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Bettina Rühm: Neue Kindergärten, Krippen, Horte

Cover Bettina Rühm: Neue Kindergärten, Krippen, Horte. Neubau – Umnutzung – Freiraumplanung. DVA Deutsche Verlags-Anstalt (München) 2016. 160 Seiten. ISBN 978-3-421-04024-4. D: 69,99 EUR, A: 72,00 EUR, CH: 89,00 sFr.
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Thema

Bereits im Jahr 2011 brachte Bettina Rühm ein Buch zur Architektur und Raumgestaltung von Kindergärten, Krippen und Horten heraus (www.socialnet.de/rezensionen/13546.php). Nun, fünf Jahre später, einen „Folgeband“. Dieser verspricht auf der Buchrückseite aktuelle Konzepte und architektonische Lösungen in großer Bandbreite. Ebenso werden ausführliche Informationen zu Entwurfskriterien, Materialien und Energiekonzepten gegeben. Die Darstellung der 28 Projekte unterschiedlicher Größe und in unterschiedlichen städtebaulichen Situationen richtet sich primär an Architekten, Freiraumplaner und Bauherren. Ein besonderes Augenmerk, so beschreibt es die Autorin im Klappentext, liegt auch auf dem Zusammenhang zwischen pädagogischem Konzept und architektonischer Gestaltung. So kann die vorliegende Publikation auch eine wichtige Grundlage für eine erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen der Hauptzielgruppe und dem pädagogischen Personal bieten.

Autor

Bettina Rühm, Dipl.-Ing. (Arch.), studierte Architektur an der TU München. Nach ihrer Tätigkeit in verschiedenen Architekturbüros arbeitet sie heute als Autorin von Büchern und Zeitschriftenbeiträgen zur Architektur sowie als Lektorin und Übersetzerin in München. (Autoreninformation im Klappentext)

Aufbau

Nach dem Inhaltsverzeichnis und Vorwort gliedert sich das Buch in drei Abschnitte:

  1. Neubauten (52 Seiten)
  2. Umnutzungen und Erweiterungen (44 Seiten)
  3. Freiflächen und Gärten (48 Seiten)

Im Anschluss finden sich ein Architekten- und Projektverzeichnis und ein Dank der Autorin.

Inhalt

In ihrem „Vorwort“ schildert Rühm auch ihren Eindruck, es habe sich seit der Veröffentlichung ihres letzten Buches viel getan. Zwischenzeitlich werden zunehmend die Kita-Leitungen und das pädagogische Personal in die Planungen einbezogen, und auch Architekten informieren sich umfassender. Im Mittelpunkt sollten die Bedürfnisse der Kinder stehen. Die kindliche Neugierde werde von den pädagogischen Fachkräften begleitet, die Architekten und Landschaftsarchitekten schaffen den äußeren Rahmen.

Mit grundlegenden Gedanken zur „Planung von Kindertagesstätten“ beginnt Rühm ihre „Einführung“. Diese gliedert sich im weiteren Verlauf in

  • Pädagogische Konzepte (offen, halboffen, geschlossen) – Auswirkungen auf die Raumplanung
  • Integration und Inklusion – architektonische Anforderungen
  • Innenausstattung, Farben und Materialien
  • Räume und ihre Funktion:
    • Eingangsbereich;
    • Garderoben;
    • Foyers, Flure,
    • Treppen;
    • Gruppenräume – Raumgliederung;
    • Funktions- und Themenräume;
    • Werkstätten und Malateliers;
    • Sanitärräume;
    • Büro und Personalraum;
    • Küchen;
    • Stauraum und Lager;
    • Besonderheiten in der Krippe;
    • Besonderheiten im Hort.
  • Technische Aspekte:

    • Belichtung und Beleuchtung;
    • Sonnenschutz;
    • Akustik

Außerdem, dies sei an dieser Stelle hervorgehoben, geht Rühm auf den Aspekt

  • „Architektonischer Ausdruck versus pädagogische Anforderungen“ ein

und gibt, auf Grundlage ihrer bisherigen Auseinandersetzung mit dem Thema, unter

  • „Bewährtes und Erprobtes“ Hinweise zu Dingen, die vermieden werden sollten, oder Aspekten, die sich als positiv erwiesen haben.

