socialnet - Das Netz für die Sozialwirtschaft

Klaus Hurrelmann, Theodor Klotz u.a. (Hrsg.): Lehrbuch Prävention und Gesundheitsförderung

Cover Klaus Hurrelmann, Theodor Klotz, Jochen Haisch (Hrsg.): Lehrbuch Prävention und Gesundheitsförderung. Hogrefe (Bern) 2014. 4., vollst. überarbeitete Auflage. 470 Seiten. ISBN 978-3-456-85319-2. D: 39,95 EUR, A: 41,10 EUR, CH: 53,90 sFr.
Recherche bei DNB KVK GVK.

Besprochenes Werk kaufen
über socialnet Buchversand

über Shop des Verlags


Thema und Zielsetzung

Ziel der Herausgeber ist es mittlerweile zum vierten Mal, den Leser über die Gebiete Prävention und Gesundheitsförderung zu informieren und dem Leser ein gutes Lehrbuch an die Hand zu geben, anhand dessen er die mittlerweile sehr große und deutlich angewachsene „Stoffmenge“ lernen und bewältigen kann.

Herausgeber und AutorInnen

  • Der 1944 geborene Klaus Hurrelmann ist als „die“ Instanz schlechthin im Bereich der Gesundheitswissenschaften zu bezeichnen. Nach der Begründung der Gesundheitswissenschaften als interdisziplinäre Disziplin durch Hurrelmann hat er an der Universität Bielefeld bis zu seiner Emeritierung 2009 gearbeitet und höchste Verdienste für die Gesundheitswissenschaften errungen; eine Erwähnung seiner unzähligen wissenschaftlichen Werke und seiner richtungsweisenden Lehrveranstaltungen und seiner internationalen Karrierestationen dürfte sich hier erübrigen. Mittlerweile lehrt er als Professor of Public Health and Education an der Hertie School of Governance in Berlin.
  • Prof. Dr. med. Theodor Klotz, MPH ist Chefarzt Klinik für Urologie, Andrologie und Kinderurologie des Klinikum Weiden. Er ist Facharzt für Urologie mit den Zusatzbezeichnungen Andrologie, medikamentöse Tumortherapie, Palliativmedizin; außerdem ist er Master of Public Health durch ein Studien der Gesundheitswissenschaften.
  • Prof. Dr. Jochen Haisch ist mittlerweile Honorarprofessor an der Pädagogischen Hochschule Schwäbisch Gmünd und war nach einem Studium der Soziologie und Psychologie in Tübingen und Mannheim langjährig an der Medizinischen Fakultät der Universität Ulm tätig.

Alle Herausgeber verfügen über eine weitreichende wissenschaftliche Expertise mit zahlreichen Publikationen im Bereich der Medizin bzw. Gesundheitswissenschaften.

Auch unter den AutorInnen befinden sich zahlreiche namhafte Protagonisten aus dem gesamten Spektrum des Gesundheitssystems.

Entstehungshintergrund

Die aktuelle Auflage des Lehrbuches trägt der Erweiterung des interdisziplinären gesundheitswissenschaftlichen Wissens Rechnung. Die Wissensmenge im gesundheitswissenschaftlichen Bereich hat in den letzten Jahren mit der zunehmenden Akademisierung der Gesundheitswissenschaften deutlich zugenommen, wobei dies ebenso für die Teilbereiche Prävention und Gesundheitsförderung gilt, deren Priorität wiederum deutlich zugenommen hat.

Ausgangspunkt der aktuellen vierten Auflage ist die vorangegangene Auflage, die einige Änderungen erfahren hat. Die aktuelle Auflage wurde in den „bewährten“ Kapiteln durch aktuelle Daten ergänzt und hat zudem Beiträge über Evaluation und Qualitätssicherung sowie spezielle Programme der Prävention und Gesundheitsförderung erhalten.

Aufbau und Inhalt

Das Lehrbuch „Prävention und Gesundheitsförderung“ basiert nicht nur auf der Expertise und den Ausarbeitungen der Herausgeber, sondern auf den Texten zahlreicher Autoren, die zum Gelingen des Werkes beitragen.

