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Hans D. Zollondz (Hrsg.): Lexikon Qualitätsmanagement

Cover Hans D. Zollondz (Hrsg.): Lexikon Qualitätsmanagement. Handbuch des Modernen Managements auf der Basis des Qualitätsmanagements. De Gruyter Oldenburg (Berlin) 2016. 2., Auflage. 1312 Seiten. ISBN 978-3-486-58465-3. 209,95 EUR.
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Thema

Qualitätsentwicklung und Qualitätssicherung ist seit vielen Jahren fester Bestandteil des Managements von Unternehmen im Bereich der Sozial – und der Privatwirtschaft. In den letzten 100 Jahren sind hierzu vielfältige Ansätze entwickelt, diskutiert und publiziert worden. Hierbei reicht die Bandbreite von technokratischen Ansätzen (z.B. Taylor) bis zu Ansätzen des Human-Resource-Management (Mayo) sowie von theoretischen Denkansätzen (z.B. Total Quality Management) bis hin zu sehr ausdifferenzierten Modellen wie der DIN EN ISO 9000 und dem Modell EFQM der European Foundation for Quality Management. Es versteht sich von selbst, dass es eine große Zahl an Publikationen gibt, die dieses breite Themenfeld zu beschreiben suchen. Hierbei ist zu bedenken, dass die verschiedenen Qualitätsmanagementsysteme (zum Beispiel die DIN EN ISO 9000 oder das Modell der EFQM) ständig weiterentwickelt werden und die Publikationen hierzu in der Regel nach einigen Jahren bereits nicht mehr dem jeweils aktuellen Stand entsprechen.

In der vorliegenden Publikation wird der Versuch unternommen, den aktuellen Stand (2016) im Bereich des Qualitätsmanagements in Form eines umfassenden Nachschlagewerkes abzubilden. Es handelt sich bei dem Lexikon um die zweite, komplett überarbeitete und erweiterte Auflage des erstmals bereits im Jahre 2000 erschienenen Werkes.

Autoren

Das Handbuch ist von drei u.a. im Bereich des Qualitätsmanagements qualifizierten und erfahrenen Herausgebern herausgegeben worden:

  • dem Soziologen Hans-Dieter Zollondz,
  • dem Ingenieur Prof. Dr. Michael Ketting und
  • dem Politikwissenschaftler Prof. Dr. Raimund Pfundtner.

Am Handbuch sind 127 AutorInnen beteiligt. Hierbei ist es den Herausgebern gelungen, fachlich renommierte WissenschaftlerInnen wie zum Beispiel Prof. Dr. Lutz von Rosenstiel, Prof. Dr. Hans-Dieter Seghezzi, Prof. Dr. Hans-Jürgen Warnecke, Prof. Dr. Klaus Zink und Prof. Dr. Hans H. Hinterhuber mit Beiträgen einzubinden.

Aufbau

Das Lexikon ist in sechs Kapitel gegliedert.

  1. Vorwort. Nach einem kurzen Vorwort wird sehr ausführlich in das Lexikon eingeführt.
  2. Einführung. Über fünf Seiten hinweg wird die Systematik des Lexikons dargestellt und werden Hilfestellungen zur Erschließung einzelner Begriffe gegeben.
    • Warum ein Lexikon zum Qualitätsmanagement fehlt
    • Zur verfolgten Zielsetzung
    • Zu den Begriffen der ISO 9000
    • Zur Konzeption des Lexikons Qualitätsmanagement
    • Zum Umgang mit dem Lexikon – Benutzerhinweise
  3. Abkürzungsverzeichnis. Die im sechsseitigen Abkürzungsverzeichnis eingebetteten Pfeile verweisen hierbei auf den alphabetischen Lexikontextteil.
  4. Wege in das Qualitätsmanagement. Über vier Seiten hinweg werden am Beispiel der ISO 9000 Zugänge zum Qualitätsmanagement beschrieben.
    • Nicht nur Nachschlagen
    • Lexikon lernen mit „Advanced Organizer“, die Begriffe der ISO 9000
    • Total Quality Management (TQM), Wissen aus dem Lexikon
    • Ausblick
  5. Alphabetischer Lexikonteil. Anschließend folgt über 1282 Seiten die alphabetisch sortierte Beschreibung relevanter Modelle und Begriffe. Hierbei ist besonders zu erwähnen, dass zu Beginn eines jeden neuen Hauptstichwortes die jeweils beteiligten Autoren mit den von ihnen bearbeiteten Themenbereichen dargestellt werden.
  6. Autorenverzeichnis. Am Ende des Lexikons werden die verschiedenen AutorInnen nochmals ausführlich mit ihrer beruflichen und fachlichen Biografie vorgestellt.

