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Martin J. Eppler, Roland A. Pfister: Dynagrams- Denke in Stereo

Cover Martin J. Eppler, Roland A. Pfister: Dynagrams- Denke in Stereo. Schäffer-Poeschel Verlag für Wirtschaft · Steuern · Recht GmbH (Stuttgart) 2016. 160 Seiten. ISBN 978-3-7910-3530-7. D: 19,95 EUR, A: 20,60 EUR, CH: 28,50 sFr.
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Thema

Die Art, in der Menschen an einer Problemstellung oder einer Aufgabe zusammenarbeiten, wandelt sich seit geraumer Zeit von hierarchischen Modellen hin zu kollaborativen Formen. In diesen Formen gewinnen die Beteiligung der Betroffenen, wie auch ihre Möglichkeit, Einfluss zu nehmen, zunehmend an Bedeutung. Dies hat auch Auswirkungen auf die Techniken, die wir in der Zusammenarbeit verwenden. In diese Entwicklung passt das vorliegende Buch von Eppler, Kernbach und Pfister, das „mit dynamischen Diagrammen schärfer denken, effizienter zusammenarbeiten und klarer kommunizieren“ helfen möchte.

Autoren

  • Martin J. Eppler, Dr., ist Professor für Kommunikationsmanagement an der Universität St. Gallen und leitet dort das MCM Institut.
  • Roland A. Pfister, Dr., arbeitet als Management-Trainer und Unternehmensberater und lehrt als Dozent an der IE University in Madrid, an der Universität St. Gallen sowie an der Züricher Hochschule für Angewandte Wissenschaften.
  • Sebastian Kernbach, Dr., ist Gründer und Leiter des Visual Collaboration Lab am MCM Institut der Universität St. Gallen und Dozent an mehreren Universitäten in Europa und Asien.

Entstehungshintergrund

Mit diesem Buch legt das Autorenteam Eppler und Pfisterer bereits das dritte Werk vor, das kreative und innovative Techniken der Zusammenarbeit thematisiert. In „Sketchworking at Work“ (2012) ging es um Visualisierungstools, in „Creability“ (2014) stellten sie zusammen mit Friederike Hoffmann Methoden der Ideenentwicklung in Teams vor. Mit „Dynagrams“ (2016) geht das aktuelle Autorentrio noch einen Schritt weiter und möchte das Denken in Teams weiterentwickeln.

Aufbau

Das 225 Seiten starke Buch im Format DIN A5 quer führt kurz in das „Denken in Stereo“, wie sie ihren Ansatz bezeichnen, ein. Dann erläutern die Autoren die Prinzipien, die sie diesem Denken zugrunde legen. Anschließend wird in fünf Fallbeispielen der Nutzen veranschaulicht, den die Dynagrams ihren Anwendern bieten können, bevor die Vorstellung von sieben einfachen Dynagrams beginnt. In einer weiteren Gruppe werden sechs komplexe Dynagrams vorgestellt. Daran schließt sich ein kurzes Kapitel zum „Tuning“ von Dynagrams an. Ein Fazit und ein Ausblick des Autorenteams runden das Buch ab.

Zwei hilfreiche Eigenschaften vereinfachen den Umgang mit dem Buch in der Praxis. Sowohl am Einband-Deckel als auch an der Rückseite sind zwei Einbandklappen angebracht. Dort findet sich am Deckel das Inhaltsverzeichnis sowie die Seitenzahlen unter der die einzelnen Beschreibungen der Dynagrams zu finden sind. Die Einbandklappe der Rückseite gibt die Möglichkeit, die einzelnen Dynagrams hinsichtlich der Relevanz für die eigene Arbeit zu bewerten.

Das Buch ist reichhaltig illustriert und verfügt über eine Literaturliste am Ende, die die weitere Beschäftigung mit dem Thema vereinfacht.

Inhalt

„Denken in Stereo“ nennen die Autoren ihren Ansatz, über Aufgaben und Probleme gemeinsam mit anderen oder auch alleine nachzudenken. Dabei bezieht sich „stereo“ auf die Kombination von Darstellungs- und Interaktionsformen, die zu einem umfassenden Verständnis einer Aufgaben oder eines Problems führen. Darüber hinaus machen derartige Bisoziationen kreative Problemlösungen und Innovationen möglich.

