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Barbara Wild (Hrsg.): Humor in Psychiatrie und Psychotherapie

Cover Barbara Wild (Hrsg.): Humor in Psychiatrie und Psychotherapie. Neurobiologie - Methoden - Praxis. Schattauer (Stuttgart) 2016. 2., überarbeitete u. erweiterte Auflage. 384 Seiten. ISBN 978-3-7945-3061-8. D: 44,99 EUR, A: 46,30 EUR.
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Thema

Das Buch handelt, nach der breitesten Perspektive beurteilt, von Humor (oder sollte man „vom Humor“ sagen?). Und was – auch hier eine Breitleinwandsicht einnehmend – darunter von „Psychosozialen“ zu verstehen sei, hat uns Altmeister Sigmund Freud 1927 ins Notizbuch geschrieben. Ich zitiere die hier interessierenden zentralen Passagen aus „Der Humor“, wie sie uns heute online zugänglich (www.textlog.de/freud-psychoanalyse-humor.html) sind:

„Der humoristische Vorgang kann sich in zweierlei Weisen vollziehen, entweder an einer einzigen Person, die selbst die humoristische Einstellung einnimmt, während der zweiten Person die Rolle des Zuschauers und Nutznießers zufällt, oder zwischen zwei Personen, von denen die eine am humoristischen Vorgang gar keinen Anteil hat, die zweite aber diese Person zum Objekt ihrer humoristischen Betrachtung macht. Wenn, um beim gröbsten Beispiel zu verweilen, der Delinquent, der am Montag zum Galgen geführt wird, die Äußerung tut: ‚Na, die Woche fängt gut an‘, so entwickelt er selbst den Humor, der humoristische Vorgang vollendet sich an seiner Person und trägt ihm offenbar eine gewisse Genugtuung ein. Mich, den unbeteiligten Zuhörer, trifft gewissermaßen eine Fernwirkung der humoristischen Leistung des Verbrechers; ich verspüre, vielleicht ähnlich wie er, den humoristischen Lustgewinn.

Der zweite Fall liegt vor, wenn z.B. ein Dichter oder Schilderer das Gehaben von realen oder erfundenen Personen in humoristischer Weise beschreibt. Diese Personen brauchen selbst keinen Humor zu zeigen, die humoristische Einstellung ist allein Sache dessen, der sie zum Objekt nimmt, und der Leser oder Zuhörer wird wiederum wie im vorigen Falle des Genusses am Humor teilhaftig. Zusammenfassend kann man also sagen, man kann die humoristische Einstellung – worin immer diese bestehen mag – gegen die eigene oder gegen fremde Personen wenden; es ist anzunehmen, daß sie dem, der es tut, einen Lustgewinn bringt; ein ähnlicher Lustgewinn fällt dem – unbeteiligten – Zuhörer zu.“

Die Sache wird komplexer, wenn wir uns vergegenwärtigen, dass sich Humor, von welcher Seite auch immer initiiert, ereignen kann in einer helfenden Beziehung; ja, dass solches Sich-Ereignen von Humor der Absicht der / des in einer solchen hilfreichen Beziehung die Rolle des Professionellen einnehmenden (Beraters, Mediators, Psychotherapeuten) entspringt. Davon handelt das vorliegende Buch: von der Bedeutung des Humors, und zwar sowohl jener der Klient(inn)en als auch der psychosozialen Helfer(innen), in professionell organisierten helfenden Beziehungen. Dieses Thema hat (auch) im deutschsprachigen Raum auf dem Gebiet der psychosozialen Interventionen durch bestimmte konzeptionelle Neuerungen (wie etwa der Systemischen Therapie) im letzten viertel Jahrhundert sehr an Bedeutung gewonnen (zum damaligen Stand vgl. Heekerens, 1992; Chapman & Chapman-Santana, 1995).