Das Buch gliedert sich auf insgesamt 470 Seiten in sechs Teile mit jeweils mehreren Kapiteln und beinhaltet über 50 Abbildungen sowie Tabellen, die die jeweiligen Inhalte illustrieren. Die jeweiligen Kapitel enden mit potentiellen Prüfungsfragen, die es Studierenden ermöglichen, ihr erworbenes Wissen selbst zu überprüfen oder sich damit auf potentielle Fragen in Prüfungssituationen vorzubereiten. Danach folgt jeweils eine ausführliche internationale Literaturliste.

Der erste Teil legt nach einem kurzen Vorwort die „Grundlagen und Konzepte von Prävention und Gesundheitsförderung“ dar. Hier widmen sich verschiedene Autoren den Themen „Krankheitsprävention und Gesundheitsförderung“, „Theorien der Krankheitsprävention und des Gesundheitsverhaltens“ sowie Konzepte(n) und Strategien von Prävention und Gesundheitsförderung. Hiermit legen sie v.a. definitorische Grundlagen für den weiteren Verlauf des Buches. Wie jedes Schriftstück über Gesundheitsförderung beginnt auch dieses mit Ausführungen über die richtungsweisende WHO-Konferenz in Ottawa 1986 als Geburtsstunde der Gesundheitsförderung. Dem Leser wird auch in diesem Buch gleich zu Beginn klar gemacht, das die Ausrichtung des (deutschen) Gesundheitssystems Prävention und Gesundheitsförderung zunächst stiefmütterlich behandelt hat und (möglicherweise) vor einer neuen Ära steht. Darüber hinaus werden die Beziehungen von Kuration/ Therapie, Rehabilitation, Pflege und Prävention und Gesundheitsförderung zueinander dargestellt.

Im Anschluss an das erste Kapitel wird zunächst das bio-psycho-soziale Ätiologiemodell dargestellt und erläutert, was von weiteren Modellen (z.B. zu Gesundheitsverhalten, etc.) gefolgt wird. Das dritte Kapitel definiert zunächst die unterschiedlichen Präventionsbegriffe, um dann auf die Verhaltens- und Verhältniskomponente der Prävention einzugehen. Im vierten Kapitel fokussieren die Autoren auf die Konzepte der Salutogenese in Abgrenzung zur Pathogenese und führen Begriffe wie Resilienz ein. Abgeschlossen wird das vierte und damit letzte Kapitel des ersten Teils mit Ausführungen über politische und rechtliche Rahmenbedingungen der Gesundheitsförderungen.

Der zweite Teil des Lehrbuches widmet sich der „Prävention und Gesundheitsförderung im Lebenslauf“ und deckt somit die gesamte Altersspanne vom Säugling bis hin zum Greis ab. Konsekutiv wird jede Lebensphase in den einzelnen Kapiteln berücksichtigt. Jedes Kapitel beginnt mit Maßnahmen unter der Berücksichtigung von Rahmenbedingungen zur Prävention und stellt konsekutiv Primär-, dann Sekundär- und schließlich tertiär präventive Maßnahme vor, die von gesundheitsfördernden Maßnahmen gefolgt werden. Im ersten Kapitel über die „Prävention und Gesundheitsförderung im Kindesalter“ werden dabei sowohl Maßnahmen im Zusammenhang mit dem plötzlichen Kindstod, Infektionskrankheiten, Diabetes, etc. bis hin zu den U-Untersuchungen erläutert. Hier findet sich neben den pathogenetischen Ausführungen stets eine Betonung der Ressourcen bzw. Resilienz im Sinne der der Gesundheitsförderung inhärenten Salutogenese. Auch Maßnahmen zum Qualitätsmanagement fehlen nicht. Das Kapitel über Prävention und Gesundheitsförderung im Jugendalter geht nach dem gleichen Muster vor und erwähnt im Zusammenhang mit dem Jugendalter typische Aspekte von Prävention und Gesundheitsförderung und trägt hier Statusunterschieden Rechnung, die explizit thematisiert werden. Darüber hinaus wird v.a. der Konsum psychotroper Substanzen thematisiert. Hier findet der Leser auch eine Tabelle mit aussagekräftigen Metaanalysen zur Effektivität von Präventionsprogrammen im Jugendalter. Das Erwachsenenalter wird ebenfalls nach dem bewährten Schema in Punkto Prävention und Gesundheitsförderung dargestellt und führt die bereits im Jugendalter begonnene Betrachtung von risikobehafteten Verhaltensweisen mit deren Implikationen fort. Das letzte Kapitel über das hohe Lebensalter widmet sich entsprechend den Spezifika dieses Lebensabschnittes.

