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André Habisch, Jan Jonker u.a. (Hrsg.): Corporate Social Responsibility Across Europe

Rezensiert von Dr. Winfried Leisgang, 08.03.2005

Cover André Habisch, Jan Jonker u.a. (Hrsg.): Corporate Social Responsibility Across Europe ISBN 978-3-540-23251-3

André Habisch, Jan Jonker, Martina Wegner, René Schmidpeter (Hrsg.): Corporate Social Responsibility Across Europe. Springer (Berlin) 2005. 397 Seiten. ISBN 978-3-540-23251-3. 74,85 EUR. CH: 123,50 sFr.
Texte in englischer Sprache
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Einführung in die Thematik

Corporate Social Responsibilitiy (CSR) ist ein mittlerweile beachtetes Thema in unserer globalen Gesellschaft geworden. Das CSR-Konzept beruht auf der Vorstellung einer nachhaltigen sozialen, ökonomischen und ökologischen Entwicklung und eines schonenden Umgangs mit Ressourcen, so dass ein faires Miteinander von Ländern des Südens und des Nordens möglich ist und zugleich die Lebensbedingungen zukünftiger Generationen erhalten bleiben. Zielsetzung ist ein nachhaltiges und damit auch ein soziales Wirtschaften (Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages).

Ziel von Unternehmen mit einem CSR-Konzept ist es, gesellschaftspolitisch Verantwortung zu übernehmen, nachhaltiges Wirtschaften im Blick auf die zukünftigen Generationen zu fördern und damit gleichzeitig wirtschaftlichen Erfolg zu sichern. Peter Walker (Direktor der betapharm Arzneimittel GmbH) beschreibt die Bedeutung von Corporate Social Responsibility im Vorwort des Buches folgendermaßen: "One of the most important tasks in our globalised world is to find an equilibrium between economic success and social welfare".

Die Autoren

  • Dr. André Habisch ist Professor für Sozialethik an der katholischen Universität Eichstätt und Gründer des Center for Corporate Citizenship (CCC), ein interdisziplinäres Forschungszentrum zum Thema Corporate Social Responsibility und Corporate Citizenship in Deutschland.
  • Dr. Jan Jonker ist Professor an der Nijmwegen School of Management und Autor zahlreicher Beiträge zum Thema CSR.

37 europäische Forscher arbeiteten an dem Buch, das einen Überblick über CSR- Entwicklungen und Fortschritte auf nationalen Ebenen darstellt.

Zielgruppe

Der Verlag selbst macht keine Angaben, wer aus seiner Sicht als Zielgruppe des Buches in Frage kommt. Interessant ist es mit Sicherheit für Unternehmensleitungen, die planen, ihr Unternehmen strategisch nach einem CSR-Konzept auszurichten. Dazu erhalten sie zwar keine konkreten Hinweise, jedoch einen Überblick, was sie an Themenfeldern berücksichtigen müssen und wie die aktuelle Diskussion in ihrem Land stattfindet, sowie Vergleiche aus allen Ländern der europäischen Union.

Aufbau und Inhalt

Das Buch beginnt mit einer Einführung von Habisch und Jonker zum Thema CSR - ein Thema mit Substanz? Dabei halten sie fest, dass wir erst am Anfang einer Bewegung stehen, die die Konstruktion unserer Gesellschaft grundlegend in Frage stellt. Die Autoren begründen die Substanz der gegenwärtigen CSR Diskussion mit veränderten Gesellschaftsstrukturen hin zu einer offenen Gesellschaft innerhalb einer globalisierten Welt. Damit verändern sich aber auch die Fragestellungen des sozialen Zusammenlebens. Die Antworten sind dabei so vielfältig, dass es kein allgemeines Konzept oder eine einzige Richtung in der Ausgestaltung von CSR in Europa geben kann.

