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Jürgen Schöntauf: Sinnstifter (soziale Verantwortung von Unternehmen)

Cover Jürgen Schöntauf: Sinnstifter. Wie Unternehmen davon profitieren, soziale Verantwortung zu übernehmen. Campus Verlag (Frankfurt) 2016. 262 Seiten. ISBN 978-3-593-50575-6. D: 39,95 EUR, A: 41,10 EUR, CH: 48,70 sFr.
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Thema

Der Untertitel des Buches „Wie Unternehmen davon profitieren, soziale Verantwortung zu übernehmen“ beschreibt das Thema zum einen Teil. Dabei ist „profitieren“ im weitergehenden Sinn gemeint. Es werden Unternehmen besprochen, die gleichzeitig sozial, ökologisch und ökonomisch sinnvoll arbeiten. Zum anderen Teil beschreibt Schöntauf stets wie die Gesellschaft gleichermaßen von diesen sinnstiftenden Unternehmen profitiert.

Autor

Der Campus Verlag stellt den Autor folgendermaßen vor: „Jürgen Schöntauf zeigt seit über 20 Jahren Unternehmern und Führungskräften, wie sie ihre Zukunft selbst in die Hand nehmen. Der gefragte Keynote-Speaker ist Mitglied der Wertekommission – Initiative Werte Bewusste Führung e.V., der World Future Society und Future Circle Member des Zukunftsinstituts.“

Schöntauf absolvierte eine Lehre als Einzelhandelskaufmann, studierte Kommunikationsdesign und machte sich während des Studiums selbständig. Er betreibt als Inhaber zusammen mit seiner Ehefrau Sonja Schöntauf die Kommunikationsagentur amedes.

Aufbau und Einleitungskapitel

Das Buch hat ein Einleitungskapitel „Warum gibt es dieses Buch?“, danach ist es in vier Teile gegliedert:

  1. Alles bleibt anders?

  2. Ohne Werte ist alles nichts

  3. Zu neuen Ufern – auf dem Weg zum Sinnstifter

  4. Die 7 MindShift-Steps

Schöntauf bewegt sich anhand von Unternehmensbeispielen durch die Themen. Dabei steht am Ende jedes Kapitels ein Interview mit einem oder mehreren Sinnstiftern, also sinnstiftenden Unternehmerinnen und Unternehmern.

Warum gibt es dieses Buch? Jürgen Schöntauf klärt zu Beginn seine Motivation und seine Sichtweise auf Unternehmertum. „Ein Grund für dieses Buch liegt in meiner eigenen Werteorientierung … Obwohl ich in dieser Zeit [als Unternehmensberater] in einigen Unternehmen enttäuschende Erfahrungen hinsichtlich Nachhaltigkeit, Unternehmenskultur und Werteorientierung machen musste, ist es eine meiner Überzeugungen, dass Unternehmertum im deutschsprachigen Raum besser ist als sein Ruf.“ (S.9) Der Autor ergänzt „Wer sich nur halbherzig auf dieses Thema einlässt und unter dem Deckmäntelchen der Verantwortung hier und da ein paar Prozesse optimiert, steht irgendwann schlechter da als Unternehmen, die gesellschaftliche, ökologische oder soziale Fragen ignorieren“ (S.14)

Zu Teil 1: Alles bleibt anders

Schöntauf beginnt mit dem Logistik-Unternehmen allsafe Jungfalk aus Engen im Hegau. Das Unternehmen wurde 1964 gegründet und ist nach einigen Wechseln seit 1999 wieder Inhaber-geführt. Der Inhaber setzte sich intensiv mit seinen Leiharbeitern auseinander, die er in hochproduktiven Phasen einstellte und in weniger produktiven Zeiten wieder verabschiedet hatte. Er kam schließlich zum Schluss, „… dass es möglich war, Leiharbeiter zu fairen Konditionen einzukaufen, ohne die Profitabilität des Unternehmens zu gefährden. Genauer gesagt, zahlt er Leiharbeitern nun 50 Prozent mehr als üblicherweise für Leiharbeit gezahlt wird. Damit bekommen sie sogar mehr als ihre festangestellten Kollegen. Das wird von allen Mitarbeitern akzeptiert, denn sie wissen um ihren Vorteil eines sicheren Arbeitsplatzes. Das Unternehmen allsafe Jungfalk hat von diesem Schritt in vielerlei Hinsicht profitiert. Die Arbeitsqualität stieg, die Fehlerquote sank, die Stimmung im Unternehmen wurde besser.“ (S.17) Leiharbeiter fair zu entlohnen und gleichzeitig als Unternehmen profitabel zu bleiben, ist hierbei das Beispielgebende.

