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Dörte Weltzien, Annika Lorenzen: Kinder Stärken! - Förderung von Resilienz (...)

Cover Dörte Weltzien, Annika Lorenzen: Kinder Stärken! - Förderung von Resilienz und seelischer Gesundheit in Kindertageseinrichtungen. FEL Verlag Forschung Entwicklung Lehre (Freiburg) 2016. 152 Seiten. ISBN 978-3-932650-78-9.
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Autorinnen

Dr. Dörte Weltzien ist Professorin für Pädagogik der Kindheit an der Evangelischen Hochschule Freiburg. Sie ist Studiengangsleiterin für den Masterstudiengang Bildung und Erziehung im Kindesalter.

Annika Lorenzen ist Kindheitspädagogin (M.A.) und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Zentrum für Kinder- und Jugendforschung an der Evangelischen Hochschule Freiburg.

Thema

In der vorliegenden Veröffentlichung berichten die Autorinnen über die erste Phase des Projekts „Kinder Stärken! – Förderung von Resilienz und seelischer Gesundheit in Kindertageseinrichtungen“, in dessen Rahmen im Zeitraum November 2013 bis Juni 2015 in sieben Kindertagesstätten umfangreiche Fortbildungsmaßnahmen zur Förderung von Resilienz und seelischer Gesundheit durchgeführt wurden.

Ziel war es, die beteiligten Fachkräfte in ihrer professionellen Arbeit mit Kindern und deren Familien zu unterstützen und die Einrichtungen zu einer resilienz- und gesundheitsförderlichen Einrichtung weiterzuentwickeln.

Aufbau und Inhalt

Im knappen Einführungsteil werden die Ziele für die Ebenen Träger, pädagogische Fachkräfte, Kinder, Eltern, Einbindung der Institution in Netzwerke formuliert Als wichtige Resilienzfaktoren werden benannt:

  • Selbst- und Fremdwahrnehmung,
  • Selbstwirksamkeit,
  • Selbststeuerung,
  • Problemlösen,
  • soziale Kompetenzen und
  • Stress-Bewältigung.

In den beteiligten sieben Einrichtungen wurden die Fachkräfte und Teams über einen Zeitraum von 18 Monaten weiterqualifiziert; es gab sechs 1-tägige Module, zehn 3-stündige Coaching-Sitzungen sowie Zusatzangebote an ganz- oder halbtägigen Fachveranstaltungen.

Daten wurden zu zwei Zeitpunkten (Beginn und Ende) erhoben. Diese erfolgte mittels schriftlicher Befragung (Fragebögen), Interviews, Gruppendiskussionen und verschiedenen Verfahren zur Einschätzung der Kinder.

Auf den folgenden ca. 115 Seiten werden die Ergebnisse dargestellt. Zu Beginn des Projektes sahen die Einrichtungsleitungen, dass noch wenige resilienz- und gesundheitsfördernde Maßnahmen umgesetzt wurden. Bei Projektende stellten die Fachkräfte Veränderungen in einer resilienzbezogenen Neuorientierung im Team, einer bewussteren Beziehungsgestaltung mit den Kindern und einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit mit den Eltern fest. Die Fachkräfte waren zufrieden mit dem Projektverlauf, da alle Ebenen profitiert hätten, die bisherige Arbeit auch bestätigt wurde und konkrete Ansätze zur Weiterentwicklung angeboten wurden. Die Themen seien fachlich und persönlich relevant gewesen. Die Auswirkungen des Projektes auf Arbeitszufriedenheit und -belastung erbrachte uneinheitliche Befunde.

Die Fachkräfte erlebten das Projekt anregend für die Gestaltung der Beziehung zu den Kindern, sie hätten einen „neuen Blick“ auf die Kinder; resilienzfördernde Angebote wurden zunehmend in alltägliche Strukturen und Abläufen verankert. Auf Seiten der Kinder konnten positive Auswirkungen auf Resilienzfaktoren beobachtet werden, auch wenn die Effekte statistisch nicht immer auf das Projekt zurückgeführt werden konnten. Von Elternseite wurde die Teilnahme der Einrichtungen an dem Projekt positiv bewertet, obwohl sich manche noch mehr Information wünschten. Sie sehen auch positive Veränderungen bei ihren Kindern.

Positiv äußerten sich auch die befragten Trägervertreter.

Abschließend leiten die Autorinnen Empfehlungen für zukünftige Projekte ab.

Diskussion

Die Diskussion enthält formale und inhaltliche Aspekte.

Formal ist es ein Forschungsbericht, in dem viele Ergebnisse publiziert werden. Dies ist an 40 Abbildungen und 77 Tabellen ersichtlich, die den Text entsprechend schwer lesbar machen. Bei der Präsentation der vielen Befunde wären Zwischenzusammenfassungen wünschenswert gewesen.

Inhaltlich ist es eine sehr interessante Untersuchung. Die Förderung von Resilienz stellt eine der zentralen Aufgaben von Kindertagesstätten dar. Die Fachkräfte müssen aber entsprechend qualifiziert werden, wobei dies von den Trägern unterstützt werden muss.

Ausschlaggebend für den Erfolg waren die Punkte, die in den weiterführenden Empfehlungen explizit benannt wurde: der Mehrebenenansatz, die Inhouse-Schulungen, die Orientierung am „Stand“ der jeweiligen Einrichtung, die intensive Prozessbegleitung und die relativ lange Laufzeit.

Zielgruppen

Forschende und Lehrende in diesem Bereich, Praxisberaterinnen und Praxisberater

Fazit

Der Forschungsbericht berichtet über ein Projekt, in dessen Rahmen in sieben Kindertagesstätten umfangreiche Fortbildungsmaßnahmen zur Förderung von Resilienz und seelischer Gesundheit durchgeführt wurden. Es werden durchwegs positive Ergebnisse für die Ebenen Träger, pädagogische Fachkräfte, Kinder, Eltern berichtet und abschließend Empfehlungen für ähnliche Projekte gegeben.

Summary

The project report refers to a project, during which the staff of seven nursery schools received substantial trainings to support resiliency and mental health of children. The authors report positive results for several levels (staff, children, parents) and drew conclusions for further project.


Rezensent
Dr. Dipl.-Psych. Lothar Unzner
Leiter der Interdisziplinären Frühförderstellen im Landkreis Erding im Einrichtungsverbund Steinhöring
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Zitiervorschlag
Lothar Unzner. Rezension vom 16.01.2017 zu: Dörte Weltzien, Annika Lorenzen: Kinder Stärken! - Förderung von Resilienz und seelischer Gesundheit in Kindertageseinrichtungen. FEL Verlag Forschung Entwicklung Lehre (Freiburg) 2016. ISBN 978-3-932650-78-9. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/21171.php, Datum des Zugriffs 12.11.2019.


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