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Jan Glasenapp: Emotionen als Ressourcen nutzen

Cover Jan Glasenapp: Emotionen als Ressourcen nutzen. Ein Programm in 90 Karten : für Therapie und Beratung. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2016. 19 Seiten. ISBN 978-3-621-28324-3. D: 39,95 EUR, A: 41,10 EUR, CH: 51,90 sFr.
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Thema

Das Kartenset umfasst 90 Karten (40 kleinere, 50 größere, manche doppelseitig bedruckt) und ein 20-seitiges Booklet und widmet sich inhaltlich der Auseinandersetzung mit Emotionen in Therapie und Beratung, etwa im Hinblick auf folgende Aspekte:

  • Wie kann ich Emotionen benennen?
  • Wie kann ich Emotionen anhand des Gesichtsausdrucks und der Körperhaltung erkennen?
  • Wie kann ich Emotionen anhand ihres Schlüsselszenarios erkennen?
  • Wie kann ich Emotionen in unterschiedlichen Situationen erkennen und benennen?
  • Was ist mein eigener emotionaler Stil?
  • Was ist die Geschichte hinter meinem Stil?
  • Die zwei Seiten der emotionalen Medaille – welche will ich ändern?
  • Was erinnert mich daran, auf dem Weg zu bleiben?

Der Autor arbeitet dabei mit der Idee eines Beratung- oder Therapieprozesses als einer Inselreise, bei der verschiedene Inseln aufgesucht werden: „Dies können die bekannten Inseln des Denkens, Fühlens und Handelns sein, aber auch die Inseln des Körpers und der Beziehungen. Dabei hängen die Inseln zusammen, sind durch intensiven Austausch miteinander verbunden, selbst wenn jede Insel ihre Eigenarten, Charakteristika und Sprachen hat. Die Inseln können auf der Reise durch die Therapie oder Beratung aus zwei sich gegenseitig bedingenden Gründen besucht werden: (1) um zu verstehen und (2) um zu verändern.“ (2) Im Schwerpunkt der Box steht die Auseinandersetzung mit der „Insel der Emotionen“.

Autor

Jan Glasenapp ist als Psychologischer Psychotherapeut in eigener Praxis in Schwäbisch Gmünd sowie als Dozent und Supervisor am Studienzentrum Verhaltensmedizin und Psychotherapie (SZVT) in Stuttgart tätig (Verlagsangaben).

Aufbau und Inhalt

Der Autor führt zunächst ein in sein Bild vom Beratungs- oder Therapieprozess als Reise zwischen verschiedenen Inseln (Insel des Denken, Fühlens, Handeln etc.) und geht insbesondere auf die Insel des Fühlens ein. Als besondere Möglichkeiten und Chancen der Insel des Fühlens arbeitet er etwa heraus, dass Veränderungen der Emotionsregulation angestoßen werden können bis hin zu einer Flexi- bilisierung des individuellen emotionalen Stils, so dass „grundsätzlich alle Emotionsqualitäten empfunden, erlebt und ihre Intensität situations- und kontextabhängig herauf- und herunterreguliert werden“ können (3). Dabei weist er darauf hin, dass das nicht für alle Klient*innen gleichermaßen leistbar und auch nicht in allen Phasen des Prozesses passend und möglich ist. Hier hält es der Autor auch für hilfreich, darauf zu achten, dass je nachdem, ob es sich um einen „heißen oder kalten“ Lernkontext handelt, sehr unterschiedlich auswirken kann, wenn eine Beschäftigung mit Emotionen im Beratungs- oder Therapiesetting erfolgt.

Im zweiten – ausführlicheren – Teil des Booklets bietet Glasenapp mit Hinweise zur praktischen Arbeit mit den Karten. Zunächst stellt er die unterschiedlichen Kartentypen vor:

