorin zeigt sich als kundige Fachfrau eines exotischen Themas, an das sie komplexe Sachverhalte anbindet, die sie erläutern will. Wichtige inhaltliche Anstrengungen sind Auseinandersetzungen mit den Zusammenhängen und Unterschieden bei Lernen und Bildung, bei Kompetenzen und Kapital, beim Informellen und Nonformalen. Leider gelingt es von Gross nur bedingt, unterschiedliches Lernen und unterschiedliche Bildung zu differenzieren und gegeneinander abzugrenzen. Lernen, Bildung und Sozialisation werden stattdessen nacheinander abgearbeitet, letztlich ohne die Zusammenhänge zu erörtern und die Unterschiede herauszuarbeiten. Dabei ist bereits auf die unzureichende Auseinandersetzung mit Humboldts Bildungsverständnis verwiesen worden. Das Ergebnis, dass nur eine ganzheitliche Sicht auf formale, nonformale und informelle Bildung das Ganze sichtbar werden lasse, wirkt nicht überzeugend. Das gilt auch für die Antwort auf ihre Entscheidungsfrage: ‚Lernen oder Bildung‘(3.5: 54). Und wenn sie in diesem Kontext Selbst-) Sozialisation als ‚weiteren Fokus‘ auftauchen lässt (55), müsste sie auch erklären, was in diesem Zusammenhang ein Fokus ist, und warum das jetzt ein weiterer ist. Wie hängt ein Fokus mit Lernen zusammen?

Das alles hätte sich der Rezensent zusammenführend gewünscht, damit er sich auf die Vorgänge in dieser zweifelsfrei spannenden Szene hätte einlassen können. Denn Darstellung und Analyse der Szene sind die Stärken der Arbeit. Wir erfahren Dinge über Sachverhalte, an die man sonst nur schwer herankommt. Insoweit ist von Gross´ Beitrag eine Pionierarbeit, die unser Wissen über Szenen erweitert. Der Autorin gelingt tatsächlich der Nachweis, dass nichtintentionale Tätigkeit zum Erwerb von Kompetenzen führt, die womöglich auch anderswo nützen. Aus dieser Erkenntnis will von Gross Pädagogische Implikationen herausarbeiten (12). Was das genau ist, schreibt sie nicht, und die vier Schlussfolgerungen, dass man in der Szene lernt, was man im Beruf gebrauchen kann, sind sicherlich interessant, aber ich kann sie nicht pädagogisch münzen.

Dem Rezensenten bleiben wichtige Fragen unbeantwortet: Warum beschäftigt sich die Autorin ausgerechnet mit VK? Weil es so weit weg ist? Weil es sich deshalb für eine ethnografische Fragestellung eignet? Weil es keiner kennt? Warum ist das ein Beispiel für Jugendszenen? Ein Beispiel ist doch der ‚typische Einzelfall‘, der normalerweise als Erläuterung oder Beweis für etwas Allgemeines oder als musterhafter Einzelfall oder Vorbild herangezogen. Was ist das Typische an VK?

Ist Lernen in der Szene möglich, so wie der Titel der Arbeit es nahelegt? Oder geht es doch nur um eine Elite, die das auch hätte woanders lernen können?

Fazit

Von Gross legt eine interessante Studie zu einem Thema vor, das uns nicht alle Tage unterkommt. Wir erfahren einiges über eine exotische Szene, die zwar marginal ist, dadurch aber nicht uninteressant bleiben muss. Und wir erfahren etwas über Leute, die sich in dieser Szene bewegen – nicht über die Szenenormalos, sondern über Eliteangehörige. Wir lesen, dass deren spezifische szenetypische Interaktionen anscheinend ohne bestimmte Absichten erfolgen, aber nicht folgenlos bleiben.

Und wenn Visual Kei wirklich ein Beispiel für Jugendszenen ist und nicht eine exotische Ausnahme, dann bleibt uns die Erkenntnis, dass die Angehörigen der Elite in ihrem Engagement en passant beruflich relevante Kompetenzen erwerben, ohne vorher durch die Schule vorbereitet worden zu sein: Die Szenetätigkeit bildet.


Rezensent
Prof. Dr. Uwe Rabe
ehemaliger Professor für Erziehungswissenschaft an der FH Münster


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Zitiervorschlag
Uwe Rabe. Rezension vom 08.09.2017 zu: Friederike von Gross: Informelles Lernen in Jugendszenen. Zum Erwerb berufsrelevanter Kompetenzen in Jugendszenen am Beispiel der Visual Kei-Szene. Beltz Juventa (Weinheim und Basel) 2016. ISBN 978-3-7799-2463-0. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/21039.php, Datum des Zugriffs 23.10.2017.


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