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Susanne Fricke: Therapie-Tools Zwangsstörungen

Cover Susanne Fricke: Therapie-Tools Zwangsstörungen. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2016. 318 Seiten. ISBN 978-3-621-28355-7. 39,95 EUR.

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Thema

Zwangsstörungen gehören zu den häufigeren psychischen Erkrankungen (2% Lebenszeitprävalenz, 3,8% 12-Monats-Prävalenz). Obwohl in der Behandlung mittlerweile deutliche Fortschritte erzielt wurden, ist die Behandlungsverzögerung anhaltend hoch. Zudem ist es für Betroffene schwer, einen geeigneten Therapieplatz zu erhalten. Sind Betroffene in Behandlung, erfolgt diese häufig nicht nach den aktuellen Leitlinien. Insofern besteht weiterhin ein großer Verbesserungsbedarf der Behandlungssituation von Menschen mit Zwangserkrankungen.

Autorin

Dr. Susanne Fricke ist Psychologische Psychotherapeutin/Supervisorin mit eigener Praxis und Privatdozentin an der Universität Hamburg. Ihre Arbeitsschwerpunkte sind Angst- und Zwangserkrankungen.

Entstehungshintergrund

Das Buch der Reihe „Therapie-Tools“ orientiert sich an den Erfahrungen der Autorin, die auf die Behandlung von Zwangserkrankungen spezialisiert ist. Es richtet sich an angehende, aber auch erfahrene TherapeutInnen und möchte mit den unterschiedlichen Materialien praxisnahe Anregungen für den Einsatz in unterschiedlichen Arbeitsfeldern liefern.

Aufbau

Das Buch ist in fünf inhaltliche Kapitel gegliedert. Diese werden von einem Vorwort und einer Einführung begleitet. Die in den einzelnen Kapiteln aufgeführten Arbeits- und Informationsblätter sind nochmals am Ende des Buches aufgelistet. Ein Literaturverzeichnis schließt das Buch ab.

Die Arbeits- und Informationsblätter sind mit unterschiedlichen Icons (z.B. T für TherapeutIn oder P für PatientIn) ausgestattet. Sie liefern eine Orientierung, für wen sie gedacht sind und für die Art des Einsatzes.

Ein Download-Code ermöglicht den Zugang zur pdf-Version des Buchs inkl. aller Arbeitsmaterialien.

  1. Die Eingangsphase
  2. Störungsmodell
  3. Therapieziele und Behandlungsplanung
  4. Behandlung
  5. Die Abschlussphase

Inhalt

Kapitel 1 Die Eingangsphase beginnt mit Informationen zur Diagnostik (Komorbidität, differentialdiagnostische Abklärung, Abgrenzung vom Normalverhalten), Psychoedukation und Exploration/Informationserhebung. Diese werden ergänzt durch Ausführungen zu Aspekten der Beziehungsgestaltung, Pharmakotherapie und auch der Einbeziehung der Angehörigen. Alle theoretischen Informationen werden umfassend ergänzt bzw. erweitert und vertieft durch verschiedene Arbeits-, Merk- und Informationsblätter. Diese beinhalten beispielsweise Messinstrumente, Checklisten und Selbsteinschätzungen zur Erfassung der Symptomatik, Bögen zum Lebenslauf des Zwangs oder Leitfäden für Angehörigengespräche.

In der Eingangsphase lag der Fokus auf den Informationen, die die TherapeutIn von der PatientIn bekommt. Kapitel 2 Störungsmodell konzentriert sich nun umgekehrt auf die Informationen, die für die PatientIn relevant sind, um ein individuelles Störungsmodell, das den Lebenskontext und die biographischen Erfahrungen berücksichtigt, entwickeln zu können. Die Autorin erläutert die Mikroanalyse anhand des weit verbreiteten SORKC-Modells und die Bedeutung dieser für die PatientIn (besseres Verständnis für Problemverhalten, Schulung der Beobachtungsfähigkeit, Kontrollerleben, Motivation, Interventionsplanung). Daran anschließend folgen Ausführungen zum kognitiv-behavioralen Modell, das als Grundlage für die Akzeptanz weiterer Behandlungsstrategien dient. In der Makroanalyse geht Fricke auf die Entstehungs- und Erstauftrittsbedingungen, sowie die aufrechterhaltenden Bedingungen ein. Verschiedene Arbeits-, Merk- und Informationsblätter für PatientIn wie TherapeutIn stellen konkrete Praxis- und Handlungsbezüge her.

Kapitel 3 Therapieziele und Behandlungsplanung beinhaltet diverse Tools und Ausführungen zur Bestimmung der Symptom- und Hintergrundziele, wie auch der damit zusammenhängenden Behandlungsplanung.

