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Jürgen Lorse: Die dienstliche Beurteilung

Cover Jürgen Lorse: Die dienstliche Beurteilung. Erich Schmidt Verlag (Berlin) 2016. 6., völlig neu bearbeitete und wesentlich erweiter Auflage. 676 Seiten. ISBN 978-3-503-17014-2. D: 68,00 EUR, A: 70,00 EUR.
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Autor

Ministerialrat Jürgen Lorse ist Referatsleiter in der Personalabteilung des Bundesministeriums der Verteidigung.

Entstehungshintergrund

Die erste Auflage des Buches erschien 1998; es folgten weitere Auflagen in den Jahren 1999, 2000, 2002 und 2012. Die ersten vier Auflagen wurden von Frank Bieler verantwortet, die 5. Auflage 2012 von Frank Bieler und Jürgen Lorse und die 6. Auflage jetzt allein von Jürgen Lorse. Es hat also ein fließender Übergang in der Autorenschaft stattgefunden. Mit der neuen Konzeption hat sich auch die Intention des Buches verändert; Anspruch des Buches ist es, für alle Statusgruppen wie Beamte, Tarifbeschäftigte, Richter und Soldaten einen Überblick über Leistungsmessung und Potenzialanalyse zu geben, wobei die Beurteilungssysteme und Beurteilungsphilosophien im Mittelpunkt stehen.

Aufbau

Das Buch ist wie bisher als klassisches arbeitsrechtliches und personalwirtschaftliches Fachbuch konzipiert. Es ist entsprechend den einzelnen Statusgruppen in vier Bereiche unterteilt. So kann der Leser sich einfach auf den ihn interessierenden Bereich konzentrieren. Hinzu kommen zahlreichen Praxisbeispiele sowie einige Schaubilder, die in Kästen dargestellt, Anwendungsmöglichkeiten beispielhaft aufzeigen. Ein Abkürzungsverzeichnis am Beginn sowie umfassende Literatur- und Stichwortverzeichnisse am Ende runden die Publikation ab.

Inhalte

Am Beginn des Buches gibt es eine Inhaltsübersicht, der sich ein detailliertes Inhaltsverzeichnis sowie ein Abkürzungsverzeichnis anschließen.

A. Die dienstliche Beurteilung der Beamten (S. 33-432). Allein der Umfang zeigt, dass hierauf der Schwerpunkt dieses Buches liegt. Die 17 Kapitel gehen von „I. Begriffsbestimmung“ bis „XVII. Rechtsschutz gegen dienstliche Beurteilungen“. Auch wenn die große Anzahl der Kapitel auf den ersten Blick etwas verwirrend wirkt, so werden doch logisch gegliedert alle wichtigen Tatbestände diskutiert. Bereits in „Kapitel I Begriffsbestimmung“ werden die unterschiedlichen Dimensionen einer Beurteilung und verschiedene Verfahren angesprochen. Vor allem wird die Differenzierung zwischen den Bedingungen einer dienstlichen Beurteilung und denen wissenschaftlich fundierter Auswahlverfahren ausführlich aufgenommen. Die Kapitel II und III schildern die Rechtsgrundlagen, während sich der Autor ab Kapitel IV mit der Funktion einer Beurteilung auseinandersetzt: Personalmanagement, Funktionsarten, Beurteilungsarten bis hin zu den unterschiedlichen personellen Anwendungsbereichen. Die folgenden Kapitel VIII-XII setzen sich dann mit den Verfahren selbst auseinander: Inhalte, Aktualität, Beurteilungsmaßstäbe und die Gütekriterien werden ausführlich erörtert. Die abschließenden Kapitel wenden sich dann wieder Rechtsfragen zu, insbesondere für einzelne Gruppen und Funktionen: Beurteilungen im Auswahlverfahren, Personalvertretungs-, Schwerbehinderten- und Gleichstellungsrecht. Den Abschluss bildet Kapitel XVII mit dem Rechtsschutz gegen dienstliche Beurteilungen.

B. Die Leistungsbewertung von Arbeitnehmern (S. 433-492) hat angesichts des hohen Anteile der Arbeitnehmer an den im öffentlichen Dienst Beschäftigten große Bedeutung: von den 4,4 Millionen Vollzeitbeschäftigten gehören 62,6 % der Statusgruppe der Arbeitnehmer an. Auch Arbeitnehmer können hoheitliche Funktionen gemäß Art. 33 GG übernehmen, weshalb auf sie grundsätzlich die gleichen Grundsätze der Leistungsbewertung angewandt werden können. Allerdings fehlt anders als bei den Beamten eine gesetzliche Verpflichtung zur dienstlichen Beurteilung. Mit der Einführung des TVöD 2005 wurde ein variabler Gehaltsanteil von 8 % auf der Grundlage von Leistungsbewertungen eingeführt. Es zeigt sich also, dass die „I. Grundsätze der Leistungsbewertung von Arbeitnehmern“ sich von denen der Beamten durchaus unterscheiden. Entsprechend geht der Autor in den Kapiteln II bis IV nicht nur auf die dienstliche Beurteilung selbst ein, sondern diskutiert die Formen der Leistungsmessung unter verschiedenen Aspekten. Spannend ist Kapitel „V Rechtliche Voraussetzungen für Stellenbesetzungen bei statusübergreifender Konkurrenz von Arbeitnehmern und Beamten“.