Der Buchtitel schränkt das Blickfeld ein auf solche professionell organisierten helfenden Beziehungen, die auf den Handlungsfeldern der Psychiatrie und Psychotherapie zu finden sind. Diese Einschränkung rührt daher, dass die Autor(inn)en des Buches in der Regel aus diesen beiden Bereichen stammen, dass sie fast ausschließlich den dort dominierenden Berufsgruppen der Ärztinnen / Ärzte bzw. Psycholog(inn)en angehören und – damit auch – die Praxisbeispiele des Buches ganz überwiegend die Verhältnisse in Psychiatrie und Psychotherapie widerspiegeln.

Doch sind in dem Buch selbst schon Beiträge vorhanden und Beispiele zu finden, die sich nicht auf Psychiatrie und Psychotherapie beschränken; als Klientel werden etwa auch gesunde bzw. kranke „betagte Menschen“ (Kap. 6 und 16) genannt, an Institutionen auch Kinderkliniken und Pflegeheime (Kap. 18) sowie an Handlungsansätzen etwa auch die Kunsttherapie (Kap. 11). Und überhaupt gibt es keinen systematischen Grund dafür, die im vorliegenden Buch gemachten Ausführungen über Humor in bestimmten helfenden Beziehungen nicht zu verallgemeinern auf alle helfenden Beziehungen – auch solche, wie sie in der professionell betriebenen Einzelfallhilfe der Sozialen Arbeit vorzufinden sind.

Herausgeberin

Die 2008 in Tübingen zur außerplanmäßigen Professorin ernannte Medizinerin Barbara Wild (www.ethikrat.org/dateien/pdf/) ist Fachärztin für Neurologie und Psychiatrie, Psychotherapie und arbeitet derzeit als Chefärztin an und in der Leitung der Fliedner Klinik Stuttgart; die zweite Leitungsstelle besetzt der klinische Psychologe Martin Hautzinger (https://de.wikipedia.org/wiki/Martin_Hautzinger). Habilitiert – und damit wird verständlich, wie eine Medizinerin zum Thema „Humor“ kommt – hat sich die Autorin 2004 an der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Tübinger Universität mit der Studie „Wahrnehmung und Ausdruck von Emotionen in Mimik: Untersuchungen zur Entstehung von Emotionaler Ansteckung bei Gesunden, depressiven und schizophrenen Patienten“ (vgl. ferner Falkenberg, 2005).

Autor(inn)en

Die 21 zwischen Einleitung und Schlusswort der Herausgeberin zu findenden Kapitel sind verfasst von 22 Autor(inn)en, darunter der Herausgeberin, die drei Mal auftritt, während zwei Kapitel von einem Autorenduo verfasst sind. Die Autor(inn)en werden am Ende des Buches, noch vor dem abschließenden Personen- und Sachverzeichnis, vorgestellt, und es finden sich darunter den an Psychiatrie und Psychotherapie Interessierten bekannte Namen wie Gerhard Buchkremer (https://de.wikipedia.org/wiki/Gerhard_Buchkremer), Verena Kast (https://de.wikipedia.org/wiki/Verena_Kast) und Reinhard Lempp (https://de.wikipedia.org/wiki/Reinhart_Lempp).

Entstehungshintergrund

Das Buch ist die 2., überarbeitete und erweiterte Auflage des erstmals 2012 im selben Verlag unter gleichem Titel von derselben Autorin herausgegebenen Buches. „Überarbeitet“ meint, dass „die meisten Autoren ihre Kapitel überarbeitet“ (S. XII) haben, und die Erweiterungen meinen das 19. und 20. Kapitel.

