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Jörg Michael Kastl: Einführung in die Soziologie der Behinderung

Cover Jörg Michael Kastl: Einführung in die Soziologie der Behinderung. VS Verlag für Sozialwissenschaften (Wiesbaden) 2016. 2. völlig überarbeitete und erweiterte Auflage. 358 Seiten. ISBN 978-3-658-04052-9.
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Thema

Der Autor möchte mit diesem Lehrbuch anhand exemplarischer Analysen in die Teildisziplin Soziologie der Behinderung mit ihren grundlegenden Themen und Problemen einführen. Perspektivisch geht es ihm um ein „Nachdenken über die soziale Dimension von Behinderung“ (S. 3) über die Einordnung des Themas Behinderung in den Zusammenhang einer Soziologie des Körpers. Über eine eigene körpersoziologische Konzeption zur genaueren Begriffsbestimmung von ‚Behinderung‘ und unter Verwendung verschiedenster Fachdiskurse aus Medizinsoziologie, Neurowissenschaften, Philosophie, Soziologie und Heil- und, Sonderpädagogik arbeitet der Autor die drei gegenstandsbezogenen Aspekte von Sozialer Produktion, Sozialer Reaktion und Sozialer Konstruktion von Behinderung heraus, welche er analytisch breit und anschaulich charakterisiert. Seinen Ansatz verortet er selbst als Teilfragestellung unter dem seines Erachtens weiteren Disziplingeschehen einer „Soziologie der Behinderten“ von Günther Cloerkes her.

Entstehungshintergrund und Veränderung zur 1. Auflage

Bereits 2010 legte der Autor Jörg Michael Kastl, Professor für Soziologie der Behinderung und sozialer Benachteiligung an der Fakultät für Sonderpädagogik der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg in Reutlingen, ein erstes Lehrbuch unter dem Titel „Einführung in die Soziologie der Behinderung“ vor (vgl. die Rezension).

Nun sechs Jahre später erfolgt eine zweite Auflage, welche eine gründliche und vollständige Überarbeitung und Erweiterung darstellt. So werden nicht allein statistische Angaben aktualisiert und Verweise auf neuere Forschungsarbeiten ergänzt, sondern vor allem stellt dieses Lehrbuch eine Weiterentwicklung grundlegender Konzepte (Körperlichkeit, Behinderung) und eine stringentere Entwurfsfassung einer ‚Soziologie der Behinderung‘ dar.

Vorteilhaft ist auch die neue leser_innenfreundliche formale Gestaltung des Lehrbuchs. So wird jedes Kapitel mit einer ansprechenden Kurzfassung eröffnet und schließt mit einem Impuls-Kästchen, welches über verschiedene Fragen zur Wissensabfrage und vor allem Anregung zu tiefergehender, weiterführender Auseinandersetzung mit Teilaspekten einlädt.

Aufbau und Prolog

Über die Fotografie des Zwillingspaares Wladimir und Michail Iariga wird im Prolog (Kapitel 1) mit Bezug auf Erving Goffman das Motiv des konstitutiven Doppelgängers als soziologische Urszene zwischen Schädigung und Unversehrtheit eingeführt. Untermauert wird dies mittels medienwissenschaftlichem (Post-Mortem-Fotografie) und psychoanalytischem (Jacques Lacan) Zugang in welchem die Besonderheit des Blicks und des Blickaustausches in der Frage der Subjektwahrnehmung und Objektivierung des Gegenübers entfaltet wird. Behinderung, so das Fazit und die Begründung für den folgenden Entwurf einer Soziologie der Behinderung, ist kein alleiniges Thema der Menschen, welche sozial dieser Kategorie zugewiesen werden, sondern geht letztlich alle an, schlicht durch die Verwiesenheit des komplexen sozial vermittelten Verhältnisses von körperlicher Integrität und ihrer Prekarität.

Nach diesem Prolog folgen vier Teile.

Zu Teil I Der Behinderte Körper und das Soziale

Daran schließt im Teil I eine Grundlegung des konstitutiven Zusammenhangs von Sozialem und Körper aus soziologischer Sicht an, mittels einer Fassung der Begrifflichkeit von ‚körperlich‘ und ‚Behinderung‘.

