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Nadine Bull, Christine Poppe (Hrsg.): Zuhören, informieren, einbeziehen

Cover Nadine Bull, Christine Poppe (Hrsg.): Zuhören, informieren, einbeziehen. Leitfaden für die Arbeit mit Angehörigen in der Psychiatrie. Psychiatrie Verlag GmbH (Köln) 2015. 212 Seiten. ISBN 978-3-88414-594-4. D: 29,95 EUR, A: 30,90 EUR, CH: 40,90 sFr.

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Thema

Dieser Leitfaden soll den in der Psychiatrie professionell Tätigen dabei helfen, die Angehörigen als Ressource in der Arbeit zu entdecken. So kann der Behandlung psychisch erkrankter Menschen eine neue Qualität gegeben werden. Dabei wird besonderer Wert auf praxisnahe Inhalte gesetzt.

Herausgeberinnen

Dr. Nadine Bull ist Klinische Psychologin und arbeitete unter anderem im Forschungsprojekt „Belastungsbezogene Interventionen für Partner psychisch kranker Menschen“ in Leipzig. Sie beteiligte sich an der Entwicklung eines Gruppenprogramms für die Angehörigenarbeit bei psychotischen Störungen.

Dr. med. Christine Poppe ist tätig als Chefärztin am Sanatorium Kilchberg im Bereich der Psychotherapie-Stationen/Spezialangebote. Zudem ist sie Vorstandsmitglied in der Schweizerischen Gesellschaft für Zwangsstörungen (SGZ).

Aufbau

Das Buch setzt sich aus drei Hauptkapiteln und den zugehörigen Downloadmaterialien zusammen.

  1. Der erste Teil ist eine Einführung in die Angehörigenarbeit.
  2. Im zweiten Teil werden verschiedene Krankheitsbilder und die jeweiligen Besonderheiten in der Angehörigenarbeit dargestellt.
  3. Abschließend werden im dritten Teil Suizidalität und die rechtlichen Aspekte behandelt.

Jedem Beitrag in den einzelnen Kapiteln folgen Angaben zu Fachliteratur und Nachschlagewerken, Literatur für Betroffene und Angehörige sowie gegebenenfalls Internetempfehlungen. Umfangreiche Downloadmaterialien zur Veranschaulichung und Unterstützung der Arbeit mit den Angehörigen in der Praxis runden die theoretischen Grundlagen ab.

Inhalt

Dem Vorwort der Herausgeberinnen folgen zwei Geleitwörter aus Verbänden der Angehörigenarbeit. Diese verweisen auf die Bedeutung der Arbeit mit Angehörigen für die Qualität der professionellen Arbeit in der Psychiatrie.

Der folgende erste Teil Warum und wie man Angehörige in die Behandlung einbeziehen kann vertieft die im Vorwort bereits erwähnten Aspekte der Arbeit mit Angehörigen zunächst in einer Einleitung der Herausgeberin C. Poppe. Nachfolgend wird die Notwendigkeit einer vorausgehenden Planung der Gespräche mit den Angehörigen erläutert und hierfür eine praktikable Anleitung gegeben. N. Bull vertieft im Weiteren den möglichen Aufbau von Paar- und Familiengesprächen. Zunächst fokussiert die Herausgeberin mögliche Hindernisse und verdeutlicht so die Notwendigkeit einer Analyse der familiären Situation. Anschließend unterteilt Sie das Gespräch in 3 Phasen, welche näher erläutert werden und fügt Beispielfragen an. Auf die passenden Downloadmaterialien wird innerhalb des Beitrags verwiesen. Der nachfolgende Beitrag, ebenfalls von N. Bull, vertieft die Gesprächssituation bei Kindern und Jugendlichen. Diese ist besonders, da die Kinder starken Stressfaktoren ausgesetzt sind, diese aber häufig aus Loyalität zu den Eltern ertragen. Selten suchen sie sich Hilfe, erst wenn der Bedarf von Außenstehenden erkannt wird, gelingt es ihnen Hilfe zuteilwerden zu lassen. Die Beispielfragen und Literaturhinweise sind mit Hinweisen für die geeignete Altersgruppe versehen. Im abschließenden Beitrag von G. Bitonti werden schwierige Situationen, wie Familien denen aus verschiedenen Gründen keine Zusammenarbeit möglich ist, in Kürze dargestellt.