Kapitel 4 Behandlung ist das umfangreichste des ganzen Buches. Zunächst werden unterschiedliche Fertigkeiten im Umgang mit Fehlbewertungen erläutert. Die Fertigkeiten sind dabei aufgegliedert in: Achtsamkeit, Akzeptanz- und Commitmenttherapie, sowie kognitive und metakognitive Techniken. Sie dienen der Schaffung bzw. Verbesserung der Motivation für die Durchführung von Expositionen. Dieser Abschnitt enthält u.a. zahlreiche anschauliche Arbeitsblätter für PatientInnen, wie diese anders mit Zwangsgedanken umgehen, sich doppelte Standards bewusstmachen oder Fehlbewertungen korrigieren können. Arbeitsblätter zu „Im Gespräch mit dem Zwang“ und Verhaltensexperimenten schließen diesen Teil ab. Im nächsten Abschnitt widmet sich Fricke der Exposition und dem Reaktionsmanagement. Zu Beginn werden die unterschiedlichen Vorgehensweisen graduiert/massiert, in vivo/in sensu und in therapeutischer Begleitung/in Eigenregie erläutert. Im Anschluss daran geht es um die Verschiebung der Problemdefinition(en) hin zum subjektiven Pol, die die Voraussetzung für den Beginn der Exposition darstellt. Die folgenden Abschnitte behandeln die Vermittlung des Expositionsprinzips, die Voraussetzungen für die Durchführung von Expositionen (z. B. Kosten-Nutzen-Analyse, Erstellung einer Zwangshierarchie), sowie die Auswahl und Planung. Sodann stellt die Autorin verschiedene In-Vivo-Expositionen (in Eigenregie, mit therapeutischer Begleitung und außerhalb des Therapiezimmers) vor. Dieser Teil enthält wiederum zahlreiche Arbeits- und Informationsblätter, wie z.B. Expositionsprotokolle oder Mini-Übungen. Fricke geht in diesem Kontext auf häufige Fragen und Schwierigkeiten ein und gibt umfassende Informationen zu Besonderheiten unterschiedlicher Zwangsgedanken und -handlungen. Kurze Ausführungen zur Aufrechterhaltung von Expositionserfolgen und zu Motivationsproblemen schließen dieses Kapitel ab.

In Kapitel 5 Die Abschlussphase steht die Zeit kurz vor und nach dem Ende der Therapie im Fokus. Diese Phase ist, insbesondere bei einer stationären oder tagesklinischen Behandlung, für PatentInnen häufig von ambivalenten Gefühlen gekennzeichnet. Die Autorin geht sowohl auf die Entlassvorbereitung bei (teil-)stationärer wie auch ambulanter Therapie und deren Spezifika ein. Sie betont die Bedeutung dieser Phase und deren genaue Vorbereitung als Voraussetzung dafür, dass es den PatientInnen gelingt, sich und ihren Alltag wieder selbständig und selbstbestimmt zu organisieren. Dieser Abschnitt enthält wiederum verschiedene Arbeits-, Merk- und Informationsblätter für die praktische Umsetzung. Statt eines Schlusswortes beendet ein Brief einer Betroffenen (An den Zwang) die Publikation.

Diskussion und Fazit

Im Vorwort erläutert Fricke, was ihr persönlich an der Arbeit mit Menschen mit Zwangserkrankungen gefällt: Die Therapie von Zwangserkrankungen ist immer wieder interessant und abwechslungsreich. Die Zusammenarbeit ist oft sehr positiv. Zwänge sind gut behandelbar. Statt perfekt heißt die Devise: So gut wie möglich. Ihr Anliegen ist es, Werbung für und Lust auf die Therapie von Zwangserkrankungen zu machen. An dieser Stelle sei bereits gesagt: Dies ist ihr aus Sicht des Rezensenten voll und ganz gelungen.

Inhaltlich liefert Fricke eine fundierte und klar gegliederte Übersicht über Zwangsstörungen. Das Buch ist didaktisch sehr gut konzipiert. Die Verknüpfung von aktuellem theoretischem Wissen und praktischen Handlungsbezügen ermöglicht den LeserInnen des Buches einen detaillierten Einblick in Zwangsstörungen und deren Behandlung. Dabei gehen die theoretischen Ausführungen in Verbindung mit den zahlreichen Arbeits- und Informationsblättern (insgesamt 83), zusätzlich angereichert durch verschiedene Fallbeispiele eine fruchtbare Verbindung ein. Besonders hervorzuheben ist aus Sicht des Rezensenten die Sprache und Grundhaltung des Buches. Die Sprache ist klar, verständlich (aber dadurch nicht weniger fundiert) und immer wieder dialogisch an die LeserInnen gewandt. Zugleich spürt man beim Lesen, dass die Autorin gerne mit Menschen mit Zwangserkrankungen arbeitet. Die Grundhaltung ist ressourcenorientiert und von der „Hoffnung“ auf Veränderungsmöglichkeiten getragen. Dies zeigt sich auch darin, einer Betroffenen das letzte Wort zu überlassen.

Eine intensive Auseinandersetzung mit den Inhalten des Buchs benötigt aufgrund der Vielzahl an Tools sicherlich seine Zeit. Diese lohnt sich aber. Zugleich ist es auch möglich, das Buch immer wieder einmal in die Hand zu nehmen und sich einzelne Anregungen und konkrete Werkzeuge für die berufliche Praxis zu holen. Die zusätzliche Download-Funktion ermöglicht, unkompliziert und praktisch mit den Materialien des Buches zu arbeiten.

Das Buch eignet sich sowohl für angehende, wie erfahrene TherapeutInnen und ist sehr zu empfehlen. Auch für Lehrende und Studierende, die in ihren Kontexten mit der Thematik Zwangsstörungen zu tun haben, liefert das Buch hilfreiche Informationen und praxisbezogenes Wissen, das auch für ein besseres Verständnis für (die Arbeit mit) Menschen mit Zwangsstörungen beitragen kann.


Rezensent
Dipl.-Soz.Päd. Michael Domes
Dozent (u.a. SRH Fachschule für Sozialwesen, SRH Hochschule Heidelberg)
Homepage www.michaeldomes.de
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Zitiervorschlag
Michael Domes. Rezension vom 13.09.2016 zu: Susanne Fricke: Therapie-Tools Zwangsstörungen. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2016. ISBN 978-3-621-28355-7. Mit E-Book inside und Arbeitsmaterial. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/21251.php, Datum des Zugriffs 18.01.2019.


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