Ausgewählte Inhalte

Es werden, wie in einem Lexikon erwartet, die wesentlichen Qualitätsmanagement-Ansätze. dargestellt. Dazu gehört das Modell der DIN EN ISO 9000 (in der Version 2015) mit einer differenzierten Begründung und Beschreibung des Aufbaus des gesamten Systems. Weiterhin wird das Modell der European Foundation for Quality Management (EFQM) über zwölf Seiten hinweg sehr nachvollziehbar und grafisch aufbereitet erläutert. Das gleiche gilt für den Ansatz des Total Quality Managements (TQM). Auch hier wird das Modell mit seinen wesentlichen Elementen und Entwicklungsphasen von den ersten, von Deming formulierten, Managementregeln über die Entwicklung des Total Quality Control-Konzeptes (TQC) von Feigenbaum, des Company Wide Quality Control-Konzeptes (CWQC) von Ishikawa, der gesetzlichen Verankerung eines nationalen Qualitätspreises (Malcolm Baldrige National Quality Award – MBNQA) bis zur Berücksichtigung des Total Quality Managements im Rahmen der ISO 9004 ab der Version 2000 und einer Verankerung von Business-Exzellenz im EFQM-Modell beschrieben.

Es werden jedoch nicht nur verschiedene Modelle, sondern auch bedeutsame Personen vorgestellt. Dazu gehört Frederic Winslow Taylor. Taylor wird mit seinem Schaffen über sechs Seiten hinweg ausführlich behandelt. Das von ihm begründetet „Scientific Management“ wird in den historischen Kontext des ausgehenden 19. Jahrhunderts und in die damaligen sozio-ökonomischen Umwälzungen in den USA eingeordnet. Weiterhin wird beschrieben, wie Taylor sich eine systematische Anwendung des von ihm entwickelten Prinzips der Trennung von disponierender und ausführender Arbeit zur Steigerung der Produktivität praktisch vorstellte. Dazu sah er vor, alle Betriebsaufgaben in ihre Grundbestandteile aufzuteilen und zu analysieren, um eine maximale Leistungsfähigkeit zu erreichen. Weiterhin sollten Löhne an den Ertrag gebunden werden und die Produktion nach rationalen (wissenschaftlichen) Gesichtspunkten koordiniert und verwaltet werden. Taylor war davon überzeugt, mit seinem Ansatz, über eine Steigerung der Produktivität hinaus, „die Quelle des Unbehagens“ zwischen Arbeitern und der Industrie zu beseitigen und hat somit auch einen Beitrag zur Sozialtheorie geleistet (vgl. S. 1134-S. 1140). Die beschriebenen Modelle werden immer wieder auch entsprechenden Unternehmen zugeordnet. So wird zum Beispiel der Fordismus (Ford) als Weiterentwicklung des von Taylor beschriebenen Scientific Managements (vgl. S. 329-S. 334) und das Toyotasystem (Toyoda Sakichi) als mit seinem Bezug zum Total Quality Management dargestellt. (vgl. S. 1162-1167)

Besonders zu erwähnen ist, dass auch über ein Qualitätsmanagement hinausgehende Modelle beschrieben werden. Im Lexikon wird zum Beispiel der integrierte Management Ansatz des Sankt Galler-Modells aufgegriffen. (vgl. S. 490-S. 493)

Weiterhin wird auch das Thema Führung im Kontext von Qualitätsmanagement betrachtet und zu verschiedenen anderen Themenbereichen in Bezug gesetzt. Zum Beispiel geht es um Qualitätsmerkmale guter Führung, um Leadership und Menschenbild, um Wertewandel, Führung und Personalentwicklung sowie um ethikorientierte Führung. (vgl. S. 343-S. 350)

Über sechs Seiten hinweg werden an anderer Stelle Werte als soziologisches Konstrukt diskutiert. Hierbei geht es unter anderem um die Themen Wertewandel, um Humanisierung der Arbeit sowie um Qualität der Arbeit. Erwähnenswert ist, dass es um eine durchaus kritische Auseinandersetzung mit dem Thema Werte geht. Werte werden als eine vom Produkt unabhängige, systematische Methode zur Problemerkennung und Problemlösung betrachtet, um Kunden bzw. Anwendern den gewünschten Nutzen mit möglichst geringen Kosten zu ermöglichen, ohne dabei Qualität, Zuverlässigkeit und auch Marktfähigkeit zu vernachlässigen (vgl. S. 1225).

Die im Lexikon behandelten Themen und Begriffe gehen über das übliche Spektrum des Qualitätsmanagments hinaus, was diese Publikation besonders lesenswert macht. In dem 1312 Seiten umfassen Werk finden sich u.a. auch Beiträge zu den folgenden Themen: Coaching, Change Management, Corporate Governance, Ethik der Finanzdienstleistungen, Empowerment, Glücksforschung, Human Resource Management, Industrie 4.0, Innovationsmanagement, Leadership, Mitarbeiterbindung, Nachhaltigkeit, Organisationsentwicklung, Resilienz, Selbstorganisation und Unternehmenskultur.