Im zweiten Teil werden Erkrankungsspezifische Themen für die Angehörigenarbeit in Beiträgen zu den Krankheitsbildern Demenz, Alkoholabhängigkeit, Schizophrenie, Bipolare Störungen, Depression, Angststörungen, Zwangsstörungen, Essstörungen und der Borderline-Persönlichkeitsstörung dargestellt. Die einzelnen Beiträge sind in ihrem Aufbau gleich. Zunächst werden kurze, prägnante Fallbeispiele angeführt. Anschließend die Erkrankung in Symptomatik und Verlauf umrissen. Es folgt die Darstellung der besonderen Belastungen der Angehörigen. Und abschließend werden die möglichen Ansatzpunkte für Interventionen aufgezeigt. Anschauliche Grafiken vertiefen die Inhalte der Kapitel. Zudem werden für den Leser als wichtig erachtete Aspekte optisch hervor gehoben.

Der abschließende dritte Teil Was Angehörige noch bewegt thematisiert die Themen der Suizidalität sowie der rechtlichen Aspekte der Zusammenarbeit. Der Aufbau des Kapitels zum Thema Suizidalität gleicht den vorhergehenden im zweiten Teil. Die Auslöser einer Suizidalität werden in mehreren Modellen hergeleitet. Anschließend werden die Belastungen für die Angehörigen nachvollziehbar erläutert und mögliche Interventionen aufgezeigt. In dem Beitrag zu den rechtlichen Aspekten werden die Thematiken der Schweigepflicht, der Ausnahmesituationen und der Vertretung der Patienten durch Dritte dargestellt. Hierbei werden die rechtlichen Grundlagen in der Schweiz und Deutschland angeführt.

Des Weiteren gehören umfangreiche Download-Materialien zu dem Buch. Alle enthaltenen Grafiken sind als Abbildungen zusammengefasst. Eine weitere PDF-Datei enthält zu den in Teil 2 thematisierten Krankheitsbildern Basisinformationen für die Angehörigen. Sowie Tipps für gelungene Kommunikation und die Kommunikation in Konfliktsituationen, Muster für Protokolle und dem Festhalten des Erkrankungsverlaufs, Notfall- und Problemlösepläne sowie eine Partnerschafts- und Familienthemenliste.

Diskussion

Die Geleitwörter der Angehörigenorganisationen verdeutlichen die Notwendigkeit fachlich fundierter Angehörigenarbeit in der Psychiatrie. Der Einleitung der Herausgeberinnen hätte ich eine ähnlich deutliche Positionierung gewünscht. Dafür motivieren Sie im vorwiegend von Ihnen gestalteten ersten Teil, meiner Ansicht nach erfolgreich, dazu die Thematik der Angehörigenarbeit in den Fokus der eigenen praktischen Tätigkeit zu stellen. Sehr gelungen finde ich die Sensibilisierung für eine Vorbereitung der Gespräche, wobei mir die Fragebeispiele vom Sprachniveau häufig zu hoch erscheinen. Sie bilden jedoch eine gute Grundlage für die Themenauswahl des Gesprächs. Auch die verschiedenen Bedürfnisse der unterschiedlichen Angehörigengruppen und wie es gelingen kann, sie erfolgreich einzubeziehen wird intensiv thematisiert. Der zweite Teil des Werks ist klar strukturiert und verständlich geschrieben. Im abschließenden Teil wird die Thematik der Suizidalität sehr einfühlend und umfassend beschrieben. Bei den rechtlichen Grundlagen ist es interessant zwischen den Ländern vergleichen zu können. Ich hätte mir jedoch eine frühere Erwähnung der Thematik gewünscht, da ohne das Einverständnis der Betroffenen keine Angehörigenarbeit möglich ist.

Fazit

Dem vorliegenden Leitfaden gelingt es ein praxisnahes informatives Handbuch zu sein. Welches eine fundierte Grundlage für die Arbeit mit Angehörigen bietet. Der Aufbau ist klar und verständlich, alle wichtigen Aspekte werden thematisiert. Die zugehörigen Downloadmaterialien ermöglichen einen leichten Transfer der Inhalte in die praktische Tätigkeit. Da im deutschsprachigen Raum wenig aktuelle Literatur zur Thematik vorhanden ist, bietet dieses Buch eine gelungene Diskussionsgrundlage um das Thema wieder in den Fokus der praktisch Tätigen zu rücken.


Rezensentin
Anna-Lena Mädge
BA Soz.Päd./Soz.Arb.
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Zitiervorschlag
Anna-Lena Mädge. Rezension vom 10.10.2016 zu: Nadine Bull, Christine Poppe (Hrsg.): Zuhören, informieren, einbeziehen. Leitfaden für die Arbeit mit Angehörigen in der Psychiatrie. Psychiatrie Verlag GmbH (Köln) 2015. ISBN 978-3-88414-594-4. Inklusive Downloadmaterial. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/21260.php, Datum des Zugriffs 25.04.2017.


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