socialnet - Das Netz für die Sozialwirtschaft

Gerhard Igl: Gesetz über den Pflegeberuf (Pflegeberufsgesetz – PflBG)

Cover Gerhard Igl: Gesetz über den Pflegeberuf (Pflegeberufsgesetz – PflBG). Praxiskommentar. medhochzwei Verlag GmbH (Heidelberg) 2016. 385 Seiten. ISBN 978-3-86216-263-5. 49,99 EUR.
Recherche bei DNB KVK GVK.

Besprochenes Werk kaufen
über socialnet Buchversand


Thema

Mit dem „Gesetz über die Pflegeberufe“ wird nach Jahren der gesundheitspolitischen und pflegewissenschaftlichen Diskussion zum 1. Januar 2020 das bis dahin geltende Kranken- sowie das Altenpflegegesetz ersetzt und das generalistische Berufsbild der Pflegefachfrau bzw. des Pflegefachmanns eingeführt. Gerade einmal ein halbes Jahr nach seiner Verabschiedung am 17. Juli 2017 legt Gerhard Igl, einer der derzeit renommiertesten Kenner des Beruferechts für nicht-ärztliche Gesundheitsfachberufe, einen ersten Praxiskommentar zum neuen Pflegeberufegesetz vor, der sich in erster Linie „an die zuständigen Behörden, die Träger der praktischen Ausbildung und die Pflegeschulen“ (S. V) richtet. Diesem Adressatenkreis dürfte das besprochene Werk eine nützliche Hilfe bei der Umsetzung der Pflegeberufereform sein und von diesem daher entsprechend rege nachgefragt werden.

Aufbau und Inhalt

In der vorliegenden ersten Auflage werden ausschließlich die Vorschriften des Pflegeberufegesetzes kommentiert; unberücksichtigt bleiben zunächst die Maßgaben der für die Praxis mindestens ebenso wichtigen Ausbildungs- und Prüfungsverordnung, für die zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Bandes lediglich sogenannte Eckpunkte vorlagen. Positiv zu vermerken ist diesbezüglich, dass die Leserinnen und Leser mit einem Gutscheincode einen elektronischen Zugang zur Kommentierung dieser Verordnung auf der Homepage des Verlages erhalten sollen.

Im Anhang des Buches findet sich zudem die EU-Richtlinie über die Anerkennung von Berufsqualifikationen vom 7. September 2005, deren Umsetzung das kommentierte Pflegeberufegesetz dient.

Die Deutsche Nationalbibliothek bietet Einblick in das ausführliche Inhaltsverzeichnis.

Diskussion

Mit einer Erstkommentierung können Maßstäbe gesetzt werden. Gerhard Igl tut dies in erster Linie dadurch, dass er die Regelungen des Pflegeberufegesetzes stets in Beziehung zu anderen, affinen Rechtsbereichen setzt und darüber hinaus äußerst kenntnisreich auch Erkenntnisse der Pflegewissenschaft und der Pflege- bzw. Berufspädagogik in seine Erläuterungen einbezieht. So vergleicht er das neue Pflegeberuferecht an vielen Stellen nicht nur mit der Rechtslage nach dem noch bestehenden Kranken- bzw. Altenpflegegesetz, sondern auch mit weiteren, nicht-pflegerischen Berufsgesetzen, ordnet es in die einschlägigen Maßgaben des Verfassungs- und Verwaltungs- sowie des Europarechts ein und stellt dort, wo es geboten ist, Bezüge zum Berufsbildungs-, Arbeits- und Pflegeversicherungsrecht her, ohne dabei indes originäre berufsrechtliche Detailfragen außer Acht zu lassen. Auf diese Weise gelingt ihm eine wissenschaftlich äußerst fundierte Kommentierung mit hoher Praxisrelevanz, die ihren Leserinnen und Lesern eine hervorragende Orientierung im neuen Pflegeberuferecht bietet und dabei eine Fundgrube insbesondere für die Ausbildungsträger und die Pflegeschulen darstellen dürfte, die vor der Herausforderung stehen, ihr Ausbildungsangebot ab 2020 an das Berufsbild der generalistischen Pflege anzupassen.

Dabei muss klar sein, dass Autoren einer Erstkommentierung bei vielen Fragen noch nicht auf gefestigte Diskussionsstände und nur bedingt auf bereits bestehende Rechtsprechung bzw. Literatur zurückgreifen können und sich viele Probleme erst aus der unmittelbaren Anwendung des Gesetzes ergeben, weshalb die Ausführungen nicht in jedem Einzelfall alle Erwartungen im Detail erfüllen können. So gibt es auch im hier rezensierten Werk einige (wenige) Paragraphen, bei deren Kommentierung man sich eine (noch) stärkere, an den Bedürfnissen der Adressaten des Bandes ausgerichtete Konkretisierung des generell abstrakten Gesetzesinhalts wünschen würde. Dies betrifft beispielsweise die äußerst praxisrelevante Frage nach den jeweiligen Rechten und Pflichten der an der Pflegeausbildung beteiligten Akteure: So wird etwa in den Ausführungen zu den Pflichten der Auszubildenden auf deren Lernpflicht hingewiesen, ohne jedoch näher darauf einzugehen, was diese genau ausmacht. Hier könnte in einer der Folgeauflagen nachgebessert werden. Von diesen wenigen Ausnahmen abgesehen besticht der Kommentar aber insgesamt durch einen gelungenen Spagat aus thematischer Breite und inhaltlicher Tiefe.