  1. Es gibt 28 kleine, einseitig bedruckte Karten mit bestimmten Begriffen (Sorgen, Aggression Ohnmacht, Scham etc.) vor weißem Hintergrund, die unterschiedliche Emotionen bezeichnen.?
  2. Darüber hinaus gibt es sechs Blanko-Karten der gleichen Größe, die mit fehlenden Emotionsbezeichnungen beschrieben werden können.?
  3. Sechs kleinere Karten sind beidseitig bedruckt: Es sind die Karten mit den Grundemotionen Freude, Trauer, Angst, Wut, Ekel und Überraschung. Auf der einen Seite steht das Wort auf weißem Hintergrund, auf der anderen Seite ist das gleiche Wort auf einem farblichen Hintergrund abgebildet. Diese Farbe soll helfen, die unterschiedlichen Grundemotionen zu unterscheiden und taucht bei den weiteren Karten wieder auf.?
  4. Es gibt 18 große Karten mit Fotos, von denen immer drei einer der sechs Grundemotionen zugeordnet sind (an der Farbe der Rückseite erkennbar). Pro Emotion werden sowohl Gesichtsausdruck und Körperhaltung einer Person gezeigt (mal eindeutig, mal weniger eindeutig) als auch eine entsprechende Situation, um den Kontext herzustellen.?
  5. Sechs große Karten zeigen Schlüsselszenarien der einzelnen Grundemotionen (und können über die farbliche Rückseite zugeordnet werden). Schlüsselszenarien illustrieren das funktionelle Schema der jeweiligen Emotion und helfen, sie zu verstehen.?
  6. 18 Karten beschreiben kurze emotionale Situationen, die den einzelnen Grundemotionen zugeordnet sind (über die Farbe der Rückseite), und helfen können, das Erkennen und Benennen von Emotionen anhand eines gegebenen situativen Kontextes zu üben. Beispiel: „Frank kommt nach einem anstrengenden Tag bei der Arbeit nach Hause. Er geht an den Kühlschrank, öffnet eine Flasche Bier und trinkt sie schnell aus.“ Oder: „Ulrike kann nach dem Schwimmen ihren Ehering nicht mehr finden. Sie sucht und sucht.“
  7. Eine große Karte bildet eine Münze ab: die emotionale Medaille, die entlang einer gestrichelten Linie ausgeschnitten werden kann. Die emotionale Medaille kann genutzt werden, um mit den zwei Seiten jeder einzelnen Emotion, aber auch den zwei Seiten des individuellen emotionalen Stils zu arbeiten.
  8. Zwei Karten zeigen Pfeile. Diese können genutzt werden, um das hilfreiche Herauf- bzw. Herunterregulieren von Emotionen zu unterstreichen.
  9. Fünf große Karten sind unbeschriftet und können mit eigenen Situationen oder Bildern versehen oder auch für die Arbeit mit individuellen Emotionen und Grundbedürfnissen genutzt werden.

Dann führt der Autor konkret in spezielle Übungen ein: Eine erste Übung dient explizit dem Benennen von Emotionen, eine zweite Übung dem Erkennen von Emotionen anhand des Gesichtsausdrucks und der Körperhaltung. Übung 3 will dabei unterstützen, Emotionen anhand ihres Schlüsselszenarios zu erkennen und einen entsprechenden Umgang damit einzuüben. Übung 4 fokussiert den Aspekt des Erkennens und Benennens von Emotionen in unterschiedlichen Situationen, z. B. im Sinne einer Verhaltenserweiterung oder alternativer Gefühlsszenarien. Übung 5 fordert zur Auseinandersetzung mit der Frage heraus, was den individuellen emotionalen Stil ausmacht und die damit möglicherweise verbundenen „zwei Seiten der Medaille“ zu betrachten. Gewissermaßen vertiefend lädt Übung 6 zur Spurensuche ein hinsichtlich der Geschichte „hinter diesem individuellen Stil“, also dazu, prägenden Lebens- oder Lernerfahrungen nachzuspüren. In Übung 7 wird explizit aufgefordert, die zwei Seiten der emotionalen Medaille genauer zu reflektieren und Veränderungsnotwendigkeiten zu identifizieren. Die letzte und achte Übung will bei dem hierbei identifizierten Veränderungsprozess unterstützen und diesen nachhaltig festigen und absichern.

Dazu werden im Downloadbereich des Verlages zusätzliche Merkblätter zum Herunterladen und Ausdrucken angeboten. Diese beschreiben zu den wichtigsten Grundemotionen (hier Freude, Wut, Ärger, Angst, Trauer, Ekel und Überraschung) jeweils:

  • die Erkennungsmerkmale (im Gesicht, Im Körper, im Tun, im Denken), dann
  • die Schlüsselszenarien für eine bestimmte Grundemotion.
  • sodann Hinweise, aufgrund derer erkennbar ist, dass der eigene Umgang mit der Emotion nicht hilfreich ist,
  • ebenso Hinweise, wie die betreffende Emotion intensiviert kann.
  • Hinweise, wie die jeweilige Emotion reguliert werden kann.

Diskussion und Fazit

Glasenapp spricht in seiner Veröffentlichung davon, dass „grundsätzlich alle Emotionen Ressourcen darstellen können, die uns motivieren und das Kraft geben können, das Leben in Richtung Befriedigung unserer zentralen Bedürfnisse zu verändern.“ (3). Berater*innen, Trainer*innen, Therapeut*innen, Fortbildner*innen und Coaches, die daran interessiert sind, kreative Vorschläge zu erhalten, wie diese Ressourcen entdeckt und gestärkt werden können, werden in dieser ansprechend gestalteten und fundiert und kenntnisreich konzipierten Box definitiv fündig werden!


Rezensentin
Elisabeth Vanderheiden
Pädagogin, Germanistin, Mediatorin; Geschäftsführerin der Katholischen Erwachsenenbildung Rheinland-Pfalz, Leitung zahlreicher Projekte im Kontext von beruflicher Qualifizierung, allgemeiner und politischer Bildung; Herausgeberin zahlreicher Publikationen zu Gender-Fragen und Qualifizierung pädagogischen Personals, Medienpädagogik und aktuellen Themen der allgemeinen berufliche und politischen Bildung
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Zitiervorschlag
Elisabeth Vanderheiden. Rezension vom 31.05.2017 zu: Jan Glasenapp: Emotionen als Ressourcen nutzen. Ein Programm in 90 Karten : für Therapie und Beratung. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2016. ISBN 978-3-621-28324-3. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/21309.php, Datum des Zugriffs 20.10.2017.


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