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Matthias Keil: Wohnen und Ambulantisierung in der Altenhilfe

Cover Matthias Keil: Wohnen und Ambulantisierung in der Altenhilfe. Eine kritische Betrachtung im Spiegel des (bayerischen) Heimrechts. Mabuse-Verlag GmbH (Frankfurt am Main) 2016. 128 Seiten. ISBN 978-3-86321-313-8. D: 29,95 EUR, A: 30,80 EUR, CH: 36,80 sFr.
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Thema

Mit der gesetzlichen Prämisse ambulant vor stationär in der Versorgung alter und pflegebedürftiger Menschen hat der Bundesgesetzgeber klar und deutlich den Vorrang ambulanter Wohnformen begründet. Um diese Versorgungsform qualitativ und quantitativ positiv zu gestalten ist es notwendig eine klare Abgrenzung zu anderen Versorgungsformen zu finden und gleichzeitig die ambulanten Wohnformen rechtlich sicher und für die Nutzer zugänglich aufzustellen. Hierfür ist es notwendig vor allem auch auf der jeweiligen Landesebene in den dort jeweiligen spezifischen Verhältnissen dafür die Grundlagen zu bieten und dieses wichtige Angebot gleichzeitig für die Nutzer zu gewährleisten und sie daneben auch abzusichern.

Aufbau und Inhalt

Der Autor, Matthias Keil strukturiert sein Buch in drei Schwerpunkte zum Thema Wohnen und Ambulantisierung.

Nach der Erläuterung der versorgungstheoretischen Aspekt und der juristischen Abgrenzung unterschiedlicher Wohnformen führt der Autor den Leser zu praktischen Handlungsempfehlungen für eine Umsetzung ambulanter Wohnformen. Matthias Keil nimmt dabei besonders Bezug auf das bayerische Heimrecht.

Im ersten Teil werden die grundlegenden Fakten über die Entwicklungen im Bereich der Wohnformen im Alter und der Demografie der letzten Jahre kurz vorgestellt. Hierzu gehören u.a. die Veränderungen der familiären Strukturen im Laufe der geschichtlichen Entwicklung.

Einen weiteren Bereich nimmt das Thema Altenhilfe bezogen auf die Pflegestatistik und der Entwicklung der Pflegeversicherung in Deutschland ein. Vertieft wird diese durch den Blick auf das Versorgungsprinzip ambulant vor stationär und die daraus resultierenden Problemlagen bzgl. der Rechte pflege- und betreuungsbedürftiger Menschen in stationären und ambulanten Wohn-, Betreuungs- und Versorgungsformen.

Im zweiten Teil stellt Matthias Keil ambulante Formen des Wohnens im Alter konkret, mit ihren je eigenen Spezifika vor. Besonders hervorgehoben werden vom Autor das betreute Wohnen und die ambulant betreuten Wohngemeinschaften.

Der Schwerpunkt dieses Teils des Buches liegt bei den historisch bedingten Herausforderungen bzgl. der Heimgesetzgebung, deren Veränderungen im Sinne der Föderalismusreform und schließlich den Auswirkungen und damit Umgestaltungen die auf die bayerische Heimgesetzgebung im speziellen Fall eingewirkt haben und noch werden.

An dem Beispiel des Betreuten Wohnens zeigt der Autor die landesrechtlichen Konsequenzen, Rahmenbedingungen und Voraussetzungen auf. Er endet mit einem Resümee über die Entwicklung der landes- und damit heimrechtlichen Vorgaben in Bayern. Der Autor schließt damit, dass gerade diese landesrechtlichen Regelungen in der Neuzeit dafür sorgen, dass eine klare Abgrenzung zwischen ambulanten und stationären Wohnformen erfolgt. Diese Abgrenzung sorgt somit dafür, dass z.B. die ambulante Wohnform des betreuten Wohnens ausreichend geschützt werden kann.

Im dritten Teil gibt Matthias Keil konkrete Handlungsempfehlungen. Diese Empfehlungen haben vor allem die konzeptionellen Grundlagen in Bezug auf die Privatheit, die Lebensqualität und dem Gemeinschaftsleben zum Ziel. Auf dieser Grundlage wird eine Vielzahl von Bausteinen zur konkreten Umsetzung definiert und vorgestellt.

Als Quintessenz beschreibt der Autor, dass die stationären Wohnformen in Zukunft an ihre Grenzen stoßen werden. Ambulante Wohnformen hingegen können, ggf. in Kombination mit teilstationären Versorgungsformen zu wichtigen Wohnsettings werden die gesetzlich geschützt aber auch ermöglicht werden müssen. Ziel muss es daher auf jeden Fall sein, das pflege- und betreuungsbedürftigen Menschen ein flächendeckendes Angebot des Wohnangebotes des betreuten Wohnens zur Verfügung steht damit individuelle und selbstbestimmte Versorgung in der eigenen Häuslichkeit möglich und realisierbar werden kann.

Fazit

Mit seinem Buch legt Matthias Keil den Grundstein für eine erste Situationsanalyse und eine kritische Sicht auf ambulante Wohn- und Versorgungsform im Alter und bei Pflegebedürftigkeit. Er bietet einen kritischen Blick auf diese Wohnform und verknüpft dies mit den bestehenden gesetzlichen Regelungen in Bayern. Trotz der regionalen Begrenzung der Betrachtung dieses Themas erhält der Lesen wichtige und anregende Hinweise zu einer eigenen Recherche und Überarbeitung des Themas. Auf Grund der Vielfalt der landesspezifischen Regelungen ist und bleibt es wichtig und notwendig sich auf die Regelungen im betreffenden Bundesland hin auszurichten bei der Umsetzung und Realisierung ambulanter Wohn- und Versorgungsformen.


Rezensentin
Diplom Sozialpädagogin Monika Jansen
Erziehungswissenschaftlerin (M.A.) und Master of Organizational Management (MoM), ist tätig als Referentin für ambulante Dienste, Bereich Wirtschaft und Statistik eines großen Wohlfahrtsverbandes. Langjährige Berufserfahrung in Führungspositionen der unterschiedlichen Arbeitsfelder der Altenhilfe. Herausgeberin der beiden Werke „Pflege & Management“ und Pflegehandbuch des DUZ-Verlages.
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Zitiervorschlag
Monika Jansen. Rezension vom 14.02.2017 zu: Matthias Keil: Wohnen und Ambulantisierung in der Altenhilfe. Eine kritische Betrachtung im Spiegel des (bayerischen) Heimrechts. Mabuse-Verlag GmbH (Frankfurt am Main) 2016. ISBN 978-3-86321-313-8. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/21257.php, Datum des Zugriffs 20.06.2019.


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