socialnet - Das Netz für die Sozialwirtschaft

Elisabeth Meyer-Renschhausen: Die Hauptstadtgärtner

Cover Elisabeth Meyer-Renschhausen: Die Hauptstadtgärtner. Eine Anleitung zum Urban Gardening ; Tipps vom Allmende-Kontor auf dem Tempelhofer Feld. Jaron Verlag GmbH (Berlin) 2015. 144 Seiten. ISBN 978-3-89773-763-1. D: 12,95 EUR, A: 13,40 EUR, CH: 18,90 sFr.
Recherche bei DNB KVK GVK.

Besprochenes Werk kaufen
über socialnet Buchversand


Thema

Urban Gardening ist ein aktuelles Thema – 2011 wurde in Berlin auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens Tempelhof der Gemeinschaftsgarten „Allmende-Kontor“ gegründet – eine moderne Form der Allmende, anstatt das Gebiet von Investoren privatwirtschaftlich nutzen und bebauen zu lassen. Neben einem Einblick in die Entstehung des Gemeinschaftsgartens gibt das Buch praktische Tipps zum Gärtnern in der Großstadt und stellt dafür geeignete Gartengewächse vor.

Autorin

Elisabeth Meyer-Renschhausen ist promovierte und habilitierte Soziologin und lebt freischaffend in Berlin. Sie hat verschiedene interkulturelle Gemeinschaftsgärten gegründet, u.a. auf dem Berliner Gleisdreieck und dem Tempelhofer Feld.

Aufbau

Das reich bebilderte Büchlein umfasst vier Kapitel

  1. Allmende für Anfänger,
  2. Gärtnern in der Großstadt,
  3. Gemüse und andere Gartengewächse und
  4. Der Trend zum Gemeinschaftsgarten.

Das dritte Kapitel, in dem für das Urban Gardening geeignete Pflanzen vorgestellt werden, nimmt 86 der insgesamt 144 Seiten ein.

Inhalt

Es liest sich wie ein modernes Märchen: die erst wenige Jahre zurückliegende Gründung eines „Gemeinschaftsgartens mit Vorbildcharakter“ auf Flächen des stillgelegten Flughafens Berlin-Tempelhof. Aus ganz unterschiedlichen Motiven fanden sich Menschen zusammen, um gemeinsam zu gärtnern, Hochbeete zu bauen und Gemüse ohne Gift anzubauen. Ein sozialer Prozess, der sich zum Magnet für Berlintouristen entwickelte. Im ersten, 18 Seiten umfassenden Kapitel gibt die Autorin einen Einblick aus der Innenansicht, denn sie war selbst aktiv an der Entstehung und Realisierung der „neuen Allmende“ beteiligt.

Im zweiten, 12 Seiten langen Kapitel geht es um den „Bau eines Hochbeets bis zur Auswahl des Saatguts“, also um praktische Grundlagen zum „Gärtnern in der Großstadt“. Hochbeete, in der Regel aus Brettern und Paletten gezimmerte Kisten, erlauben einen Anbau auch auf kontaminierten Böden. Durch sachgerechtes Kompostieren lässt sich fruchtbare Gartenerde bereiten.

Mehr als die Hälfte des Buches nimmt das dritte, das Hauptkapitel ein, in dem die Autorin „Gemüse und andere Gartengewächse“ vorstellt, die auf dem Tempelhofer Feld angebaut werden. In mehr als 30 Unterkapiteln werden jeweils „Anbau und Pflege“, „Herkommen und Geschichte“ sowie „Genuss und Gesundheit“ abgehandelt. Die reiche Bebilderung macht Lust aufs selber Anbauen. Auch „Blühpflanzen“ und „Kräuter und Gewürze“ werden einbezogen,

Das Schlusskapitel greift die bereits im Eingangskapitel skizzierte Entstehung des Allmende-Kontors auf und stellt sie in einen geschichtlichen und zugleich internationalen Kontext. Gemeinschaftsgärten sind ein weltweiter Trend – 2014 stimmten 740.000 Berliner und Berlinerinnen für den Erhalt des Tempelhofer Feldes als Freifläche, nachdem der Politik zuvor das Verständnis dafür fehlte, „dass die wirklich problematische Privatisierung jene ist, die öffentlichen Grund und Boden verkauft, um ihn privatwirtschaftlich bebauen zu lassen“ (S. 132 f.). Und so steht das Tempelhofer Feld im Kontext einer weltweiten Wiederentdeckung der Allmende, deren Abschaffung weltweit zu „Hunger, Landflucht, Slums, Wohnungsnot und Seuchen“ (S. 141) beitrug. „Die neue Begeisterung fürs Urban Gardening ist deshalb eine glückliche Fügung, die es im Interesse aller zu fördern gilt“ (S. 141).