Als Beispiel für konsequent ökologisch wirtschaftend schildert Schöntauf die Markt-Greißlerei in Wien. Andrea Lunzer, eine Marketingmanagerin, eröffnete 2014 Ihr Unternehmen. „Alle Produkte sind zu 100 Prozent bio und zu 100 Prozent verpackungsfrei. Die Kunden haben drei Möglichkeiten: Sie bringen ein Gefäß mit, sie kaufen in der Greißlerei ein wiederverwertbares Glas, oder sie nutzen eine der kostenlos angebotenen Papiertüten. Die im Laden erhältlichen Produkte werden hauptsächlich bei regionalen Landwirten und kleinen Produzenten direkt eingekauft. Außerdem gibt es in dem Supermarkt ein Kaffeehaus. .“ (S.23)

Schöntauf beschreibt in diesem Beispiel auch die Parallelität von Unternehmensideen. „Ist die Zeit reif für eine gute Idee, setzt sie sich oft parallel an verschiedenen Stellen durch. So gibt es mittlerweile in Berlin Original unverpackt, in Kiel Unverpackt-Kiel, in Bonn Freikost und in Zürich den Bächser Markt“ sowie viele Weitere.

Der Autor beschreibt weitere Beispiele sinnvollen Unternehmertums, z.B in der Textilbranche und fasst zusammen, dass alle diese Unternehmer eint, dass sie trotz einer Zeit der Zukunftsangst ihre sinnvolle Idee in einer gewissen Radikalität umsetzen und dadurch zum Erfolg gelangen.

Zu Teil 2: Ohne Werte ist alles nichts

Schöntauf beschreibt den Widerspruch zwischen einer theoretischen Einigkeit in der Unternehmensliteratur, Beratung, Forschung, die den Stellenwert der Werteorientierung hervorheben und der offensichtlich anders geprägten Realität in deutschen Unternehmen.

Er setzt sich mit der Entstehung von Werten und der Ausbildung einer eigenen Wertekompetenz auseinander, der Fähigkeit, sich mit widersprüchlichen Werten auseinanderzusetzen und die eigenen Werte zu finden. Er zitiert Walt Disney: „Es ist nicht schwer, Entscheidungen zu treffen, wenn du erst weißt, was deine Werte sind.“ (S.58)

Der Autor beschreibt dabei zwei Findungsprozesse, den der eigenen Werte und den der Werte im Unternehmen. Er begibt sich dadurch auf eine persönliche und eine betriebliche Ebene und mündet in die Verbindung zwischen persönlicher -und Unternehmensverantwortung.

Im Persönlichen wie im Unternehmerischen gilt die Erkenntnis, dass sich eine Wertebindung in den seltensten Fällen absichtsvoll erzeugen lässt. „Sie kann nicht Gegenstand von Intentionen sein, weder von Eltern noch von Erziehern oder anderen Personen. Menschen fühlen sich nicht an Werte gebunden, weil ihnen erzählt wird, sie sollen sich bitte schön daran halten.“ (S.49) Werte entstehen in einem Umfeld, in dem Werte auch gelebt werden.

Das Kapitel endet mit einem Interview mit Detlef Lohmann von allsafe Jungfalk, in dem der Unternehmer sich auch mit der Übertreibung von Werteformulierungen auseinandersetzt: „Ich habe die Erfahrung gemacht, dass dort, wo es immer mehr Compliance-Regeln gibt, wo versucht wird, über viel Regelwerk alles ganz genau festzulegen, die Sitten immer stärker verrohen. Wenn sie versuchen, alles in genau festgelegte Regeln, Gesetze oder sehr komplexe Abläufe einzubinden, nehmen Sie dem Menschen die natürliche Verantwortung ab, die er für sein Handeln hat.“ (S.63)

Zu Teil 3: Zu neuen Ufern – auf dem Weg zum Sinnstifter

Schöntauf beginnt dieses Kapitel mit gezielten Fragen: „Ist Ihr Unternehmen sinnstiftend und wertvoll für die Gesellschaft? Und damit auch für Sie ganz persönlich?“ (S.73) In Präzisierung der CSR (Corporate Social Responsability) übersetzt Schöntauf: „Bei CSR geht es um die Verantwortung der Unternehmen der Gesellschaft gegenüber. Die Frage muss lauten: Welche Auswirkungen haben die Leistungen beziehungsweise der Output eines Unternehmens auf unsere Gesellschaft in ökologischer, sozialer und ökonomischer Hinsicht?“ (S.73)

