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Sibylle Tobler: Arbeitslose beraten unter Perspektiven der Hoffnung

Cover Sibylle Tobler: Arbeitslose beraten unter Perspektiven der Hoffnung. Lösungsorientierte Kurzberatung in beruflichen Übergangsprozessen. Verlag W. Kohlhammer (Stuttgart) 2004. 382 Seiten. ISBN 978-3-17-018295-0. 30,00 EUR.

Reihe: Praktische Theologie heute - Band 67.
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Das Thema

Die Betreuung, Vermittlung, Schulung und "Motivation" (was immer darunter zu verstehen ist) von Arbeitslosen bildet einen Zweig Sozialer Arbeit, der im letzten Jahrzehnt gewachsen ist. Wenn sich auch die Vorgaben staatlicher Förderung in diesem Bereich ständig wandeln, ist doch sicher, dass viele KlientInnen Sozialer Arbeit auch in Zukunft von Arbeitslosigkeit betroffen sein werden und diese direkt und indirekt in alle Beratungs- und Unterstützungsprozesse mit hineinwirkt. Aus diesem Grund ist ein Band sehr interessant, der sich zum Ziel genommen hat, das lösungsorientierte Beratungsmodell speziell auf die Arbeit mit Arbeitslosen hin umzugestalten.

Die Autorin

Die Autorin Sibylle Tobler lebt in der Schweiz. Sie ist Theologin und war bis 2003 u.a. am Institut für Praktische Theologie der Universität Bern tätig. In der praktischen Beratungsarbeit mit arbeitslosen Menschen ist sie als Geschäftsleitungsmitglied und Beratungsverantwortliche in einer Schweizer Übungsfirma für kaufmännische Stellensuchende tätig.

Der Inhalt

Als Ziel ihres Buches will Sibylle Tobler verbinden (vgl. S.328):
  • differenzierte Kenntnis des Phänomens Arbeitslosigkeit
  • lösungsorientierte fundierte Beratungskompetenz
  • und theologisch fundierte Perspektiven der Hoffnung

Dem Phänomen Arbeitslosigkeit wird nach Ansicht der Autorin weder eine einseitig strukturell-ökonomische noch eine einseitig psychosoziale Betrachtung gerecht.

In ihrem Buch betont Sibylle Tobler die psychosoziale Perspektive. In ihrem Vorverständnis deuten und bewältigen Menschen Arbeitslosigkeit ganz unterschiedlich. Sie sieht Arbeitslosigkeit besonders in stark auf die Erwerbsarbeit fixierten Gesellschaften als "herausfordernde Veränderung individueller Lebenssituationen" (54, 103), vor allem als "Herausforderung zur zeitlichen, persönlichen, sozialen und beruflichen (Neu-) Orientierung" (55). Ziel ihres Buches ist der Entwurf eines psychosozialen Beratungsmodells mit praktisch-spiritueller Perspektive, das Arbeitslosen Hoffnung, Förderung und Unterstützung geben kann.

Zunächst stellt Sibylle Tobler ihre theoretische Basis vor. Diese besteht aus

  • Ergebnissen der modernen psychologischen Arbeitslosigkeitsforschung
  • der lösungsorientierten Kurzzeittherapie nach de Shazer und Berg
  • und theologische Hoffnungskonzeptionen aus dem Bereich der Praktischen Theologie.

Danach entwickelt Sibylle Tobler ihr eigenes spezielles Beratungsmodell, das sie in ihrer Schweizer Übungsfirma in zahlreichen Beratungsgesprächen erprobt hat. Ausgehend von ihrer theoretischen Basis entwickelt sie einen Beratungsleitfaden, der sowohl ökonomisch-strukturelle, persönliche wie spirituelle Aspekte berücksichtigt. Analog zur systemisch-lösungsorientierten Arbeit besteht ein Ziel für sie darin, positive Zukunftserwartungen wieder an die Gegenwart der BeratungsklientInnen anzubinden. Mit zahlreichen lösungsorientierten Fragen- und Formulierungsvorschlägen gibt Sibylle Tobler Anregungen für die konkrete Beratungssituation. In ihren Fallbeispielen wird zwar deutlich, dass die von ihr beratenen Menschen in der Übungsfirma zum einen eine besonders motivierte Auswahl von Arbeitslosen darstellen, aber viele der Anregungen können durchaus auch für andere Beratungsprozesse fruchtbar übernommen werden.

Zielgruppe

Fachkräfte in der Beratung von Arbeitslosen, die vor allem eine psychosozial-integrative Beratungsarbeit anzielen und an einem zusätzlich spirituellen und praktisch-theologischen Hintergrund interessiert sind.

Fazit

Das Buch stellt sich keine gesellschaftskritische Auseinandersetzung mit dem Phänomen Arbeitslosigkeit dar. Eine solche findet sich nur im Begleitwort von Thomas Kieselbach, der Leiter des Instituts für Psychologie der Arbeit, Arbeitslosigkeit und Gesundheit der Universität Bremen ist. Wenn die Leserin vor allem eine gesellschaftkritische und kritisch-aktivierende Beratungsarbeit favorisiert, sind Sibylle Toblers Vorschläge sicher weniger geeignet. Für eine psychosozial und integrativ ausgerichtete Beratungsarbeit findet sich in diesem Band jedoch eine Fülle von Anregungen.

Das vorliegende Buch stellt zugleich die Dissertation von Sibylle Tobler am Institut für Praktische Theologie der Universität Bern dar, so dass die Leserin im Buch eine Fülle besonders sorgfältig recherchierter wissenschaftlicher Literatur zum Thema findet.


Rezension von
Prof. Dr. Lilo Schmitz
ILBB – Institut für lösungsorientierte Beratung Brühl
Ethnologin und Dipl. Sozialpädagogin
ehem. Hochschule Düsseldorf, Lehrgebiet Methoden der Sozialarbeit am Fachbereich Sozial- und Kulturwissenschaften
Homepage www.gutberaten.cologne
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Zitiervorschlag
Lilo Schmitz. Rezension vom 05.07.2005 zu: Sibylle Tobler: Arbeitslose beraten unter Perspektiven der Hoffnung. Lösungsorientierte Kurzberatung in beruflichen Übergangsprozessen. Verlag W. Kohlhammer (Stuttgart) 2004. ISBN 978-3-17-018295-0. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/2130.php, Datum des Zugriffs 04.03.2021.


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