Aufbau und Inhalt

Dem Buchtext voran gestellt sind (wie schon in der ersten Auflage) zwei Geleitworte. Das erste von dem in einem solchen Zusammenhang offenbar unvermeidlichen „medizinischen Kabarettisten“ Eckart von Hirschhausen (https://de.wikipedia.org/wiki/Eckart_von_Hirschhausen), das zweite von Otto F. Kernberg (https://de.wikipedia.org/wiki/Otto_F._Kernberg). Der ist im deutschsprachigen Raum ein beliebter Vortragender und Vorwortschreiber und gilt hierzulande seit seinem berühmt gewordenen Referat „Wandlungen psychotherapeutischer Konzepte“ auf den Lindauer Psychotherapiewochen 1991 (online verfügbar unter www.lptw.de/archiv/) als Vorzeigefigur einer modernen Psychoanalyse. Diese „Karriere“ verdankt sich nicht zuletzt dem Umstand, dass ein zweiter aus Österreich stammender und in den USA berühmt gewordener Psychoanalytiker, in dem viele den bedeutenderen Neuerer der Psychodynamik sehen, schon ein Jahrzehnt tot war: Heinz Kohut (https://de.wikipedia.org/wiki/Heinz_Kohut; ausf. Heekerens, 2016a, 2016b). Man hätte gerne gelesen, wie dessen Geleitwort zu vorliegendem Buch ausgesehen hätte; Humor scheint mir in der Kohutschen Praxiskonzeption weitaus besser Platz zu haben als in der Kernbergschen.

Zwischen Einleitung und Schlusswort der Herausgeberin sowie den das Buch abschließenden Autor(inn)en-, Personen-, Sach- und Quellenverzeichnissen

finden sich 21 Beiträge („Kapitel“) von 22 Autor(inn)en(-Duos):

Mit Humor und Charakter (1. Kap.) vermag esWillibald Ruch (https://de.wikipedia.org/wiki/Willibald_Ruch), der wohl bekannteste deutschsprachige Humor-Forscher, binnen kürzester Zeit jede(n) zu verwirren, die / der bis zur Lektüre dieses ersten Beitrags eine feste Vorstellung davon hatte, was „Humor“ sei (zu sein habe!). Oder sollte man (und frau) besser sagen: heilsam zu verwirren? Was die Frage aufwirft, ob das – mit der sich entwickelnden Systemischen Therapie zunehmend als therapeutische Intervention in Gebrauch genommene – Reframing (https://de.wikipedia.org/wiki/Umdeutung_(Psychologie)) nicht den theoretischen Rahmen bereitstellen könnte, in dessen Rahmen man (und frau) „Humor in helfenden Beziehungen“ konzeptualisieren könnte.

Heillos verwirrt oder hilfreich verstört konnte frau und man freilich schon vorher sein, hat man oder frau einfach mal zur Kenntnis genommen, in welch unterschiedlicher Bedeutung allein im deutschsprachigen Raum von „Humor“ die Rede ist (illustrativ: „165 Zitate und Sprüche über Humor“; http://zitate.net/humor-zitate?p=2). Beim Blick auf andere Sprachräume steigt die Verwirrung / Verstörung; bei Inaugenscheinnahme des englischen etwa, wo der Großteil der Forschung zu „Humor“ durchgeführt wurde und wird.

Die in 2 Humor im Gehirn oder: Wo ist denn das Humorzentrum? aufgeworfene Frage beantwortet Barbara Wild mit der Feststellung: Es wurde bislang nicht entdeckt und es wird künftig „auch nicht entdeckt werden können“ (S. 32). Es werden hier verschiedene Untersuchungen dargestellt, die mit Methoden der funktionellen Bildgebung gearbeitet haben – aber eben nicht zu „Humor“, sondern zu „Witz“.

In 3 Humor, Gesundheit und psychische Erkrankungen – ein Beipackzettel stellt Barbara Wild dar, „was bekannt ist über Humor bei Menschen mit unterschiedlicher Persönlichkeit, welche akuten und chronischen gesundheitlichen Wirkungen von Lachen und Humor erwartet werden können, und wie Menschen mit psychischen Erkrankungen wie Depression und Angststörungen ihren Humor einsetzen können“ (S. 55).