Der Abschnitt „Neubauten“ beginnt mit einer Einführung. In dieser geht die Autorin kurz auf folgende Punkte ein: Allgemeines zur Grundrissplanung; Erschließung; Grundrissarten und weitere Anregungen für eine Grundrissplanung.

Im Anschluss stellt Rühm zehn Neubauten vor. Bei der allgemeinen Beschreibung der Objekte orientiert sich Rühm meist an folgenden Leitgesichtspunkten:

  • Grundriss
  • Lage und Situation
  • Baukörper und Konstruktion
  • Innenraumgestaltung
  • Garten und / oder Freiflächen
  • Pädagogisches Konzept und Architektur

Im Anschluss daran werden Informationen und konkrete Daten gegeben zu:

  • Architekt
  • Landschaftsplaner
  • Struktur der Kita:
    • Kapazität,
    • Art,
    • Altersspanne,
    • Gruppenstruktur,
    • Größe der Gruppen,
    • Öffnungszeiten
  • Flächen- und Raumangaben

  • Baukörper und Innenraum

  • Energie

  • Baukosten

  • Fertigstellung

Ein Platzausbau muss nicht automatisch mit einem Neubau einhergehen. In vielen Fällen, so Rühm in ihrer Einleitung des zweiten Abschnitts „Umnutzungen und Erweiterungen“, können vorhandene Gebäude saniert und erweitert werden. Außerdem besteht die Möglichkeit einer Umnutzung leer stehender öffentlicher oder zuvor gewerblich genutzter Gebäude . Die Autorin geht darüber hinaus auf die kindgerechte Umgestaltung der Innenräume ein und rät privaten Elterninitiativen, bei Raumumnutzungen Fachleute einzubeziehen. Sie stellt neun Projekte vor. Dabei orientiert sie sich an der Gliederung der Beschreibungen im ersten Abschnitt.

Die Einführung in den Abschnitt „Freiflächen und Gärten“ beginnt mit Gedanken, Garten als Wahrnehmungs- und Erlebnisbereich zu betrachten. Die Autorin geht der Frage nach, was einen kindgerechten Garten auszeichnet. Ihre Ausführungen zur Gartengestaltung greifen folgende Punkte auf: Spielbereiche gestalten, Spielgeräte, Sand, Wasser und Tunnel, Spielfahrzeuge, Pflanzen und Bäume, Krippenbereich und Hort. Im letzten Teil der Einführung beschäftigt sie sich mit der Barrierefreiheit im Garten wie auch der Besonderheit von Naturgärten und gibt Anregungen für eine gelungene Freiraumgestaltung.

Die neun Darstellungen gliedern sich in etwa in: Lage und Situation, Gestaltung der Freifläche, und Spielgeräte und Spielflächen. Konkrete Informationen finden sich zu: Landschaftsarchitekt, Struktur der Kita, Flächenangaben, Ausstattung, Pflanzen, Gesamtkosten und Fertigstellung.

Diskussion

Die vorliegende Publikation wirkt schon auf den ersten Blick sehr einladend. Beim Blättern im ca. 30 mal 24 cm großen Band fallen die strukturierte Gliederung und das gut gemachte Layout auf. Für die jeweiligen Bildinhalte wurden passende Formate gewählt.

Die meisten Kitas, so schreibt es Rühm in ihrem Vorwort, konnte sie im laufenden Betrieb besichtigen. Im Gegensatz zum ersten Band sind nun auf etlichen Bildern „belebte“ Räumlichkeiten und auch Menschen zu sehen.

Bereits in ihrem Vorwort schlägt Rühm eine Brücke zwischen Architekten / Landschaftsarchitekten und pädagogischen Fachkräften, Eltern und Kindern. Die 28 von ihr gezeigten Projekte „bieten mit funktionierenden Grundrissen, durchdachten Innenräumen, anregenden und dennoch kreativen Freiraum bietenden Gartenanlagen und kindgerechten Details den Kindern ein inspirierendes und zugleich Geborgenheit vermittelndes Umfeld.“ (Seite 5) Dieser Aussage kann voll und ganz zugestimmt werden.