Die Gesellschaft kann als ein Gleichgewicht zwischen verschiedenen Institutionen (Regierung, Bürgergesellschaft und der (freie) Markt) und korrespondierenden Verhaltensmustern angesehen werden. Dieses Gleichgewicht ist im Augenblick in Frage gestellt, weil es schon länger keine in sich geschlossenen Gesellschaften mehr gibt. Zurzeit lassen sich drei fundamentale Veränderungen beschreiben:

  1. Auf der Ebene der europäischen Nationalstaaten bzw. nationalen Regierungen lässt sich feststellen, dass immer mehr Gesetze eine europäische Dimension aufweisen, die in nationales Recht umgesetzt werden müssen. Der Nationalstaat in seiner historischen Form ist unter den Bedingungen globalen wirtschaftlichen Wettbewerbs und politischer Willensbildung n Europa kaum mehr aufrechtzuerhalten.
  2. Das zweite Feld betrifft die Bürgergesellschaft. Hier zeigt sich, dass die Bürger sich mittlerweile als kompetente Akteure im Feld der Institutionen verstehen und eine wachsende Fähigkeit zur Selbstorganisation gewinnen. Sie artikulieren ihre Bedürfnisse und Erwartungen an die anderen Akteure auf lokaler und internationaler Ebene.
  3. In diesen Veränderungen spielt die Wirtschaft eine wichtige Rolle. Sie kann sich nicht länger auf "doing good business" zurückziehen, weil weitere Variablen für ein nachhaltiges Wirtschaften zunehmend wichtiger werden: die Qualität des Ausbildungssystems, die Sicherheit der politischen Systeme, eine gesunde Umwelt etc. Auf diese Weise ist die Wirtschaft mit den sozialen Problemen der Gesellschaft (egal ob lokal oder global) konfrontiert. Zunehmend mehr Stakeholders (Anspruchsgruppen) fordern einen Beitrag der Unternehmen für das Gemeinwesen. Vertrauen in die Wirtschaft ist mittlerweile ein wichtiger Faktor für die Legitimation des Handelns der Unternehmen.

Die Aufgabe der Regierungen und der öffentlichen Verwaltung ist es, den Prozess von CSR durch eine institutionelle Infrastruktur und gesetzliche Rahmenbedingungen zu fördern und Netzwerke für soziales Kapital zu unterstützen. Damit fördern sie die Bereitschaft der Unternehmen soziale Verantwortung zu übernehmen. Ein zentrales Argument in der gegenwärtigen CSR Debatte ist, dass die Wirtschaft (gemäß ihrer Bedeutung) mehr Verantwortung für eine soziale Gesellschaft übernehmen sollte. Dieses Anliegen erhält seine Bedeutung auf Grund der oben genannten gesellschaftlichen Veränderungen und Umwälzungen.

Die Autoren stellen sich die Frage, wie sich CSR angesichts einer bereits anzutreffenden Vielfalt von Ideen und Konzepten für eine konkrete Arbeit zu definieren ist. Sie beschreiben CSR als ein Ausmaß von organisierter bewusster Übernahme von Verantwortung für die eigenen Handlungen bzw. Unterlassungen, das auch den Einflussbereich von anerkannten Außengruppen festlegt. Solche Außengruppen (häufig beschrieben als Stakeholder) repräsentieren ein Netzwerk von Interaktionen, die mit der direkten oder indirekten Umwelt des Unternehmens aufrechterhalten werden (S. 7). Eine solche Definition wirft weitere Fragen auf. Die Interessen und Erwartungen der Stakeholder sind nie ganz deckungsgleich. Welchen Forderungen und Interessen soll man nachgehen, wenn man sich als verantwortliches Unternehmen zeigen will? Diese Frage ist sehr schwer zu beantworten in einer Gesellschaft, in der jeder Stakeholder erwartet, dass sein Anliegen gehört wird.

Ungeachtet dessen zeigt sich als eine Konsequenz der oben beschriebenen Veränderungen und Transformationen deutlich, dass sich neue Formen von Organisationsverhalten entwickeln. CSR kann dabei als ein konstruktives Element eines globalen Regierungsnetzwerkes gesehen werden, in dem verschiedene Elemente einer neuen sozialen Ordnung unterstützt werden von regionalen, nationalen, internationalen und globalen Koalitionen. In diesen arbeiten die Wirtschaft und NGOs, Regierungen und internationale Institutionen mit.