Dafür erfolgt zunächst im Kapitel 2 Die Soziologie und das soziale Modell der Behinderung die Problematisierung, dass die Begriffsverwendung ‚Behinderung‘ als Teilhabeeinschränkung im sozial- und gesundheitspolitischen Raum in ihrer Operationalisierbarkeit weiter dem Feld der Medizin überlassen wird. Nichtsdestotrotz könne die Disziplingeschichte der Soziologie der Behinderung und der Disability Studies, aufgrund der eingetretenen Selbstverständlichkeit mit der Behinderung als soziale Konstruktion betrachtet wird, als Erfolgsgeschichte gewertet werden. Gleichwohl verweist die Diskussion von medizinischem und sozialen Modell von Behinderung (dargestellt an der Auseinandersetzung zwischen Mike Oliver und Tom Shakespeare), die sich im Kern um das Verhältnis von impairment und disability dreht, auf die weiter offene Klärung einer konstruktiven Verbindung der Soziologie der Behinderung mit einer Soziologie des Körpers.

Den nun eigenen Entwurf diesbezüglich entfaltet der Autor darauf in Kapitel 3 Die Sozialität des Körpers und die Körperlichkeit des Sozialen. Im Anschluss an Bill Hughes und Kevin Patersons Forderung einer Soziologie der Beeinträchtigung erfolgt die Erarbeitung einer Körperkonzeption, die zum einen mittels Martin Heidegger und Maurice Merleau-Ponty die philosophische dualistische Perspektive von Körper und Geist kritisiert und zum anderen über Heinrich Popitz und Victor Turner den Zusammenhang von Weltoffenheit und Verletzlichkeit des Körpers herausarbeitet. Die dabei entwickelten „Mindestkriterien der Verwendung des Begriffs ‚körperlich‘“ (S. 67) sind ein entschiedener Einspruch gegen verschiedene Trennungscharakterisierungen, z.B. die Dreiteilung körperlich – geistig – seelisch in der sozialpolitischen Behinderungsdefinition sowie der Trennung des „objektiven“ Körpers vom innenperspektivischen Leib. Auf dieser Grundlegung wird die Bestimmung des Sozialen über den Körper perspektivisch weiter in den Aspekten Sozialität des Körpers, Körperlichkeit des Sozialen und Grenzen der Sozialität aufgefächert.

Abschließend präsentiert Kapitel 4 Was ist nun eigentlich Behinderung? Probleme mit Definitionen eine im Vergleich zum Definitionsversuch der 1. Auflage Weiterentwicklung des Begriffs Behinderung. Ganz im Sinne der Soziologie der Schädigung (Bill Hughes und Kevin Paterson) wird nun angeraten genauer zwischen dem Schädigungsprozess, der verbleibenden Schädigung (hier benannt als Relikt) als Ergebnis dieses Prozesses und der Behinderung zu unterscheiden. Nichts weniger hat Carol Thomas bereits in den 1980er mit ihrem Konzept der impairment effects auf internationaler Ebene vorgelegt (deren interessante Theorie es leider nicht in diese Besprechung geschafft hat). Da ihr Vorschlag verhallte, bleibt der Disziplin zu wünschen, dass über diesen Entwurf mehr Rezeption und neue Diskussion zu diesem wichtigen Aspekt möglich wird.

Die nun folgenden drei Teile bestimmen die gegenstandsbezogenen Aspekte von Sozialer Produktion, Sozialer Reaktion und Sozialer Konstruktion für sich und in ihren Wechselbezügen zueinander genauer, die sich aus der Schlussfolgerung von Behinderung als physische und soziale Konstruktion auf der Folie von Gesellschaft als größtenteils körperliche Realität ergeben.

