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Iris Clemens: Netzwerktheorie und Erziehungs­wissenschaft

Cover Iris Clemens: Netzwerktheorie und Erziehungswissenschaft. Eine Einführung. Beltz Juventa (Weinheim und Basel) 2016. 169 Seiten. ISBN 978-3-7799-2184-4. D: 14,95 EUR, A: 15,40 EUR, CH: 21,30 sFr.
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Thema

Auf der Suche nach neuen Deutungsmustern und einer Erweiterung der Sichtweise im Bereich der Erziehungswissenschaft stellt die Netzwerktheorie eine neue Möglichkeit dar. Die Vorteile der Netzwerktheorie, einen übergreifenden Blick auf die jeden Menschen umgebenden Lebensbereiche zu geben, ist sicherlich auch für die Felder der Erziehungswissenshaft nützlich. Doch ob diese Euphorie einer neuen umfassenden Sichtweise auch für die Erziehungswissenschaft praktisch nutzbar zu machen ist, damit beschäftigt sich dieses Buch.

Aufbau und Inhalt

Das Buch ist in drei Kapitel unterteilt die inhaltlich aufeinander aufbauen,

Im ersten Kapitel geht es um die Netzwerktheorie als solche und ihren möglichen Nutzen für und ihrer Verknüpfung mit der Erziehungswissenschaft. Als eine besondere Herausforderung stellt sich die Globalisierung und Urbanisierung der Gesellschaft dar und die damit verbundenen neuen Herausforderungen an eine heutige und an die zukünftige Strategie zur Gestaltung von Lebensbereichen.

Diese neue Perspektive bezieht die Autorin auf die Bereiche Kultur, Wissen und Raum, sowie auf deren Bedeutung für Netzwerke. Für die Kultur führt Iris Clemens beispielhaft das Thema Migration an und verdeutlicht daran auch die besondere Rolle der Pädagogik und deren Verbundenheit mit historischen und kulturell bedingten Verhaltens- und Verfahrensweisen.

Einen besonderen Schwerpunkt legt Iris Clemens dabei auf das Wissen, die Vermittlung und die Voraussetzungen um Wissen zu erarbeiten und zu nutzen. Hierzu werden verschiedene Theorien kurz von ihr vorgestellt.

Die Netzwerktheorie sieht Iris Clemens als verbindendes Element in der Erziehungswissenschaft, als Bindeglied zwischen System und Organisation. Untermauert wird dies durch die Darstellung verschiedener Praxisbeispiele und realen Konstellationen.

Die Autorin beantwortet die Frage nach der Notwendigkeit der Einbindung der Netzwerktheorie damit, dass deren Methoden und Inhalte die Perspektiven und den Blick auf das Geschehen in der Erziehungswissenschaft ausweitet, ergänzt und befruchtet.

Im zweiten Kapitel geht Iris Clemens auf die Netzwerkforschung im Allgemeinen ein und stellt die Unterscheidung von Netzwerkanalyse und Netzwerktheorie auf der Grundlage unterschiedlicher theoretischer Deutungs- und Erklärungsmodelle vor. Beispielhaft nähert sie sich der Netztheorie von Harrison C. White an und stellt das Inventar, d.h. die strukturellen Elemente die eine Reflexion der Unübersichtlichkeit und Arbitrarität der sozialen Welt vor.

Hiernach folgt eine kritische Betrachtung im Sinne der Beantwortung der Frage nach einem möglichen Paradigmenwechsel durch die Netzwerktheorie in der Erziehungswissenschaft.

Im dritten Kapitel zieht die Autorin die Verbindung der Netzwerktheorie und der Erziehungswissenschaft enger. Einführend erhält der Leser eine Bestandsaufnahme zur Stellung der Netzwerktechnik und Netzwerkanalyse in der Erziehungswissenschaft. Daran anschließend werden entsprechende Methoden und deren Alternativen für die Erziehungswissenschaft dargestellt. Besonders hervorgehoben wird von Iris Clemens das Thema der Globalisierung aller Prozesse.

Die Möglichkeiten der Netzwerktheorie werden anhand zweier Praxis-Beispiele bezogen auf deren Wirkungen und Prozesse erläutert. Abschließend führt die Autorin die Grundsätze von Netzwerken bezogen auf die Differenziertheit und die Vielzahl in Bezug auf die Bildungsinstitutionen auf.

Das Fazit das Iris Clemens zieht ist, dass Bildungsbenachteiligung in allen Lebensbereichen real existiert und die Wissensvermittlung nicht nur im Bereich der Schule und als Sprungbrett für Karrieren wirkt. Bildungsungleichheit besteht demnach in allen Lebensbereichen und kann nicht nur auf Schule und Bildungsinstitutionen alleine reduziert werden.

Fazit

Iris Clemens bietet mit ihrem Buch eine Einführung in ausgewählte Aspekte der Netzwerktechnik an und fokussiert diese auf den Wissenschaftsbereich der Erziehungswissenschaft. Ziel ist es die Verknüpfung, die Zusammenhänge und die Notwendigkeit von Netzwerken in und für die Erziehungswissenschaft zu identifiziert. Die Basis der vorgestellten Netzwerktheorie bildet dabei das Werk von Harrison C. White. Er versucht die Sinnzusammenhänge und die Bedeutungsebenen in seiner Theorie über die Netzwerke einzubeziehen. Vor allem kulturelle Aspekte wie Wissen und Wissensgewinnung. Damit findet der konkrete Anschluss an die Erziehungswissenschaft statt.

Die Netzwerktheorie in der Erziehungswissenschaft kann also dazu verhelfen die Vielzahl der Einflüsse zu betrachten und das über die üblichen Inhalte der Betrachtung durch die Erziehungswissenschaft hinaus.

Damit stellt das Buch eine gute Basis dar tiefer in das Thema Netzwerktheorie einzusteigen und das nicht nur bezogen auf die Erziehungswissenschaft.


Rezensentin
Diplom Sozialpädagogin Monika Jansen
Erziehungswissenschaftlerin (M.A.) und Master of Organizational Management (MoM), ist tätig als Referentin für ambulante Dienste, Bereich Wirtschaft und Statistik eines großen Wohlfahrtsverbandes. Langjährige Berufserfahrung in Führungspositionen der unterschiedlichen Arbeitsfelder der Altenhilfe. Herausgeberin der beiden Werke „Pflege & Management“ und Pflegehandbuch des DUZ-Verlages.
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Zitiervorschlag
Monika Jansen. Rezension vom 02.02.2017 zu: Iris Clemens: Netzwerktheorie und Erziehungswissenschaft. Eine Einführung. Beltz Juventa (Weinheim und Basel) 2016. ISBN 978-3-7799-2184-4. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/21213.php, Datum des Zugriffs 21.09.2017.


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