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Josef Düllings, Hans-Fred Weiser u.a. (Hrsg.): Fokus Führung

Cover Josef Düllings, Hans-Fred Weiser, Andreas Westerfellhaus (Hrsg.): Fokus Führung. Was leitende Klinikmitarbeiter wissen sollten. MWV Medizinisch Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft (Berlin) 2016. 231 Seiten. ISBN 978-3-95466-241-8. D: 49,95 EUR, A: 51,45 EUR, CH: 60,00 sFr.
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Thema

Trotz aller moderner Technik steht und fällt die Krankenhausleistung nach wie vor mit dem Faktor Mensch. Nicht alle Mitarbeitende, die im Klinikbereich eine leitende Stelle inne haben, konnten allerdings eine fundierte Managementausbildung absolvieren. Hohe medizinische und pflegerische Kompetenz der Führungskräfte können in der Praxis durchaus im Kontrast stehen zu mangelhaften Kenntnissen über angemessene Führungsstile, über Methoden eines effizienten Prozessmanagements oder eines systematischen Controllings.

Entstehungshintergrund

Vor dem Hintergrund massiver Veränderungen des Krankenhauswesens in den vergangenen zwei Dekaden und angesichts des augenblicklichen Effizienzdrucks in den Kliniken möchten Josef Düllings, Hans-Fred Weiser und Andreas Westerfellhaus einen Sammelband vorlegen, welcher den aktuellen Stand der Kunst in Bezug auf Führung im Krankenhaus aufzeigt. Als Autorinnen und Autoren haben sie Wissenschaftler und Berater aus dem Segment der Führungslehre und der Anwendung von Führungswerkzeugen gewinnen können.

Herausgeber

  • Josef Düllings ist Präsident des Verbands der Krankenhausdirektoren Deutschlands e.V. (VDK).
  • Hans-Fred Weiser ist Präsident des Verbands der Leitenden Krankenhausärzte Deutschlands e.V. (VLK).
  • Andreas Westerfellhaus ist Präsident des Deutschen Pflegerats e.V. (DPR).

Aufbau

Die Publikation enthält 18 Beiträge in zwei übergeordneten Abschnitten.

Zu Abschnitt I „Konzepte und Tools“

Zunächst beschäftigt sich Mitherausgeber Josef Düllings unter der Überschrift „Take-off-Management“ mit Prinzipien des Managements und der Führung in Spitzenunternehmen sowie mit Fragen der Persönlichkeit von Führungskräften. Sein Fazit lautet, dass jenseits von Technik die „tägliche Ordnungsleistung der Führungskräfte durch Vorbild und Kommunikation“ von großer Wichtigkeit im Krankenhaus ist.

Der zweite Beitrag entstammt ebenfalls der Feder von Josef Düllings und thematisiert „Kommunikation – Hebel wirksamer Führung“. Er hebt zunächst die Bedeutung von Kommunikation im Krankenhaus hervor und betont dann die Leit-, Vor- und Nachbildfunktion von Führungskräften im Krankenhaus sowie die Bedeutung positiver Führung. Er schließt mit dem Fazit: „Wir müssen positiv denken, wenn wir unser Leben positiv verändern wollen“.

Fredmund Malik schrieb den dritten Beitrag „Herausforderung Führung im Krankenhaus“. Der Schweizer Vordenker im Bereich des systembasierten Managements hebt die Bedeutung der Selbstorganisationsfähigkeit des Krankenhauses hervor und unterstreicht, dass erworbenes Managementwissen lediglich dann wirksam werden kann, „wenn die Rahmenbedingungen in einem Krankenhaus dies zulassen“. Notwendig seien auch im Klinikbereich ein einheitliches Führungsverständnis sowie die Berücksichtigung von Standards wirksamer Führung.