Zu Teil II Soziale Produktionen

In Teil II wird sich in zwei Kapiteln mittels Vergleichsanalyse, sowohl global als auch regional (Kapitel 5 Gesellschaft, Gesundheit und Behinderung im globalen Vergleich, Kapitel 6 Gesundheitliche Belastung, Behinderung und soziale Ungleichheit in entwickelten Ländern) dem Prozess der „(Mit-)Verursachung bzw. ‚Hervorbringung‘ von zu Behinderungen beitragenden Schädigungsprozessen durch soziale Faktoren und Lebensbedingungen“ (S. 113) zugewendet. Der Autor liefert hier einen interessanten Aufschlag, wie dieses vernachlässigte Thema in der soziologischen Besprechung von Behinderung aufgrund einer unbefriedigten Daten- und Forschungslage weiterentwickelt werden könnte. Engagiert und kreativ wird zur Besprechung der Frage, ob nun eine Behinderung eher als Ursache oder eher als Wirkung einer sozialen Lage interpretierbar sei, den verstreuten Hinweisen von der kritischen Besprechung der Weltgesundheitserhebung und der Global-Burden-of-Disease-Studie über die Whitehall-Studien und den diesbezüglichen Ansatz der Stresstheorien bis hin zu den Schuleingangsuntersuchungen und der aus der professionellen Erfahrung geborenen Diskussion in der Sonderpädagogik zur Schichtabhängigkeit sogenannter Lernbehinderung nachgegangen. Und doch muss der Autor abschließend festhalten, dass derzeit nur indirekte Rückschlüsse auf die Frage der sozialen Produktion möglich sind, schlicht weil jegliche erhobene empirische Daten derzeit an dieser wichtigen Fragestellung vorbeigehen.

Zu Teil III Soziale Reaktionen

Teil III beinhaltet zwei große Themenbereiche.

Mit drei Beispielen aus der Bandbreite möglicher Reaktionen auf Behinderung wird in den ersten Schwerpunkt (Kapitel 7 Behinderung als abweichendes Verhalten? – Etikettierung, Stigma, Liminalität) eingeführt. Der Autor argumentiert hier gegen die Fassung von Behinderung als Delinquenz und abweichendes Verhalten und verweist mit Robert F. Murphy, Arnold van Gennep und Victor Turner darauf, dass es beim Phänomen Behinderung weniger um eine Sanktionsproblematik als um die Problematik der ambivalenten Position des Außenseiters geht. In der Verknüpfung stigma- und devianztheoretischer mit ambivalenztheoretischen Ansätzen werden Stigmata und liminaler Status nicht als Automatismus für Rollenzuweisungen interpretiert, sondern verweisen weiterführend darauf, Behinderung auf der Ebene von Rollenausübung, Rollenveränderung sowie Sonderrollen zu analysieren.

Im zweiten Schwerpunkt (Kapitel 8 Inklusion, Integration und Teilhabe) wird die bereits in der ersten Auflage erarbeitete Formel „Man kann inkludiert sein, aber schlecht integriert“ nun um die Perspektive Teilhabe ergänzt. Hier nun zeigt sich der Ertrag einer soziologischen Besprechung für die (pädagogische) Debatte um Inklusion, der es ermöglicht Prozesse der sozialen Differenzierung und die Entwicklung der Bürger- und Menschenrechte auch in ihren innewohnenden Paradoxien wahrzunehmen. Überfällig ist der Hinweis, dass Inklusion als „eine Art Maximalprogramm sozialer Anerkennung und Wertschätzung“ (S. 242) zu reiner Ideologie verkommen kann, was über die Analyse Inklusiver Ikonographie und Rhetorik am Beispiel der Aktion Mensch Kampagnen anschaulich und rhetorisch bissig dargestellt wird. Schwer wiegt dabei die geäußerte Befürchtung, dass die Ambivalenz im Umgang mit Behinderungen durch die Inklusionsdebatte eher zu als abnehmen würde.