Im vierten Beitrag Isn´t it ironic? – Wie wir Ironie (miss)verstehen grenzen Alexander Rapp und Dorothee Mutschler Ironie und Humor in konzeptioneller und pragmatischer Hinsicht von einander ab.

Die anschließenden 15 Kapitel stellen die Arbeit mit Humor in helfenden Beziehungen bei unterschiedlicher Klientel, in verschiedenen (Be-)Handlungsansätzen und diversen institutionellen Kontexten dar:

5 Psychotherapie mit Humor bei Kindern und Jugendlichen (Reinhart Lempp?)

6 Humor mit betagten Menschen – ein Praxisbeispiel (Beat Hänni)

7 Humor in der tiefenpsychologischen Psychotherapie (Verena Kast)

8 Der Witz in der analytischen Gruppenarbeit (Josef Shaked)

9 Humor ist, wenn man trotzdem lacht – Galgenhumor in der Behandlung von Menschen

mit komplexen Traumafolgestörungen (Ulrich Sachsse)

10 Humor in der Verhaltenstherapie (Gerhard Buchkremer & Stefan Buchkremer)

11 Überzeichnungen – Humor in der Kunsttherapie (Doris Titze)

12 „Es ist nicht immer Humor, wenn man trotzdem lacht“ – der provokative Ansatz in der Therapie (E. Noni Höfner)

13 Entlassung auf Bewährung – Hypnosystemisches Arbeiten mit humorvollen inneren Bildern (Peter Hain)

14 Humor als Copingstrategie – Das 7-Humor-Habits-Trainingsprogramm (7HHP)

(Paul E. McGhee)

15 Humortraining mit psychiatrischen Patienten (Irina Falkenberg)

16 Humor in der Behandlung von kranken alten Menschen (Rolf D. Hirsch)

17 Wie therapeutisch sind Lachgruppen? (Michael Titze)

18 Das Glück des Stolperns – Professionelle Clowns und Humor in Kinderkliniken

und Pflegeheimen (Christel Ruckgaber)

19 Humor in der psychiatrischen Pflege (Christoph Müller)

Das 20. Kapitel Humor aus Sicht eines Patienten – ein Gespräch enthält ein Interview, das Barbara Wild mit einem ehemaligen Patienten (Pseudonym: Florian Laudest) geführt hat.

Das Schlusswort hat mit Humor hilft heilen: Leicht ist schwer – ein paar Grundideen (Kap. 21)Eckart von Hirschhausen.

Leser(innen) vorliegender Rezension, v.a. solche aus der Sozialen Arbeit möchten verständlicherweise ein Anschauungsbeispiel dafür, wie man (und frau) sich einen möglicherweise hilfreichen Einsatz von Humor durch eine(n) Professionelle(n) vorzustellen habe. Ich wähle zur Illustration ein Fallbeispiel von Peter Hain (13. Kapitel) – nicht zuletzt deshalb, weil mir die Bedeutung des hypnosystemischen Ansatzes für das Casework noch zu wenig erkannt scheint. Das Beispiel handelt von einer Klientin (Journalistin; J), die an einer ausgeprägten Hundephobie leidet, die besonders den Weg zwischen Straßenbahnhaltestelle und Wohnung zur Tortur mache, da es dort keine Möglichkeit gebe, eventuell auftauchenden Hunden aus dem Weg zu gehen. Nachfolgend ist der Anfangsteil des Gespräches (auf S. 196-197) wiedergegeben.

„Journalistin: Ich weiß ja, dass ich mir das nur einbilde, aber ich habe dann immer den Eindruck, als seien dort besonders viele Hunde, die quasi auf mich warten.

Therapeut: Ich vermute, dort sind tatsächlich viele Hunde – und die kommen wegen Ihnen.

J (verwundert): Wegen mir – wie meinen Sie das?