Jörg Gottschalk befasst sich anschließend thematisch mit „Lean Management oder die Neuvermessung von Führung“. Er vertritt die Überzeugung, dass in jeder Krankenhausorganisation Verschwendung „in Größenordnungen existiert“. Es komme, so der Autor auf „nur wenige wichtige Dinge“ an. Lernen und Verbessern gelinge besonders „in kleiner, kontinuierlicher Dosierung“ mit Blick auf Wertströme und Ziele. Zweckdienlich als Vorstufe zum Lean Management wird in diesem Beitrag auf das „Shop Floor Management“ verwiesen.

Führen mit Empathie“ ist Gegenstand des Beitrags von Carlo Düllings, seines Zeichens „Experte für emotionale Intelligenz“ und Inhaber der Empathie Akademie in Düsseldorf. Als wesentliches Kennzeichen von Empathie definiert er, „dass man unterscheiden kann, wann man gezwungen ist, sich durchzusetzen und wann man auch einfach überzeugen kann“. Der Autor hebt den Nutzen empathischer Führung hervor und schildert die Möglichkeiten eines Empathietrainings mit dem „Humm-Wadsworth-Persönlichkeitsmodell“. Enthalten sind in diesem Beitrag darüber hinaus die Skizze von Persönlichkeitstypen im Gesundheitswesen sowie die Darstellung eines Wegs zur empathischen Führungskultur.

Mit „Credotraining – dauerhaft mehr Selbstkompetenz“ ist der nächste Beitrag überschrieben. Der Text stammt ebenfalls Carlo Düllings, dem „Experten für emotionale Intelligenz“. Nach Einschätzung des Autors ist das „Credotraining“ geeignet, Orientierung zu ermöglichen. Es ist ein Instrument, „mit denen Sie Ihr Leben in positive Bahnen lenken können“. Als Säulen dieses Trainings werden „Der Satz“, „Das Denken“, „Das Sprechen“ sowie „Die Wiederholung“ dargestellt.

Dem „Changemanagement“ widmet sich Kai Fiukuwski im siebten Beitrag dieses Bandes. Der Managementtrainer, Coach und Berater für Führungskräfteentwicklung erklärt zunächst Wesen und Bedeutung vonChangemanagement und schildert die Elemente des Phasenmodells sowie die Kritik an bestehenden Ansätzen. Ausführlicher werden schließlich die Elemente des iterativen Ansatzes im Changemanagement dargelegt.

Zu Abschnitt II „Praxis und Projekte“

Unter dem Titel „War for talents“ umreißen Dorothee Rickert und Andrea Steinhauer-Schulz die Gründe für den Fachkräftemangel im Gesundheitswesen und referieren unter dem Stichwort „Employer Branding“ die Möglichkeiten der Positionierung als attraktiver Arbeitgeber. Die Autorinnen, Vertreterinnen einer Personalmanagement-Agentur, legen anschließend noch gängige Ansätze zur Talentsuche und Mitarbeiterbindung dar.

Fordern, Fördern oder Outplacement“ ist die Fragestellung des Beitrags von Thomas Röhrßen. Der geschäftsführende Gesellschafter einer Unternehmensberatung postuliert zunächst „Erfolg kommt von Führung“ und steckt das „Kompetenzmodell von Führung“ inhaltlich ab. Weitere Themen sind die konsequente Führung bei kritischen Abweichungen bzw. die Kritikstufen und die Konfrontation, die personalbezogene „Differenzialdiagnose und Trennungsentscheidung“, ein „professionelles Outplacement“ sowie die „Trennung als lebenskritisches Ereignis“.

Michael A. Weber behandelt daran anschließend „Kernkompetenzen im ärztlichen Management“. Schwerpunkte seiner Ausführungen sind Kommunikation, Wertschöpfung, Controlling, Belegungsmanagement, Personalmanagement, interdisziplinäre Kooperation, darüber hinaus Qualitäts-, Risiko- und Krisenmanagement sowie Compliance und Hygiene. Dieser Artikel umreißt anschaulich das Spektrum sowie die Komplexität der Anforderungen an das Management im ärztlichen Bereich der Krankenhäuser.