Der dritte Teil über „Prävention somatischer Störungen und Krankheiten“ beginnt mit Ausführungen über „Prävention von Herz-Kreislauf-Krankheiten“ und trägt damit der höchsten Mortalitätskausalität Rechnung. Hier wird vom Lebensalter unabhängig über v.a. Verhaltensweisen (Ernährung bzw. Ernährungsstile, Alkoholkonsum, etc.) im Zusammenhang mit der Entstehung von kardiovaskulären Krankheiten berichtet. Es folgt ein Kapitel über die „Prävention von Krebserkrankungen“, das neueste Ergebnisse in der Verhütung der Entstehung von Neoplasien bietet und widmet sich vorwiegend epidemiologisch relevanten Neoplasien wie z.B. Brustkrebs, Bronchialkarzinomen, etc. Atemwegserkrankungen wie Asthma und COPD werden im nächsten Kapitel im Zusammenhang von Prävention und Gesundheitsförderung unter die Lupe genommen und sparen den Bereich der Atopien und der Psychoedukation bei bereits bestehenden chronischen Atemwegserkrankungen zur Tertiärprävention keineswegs aus. Der Bedeutung der „Prävention durch körperliche Aktivität“ wird ein eigenes Kapitel gewidmet, was die hohe Relevanz dieser gesundheitsfördernden bzw. präventiven Verhaltenskomponente darstellt; in diesem Zusammenhang werden mehrere bedeutende Studien(ergebnisse) vorgestellt. In den weiteren Kapiteln werden muskuloskeletale Erkrankungen, Adipositas sowie Diabetes, Infektionskrankheiten, Erkrankungen aus dem zahnärztlichen Bereich, neurologische Erkrankungen sowie somatische Erkrankungen aus dem Bereich der Humangenetik thematisiert.

Der vierte Teil „Prävention psychosomatischer und psychischer Krankheiten“ trägt der steigenden Bedeutung der psychischen und psychosomatischen Erkrankungen in der Bevölkerung Rechnung. Hier werden im Kern die Auswirkungen von Stress bzw. chronischem Stress erläutert und in einen präventiven sowie gesundheitsfördernden Kontext gestellt. Hier werden sowohl theoretische Modelle erläutert wie bspw. das Stress-Anforderungs-Modell als auch stressassoziierte Krankheiten dargestellt. Darüber hinaus werden affektive Erkrankungen (v.a. Depression) auch im Kontext zu beruflichen Belastungen thematisiert und das weitreichende und sehr bedeutende Feld der substanzgebundene Verhaltensstörungen erörtert. Diese Ausführungen sind gefolgt von Ausarbeitungen über Essstörungen (v.a. Anorexia nervosa) und schließlich der Prävention suizidalen Verhaltens, welche mit bedeutsamen epidemiologischen Zahlen aufwartet.

Der fünfte Teil über „Zielgruppen und Settings der Prävention und Gesundheitsförderung“ widmet sich den Settings, in denen Prävention und Gesundheitsförderung auf ihre spezifischen Modi möglich sind. Das erste Kapitel stellt die Möglichkeiten und Limitationen in der Arztpraxis dar, um sich dann dem stationären Bereich zu widmen und hier auf bedeutsame Unterschiede hinzuweisen. Auch die Arbeit mit Angehörigen sowohl als Risiko als auch als Ressource findet dabei Berücksichtigung. Das „Gesundheitsfördernde Krankenhaus“ als spezifischer Setting-Ansatz als ein Kernaspekt der modernen Gesundheitsförderung wird am Ende des Kapitels aufgegriffen und thematisiert. Schließlich folgen Ausführungen über Möglichkeiten und Limitationen im Öffentlichen Gesundheitswesen mit seinen spezifischen Eigenschaften in Deutschland, wobei auch die Frage nach der Rolle des öffentlichen Gesundheitswesens bzw. -dienstes nicht ausgespart wird. Weitere lebensweltliche Settings werden in den übrigen Kapiteln ausgearbeitet wie Prävention und Gesundheitsförderung in der Familie, der Schule, am Arbeitsplatz (mit Thematisierung der Rolle der Arbeitsmedizin), in Kommunen sowie bei Männern, Frauen und Migranten.