Th: Ich kannte einen kleinen Pudel namens Piccolo. Er war wirklich klein und niemand hatte Angst vor ihm, außer dem Briefträger, der mit seinem gelben Mofa unterwegs vor Jahren einmal von einem Schäferhund angefallen und ins Bein gebissen worden war. Bereits Minuten vor der Ankunft dieses Briefträgers wurde Piccolo stets ganz aufgeregt und versuchte dann, aus dem Haus ins Freie zu kommen. Wenn es ihm gelang, begrüßte er den verängstigten Briefträger mit lautem Gebell. Dieser warf die Post dann hastig in den Briefkasten und gab wieder Gas – verfolgt von Piccolo. Sie hätten sehen sollen, wie stolz und selbstbewusst der kleine Pudel dann zurückkehrte, er hat es sichtlich genossen. Die Angst des Briefträgers war der Höhepunkt des Tages.

J (nachdenklich): …und Sie meinen…

Th: J, ich meine, es wäre nicht verwunderlich, wenn die Hunde sie sehnlichst erwarten. Schließlich ist es für kleinere und auch mittelgroße Hunde heutzutage nicht mehr einfach, jemandem Angst einzujagen, wahrscheinlich leiden viele deshalb unter Minderwertigkeitsgefühlen oder gar Identitätskrisen. Ich könnte mir vorstellen, dass Sie für viele Hunde inzwischen auch zum Höhepunkt des Tages werden und dass es sich unter Hunden inzwischen herumgesprochen hat. Wahrscheinlich gibt der erste Hund, der Sie wittert, das Signal an die anderen, und jeder Hund im Umkreis von 1 bis 2 Kilometern weiß dann: Sie kommt! Und wird versuchen, auch noch etwas von ihrer Angst zu ergattern. (J hört ungläubig zu, muss schmunzeln) Vielleicht werden es mit der Zeit so viele, dass sie rechts und links Spalier stehen können, eine richtige Hundeparade.

J (lachend): So viele sind es ja auch wieder nicht.

Th: Wer weiß, wenn Sie genauer hinschauen würden, könnten Sie vielleicht noch mehr Hunde entdecken und sehen, wie sie geradezu wachsen vor Selbstbewusstsein.

J: (lacht) Eine verrückte Vorstellung – aber eigentlich will ich ja meine Angst loswerden.

Th: Ja, eigentlich schon, aber das können Sie den armen Hunden nicht antun, die sind auf Sie angewiesen und zählen auf Sie, Sie sind sozusagen eine wandelnde Therapie für arme Hunde mit Minderwertigkeitsgefühlen. Die Frage ist eher, wie Sie ihren Wirkungskreis vergrößern könnten, um noch mehr armen Hunden zu helfen.“

Diskussion

Das Buch ist im deutschsprachigen Raum nach wie vor das informativste zur Thematik. Es hat Schwächen: So lässt es (wie viele Sammelwerke) eine wirklich überzeugende Systematik vermissen. Und es wirkt recht unkonzentriert; neben Humor – und von diesem vielfach nicht recht unterschieden – ist dort auch oft und viel von Witz, Ironie, Lachen, Überzeichnungen, Heiterkeit u.a.m. die Rede.

Der Untertitel des Buches lautet „Neurobiologie – Methoden – Praxis“. Über die Neurobiologie des Humors erfahren wir in diesem Buch freilich so gut wie gar nichts (s. Kap. 2), einfach weil man darüber praktisch nichts Gesichertes weiß. Die Frage, ob denn der bewusste und von professioneller Seite verantwortete Einsatz von Humor im Rahmen einer helfenden Beziehung nachweislich hilfreich ist, wird von dem Buch nicht beantwortet. Als am häufigsten evaluiertes Vorgehen wird im Buch das 7-Humor-Habits-Programm (7HHP) präsentiert (Kap. 14 und 15). Aber was dort als Beweise für die Wirksamkeit bei „klinischen“ Gruppen, also Menschen mit ernsthaften psychosozialen Problemen, präsentiert wird, mag aus methodischen Gründen nicht zu überzeugen.

