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Susanne Möller: Erfolgreiche Teamleitung in der Pflege

Cover Susanne Möller: Erfolgreiche Teamleitung in der Pflege. Springer (Berlin, Heidelberg, New York, Hongkong, London, Mailand, Paris, Tokio, Wien) 2016. 2., aktualisierte Auflage. 208 Seiten. ISBN 978-3-662-50287-7. D: 24,99 EUR, A: 25,69 EUR, CH: 26,00 sFr.
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Autorin

Susanne Möller ist Diplom-Psychologin mit den Schwerpunkten Arbeits- und Organisationspsychologie, Luft- und Raumfahrtpsychologie und Klinische Psychologie, Coach und NLP-Trainerin. Seit vielen Jahren ist sie im Teamtraining für internationale Fluggesellschaften und als Trainerin für Führungskräfte aus Gesundheitsfachberufen tätig.

Entstehungshintergrund

Nach der ersten Auflage 2013 stellt sich die Frage, warum sobald eine Neuauflage auf den Markt kommt. Die Autorin begründet dies damit, dass sich durch Strukturveränderungen im Krankenhaus die Abläufe stärker an wirtschaftlichen Gesichtspunkten orientieren müssen. Insbesondere auch bei der Besetzung offener Stellen hätte sich der Konkurrenzdruck deutlich verschärft, da qualifiziertes Pflegepersonal speziell in die Schweiz abwandert oder von konkurrierenden Krankenhäusern abgeworben werde. Um in diesem Wettbewerb bestehen zu können, dient das Handbuch für Pflegende dazu, insbesondere jene Personen zu fördern, die eine erste Teamleitungsfunktion übernehmen. Schritt für Schritt soll es an die Anforderungen und Aufgaben einer Teamleitung heranführen. Vermittelt werden soll, wie Prozesse im Team zu lenken und Konflikte zu lösen sind sowie Mitarbeitergespräche geführt werden können. Ziel ist es, dass zukünftige Führungspersonen mühelos in die neue Rolle hineinwachsen können.

Aufbau

Die Publikation ist in dreizehn Kapitel unterteilt, wobei das abschließende Kapitel die Zusammenfassung und den Ausblick auf einer Seite darstellt. Dem folgt ein sogenannter Serviceteil, der das Stichwortverzeichnis umfasst. Ein kurzes Literaturverzeichnis findet sich nach jedem Kapitel. Graphiken, Bilder und Abbildungen lockern den Text auf und sollen Tatbestände verdeutlichen. Die zahlreichen Fallbeispiele aus dem Berufsalltag sollen dabei helfen, Zusammenhänge zu erfassen. Mit kurzen Übungen sollen die Leser das Gelernte ausprobieren und anwenden können.

Inhalte

Kapitel 1 „Teamführung im Gesundheitswesen“ erläutert auf gut einer Seite den Aufbau des Buchs. Es ist quasi die Einleitung und hat durchaus Schnittmengen mit der eigentlichen Einleitung. In zwei Merksätzen wird die Essenz der Publikation wiedergegeben.

Kapitel 2 „Was ist ein Team“ beschreibt die Merkmale, die ein Team kennzeichnen und definiert es als eine Sonderform der Gruppe. Auf 2 ½ Seiten wird außerdem noch die Teamarbeit definiert.

Kapitel 3 „Wie entwickelt sich ein Team“ ist sozialpsychologisch orientiert und schildert, wie ein Team zusammengestellt werden sollte. Zudem werden einige Theorien der Teamentwicklung wiedergegeben.

Kapitel 4 „Teamalltag“ will von der Überschrift nicht recht passen, erwartet man doch einen Erfahrungsbericht. Tatsächlich aber ist es eher eine Beschreibung von Teamprozessen: der Wahrnehmung, den Problemen der sprachlichen Kommunikation und des Verhaltens, die dann abgeschlossen werden durch die Darstellung von Burnout und Positivem Denken. Die nicht unbedingt stringente Zusammenstellung zeigt bereits, dass es eher Ratgeberthemen sind denn wissenschaftlich fundierte Ableitung beispielsweise zum Management Appraisal.

Kapitel 5 „Umgang mit Stress“ ist sicherlich in den Pflegeberufen ein wichtiges Thema, da auf unterschiedlichen Ebenen Stressoren auftreten können. So beginnt die Autorin dann auch mit einem Beispiel zu „Stress auf Station“. Gut ist auch, dass sie sich am transaktionalen Stressmodell von Richard Lazarus und nicht wie so viele am Modell von Hans Seyle orientiert. Ob allerdings einige Beschreibungen zu Entspannungsmethoden wirklich helfen können, mag dahingestellt bleiben.

Kapitel 6 „Anforderungen an Teamleitende“ ist sicherlich sehr engagiert, zumal den Abschluss Kapitel „6.5.2 Der Weg zu einer erfolgreichen Führungskraft“ bildet. Die derzeitige Leadership-Forschung, die sich um Persönlichkeitsfaktoren (Big Five, Dark Triade) ebenso wie um die soziale, gesellschaftliche Bedingtheit kümmert, ist deutlich sensibler in der Definition sogenannter „Kernkompetenzen“, sozialer Kompetenzen oder Führungskompetenzen als die Autorin. Es ist schon ein wenig verwunderlich, wenn plötzlich von rationaler, emotionaler, moralischer und kultureller Intelligenz gesprochen wird, wenn man sich die Entwicklung der Intelligenztheorie seit Charles Spearman ansieht: Intelligenz wird immer als die kognitive Leistungsfähigkeit definiert – wenn auch unterschiedlich beschrieben.