Der Autor beschäftigt sich dabei mit bekannten (Henkel, Bosch, Hipp, Migros.) und weniger bekannten (auticon, Gateway Gardens.) Unternehmen, die CSR in dieser Richtung umsetzen. Eingehender beschäftigt er sich mit dem „Cradle to Cradle“ Denken. „Der Begriff steht für kontinuierliche Materialkreisläufe und positiv definierte Materialien, die für Mensch und Umwelt gesund sind, und damit für einen anderen Umgang mit Ressourcen. Es geht um innovative Lösungen, bei denen nur noch ein Minimum an Abfall entsteht und Materialien gebraucht statt verbraucht werden. Gleichzeitig geht es um die Verwendung von Materialien, die für den Menschen unbedenklich sind.“ (S.88)

Zu Teil 4: Die 7 MindShift Steps

Schöntauf gelangte in seinen Studien schließlich zu 7 Stufen (MindShift-Steps), wie Unternehmen zu Sinnstiftern werden. „Es geht in jeder dieser Stufen darum, eine neue Sicht darauf zu erlangen, die Perspektive zu wechseln und einen Gedankensprung – einen MindShift – zu vollführen.

  1. Kultur und Werte: Wie Sinnstiftung zum Erfolgsmotor wird

  2. Führung: Von der Führungskraft zum Sinnstifter

  3. Vernetzung: Warum Sie in Gemeinschaft investieren sollten

  4. Beziehungen: Wie Sie Loyalität zu Produkten durch Loyalität zu Menschen ersetzen

  5. Leidenschaft: Warum Wertschätzung Höchstleistung bringt

  6. Bildung: Unternehmen sind so intelligent, wie ihre Mitarbeiter sein dürfen

  7. Gewinn: Sinnstiftende Geschäftsmodelle schaffen langfristigen Profit.“ (S.91)

Das Kapitel umfasst mehr als die Hälfte des Buches. Jede dieser 7 MindShift-Steps bespricht Schöntauf an Hand eines Beispiels und eines abschließenden Interviews. Das Kapitel endet mit einer beispielhaften Beschreibung des Unternehmens Premium (Premium Cola), in dem der Autor alle 7 Schritte verwirklicht sieht.

Diskussion und Fazit

Jürgen Schöntauf hat ein Buch über sinnerfülltes Unternehmertum im deutschsprachigen Raum geschrieben. Unternehmen, die durchgängig Verantwortung der Gesellschaft gegenüber übernehmen, die konsequent beachten, welche Auswirkungen ihre Arbeit und ihre Produkte auf unsere Gesellschaft in sozialer, ökologischer und ökonomischer Hinsicht haben, nennt er sinnstiftend. Die entsprechenden Unternehmerinnen und Unternehmer betitelt er als Sinnstifter.

Jürgen Schöntauf klärt mit den ersten Sätzen seine Motivation und seine Sichtweise auf Unternehmertum. „Ein Grund für dieses Buch liegt in meiner eigenen Werteorientierung. Ich bin aus einem tief verwurzelten Optimismus heraus der festen Überzeugung, dass wir zwar nicht in einer perfekten, aber in einer guten Welt leben und dass es für jeden von uns Möglichkeiten gibt, sie noch besser zu machen.“ (S.9) Das Buch ist durchgängig in diesem Geist geschrieben. Es ist anregend, spannend an Hand der Beispiele aus den unterschiedlichsten Branchen und Mut machend.

Summary

Jürgen Schöntauf wrote a book about sense-fulfilling enterprises in German speaking countries.

Enterprises that are taking responsibility for what they are doing: for their products and for the consequences of their production processes in the social, ecological and economical sphere. He called the entrepreneurs who work like this "sensemakers (Sinnstifter)", yet the title of his book.

The author starts his book by explaining his own motivation as an entrepreneur: "A reason to write this book is my own value orientation. Starting from a deeply grounded optimism, that we don‘t live indeed in a perfect world but in a good one, everybody has the chance to make the world even better." (p.9) Schöntauf wrote his book consistently in this spirit. The book therefore is inspiring, exciting by the examples of diverse lines of business, and encouraging.


Rezensent
Dr. Thomas Kowalczyk
Geschäftsführer COMES e.V., Berlin
Homepage www.comes-berlin.de
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Zitiervorschlag
Thomas Kowalczyk. Rezension vom 27.12.2016 zu: Jürgen Schöntauf: Sinnstifter. Wie Unternehmen davon profitieren, soziale Verantwortung zu übernehmen. Campus Verlag (Frankfurt) 2016. ISBN 978-3-593-50575-6. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/21227.php, Datum des Zugriffs 23.06.2017.


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