Kommunikation und Konfrontation zwischen chirurgischen Chefärzten und der Krankenhaus-Geschäftsleitung in Deutschland“ ist der Titel des Beitrags von Carolin Tonus, Jörg Ansorg, Peter Löbus und Angela Krug. Diese vier Expertinnen bzw. Experten aus dem Sektor des Krankenhauswesens legen zunächst die Anlage und Methodik sowie die Ergebnisse von Erhebungen unter chirurgischen Chefärzten und Krankenhausgeschäftsführern zur oben stehenden Thematik dar, bevor sie explizit auf die Kommunikation zwischen Geschäftsführern und leitenden Ärzten eingehen. In ihrem Fazit betont das AutorInnenteam, dass Unternehmenskultur, persönlicher Umgang zwischen den Führungsebenen und wirtschaftlicher Erfolg in deutschen Kliniken eng zusammenhängen und sich gegenseitig bedingen. „Mangelt es an einem diese vier Punkte, sind Konflikte vorprogrammiert“.

Mitherausgeber Andreas Westerfellhaus skizziert in seinem Beitrag „Anforderungen an leitende Pflegekräfte im Krankenhaus“. Er thematisiert insbesondere die Potenziale einer Fachkräftesicherung durch gute Führung, benennt die Führungsaufgaben in der Pflege und schildert die notwendigen Elemente von Fachkräftesicherung durch gute Führung.

Anja Lüthy, Professorin am Fachbereich Wirtschaft der Technischen Hochschule Brandenburg, wendet sich in ihrem Beitrag der Frage zu „Wie können Kliniken über alle Lebensphasen hinweg attraktiver Arbeitgeber werden?“. Als Ausgangsituation schildert sie den bekannten Umstand der Problematik der Fachkräftegewinnung und Fachkräftesicherung im Deutschen Gesundheitswesen. Sie skizziert daraufhin Chancen und Probleme der Arbeitgeberattraktivität im Klinikbereich sowie die Herausforderungen für die Vorgesetzten.

Peter Asché, kaufmännischer Vorstand der Uniklinik Aachen und aktuell Vizepräsident des Verbandes der Krankenhausdirektoren Deutschland, handelt in seinem Beitrag das Thema „IT-Strategie als Bestandteil der Unternehmensführung“ ab. Er schildert zunächst die Ausgangslage, wobei er darauf hinweist, dass eine wesentliche Voraussetzung für ein erfolgreiches Krankenhausmanagement in der IT liegt. Im Anschluss daran werden Restriktionen der IT-Entwicklung, Kernkompetenzen und strategische Felder der IT sowie die IT-Architektur in der Uniklinik Aachen anschaulich geschildert.

Andreas Scholz, ein Unternehmensberater, beschäftigt sich mit „Wertschöpfung durch Prozessführung“. Zunächst wird „Lean Management als Basis für den Wertschöpfungsfokus“ inklusive der „sieben Verschwendungsarten“ dargestellt. Im Anschluss daran stehen „der Prozess und dessen Verbesserung“ sowie „Führung im Prozess“ im Mittelpunkt. Wir entnehmen diesem Beitrag Aussagen wie „Kümmern gehört zwingend zur Prozessführung dazu“. In der Zusammenfassung betont der Autor, Wertschöpfung meine, „sich mit aller Unternehmenskraft dem Kundenwunsch zu widmen und möglichst alles andere zu reduzieren“.

Uwe Göthert, Holger Buxel und Josef Düllings präsentieren das „Dale Carnegie Training® – Wertschöpfung durch Soft Skills“. Der erstgenannte Autor ist Master-Lizenzträger und Geschäftsführer der Dale Carnegie Training GmbH, Holger Buxel ist Professor für Marketing und Management an der FH Münster, Josef Düllings ist Teil des Herausgebertrios. In der Schilderung der Ausgangslage weisen die Autoren darauf hin, dass mit dem neuen Finanzierungsystem auch Krankenhäuser zunehmend ökonomischen Aspekten zu folgen haben. Der Rest des Artikels beschreibt Hintergründe und Inhalte des o.g. Trainingsprogramms.