Diskussion

Das Buch liefert einen lebendig geschriebenen und komprimierten Einblick in die Entstehung und Entwicklung einer beeindruckenden Urban Gardening-Initiative in Berlin und stellt sie zugleich in einen geschichtlichen und politischen Kontext. Der seitenmäßig umfangreichste Teil des Taschenbuchs ist die Vorstellung von Pflanzenarten, die für den Anbau in städtischen Gemeinschaftsgärten geeignet sind und gibt einen Einblick in die Vielfalt – dieser Teil macht Lust auf ihren Anbau und zum Experimentieren, ersetzt aber nicht ein gutes Gartenbuch. Einige botanische Fehler (falsche Zuordnung von Pflanzenarten zu Pflanzenfamilien) werden nur dem Experten auffallen.

Fazit

Das Taschenbuch „Die Hauptstadtgärtner“ gibt am Beispiel des Allmende-Kontors auf dem Tempelhofer Feld in Berlin einen komprimierten Einblick in eine bemerkenswerte Initiative des Urban Gardening. Den Großteil des Buches nimmt die Vorstellung von „Gemüsen und anderen Gartengewächsen“ ein, die dort angebaut werden. Die Autorin war selbst Teil der Entwicklung und man merkt ihr die Begeisterung für diese neue Form der Allmende an. Diese Begeisterung kann auf den Leser überspringen, wenngleich das Büchlein für den praktischen Anbau um weitere Fachliteratur zu ergänzen ist.


Rezensent
Dr. Thomas van Elsen
Deutsche Arbeitsgemeinschaft Soziale Landwirtschaft DASoL
Homepage www.soziale-landwirtschaft.de
E-Mail Mailformular


Alle 3 Rezensionen von Thomas van Elsen anzeigen.

Besprochenes Werk kaufen
Sie fördern den Rezensionsdienst, wenn Sie diesen Titel – in Deutschland versandkostenfrei – über den socialnet Buchversand bestellen.


Zitiervorschlag
Thomas van Elsen. Rezension vom 14.11.2017 zu: Elisabeth Meyer-Renschhausen: Die Hauptstadtgärtner. Eine Anleitung zum Urban Gardening ; Tipps vom Allmende-Kontor auf dem Tempelhofer Feld. Jaron Verlag GmbH (Berlin) 2015. ISBN 978-3-89773-763-1. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/21148.php, Datum des Zugriffs 21.11.2017.


Urheberrecht
Diese Rezension ist, wie alle anderen Inhalte bei socialnet, urheberrechtlich geschützt. Falls Sie Interesse an einer Nutzung haben, treffen Sie bitte vorher eine Vereinbarung mit uns. Gerne steht Ihnen die Redaktion der Rezensionen für weitere Fragen und Absprachen zur Verfügung.


socialnet Rezensionen durch Spenden unterstützen
Sie finden diese und andere Rezensionen für Ihre Arbeit hilfreich? Dann helfen Sie uns bitte mit einer Spende, die socialnet Rezensionen weiter auszubauen: Spenden Sie steuerlich absetzbar an unseren Partner Förderverein Fachinformation Sozialwesen e.V. mit dem Stichwort Rezensionen!

Zur Rezensionsübersicht

Hilfe & Kontakt Details
Hinweise für

Bitte lesen Sie die Hinweise, bevor Sie Kontakt zur Redaktion der Rezensionen aufnehmen.
rezensionen@socialnet.de

Newsletter bestellen

Immer über neue Rezensionen informiert.

Newsletter

Schon 13 000 Fach- und Führungskräfte informieren sich monatlich mit unserem kostenlosen Newsletter über Entwicklungen in der Sozialwirtschaft

Gehören Sie auch schon dazu?

Ansonsten jetzt für den Newsletter anmelden!