Folgende unterschiedlichen Perspektiven werden durch Bisoziationen in den Dynagrams verknüpft:

  1. Überblickbetrachtung und Detailansicht
  2. Vergangenheits- und Zukunftsperspektive
  3. Innen- und Außenbetrachtung
  4. Ist- und Sollzustand
  5. quantitative und qualitative Sicht
  6. divergente und konvergente Betrachtungsweisen
  7. digitale und analoge Herangehensweisen
  8. Betrachtung aus Sicht der Möglichkeiten und Grenzen

Der Dynagram-Ansatz basiert auf drei Grundprinzipien:

  1. Schablonenprinzip. Damit ist die hilfreiche Struktur (Schablone) eines Diagramms gemeint, die ein Thema grafisch klar wiederzugeben versteht. Solch eine Schablone ist beispielsweise die graphische Gliederung des Diagramms, wie man sie im Fischgräten-Diagramm findet.

  2. Leitfaden-Prinzip (oder grafische Anleitung). Ein Dynagram soll den Gesprächsverlauf, die Entwicklung eines Gesprächs sichtbar werden lassen, so dass ein Überblick möglich wird und auch die Details erkennbar sind. Ebenso werden noch offene Fragen eines Themas offensichtlich.

  3. Einblick-Prinzip. Nach der Bearbeitung eines Dynagrams sollte eine neue Einsicht oder eine Erkenntnis möglich werden, die einen Mehrwert darstellt. Solch ein Aha-Erlebnis kann beispielsweise eine klare Problemsicht sein, die es vor der Bearbeitung noch nicht gab.

An den anschließenden vier Fallbeispielen illustrieren die Autoren Anwendungsmöglichkeiten und Nutzeffekte von Dynagrams. Folgende Fallkonstellationen werden dazu herangezogen: Analyse einer Arbeitssituation, Entscheidungssituation unter Einbeziehung externer Entscheidungsinstanzen mit Hilfe von Radar-Dynagrams, Schaffung einer internen Argumentationsbasis mit Hilfe des Argumenten-Dynagrams, Steigerung der Innovationsmöglichkeiten mit Hilfe des Venn-Dynagrams.

Der Hauptteil des Buches widmet sich der intensiven Beschreibung der einzelnen Dynagrams, die in immer gleicher Weise erfolgt, was die Lesbarkeit und das Verständnis beim Leser erhöht. Zunächst werden Hintergrund und Kernidee sowie Anwendungsbereiche erläutert. Danach wird das Vorgehen bei der Anwendung dargelegt. Ein Praxisbeispiel macht die Möglichkeiten der Anwendung noch klarer. Schließlich wird auf mögliche Varianten eingegangen und eine Beurteilung des Dynagrams geboten. Jede Beschreibung eines Dynagrams schließt mit einem Fazit und Hinweisen, wie man selbst in die Anwendung des jeweiligen Dynagrams einsteigen kann. Ein paar Literaturhinweise (meist aus der englischsprachigen Literatur) runden die Vorstellung eines Dynagrams ab. Hervorzuheben sind die Hinweise, die sich am Anfang einer jeden Vorstellung finden und die sehr hilfreich im Hinblick auf die Anwendung des jeweiligen Dynagrams sind. So wird dort angegeben, welche Denkdimensionen im Dynagram angesprochen werden, welche der Kernprinzipien im Vordergrund stehen und welche Anwendungsfelder für das Dynagram in Frage kommen.

Die Vorstellung der Dynagrams ist in zwei Gruppen gegliedert, die sich durch die Komplexität des Dynagrams unterscheiden:

A. Einfache Dynagrams

  • 10-10-10 Kreise
  • Venn-Diagramm
  • Matrizen
  • Liebesdreieck
  • Kraftfeld-Diagramm
  • Stakeholfer-Diagramm
  • Kurven-Diagramm

B. Komplexe Diagrams

  • Strategieprofile
  • Stenogramm
  • Canvas-Diagramm
  • Roper-Diagramm
  • Sankey-Diagramm
  • Mintzberg-Diagramm

Im vorletzten Teil des Buches gehen die Autoren auf die Möglichkeiten ein, wie man innerhalb eines Dynagrams noch Akzente durch die Verwendung unterschiedlicher graphischer Elemente setzen kann und dadurch Problemerkenntnis oder Aussagekraft des Dynagrams unter spezifischen Blickwinkeln steigern kann.

