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Matthias Heiner, Britta Baumert u.a. (Hrsg.): Was ist gute Lehre?

Cover Matthias Heiner, Britta Baumert, Sigrid Dany, Tobias Haertel, Matthia Quellmelz u.a. (Hrsg.): Was ist gute Lehre? Perspektiven der Hochschuldidaktik. W. Bertelsmann Verlag GmbH & Co. KG (Bielefeld) 2016. 304 Seiten. ISBN 978-3-7639-5695-1. D: 34,90 EUR, A: 35,90 EUR.

Blickpunkt Hochschuldidaktik, 129.
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Thema

Ausgehend von der Tagung „DOSS 2014 – Dortmund Spring School for Academic Staff Developers“ vereint der Sammelband Beiträge zu Perspektiven der Hochschuldidaktik aus einer reflexiven Perspektive, die einen wissenschaftlichen Diskurs und den Bezug zwischen Theorie und Praxis einschließt.

HerausgeberInnen

  • Matthias Heiner ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Zentrum für Hochschulbildung der TU Dortmund und Mitveranstalter der DortmundSpring School (DOSS).
  • Britta Baumert war wissenschaftliche Mitarbeiterin an der TU Dortmund im Bereich Hochschuldidaktik. Derzeit ist sie im Schuldienst tätig.
  • Sigrid Dany ist wissenschaftliche Mitarbeiterin an dem Zentrum für Hochschulbildung der TU Dortmund.
  • Tobias Haertel ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Zentrum für Hochschulbildung der TU Dortmund, er leitet das Projekt „Exzellentes Lehren und Lernen in den Ingenieurwissenschaften“.
  • Matthia Quellmez war wissenschaftliche Mitarbeiterin am Zentrum für Hochschulbildung der TU Dortmund.
  • Claudius Terkowsky, Diplom-Pädagoge und und Kulturanthropologe ist Leiter der Forschungsgruppe Ingenieurdidaktik am Zentrum für Hochschulbildung der TU Dortmund.

Aufbau

Der Themenband widmet sich sechs Schwerpunkte mit ein bis sechs Kapiteln. Dem Editorial schließen sich folgende Inhalte an:

  1. „Gute Lehre“: Was können Lehrende dazu beitragen?
  2. Gute Lehre und Professionalisierung: Was trägt die Hochschuldidaktik dazu bei?
  3. Governmental Approaches: Gute Lehre und universitäre Strukturen
  4. Gute Lehre, Kompetenzen und Bewertung: Den Erfolg erfassen und messen?
  5. Facetten einer „guten Lehre“: Lehren und Studieren gestalten
  6. „Gute Lehre – Gutes Studieren“: Wege zur Wissenschaft

Inhalt

Im Editorial erörtert Matthias Heiner Perspektiven der Hochschuldidaktik,gibt kursorische Anmerkungen und Lese-Empfehlungen zum Themenband.

Im ersten Teil Gute Lehre“: Was können Lehrende dazu beitragen? stellt Immanuel Ulrich Modelle guter Hochschullehre als gemeinsames Fundament der Diskussion vor und empfiehlt diese Modelle zu validieren und neue Modelle zu entwickeln, um zu einem deutschlandweiten Standard zu kommen. Regina Jucks widmet sich der guten Lehre aus instruktionspsychologischer Sicht und sieht die Wissensvermittlung im Zentrum des Lehrhandelns. Birgit Spinath, Eva Seifried und Christine Eckert plädieren für den Einsatz von forschenden Lehrhandlungen, um die Hochschullehre in iterativen Schleifen kontinuierlich zu verbessern und erläutern die Umsetzung der Methode in einer Massenlehrveranstaltung. Tobias Haertel, Claudius Terkowsky und Philipp Ossenberg befassen sich mit Kreativität in der Hochschullehre und halten fest, dass die Kreativität der Studierenden kreative Lerndesigns der Lehrenden braucht.

Johannes Wildt eröffnet den Teil Gute Lehre und Professionalisierung: Was trägt die Hochschuldidaktik dazu bei?, indem er von der Notwendigkeit der fachbezogenen Didaktik schreibt und vor der Gefahr warnt, bei einem zu großen Fokus auf Fachdidaktik die Kohärenz im hochschuldidaktischen Diskurs zu verlieren. Andreas Fleischmann, Matthias Heiner und Matthias Wiemer sprechen in ihrem Artikel „Patchworkprofessionalisierung“ das bunte Bild an, dass die Hochschuldidaktik zwischen Forschung und Weiterbildung, zwischen zentralen Einrichtungen und Management, ProfessorInnen und Projekten bietet. Patricia Heufers, Julia Knoch und Kristina Müller erweitern dieses Bild um die Metapher „Chamäleon Hochschuldidaktik“ und sehen die Hochschuldidaktik im Spannungsfeld von Kompetenzen, Rollen und Haltungen. Anika Limburg erweitert die hochschuldidaktische Diskussion um den Aspekt der „Schreibdidaktik“, basierend auf dem Verständnis von Schreiben als wichtiges Lerninstrument und Zugangsvoraussetzung zur Scientific Community. Ein konkretes Beispiel präsentieren Jens H. Hellmann, Elisabeth Mayweg-Paus und Regina Jucks mit einem Lehrprojekt, in dem Lehrende ein ganzes Semester lang dabei begleitet werden ein innovatives Lehrkonzept zu entwickeln und umzusetzen. Im letzten Beitrag erörtern Patricia Arnold, Gisela Prey und Dennis Wortmann die Herausforderungen in der „dritten Sphäre“ – zwischen Wissenschaft und Verwaltung – am Beispiel eines E-Learning Centers.