Kapitel 7 „Umgang im Team“ beschreibt den Umgang mit Fehlern, mit Stärken und Schwächen sowie Verhalten und Erwartungshaltungen. Humor und Vorbild kommen hinzu. Es wird nicht ganz klar, welche Rolle in diesem Zusammenhang die Führungskraft haben sollte.

Kapitel 8 „Teamentwicklung“ ist prima vista eng mit Kapitel 3 verwandt. Während aber in Kapitel 3 Theorien vorgestellt wurden, werden hier eher sogenannte Erfahrungen wiedergegeben: Teamentwicklung fördern, Teamtraining, Teamkultur bis hin zu „Kapitel 8.4 Was zeichnet ein gutes Team aus“. Man lernt dann eben, dass Lästern eine Form verbaler Aggression ist und ähnliches.

Kapitel 9 „Lob, Anerkennung, Motivation“ umfasst einen breiten Strauß sogenannter Führungsinstrumente. Dargestellt wird, wie man richtig lobt und ebenso richtig motiviert, wobei üblicherweise Lob als ein Instrument der Motivation angesehen wird und nicht als eigenständiger Ansatz.

Kapitel 10 „Gespräche“ sind nicht einfach die Kommunikationsformen – die wurde bereits ausführlich in den vorangegangenen Kapiteln erörtert –, sondern eher deren arbeitsrechtliche Differenzierung: Mitarbeitergespräch, Beurteilungs- und Fördergespräch sowie Einstellungsinterview.

Kapitel 11 „Konflikte im Team“ hat Zusammenhänge mit Kapitel 7 und gehört eigentlich dazu. Wie sich Konflikte entwickeln, welche Arten es gibt und wie sie im Team gelöst werden wird hier beschrieben.

Kapitel 12 „Herausforderung im Team“ ist eher ein Sammelsurium von Themen, die bisher nicht besprochen wurden. Position und Macht, Neid, schwierige Mitarbeiter, Störfaktoren und zum Schluss „Hilfreiche Kommunikations- und Moderationstechniken“ könnten zumindest zum Teil in die vorangegangenen Kapitel integriert werden. Denn teilweise wurden diese Themen bereits angesprochen und nur teilweise sind sie neu.

Diskussion

Die stark gegliederte Publikation ähnelt einem entsprechenden Seminar, in dem vielen Themen nacheinander abgehandelt werden. Insofern eignet sie sich auch als ein Nachschlagewerk. Teilweise entsteht der Eindruck, dass es sich um ein Lehrbuch der Sozialpsychologie handelt. So richtig die dargestellten Theorien sind, ergibt sich doch die Frage, ob deren Kenntnis für eine Teamleitung im Krankenhaus notwendig ist. Es ist der schmale Grat zwischen banaler Ratgeberliteratur und wissenschaftlichem Fachbuch, zwischen einfacher Betriebsanleitung und didaktischem Textbuch, auf dem sich die Autorin bewegt.

Um im Bild zu bleiben: So manches Mal rutscht ihr der Fuß in die eine oder andere Richtung vom Grat ab. Einige formale Mängel wie ein fehlendes Kapitel nach 4.1.1, 7.4.1, 7.7.1, 8.4.1 und 12.1.1 oder die nicht durchgängige Nutzung des bestimmten Artikels sind leider ein oft festzustellender Fehler. Was aber wirklich stört ist der fehlende „rote Faden“, der aus einer Theorie die einzelnen Aspekte des Führungsverhaltens ableitet. Stattdessen finden sich mal Theorien, mal eine Heuristik, die gut in einem Seminar ankommen mögen, aber in einem Buch doch logisch und stringent dargestellt werden sollten.

Fazit

„Fit für die Teamleitung – Einstieg in die neue Führungsrolle“ – so ist der Buchrücken überschrieben. Der Titel wiederum lautet „Erfolgreiche Teamleitung in der Pflege“. Und im Buch selbst ist eher vom Pflegepersonal im Krankenhaus die Rede, nicht ausschließlich, aber im Schwerpunkt. Dies zeigt bereits das Dilemma der Publikation auf: so ganz exakt wird nicht deutlich, für wen, weshalb und was hier geschrieben wurde. Die Beispiele sind anschaulich, die Erfahrungen durchaus unstrittig und nachvollziehbar und auch die angeführte Theorie ist in Ordnung. Doch irgendwie passt es nicht zusammen. Würde man den Inhalt nehmen, ihn stringent und auf weniger Kapitel komprimiert zusammenstellen, die Ableitungen aus der Theorie logisch herstellen, wäre dieses Buch sehr empfehlenswert. Vielleicht gelingt dies der Autorin in der nächsten Auflage und dann würde man das Buch auch uneingeschränkt empfehlen können. So bleibt ein eher ambivalenter Eindruck, dass das Buch durchaus hilfreich sein kann und vor allem zum Nachlesen bei entsprechenden Seminaren geeignet ist, aber dem eigenen Anspruch nicht ganz gerecht wird.


Rezensent
Prof. Dr. Rüdiger Falk
Professor für Human Resource Management an der Fachhochschule Koblenz
RheinAhrCampus Remagen
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Zitiervorschlag
Rüdiger Falk. Rezension vom 23.10.2016 zu: Susanne Möller: Erfolgreiche Teamleitung in der Pflege. Springer (Berlin, Heidelberg, New York, Hongkong, London, Mailand, Paris, Tokio, Wien) 2016. 2., aktualisierte Auflage. ISBN 978-3-662-50287-7. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/21161.php, Datum des Zugriffs 26.07.2017.


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