Diskussion

Die Herausgeber unternehmen den Versuch, die Bandbreite des Qualitätsmanagements unter Berücksichtigung des aktuellen Standes der Normen und Entwicklungen lexikalisch aufzugreifen. Hierbei beziehen sie sich ausschließlich auf Modelle der Privatwirtschaft (z.B. DIN EN ISO 9000 und TQM). Die im Bereich der Sozialwirtschaft eingesetzten Systeme (z.B. Prozess-, Struktur-, und Ergebnisqualität nach Donabedian und die KES für den Bereich der Elementarpädagogik) finden keine Berücksichtigung.

Die Herausgeber unternehmen den Versuch, die Bandbreite des Qualitätsmanagements unter Berücksichtigung des aktuellen Standes der Normen und Entwicklungen lexikalisch aufzugreifen. Hierbei beziehen sie sich ausschließlich auf Modelle der Privatwirtschaft (z.B. DIN EN ISO 9000 und TQM). Die im Bereich der Sozialwirtschaft und des Gesundheitswesens eingesetzten Systeme (z.B. Prozess-, Struktur-, und Ergebnisqualität nach Donabedian, KTQ für den Bereich der Krankenhäuser, die KES für den Bereich der Elementarpädagogik) finden keine Berücksichtigung.

Die Herausgeber spannen in der 1312 Seiten umfassenden Publikation einen weiten Bogen von der historischen Entwicklung und Bedeutsamkeit des Qualitätsmanagements über die wissenschaftliche Begründung bis hin zur ausführlichen Darstellung der Ansätze und möglichen Anwendungsbereichen. Die verschiedenen Themen und Begriffe werden wissenschaftlich fundiert, praxisbezogen sowie gut lesbar dargestellt. Erläuternd finden sich in dem Lexikon viele Grafiken und Illustrationen.

Obwohl das Werk von insgesamt 127 AutorInnen verfasst wurde, ist die Erläuterung der Begriffe sowie die Illustration durchgehend einheitlich.

Fazit

Es ist den AutorInnen gelungen, die Komplexität der Thematik differenziert und ansprechend aufzugreifen. Obwohl sich ein 1312 Seiten umfassendes Lexikon „schwergewichtig“ anfühlt, motivieren die Herausgeber den Leser, sich in die Publikation zu vertiefen. Die Beschreibung der Themen geht hierbei deutlich über eine lexikalische Darstellung hinaus. Das Modell EFQM wird beispielsweise über zwölf Seiten hinweg erläutert. Da die verschiedenen Ansätze des Qualitätsmanagements nicht im Kontext ihrer chronologischen Entwicklung aufgegriffen werden (sondern wie in einem Lexikon üblich alphabetisch), handelt es sich eben nicht um ein Handbuch.

Durch die detaillierte Beschreibung der Entstehung des Qualitätsmanagements erhalten auch fachlich unerfahrene LeserInnen einen Eindruck über die Phasen der Entwicklung der Modelle und sind demnach in der Lage, sich die Themen zu erschließen. Insgesamt ist das Lexikon sowohl für den Praxis- als auch für den Lehrbetrieb sehr zu empfehlen, da es bereits erfahrenen MitarbeiterInnen im Bereich des Qualitätsmanagements ermöglicht, bekannte Begriffe nochmals nachzuschlagen und EinsteigerInnen sich einen Überblick zu verschaffen. Die Überarbeitung und Erweiterung des bereits im Jahre 2000 erschienenen Lexikons ist den AutorInnen sehr gut gelungen. Der Preis von 209,95 € mag auf den ersten Blick sehr hoch erscheinen, ist aber durch die auf 1312 Seiten dargestellten Inhalte mehr als gerechtfertigt.


Rezensent
Prof. Dr. Michael Schmidt
Diplom Pädagoge, Diplom Sozialpädagoge, TQM-Assessor DGQ, Coach (FH), Professor für Management und Organisation Sozialer Arbeit an der Hochschule RheinMain in Wiesbaden sowie Dozent an der Steinbeis Hochschule Berlin Leadership and Competencies
Homepage www.hs-rm.de
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Zitiervorschlag
Michael Schmidt. Rezension vom 22.07.2019 zu: Hans D. Zollondz (Hrsg.): Lexikon Qualitätsmanagement. Handbuch des Modernen Managements auf der Basis des Qualitätsmanagements. De Gruyter Oldenburg (Berlin) 2016. 2., Auflage. ISBN 978-3-486-58465-3. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/21116.php, Datum des Zugriffs 20.08.2019.


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