Der vorletzte Beitrag wurde von Josef Düllings verfasst und widmet sich dem Komplex „Klinikgeschäftsführer – vom Chefsessel zum Schleudersitz? Hinweise für Aufsichtsräte und Gesellschafter“. Neben einer Darlegung von Entlassungsgründen von Krankenhausgeschäftsführern werden unter anderem die Auswechselrisiken der geschäftsführenden Personen beschrieben, Fluktuationsgründe benannt sowie der Komplex „Wechselbereitschaft trotz Zufriedenheit“ angesprochen. Im Fazit betont der Autor: „Alles in allem könnten eher unzureichende Voraussetzungen für die Tätigkeit als Geschäftsführer immer wieder ein Motiv sein, die Stelle zu wechseln“.

Ebenfalls von Josef Düllings ist der letzte Beitrag dieses Sammelbandes, er ist überschrieben mit „Führungsstrategien für Klinikchefs – Vom Klumpenspiel zum Systemfußball“. Das Spektrum der Inhalte reicht von den Strukturen des Krankenhauses über die Entwicklung von Systemintelligenz im Fußball sowie das „Tiki Taka der Kommunikation“ bis hin zu systemischen Führungsstrategien für Klinikchefs. Der Beitrag enthält auch ein Beispiel für ein Krankenhaus, welches sich entschlossen hat, die Entwicklung zum Lean Hospital zu verfolgen.

Diskussion und Fazit

Kennzeichnend für den ersten Abschnitt („Konzepte und Tools“) dieses Sammelbandes ist, dass ein vergleichsweise willkürlicher Ausschnitt an modischen und präskriptiven Ansätzen der Führung bzw. des Managements präsentiert wird und die Beiträge in der Mehrzahl einen tieferen Bezug zu Führungsfragen im Krankenhaus vermissen lassen. Die Beiträge im zweiten Abschnitt („Praxis und Projekte“) sind mehrheitlich bemüht, allgemeine Aussagen auf den Sektor „Klinik“ zu übertragen. Jedoch können nach unserem Dafürhalten auch nicht alle Inhalte dieses Teils für sich beanspruchen, wissenschaftlich bzw. empirisch fundiert zu sein. Der eine oder andere Beitrag dieses Abschnitts liest sich darüber hinaus eher wie ein Werbetext für die Teilnahme an einem Seminar oder die Inanspruchnahme eines Consultingunternehmens.

Inhaltlich empfehlenswert sind die Aufsätze von Michael A. Weber zu Kernkompetenzen im ärztlichen Management sowie von Carolin Tonus, Jörg Ansorg, Peter Löbus und Angela Krug zur Problematik der Kommunikation und Konfrontation zwischen chirurgischen Chefärzten und der Krankenhaus-Geschäftsleitung. Ebenfalls von Interesse für Führungs- und Leitungskräfte im Krankenhaus sollten die Ausführungen von Andreas Westerfellhaus über die aktuellen Anforderungen an leitende Pflegekräfte sein. Für Controller spannend sind die inhaltlichen Anstöße von Peter Asché zur IT-Strategie als Bestandteil der Unternehmensführung. Für Personaler geeignet sind schließlich auch die Ausführungen von Anja Lüthy über die Klinik als attraktiver Arbeitgeber.


Rezensent
Prof. Dr. Harald Christa
Professor für Sozialmanagement an der Evangelischen Hochschule für Soziale Arbeit in Dresden mit Schwerpunkt Sozio-Marketing, Strategisches Management, Qualitätsmanagement/ fachliches Controlling.
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Zitiervorschlag
Harald Christa. Rezension vom 19.08.2016 zu: Josef Düllings, Hans-Fred Weiser, Andreas Westerfellhaus (Hrsg.): Fokus Führung. Was leitende Klinikmitarbeiter wissen sollten. MWV Medizinisch Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft (Berlin) 2016. ISBN 978-3-95466-241-8. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/21063.php, Datum des Zugriffs 22.04.2019.


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ISSN 2190-9245

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