C. Die dienstliche Beurteilung der Richter (S. 493-564) beginnt mit der Besonderheit der richterlichen Unabhängigkeit nach Art. 97 Abs. 1 GG. Gerade die Beurteilung der Leistung von Richtern ist ein sensibles Thema angesichts ihrer garantierten Unabhängigkeit einerseits und den Auswirkungen der Rechtsprechung andererseits. Entsprechend vorsichtig nähert sich der Autor der Thematik an: Bestenauslese und richterliche Unabhängigkeit sowie die Arten richterlicher Beurteilung ordnen das Thema ein. Die Kapitel IV und V sind pragmatisch und befassen sich mit den Inhalten und den Gütekriterien der Beurteilungen. Kapitel VI „Gerichtlicher Rechtsschutz gegen dienstliche Beurteilungen“ bildet den Abschluss dieses Bereichs.

D. Die dienstliche Beurteilung der Soldaten (S. 565-630) ist bereits prima vista vielschichtig, weil einerseits die Aufgabe besonders ist, andererseits aber Qualifikationen durch Tätigkeiten und Verwendungen erlangt werden, die auch für eine Personalentwicklung außerhalb der Bundeswehr von Bedeutung sind. Die beiden Anfangskapitel nehmen sich dieser Problematik an, indem in ihnen die allgemeinen Rahmenbedingungen und Grundsätze geschildert werden. Die folgenden Kapitel zeigen dann die pragmatischen Dimensionen auf: Arten soldatischer Beurteilung, Inhalt und Struktur, Beurteilungsverfahren sowie die Einführung von Richtwertempfehlungen. Die Kapitel VII und VIII gehen auf Rechtsfragen und den Rechtsschutz ein. Viele Soldaten gehen im Anschluss in das zivile Erwerbsleben über; daher wird dem soldatischen Dienstzeugnis ein eigenes, abschließendes Kapitel gewidmet.

Diskussion

Aus personalwirtschaftlicher Sicht wird nicht immer exakt zwischen funktionaler und institutioneller Dienstbeurteilung unterschieden, doch dieses ist weitgehend der Differenzierung nach Statusgruppen geschuldet. Trotz der beamtenrechtlichen Ausrichtung ist das Buch eine umfassende Darstellung der dienstlichen Beurteilung im öffentlichen Dienst. Denn auch hier ist ein transparente und rechtlich unangreifbare Leistungsmessung und -bewertung unverzichtbar. Die dienstliche Beurteilung bildet die Basis für Beförderungen, Versetzungen und für die Auswahl von Mitarbeitern. Aufgrund der hohen Bedeutung für den Einzelnen und die Organisation ist die profunde Kenntnis der dienstlichen Beurteilungsverfahren für die im öffentlichen Personalwesen Tätigen unverzichtbar. Die starke Orientierung am Beamtentum ist richtig; daher darf auch keine umfassende Darstellung wissenschaftlich fundierter Leistungs- und Potenzialanalysen erwartet werden. Wenn überhaupt eine Kritik angebracht werden kann, dann die, dass für die größte Beschäftigtengruppe im öffentlichen Dienst die wenigsten Ausführungen gemacht werden. Andererseits ist aber zu konstatieren, dass es tausende Publikationen zu Leistungs- und Potenzialmessungen gibt und Interessierte hierauf verwiesen werden können.

Fazit

Bereits bei der Rezension zur 5. Auflage wurde ausgeführt, dass es sich um ein umfassendes Werk handelt, in dem der Autor die Vielfalt des öffentlichen Beurteilungswesens gut nachvollziehbar darstellt. Dieses ist auch für die aktualisierte 6. Auflage zu konstatieren, die nichts an ihrer Bedeutung eingebüßt hat. Für Personalverantwortliche im öffentlichen Dienst ist es ein unverzichtbares Nachschlagewerk, das dabei helfen kann, viele grundlegende Fehler zu vermeiden. Angesichts der Komplexität der Thematik sollte keiner von sich Fehlerfreiheit erwarten. Daher gilt auch für die 6. Auflage: Jedem, der in der dienst- und tarifrechtlichen Landschaft des öffentlichen Dienstes die dienstliche Beurteilung rechtssicher handhaben will, sei dieses Buch dringend angeraten.


Rezensent
Prof. Dr. Rüdiger Falk
em. Professor für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Human Resource Management und Berufsbildung sowie Sportmanagement an der Hochschule Koblenz
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Zitiervorschlag
Rüdiger Falk. Rezension vom 21.11.2016 zu: Jürgen Lorse: Die dienstliche Beurteilung. Erich Schmidt Verlag (Berlin) 2016. 6., völlig neu bearbeitete und wesentlich erweiter Auflage. ISBN 978-3-503-17014-2. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/21276.php, Datum des Zugriffs 18.08.2019.


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