Zielgruppe

Als Praxiskommentar richtet sich der Band in erster Linie an die Ausbildenden in der Pflege, also die Pflegeschulen und die Praxiseinrichtungen, darüber hinaus aber auch an Angehörige der Pflegeberufe und ihre Berufsverbände sowie an die für die Durchführung des Gesetzes zuständigen Behörden. Mit seiner beschriebenen Ausrichtung und Konzeption dürfte der Kommentar deren Erwartungen mehr oder weniger vollständig erfüllen.

Im Rahmen einer Lehrveranstaltung zum Ausbildungsrecht für angehende Pflegelehrerinnen und Pflegelehrer hatte der Rezensent die Gelegenheit, den Band einem „Lehr- und Praxistest“ zu unterziehen, indem aufgekommene typische Fragen zum Pflegeberuferecht (etwa zur Berufsausübung bei einer HIV-Infektion) protokolliert und mit Hilfe des Kommentars zu beantworten versucht wurden. Das Ergebnis: Der Kommentar lieferte in den allermeisten Fällen eine sowohl die Studierenden, als auch den Dozenten befriedigende Antwort – vor dem Hintergrund des immer öfter auch in der hochschulischen Bildung geforderten Theorie-Praxis-Transfers ein optimales Resultat!

Fazit

Insgesamt handelt es sich bei der Kommentierung zum Pflegeberufegesetz von Gerhard Igl um eine wissenschaftlich äußerst fundierte und dabei gleichzeitig praxisorientierte Einführung in das neue Beruferecht der Pflege, die in weiten Teilen interdisziplinär angelegt ist und für Ausbildungsträger, Schulen und Aufsichts- bzw. Prüfungsbehörden gleichermaßen ein derzeit konkurrenzloses und damit unverzichtbares Nachschlagewerk darstellt. Der Band bietet seinen Adressaten weit mehr als nur einen ersten Zugang zu den drängendsten Rechtsfragen des neuen Pflegeberufegesetzes und kann ihnen daher als angehendes Standardwerk nur wärmstens zur Anschaffung empfohlen werden!


Rezensent
Prof. Dr. Peter Kostorz
Fachhochschule Münster, Fachbereich Gesundheit. Lehr- und Forschungsgebiet: Rechtswissenschaften mit den Schwerpunkten Gesundheitsrecht und Bildungsrecht
Homepage www.fh-muenster.de/fb12/personen/kostorz/index.php
E-Mail Mailformular


Alle 25 Rezensionen von Peter Kostorz anzeigen.

Besprochenes Werk kaufen
Sie fördern den Rezensionsdienst, wenn Sie diesen Titel – in Deutschland versandkostenfrei – über den socialnet Buchversand bestellen.


Zitiervorschlag
Peter Kostorz. Rezension vom 11.05.2018 zu: Gerhard Igl: Gesetz über den Pflegeberuf (Pflegeberufsgesetz – PflBG). Praxiskommentar. medhochzwei Verlag GmbH (Heidelberg) 2016. ISBN 978-3-86216-263-5. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/21089.php, Datum des Zugriffs 28.05.2018.


Urheberrecht
Diese Rezension ist, wie alle anderen Inhalte bei socialnet, urheberrechtlich geschützt. Falls Sie Interesse an einer Nutzung haben, treffen Sie bitte vorher eine Vereinbarung mit uns. Gerne steht Ihnen die Redaktion der Rezensionen für weitere Fragen und Absprachen zur Verfügung.


socialnet Rezensionen durch Spenden unterstützen
Sie finden diese und andere Rezensionen für Ihre Arbeit hilfreich? Dann helfen Sie uns bitte mit einer Spende, die socialnet Rezensionen weiter auszubauen: Spenden Sie steuerlich absetzbar an unseren Partner Förderverein Fachinformation Sozialwesen e.V. mit dem Stichwort Rezensionen!

Zur Rezensionsübersicht

Hilfe & Kontakt Details
Hinweise für

Bitte lesen Sie die Hinweise, bevor Sie Kontakt zur Redaktion der Rezensionen aufnehmen.
rezensionen@socialnet.de

Mehr zum Thema

Leider liegen aktuell keine passenden Rezensionen vor.

Literaturliste anzeigen

Newsletter bestellen

Immer über neue Rezensionen informiert.

Newsletter

Schon 13.000 Fach- und Führungskräfte informieren sich monatlich mit unserem kostenlosen Newsletter über Entwicklungen in der Sozialwirtschaft

Gehören Sie auch schon dazu?

Ansonsten jetzt für den Newsletter anmelden!