Schließlich informiert der sechste und letzte Teil des Buches den Leser über die „Gesundheitspolitische Umsetzung“ von Präventivmaßnahmen und Maßnahmen zur Gesundheitsförderung. Hier werden die gesetzlichen Veränderungen der letzten Jahrzehnte und Jahre thematisiert und die aktuellsten Entwicklungen dargestellt, die das Gesundheitssystem vor neue Herausforderungen stellen und günstige Rahmenbedingen für Prävention und Gesundheitsförderung ermöglichen. Auch die „Prävention gesundheitlicher Ungleichheiten“ findet Berücksichtigung, genauso wie wichtige internationale Vergleiche, die angestellt werden. Schließlich wird die Rolle der neuen, digitalen Medien thematisiert, die Fluch und Segen bedeuten können. Schließlich geben alle drei Herausgeber einen Ausblick auf die Zukunft von Prävention und Gesundheitsförderung.

Abschließend erhält der Leser einen Überblick über die Autoren und die Möglichkeit, in einem Sachregister nach Stichworten nachzuschlagen.

Zielgruppe

Die Zielgruppe des Lehrbuches „Prävention und Gesundheitsförderung“ sind wie auch schon in den vorangegangenen Auflagen primär Studierende, denen es als Lehrbuch dient. Aber auch Menschen, die im Bereich der Gesundheitswissenschaften arbeiten kann das Buch wertvolle Dienste als Nachschlagewerk bieten.

Diskussion und Fazit

Auch die aktuelle Auflage des Lehrbuches „Prävention und Gesundheitsförderung“ wird sich genau wie vorangegangenen Auflagen sicherlich als „Standardlehrbuch“ platzieren. Das im Buch präsentierte Wissen ist gewohnt umfangreich, präzise und komplex. Für einen Leser aus dem Bereich der Gesundheitswissenschaften ist es dennoch gut verständlich, wobei die Inhalte durch Abbildungen und Tabellen sehr anschaulich illustriert werden, um auch hoch komplexe Thematiken anschaulich zu erklären.

Alles in allem handelt es sich abermals um ein sehr gutes Lehrbuch, das beste Voraussetzungen für die nächste Auflage bietet, die im Herbst 2017 erscheinen soll.


Rezensent
Prof. Dr. med. et Dr. disc. pol. Andreas G. Franke
M.A. Professur für Medizin in Sozialer Arbeit, Bildung und Erziehung Hochschule Neubrandenburg
E-Mail Mailformular


Alle 52 Rezensionen von Andreas G. Franke anzeigen.

Besprochenes Werk kaufen
Sie fördern den Rezensionsdienst, wenn Sie diesen Titel – in Deutschland versandkostenfrei – über den socialnet Buchversand bestellen.


Zitiervorschlag
Andreas G. Franke. Rezension vom 03.01.2017 zu: Klaus Hurrelmann, Theodor Klotz, Jochen Haisch (Hrsg.): Lehrbuch Prävention und Gesundheitsförderung. Hogrefe (Bern) 2014. 4., vollst. überarbeitete Auflage. ISBN 978-3-456-85319-2. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/21156.php, Datum des Zugriffs 27.07.2017.


Urheberrecht
Diese Rezension ist, wie alle anderen Inhalte bei socialnet, urheberrechtlich geschützt. Falls Sie Interesse an einer Nutzung haben, treffen Sie bitte vorher eine Vereinbarung mit uns. Gerne steht Ihnen die Redaktion der Rezensionen für weitere Fragen und Absprachen zur Verfügung.


socialnet Rezensionen durch Spenden unterstützen
Sie finden diese und andere Rezensionen für Ihre Arbeit hilfreich? Dann helfen Sie uns bitte mit einer Spende, die socialnet Rezensionen weiter auszubauen: Spenden Sie steuerlich absetzbar an unseren Partner Förderverein Fachinformation Sozialwesen e.V. mit dem Stichwort Rezensionen!

Zur Rezensionsübersicht

Hilfe & Kontakt Details
Hinweise für

Bitte lesen Sie die Hinweise, bevor Sie Kontakt zur Redaktion der Rezensionen aufnehmen.
rezensionen@socialnet.de

Newsletter bestellen

Immer über neue Rezensionen informiert.

Newsletter

Schon 12 000 Fach- und Führungskräfte informieren sich monatlich mit unserem kostenlosen Newsletter über Entwicklungen in der Sozialwirtschaft

Gehören Sie auch schon dazu?

Ansonsten jetzt für den Newsletter anmelden!