Im abschließenden Fazit und dem Ausblick werfen die Autoren noch einen Blick auf die aktuellen und vor allem zukünftigen Entwicklungen im Bereich der dynamischen Diagramme. Die technischen Möglichkeiten z.B. Touch-screens und Tablets werden die Nutzung und auch die Aussagekraft noch weiter erhöhen. Darüber hinaus gibt es unterschiedliche kostenlose oder auch kostenpflichtige Anwendungen im Internet, auf die im Buch hingewiesen wird. Diese computergestützten Dynagrams lassen sich ohne High-Tech-Ausstattung im Unternehmen an einem einfachen Computer nutzen.

Diskussion

Dynagrams – Denken in Stereo ist ein Methodenbuch, das mit den darin vorgestellten Methoden die Dynamik von Problemstellungen abbilden und die Vielfalt in ihrer Bearbeitung erhöhen möchte. Eine gute Gliederung in der Vorstellung der Dynagrams erleichtert das Verständnis sehr. Ob die im Buch angegebenen Effekte nach der Anwendung so eintreffen bleibt natürlich abzuwarten. Allerdings wird man dies ohne ein Probieren, wie eine Methode zu einem selbst paßt und wie gut die Anwendung gelingt, nicht erfahren.

Der Einsatz erscheint zunächst einfach, jedoch sind bei der analogen Arbeit zeichnerische Fähigkeiten am Flipchart oder der Pinnwand durchaus von Vorteil. Die Nutzung der Computertechnik in der Anwendung erfordert eine gehörige Portion Erfahrung im Umgang mit graphischen Programmen. Da es sich bei den vorgestellten Methoden um dynamische Prozesse mehr als um Darstellungsformen handelt, ist der Moderation des Erstellungsprozesses eine hohe Bedeutung beizumessen. Dafür stellen die Autoren eine Schritt-für-Schritt Anleitung zur Verfügung, die den Anwender durch diesen Prozess führt. Allerdings ist zu beachten, dass Moderation und Visualisierung parallel stattfinden müssen. Eine nicht zu unterschätzende Aufgabe.

Daher sind die Methoden zunächst für erfahrene Moderatoren eher geeignet als für Einsteiger in die Kunst der Gruppendynamik. Das soll jedoch nicht heißen, dass ein Einsteiger, mit einiger Übung, sie nicht auch erfolgreich einsetzen kann. Insgesamt steht sowohl für Einsteiger als auch für erfahrende Moderatoren die Einübung im Umgang vor dem ersten Einsatz an, damit im Entstehungsprozess die Überraschungen eher vom Inhalt der Arbeit her entstehen, als vom Methodeneinsatz.

Bleibt die Frage, ob es einen eigenen Namen, nämlich „Dynagrams“ braucht, um die Modernität und Effektivität der häufig schon seit vielen Jahren bekannten Diagrammen zum Ausdruck zu bringen? Sicherlich nicht, aber es ist ein Verdienst der Autoren, eine wirklich gute Zusammenstellung bekannter und weniger bekannter Diagramme vorgelegt zu haben.

Fazit

Dynagrams – Denken in Stereo ist ein empfehlenswertes Methodenbuch. Es bietet praxistaugliche und anschaulich erklärte Methoden, betriebliche wie private Fragestellungen kreativ und effektiv zu bearbeiten. Für jeden, der sein Methodenrepertoire erweitern möchte, bietet das Buch einen guten Mehrwert.


Rezensent
Dipl.-Kfm. Werner Thomas
Krankenpfleger, Diakon
Homepage www.adservio.de
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Zitiervorschlag
Werner Thomas. Rezension vom 14.12.2016 zu: Martin J. Eppler, Roland A. Pfister: Dynagrams- Denke in Stereo. Schäffer-Poeschel Verlag für Wirtschaft · Steuern · Recht GmbH (Stuttgart) 2016. ISBN 978-3-7910-3530-7. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/21107.php, Datum des Zugriffs 18.10.2019.


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