Rühm beginnt mit einer allgemeinen Einführung zu Planung und Ausgestaltung. Ihren Ausführungen merkt man ihre intensive Auseinandersetzung mit dem Feld der Kindertagesbetreuung an. Sie geht dabei auch kurz auf Integration und Inklusion ein. Hier spricht sie auch die Notwendigkeit von zusätzlichen Räumen für individuelle Förderungen an. „Inklusionseinrichtungen“ sollten „.. nicht nur barrierefrei, sondern auch rollstuhlgerecht ausgebaut sein“. (Seite 7) Diese Aspekte sollten nicht nur bei Inklusionseinrichtungen bedacht werden. Durch die Ratifizierung der UN-Behindertenrechtskonvention im Jahr 2009 besteht ein Recht auf inklusive Bildung. Somit wäre es ratsam, wenn bei allen Neu- und Umbauten Barrieren vermieden würden; und Räume, zumindest einzelner Gruppen, rollstuhlgeeignet wären. Am Ende beschreibt Rühm die Herausforderung einer gelingenden Zusammenarbeit durch gute Kommunikation. Beide Seiten sollten tatsächlich frühzeitig in den Dialog treten, Wünsche und Erfahrungen beschreiben, aber auch Bedenken und Notwendigkeiten klar äußern. Ihren Beitrag leistet sie durch Hinweise auf Bewährtes und Dinge, die vermieden werden sollten.

In den letzten Jahren standen Kommunen vor der großen Aufgabe, den Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz umzusetzen. Um ausreichend Plätze zur Verfügung stellen zu können, wurden neben Neubauprojekten auch bestehende Gebäude umgenutzt. Selbstverständlich sind, so Rühm in ihren einleitenden Ausführungen zu diesem Abschnitt, Kompromisse bei der Grundrissgestaltung (Vgl. Seite 66) notwendig. Diese werden aber durch andere Dinge, „Schätze“, ausgeglichen, die eine solche Umnutzung mit sich bringt. Unter den vorgestellten Projekten befinden sich zum Beispiel eine ehemalige Kirche, eine Brennerei oder auch ein Parkhaus.

Dass auch bei der Gartengestaltung Vieles möglich ist, zeigen die Darstellung im dritten Abschnitt. Über verschiedene Bepflanzungen, Spiel- und Klettergeräten bis hin zu Naturgärten oder Gartenanlagen in schmalen und beengten Außenanlagen finden sich auch hier etliche Anregungen und Eindrücke.

Rühm findet für jedes Projekt eine kreative und visualisierende Überschrift, die zum Weiterlesen anregt: Aus der Reihe getanzt. „Grenzenlos“ geborgen. Bemerkenswerte „Schnapsidee“. Wie im Baumhaus. Verwunschene Pfade…

Fazit

Die vorliegende Publikation, in der 28 verschiedene fertiggestellte Bauobjekte im Bereich der Kindertagesbetreuung dargestellt werden, ist sehr gelungen. Die Zusammenstellung enthält eindrucksvolle Beschreibungen, hochwertige Fotoaufnahmen und etliche Detailinformationen. Damit richtet sich das Buch in erster Linie an Architekten, aber auch an Trägerverantwortliche oder Kita-Leitungen, die sich inspirieren lassen wollen.


Rezensent
Dipl.Soz-Päd. Martin Walz
Master of Social Management, Diplom-Sozialpädagoge (FH) Geschäftsführer Kindertageseinrichtungen mit mehrjähriger Berufserfahrung in der Kinder- und Jugendhilfe
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Zitiervorschlag
Martin Walz. Rezension vom 23.12.2016 zu: Bettina Rühm: Neue Kindergärten, Krippen, Horte. Neubau – Umnutzung – Freiraumplanung. DVA Deutsche Verlags-Anstalt (München) 2016. ISBN 978-3-421-04024-4. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/21201.php, Datum des Zugriffs 14.10.2019.


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