Zu Teil IV Soziale Konstruktionen

Der nun folgende Teil IV widmet sich einleitend in Kapitel 9 Was heißt hier ‚Konstruktion‘? Soziologie der Behinderung zwischen Naturalismus und Sozial-Konstruktivismus der Praxisebene von Wissens- und Deutungsmustern. Der Autor bespricht dabei verschiedene Fassung der Formel „Behinderung als soziale Konstruktion“ (gesellschaftliche Festlegung, radikaler Konstruktivismus) und positioniert sich selbst in der pragmatischen und interaktionistischen Traditionslinie, welche Normen und Zuschreibungen als „Ergebnis kommunikativer und diskursiver sozialer Praktiken“ (S. 261) fasst. In der Frage nach einer ontologischen Bestimmung erfolgt in der Besprechung von Anne Waldschmidts Bourdieu-Analyse eine harsche Kritik an den deutschen Disability Studies. Diese gipfelt im vernichtenden Vorwurf, dass die verfolgte konstruktivistische Argumentation lediglich dazu diene die Kategorie Behinderung grundsätzlich in Frage zu stellen und gesellschaftskritische Möglichkeiten damit vergeben würden. Die Teildisziplin Soziologie der Behinderung wird in Abgrenzung dazu als kritische und empirische Wissenssoziologie entworfen, die nicht dabei stehen bleibt „‚bloße‘ soziale Konstruktionen vermeintlicher Behinderung von sozialer Konstruktion wirklicher Behinderung zu unterscheiden“ (S. 271).

Die darauffolgenden zwei Kapitel beleuchten unterschiedliche historisch-gesellschaftliche Konsequenzen und Dramatiken sozialer Konstruktion von Behinderung.

Kapitel 10 Wunder der Natur – Konstruktion körperlicher Abweichung in der Freak-Show wirft reich an Beispielen einen Blick auf das Format der Präsentation von Menschen mit abweichenden Körpermerkmalen in Theatern, Shows, Zirkussen usw. Bei aller Ambivalenz wird hierin dennoch weniger ein Degenerationsdiskurs geführt als eher die Interpretation menschlicher Diversität als Laune der Natur vor dem Hintergrund der Rezeption Darwinscher Evolutionstheorie vorgenommen.

Im Gegensatz dazu arbeitete der Nationalsozialismus mit drastischer Zurschaustellung behinderter Menschen (Kapitel 11 ‚Invalidität‘ – die deutsche Rassenhygiene und der Nationalsozialismus), was der Autor über die Auswertung von Lehrplänen und Schulbücher dieser Zeit ausführt. Aus der Präsentation zur Unterhaltung und ökonomischen Profit in den Freak-Shows wird hier Indoktrination und Legitimation einer letztlich tödlichen politischen Ideologie, welche nicht ohne die dichotome Rhetorik in der Idealisierung des angeblich ‚wertvollen‘ Leben ablaufen kann.

Im abschließenden letzten Kapitel 12 Ausblick: das Imaginäre, das Symbolische und das Reale der Behinderung, das sich auch gut als Epilog gelesen hätte, führt die im Prolog begonnene Auseinandersetzung mit Jacques Lacans Trialektik als Zusammenhang des Imaginären und Symbolischen in ihrer Einwirkung auf das Reale weiter. Es wird ein (vielleicht in seiner Notwendigkeit psychoanalytischer und in Verbindung für die Bearbeitung der sozialen Dimension von Behinderung diskussionswürdiger) Entwurf präsentiert, um das Phänomen Behinderung in all seiner Komplexität jenseits unzulässiger Reduktionen als reiner Diskurseffekt oder naturalisierter Realität zu fassen. Und so enden Kastls Ausführungen auch mit der Positionsbestimmung der Soziologie der Behinderung, welcher eine kritische Funktion zugewiesen wird ohne jedoch letztgültige Klärung der Realität leisten und über dem realen Schiedsspruch erheben zu können.

Diskussion

Bereits mit der 1. Auflage der „Einführung in die Soziologie der Behinderung“ war klar, dass der Autor damit einen spannenden Entwurf für die Disziplin vorlegt, der auch über die wenigen vorgängigen Versuche einer ‚Soziologie im Kontext von Behinderung‘ (Forster 2004) sowie der ‚Soziologie der Behinderten‘ (Cloerkes 1997) hinausweist, wobei der Autor seinen Entwurf selbst, nicht recht überzeugend, als Teilprojekt einer Soziologie der Behinderten einordnet. Die 2. Auflage dokumentiert und argumentiert die konzeptionell zu begrüßende Weiterarbeit des Autors am eigenen Konzept. Weiterhin richtungsweisend bleibt dabei die „Einordnung des Themas Behinderung in den Zusammenhang einer Soziologie des Körpers“ (S. 4), wofür der Autor einen eigenen körpersoziologischen Ansatzpunkt zur Untersuchung der Perspektive ‚Behinderung‘ entwickelt. Das alles liest sich in seine vielfältigen Bezügen und Zusammenbindungen interessant. Allerdings verwirrt es schon, dass der Term „Soziologie des Körpers“ nicht im Sinne der gleichlautenden soziologischen Teildisziplin verwendet wird. Erwartungen nach einer tiefergehenden Auseinandersetzung mit den dort getätigten Diskussionslinien hinsichtlich einer Anbindung an die Soziologie der Behinderung werden somit enttäuscht. Zudem wird auch kein bis kaum Bezug auf die körpersoziologischen Entwürfe im Bereich der Soziologie der Behinderung oder der Disability Studies (z.B. von Robert Gugutzer und Werner Schneider) genommen.