Und darüber, ob denn Humor der „Behandler(innen)“ im üblichen Vorgehen – etwa im Rahmen eines bestimmten „Programms“ – einen positiven Einfluss ausübt, wird im Buch gar nichts empirisch Gesichertes berichtet. Aber es gibt solche Untersuchungen. So ist etwa für den Fall der Funktionalen Familientherapie (Heekerens, 2006) schon seit Langem (vgl. Heekerens, 1992) Folgendes bekannt: Beziehungsstiftende wie strukturierende Therapeut(inn)envariablen haben einen Einfluss auf den Therapieerfolg, die ersten einen größeren als die zweiten und unter den ersten hat Therapeut(inn)enhumor das größte Gewicht.

Fazit

Trotz vorgenannter Schwächen: Soziale Arbeiter(innen), die die methodische Qualität ihres Casework verbessern möchten, können das Buch gewinnbringend lesen. Klinischen Sozialarbeiter(inne)n sei es besonders ans Herz gelegt.

Literatur

  • Chapman, A. H. & Chapman-Santana, M. (1995). The use of humor in psychotherapy. Arquivos de Neuro-Psiquiatria, 53,153-6. Online verfügbar unter www.scielo.br/ (letzter Aufruf am 13.9.2017).
  • Falkenberg, D. I. (2005). Wahrnehmung und Expression von Emotionen durch Mimik: Eine Untersuchung über Emotionalen Ansteckung bei Gesunden und Patienten mit Schizophrenie. Unveröff. Diss. Univ. Tübingen. zur Erlangung des Doktorgrades. Online verfügbar unter https://publikationen.uni-tuebingen.de.
  • Heekerens, H.-P. (1992). Humor in der Familientherapie – Zum Stand der Diskussion. Praxis der Kinder­psychologie und Kinderpsychiatrie, 41, 25-30. Online verfügbar unter http://psydok.psycharchives.de (letzter Aufruf am 13.9.2017).
  • Heekerens, H.-P. (2006). Die Funktionale Familientherapie: Ein effektives klinisches Behandlungsverfahren. Psychotherapie, 2006, 11, 16-24. Online verfügbar unter https://cip-medien.com/wp-content/uploads/2006-1-02.-Heekerens-1.pdf (letzter Aufruf am 13.9.2017).
  • Heekerens, H.-P. (2016a). Rezension vom 17.11.2016 zu Butzer, R.J. (2016). Heinz Kohut zur Einführung. Gießen: Psychosozial-Verlag. Socialnet Rezensionen: www.socialnet.de/rezensionen/21193.php (letzter Aufruf am 13.9.2017).
  • Heekerens, H.-P. (2016b). Rezension vom 18.11.2016 zu Rass, E. & Köhler, L. (2016). Heinz Kohut. Psychoanalyse in einer unsicheren Welt. Texte aus den Jahren 1960 bis 1981. Gesammelte Werke Band 1. Gießen: Psychosozial-Verlag. Socialnet Rezensionen: www.socialnet.de/rezensionen/21591.php (letzter Aufruf am 13.9.2017).

Rezensent
Prof. Dr. Dr. Hans-Peter Heekerens
Hochschullehrer i.R. für Sozialarbeit/Sozialpädagogik und Pädagogik an der Hochschule München
Homepage de.wikipedia.org/wiki/Hans-Peter_Heekerens
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Zitiervorschlag
Hans-Peter Heekerens. Rezension vom 13.10.2017 zu: Barbara Wild (Hrsg.): Humor in Psychiatrie und Psychotherapie. Neurobiologie - Methoden - Praxis. Schattauer (Stuttgart) 2016. 2., überarbeitete u. erweiterte Auflage. ISBN 978-3-7945-3061-8. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/21212.php, Datum des Zugriffs 18.10.2017.


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