Der Teil Governmental Approaches: Gute Lehre und universitäre Strukturen enthält einen aus dem Englischen übersetzten Artikel von Liudvika Leisyte, indem die Auswirkung aktueller Veränderungen an Hochschulen auf akademische und organisationale Rollen anspricht.

Thorsten Jungmann eröffnet den Abschnitt Gute Lehre, Kompetenzen und Bewertung: Den Erfolg erfassen und messen? und stellt ein selbst entwickeltes Modell zu kompetenzorientierten Prüfungen in den Ingenieurwissenschaften vor, dass Lehr- und Lernprozesse sowie Prüfungsformen an den Lernergebnissen festmacht. Britta Baumert und Oliver Reis befassen sich in ihrem Artikel mit den Anforderungen an kompetenzorientierte Prüfungen, bei denen modulübergreifend verschiedene Lehrveranstaltungen aus mehreren Fachdisziplinen integriert werden sollten. Nach der Diskussion von Defiziten in der Prüfungspraxis präsentiert Thilo Harth drei Beispiele für kompetenzorientiertes Prüfen aus Naturwissenschaft, Geisteswissenschaft und Technik.

Im Teil Facetten einer „guten Lehre“: Lehren und Studieren gestalten geht Sabine Brendel der Frage nach, welchen Beitrag forschendes Lernen zu guter Lehre leisten kann und nennt die akademische Kompetenz mit den Teilkompetenzen Erwerb von Fachwissen, Entwicklung einer Forschungsstrategie und Evaluation und Kritikfähigkeit als anstrebenswertes Ziel. Paula Figas und Georg Hagel setzen sich in ihrem Artikel mit der Kreativitätsförderung in der Hochschullehre auseinander und inwieweit passende Aufgaben kreative Lernprozesse unterstützen können. Anja Lorenz, Angelika Thielsch und Timo van Treeck analysieren das Potential offener Bildungsmaterialien in der Wissenschaft (OER), stellen gute Beispiele vor und fordern die Entstehung weiterer offener Materialien und ihre Sichtbarmachung.

Ein Artikel von Ray Land, aus dem Englischen übersetzt, eröffnet den Abschnitt „Gute Lehre – Gutes Studieren“: Wege zur Wissenschaft mit der theoretischen Auseinandersetzung von Schwellenkonzepten und mühevollem Wissen und meint, dass ein transformativer Lernansatz sowohl zum Verstehen als auch zur persönlichen Weiterentwicklung beitragen kann. Miriam Venn beschreibt Angebote, die den Studienstart optimieren und dabei das Selbstmanagement und die Lernfähigkeit in der Studieneingangsphase stärken. Angelika Thielsch und Matthias Wiemer postulieren wissenschaftliches Denken und Handeln als fächerübergreifende Kompetenz im Studium. Matthias Heiner, Frank Musekamp, Monika Radtke, Andreas Saniter und Claudius Terkowsky setzen sich mit dem Kompetenzbegriff im Ingenieurstudium auseinander und untersuchen, unter welchen Bedingungen Studierende fachliche und überfachliche Kompetenzen erwerben.

Diskussion

Der Sammelband setzt sich mit vielfältigen Aspekten „Guter Lehre“ auseinander. Er diskutiert den Beitrag der Lehrenden, die Rolle der Hochschuldidaktik, den Einfluss universitärer Strukturen, die Überprüfung guter Lernprozesse, die Gestaltung studentischer Lernprozesse und die Einbindung von Wissenschaft.

Die theoretische Auseinandersetzung, etwa rund um den Begriff der Kompetenzentwicklung, wird von umsetzungsorientierten Beispielen ergänzt z.B. im Fall kompetenzorientierter Prüfungen in den Ingenieurwissenschaften. Das Feld der Hochschuldidaktik wird historisch beleuchtet und in seiner gegenwärtigen Ausführung als „Chamäleon“ im Spannungsfeld der Kompetenzen, Rollen und Haltungen von HochschuldidaktikerInnen diskutiert. Der aktuelle Trend zur verstärkten Förderung der Fachdidaktik wird kritisch hinterfragt und die Herausforderung für HochschuldidaktikerInnen benannt, die oft in der „dritten Sphäre“ – zwischen Wissenschaft und Verwaltung – wirken.

Die Rolle der Kreativität im Lehr- und Lernprozess wird in zwei Artikeln hervor gestrichen, wobei es kreative Lerndesigns und kreativitätsfördernde Aufgaben braucht, um den kreativen Raum im Studium zu öffnen. Zwei internationale Beiträge geben eine Außensicht, einmal in Hinblick auf die aktuellen Veränderungen der Hochschulen hinsichtlich ihrer Wirtschaftlichkeit und einmal in Bezug auf die Studierenden, die Schwellen am Studienbeginn jedoch auch während des Studiums, in der Auseinandersetzung mit mühevollem Wissen, überwinden müssen.

Fazit

Das Buch gibt eine umfassende Analyse zur Frage nach der „Guten Lehre“ an Hochschulen. In 22 Beiträgen wird eine Vielfalt unterschiedlicher Ansätze zu Hochschuldidaktik, Lehre und Prüfen präsentiert, was gewährleistet, dass sowohl die Theoretikerin als auch der Praktiker spannende Artikel finden kann


Rezensentin
Dr. Jutta Pauschenwein
Homepage www.fh-joanneum.at/zml
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Zitiervorschlag
Jutta Pauschenwein. Rezension vom 30.11.2016 zu: Matthias Heiner, Britta Baumert, Sigrid Dany, Tobias Haertel, Matthia Quellmelz u.a. (Hrsg.): Was ist gute Lehre? Perspektiven der Hochschuldidaktik. W. Bertelsmann Verlag GmbH & Co. KG (Bielefeld) 2016. ISBN 978-3-7639-5695-1. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/21188.php, Datum des Zugriffs 26.08.2019.


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