Umgekehrt wird der Term ‚Soziologie der Behinderung‘ hingegen sehr stark im Sinne einer soziologischen Teildisziplin verwendet bzw. konturiert. An dieser Stelle wird es schwer, den eindeutig unproduktiven und unnötig aggressiven Anspruch, nachzuvollziehen, die Disability Studies als kultursoziologische Perspektive einer ‚Soziologie der Behinderung‘ einzuverleiben: „Sie braucht keinen eigenen disziplinären Namen in einem ohnehin schon durch Fragmentierung der Diskurse bestimmten Feld“ (S. 5). Dieser Konflikt schwelt durch das gesamte Lehrbuch hindurch und äußert sich auch mal in eruptiven, teils zynischen Verlautbarungen, positioniert die Bearbeitungslinie von Christian von Ferber über Walter Thimm zu Günther Cloerkes als das (einzige) deutsche Pendant der amerikanischen sociology of disability und dampft die Spannweite der deutschen Disability Studies auf einige Arbeiten Anne Waldschmidts ein, wobei die Ansätze von z.B. Michael Zander, Swantje Köbsell, Siegfried Saerberg oder Michael Schillmeier den Blick sehr erweitert hätten. Es ist dem Autor dahingehend zuzustimmen, dass die unterschiedlich benannten Herangehensweisen an das Phänomen ‚Behinderung‘ von interaktionistischer sowie kulturwissenschaftlicher Perspektive einen Dialog bräuchten, ebenso in der Frage des gesellschaftspolitischen Anspruchs an Wissenschaft, doch es ist fraglich, ob das so gelingen kann. Zumal das Format des Lehrbuchs unter dem Titel „Einführung“ auch weniger der geeignete Ort dafür ist.

Fazit

Jörg Michael Kastls bietet eine interessante und mitunter sehr unterhaltend geschriebene Zusammenschau einer soziologischen Sicht auf das Phänomen ‚Behinderung‘ sowie die damit in Zusammenhang stehenden Diskussionen um Gesundheit und Behinderung, Inklusion und Teilhabe behinderter Menschen sowie Konstruktion und Repräsentation körperlicher Differenz. Trotz der kritischen Anfrage wie hier mit disziplinarischen Anschlüssen und Abgrenzungen einer ‚Soziologie der Behinderung‘ umgegangen wird, legt der Autor einen umfangreichen Entwurf zur Frage der sozialen Dimension von Behinderung vor, der allerdings jenseits des Formats Lehrbuch unmißverständlicher platziert gewesen wäre. Inhaltlich sei dem Entwurf eine breite Rezeption, konstruktive Dialoge und Weiterentwicklungen und vor allem der Anstoß für vermehrte soziologische und kulturwissenschaftliche Beschäftigung mit dem eher in der Wissenschaftslandschaft unterrepräsentierten Phänomen ‚Behinderung‘ gewünscht.


Rezensentin
Prof. Dr. Birgit Behrisch
Katholische Hochschule für Sozialwesen Berlin, Gastprofessur für inklusive Pädagogik
Homepage www.khsb-berlin.de
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Zitiervorschlag
Birgit Behrisch. Rezension vom 15.12.2016 zu: Jörg Michael Kastl: Einführung in die Soziologie der Behinderung. VS Verlag für Sozialwissenschaften (Wiesbaden) 2016. 2. völlig überarbeitete und erweiterte Auflage. ISBN 978-3-658-04052-9. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/21138.php, Datum des Zugriffs 22.07.2017.


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