Den weiteren Inhalt des Buches bilden die verschiedenen Länderberichte. Diese folgen einer allgemeinen Strukturvorgabe: Beschreibung der traditionellen Rolle der Wirtschaft im Land, benennen von ausgewiesenen Unterstützern des CSR sowie ein Überblick über den augenblickliche Stand des CSR und ein Ausblick auf die zukünftige Entwicklung im Land. Die einzelnen Kapitel dazu sind nach den geografischen Regionen in Europa unterteilt:

  • in Nordeuropa (Finnland, Dänemark, Norwegen),
  • Westeuropa (Großbritannien, Irland, Belgien, Niederlande, Frankreich),
  • Zentraleuropa (Deutschland, Österreich, Ungarn, Tschechische Republik, Polen), Osteuropa (Litauen, Estland, Russland, Ukraine, Serbien) und
  • Südeuropa (Türkei, Griechenland, Italien, Spanien, Portugal).

Am Schluss folgen drei Kapitel mit einem über Europa hinausreichenden Zugang:

  • "Einige Forderungen für nationale Agendas im Hinblick auf CSR" (Nigel Roome),
  • "Ein konzeptioneller Rahmen für das Verständnis von CSR" (Dirk Matten & Jeremy Moon) und
  • "Die Rolle der Wirtschaft in der Gesellschaft in Europa" (Gilbert Lenssen & Volodja Vorobey).

Beispielhaft sollen an dieser Stelle die Beiträge aus zwei deutschsprachigen Ländern (Deutschland und Österreich) kurz vorgestellt und miteinander verglichen werden.

In Deutschland fällt auf, dass auf Grund des ausgebauten sozialen Sicherungssystems der Staat sich in der Rolle des "allgegenwärtigen und allzuständigen Problemlösers" wieder findet. Dabei lag der Ausgangspunkt dieser sozialen Sicherungssysteme zunächst außerhalb staatlicher Einflusssphären in der Bürgergesellschaft. Pensionspläne entstanden in den Köpfen von christlichen Unternehmern, die ihren Beschäftigten eine Absicherung für den Fall der Krankheit und der Zeit nach dem Erwerbsleben ermöglichen wollten. Sehr schnell wurden diese Überlegungen jedoch von staatlichen Organen aufgegriffen und von Bismark ein Konzept der staatlichen Sicherheit von oben nach unten eingeführt. Ein starker Beweggrund für dieses Vorgehen war der Versuch, damit die Sozialisten und Katholiken zu bekämpfen. Auf diese Art und Weise entstand in Deutschland ein sehr starker Glauben an den Staat als die Institution, die am besten und effizientesten öffentlichen Güter verteilen kann.

Mit dem Konzept der "sozialen Marktwirtschaft", das sich nach dem Zweiten Weltkrieg durchsetzte, wurde im Gegensatz dazu sehr ausdrücklich auf die Rolle der Unternehmen und der Wirtschaft für die Verteilung öffentlichen Güter hingewiesen. Gleichzeitig etablierte sich ein sehr leistungsfähiges und in sich geschlossenes System des Korporatismus (ausschließliches Verhandeln von Verbandsvertretern mit staatlichen relevanten Organisationen). Es ist eine Tatsache, dass deutsche korporatistische Institutionen einen sehr weit reichenden Einfluss in der Gesellschaft und im Land ausüben. Ob sie sich den Herausforderungen der Zukunft stellen und aktiv am Aufbau einer Bürgergesellschaft mitwirken, wird über ihren zukünftigen Einfluss mitentscheiden. Im Gegensatz zu Großbritannien gibt es in Deutschland keinen offiziellen CSR Prozess bzw. Dialog. Dies hat zur Folge, dass eine Unterscheidung zwischen CSR, Corporate Citizenship und den sozialen Dimensionen von nachhaltiger Entwicklung fehlt. Obwohl die Umweltbewegung seit Ende der 70er Jahre in der Bundesrepublik zunehmend an Bedeutung gewann (bis hin zum Agenda 21 Prozess in den 90er Jahren) und damit das Thema Nachhaltigkeit in der Öffentlichkeit sehr bekannt ist, ist im Gegensatz dazu der Einfluss der Verbraucher relativ gering. Die Verbraucher zeigen kaum Interesse an Themen von CSR und wenn überhaupt, dann sind sie nur bei gleicher Qualität und ähnlicher Preisgestaltung bereit, Unternehmen mit einem eindeutigen Zugang zu CSR Konzepten durch einen Kauf der Produkte zu unterstützen. Auch die Gewerkschaften spielen kaum eine Rolle innerhalb der CSR-Szene in der Bundesrepublik, weil die damit transportierten Themen nicht die traditionellen Interessen der Gewerkschaften widerspiegeln. Den Gewerkschaften geht es nach wie vor darum, Interessen der Arbeitnehmer zu vertreten und Sozial- und Umweltstandards für die Beschäftigten aufrechtzuerhalten bzw. zu verbessern. Auf Seiten der kirchlichen Institutionen und Wohlfahrtsverbände engagiert sich vor allem der Bund katholischer Unternehmer im Bereich CSR, während kirchennahe Organisationen wie die Caritas oder die Diakonie bisher keine Veranlassung hatten, systematisch mit Unternehmen zusammen zu arbeiten. Dies wird sich jedoch bei einer weiteren Kürzung öffentlicher Zuschüsse allmählich ändern.

Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) vermerkt in einer Stellungnahme zur Bedeutung der Wirtschaft in der Gesellschaft, dass Engagements lediglich freiwillig eingegangen werden können und dass die Unternehmen keine Ausfallbürgen für Kürzungen der öffentlichen Hand sein können. Außerdem lehnen sie zusätzliche europäische Regulationen im Bereich CSR kategorisch ab.

Einige Initiativen der Regierung orientieren sich am Dialog mit den Stakeholdern und an einer interdisziplinären und branchenübergreifenden Kooperation als einen wichtigen Schritt hin zu einer Bürgergesellschaft (Enquete-Kommission des Deutschen Bundestags zum bürgerschaftlichen Engagement). CSR Aktivitäten werden jedoch vornehmlich im Hinblick auf die Schaffung neuer Arbeitsplätze und die Verbesserung der Arbeitsqualität gesehen. Ob dieser Zugang ausreicht, um damit Anstöße für eine neue Bürgergesellschaft zu schaffen, muss sich erst noch zeigen.

Die Diskussion über nachhaltige Entwicklung und der Einfluss der Ökonomie begann in Österreich in den späten 80er Jahren und damit sehr viel früher als die aktuelle CSR Debatte. Die CSR Diskussion konnte anknüpfen an eine weit zurückreichende österreichische Tradition (der so genannten Sozialpartnerschaft), die von Anfang an Stakeholder-Interessen berücksichtigte. Die Bedeutung des Konzeptes der Nachhaltigkeit innerhalb der Ökonomie wurde auch beeinflusst von einer starken Umweltbewegung (Kampagnen gegen Atomkraft und genetisch veränderter Nahrung) aus der sich in den 90er Jahren das Konzept der ökosozialen Marktwirtschaft herausschälte. Die ökosoziale Marktwirtschaft zielt auf einen "fairen" und nicht auf einen "freien" Markt, also auf einen Markt, der nicht ausschließlich von Wettbewerb dominiert ist sondern auch vom Sinn für das Gemeinwesen und dem Erkennen von Synergieeffekten. Auf dieser Grundlage entwickelte sich in Österreich in den letzten 20 Jahren ein anhaltender sozialer Transformationsprozess, der von unterschiedlichsten Institutionen getragen wird. Zu den Akteuren zählen das österreichische Institut für nachhaltige Entwicklung, die Klimaschutzvereinigung Österreichs, das Umweltministerium, der österreichische Wirtschaftsverband für nachhaltige Entwicklung, die Arbeitsgemeinschaft für Entwicklungszusammenarbeit und die Initiative "Sozialwort " der katholischen Kirche.

Im Bereich der Entwicklung von CSR in Österreich arbeiten weitere Institutionen mit: Ministerien (für soziale Sicherheit und Generation, für Wirtschaft und Arbeit, für Transport, Innovation und Technologie, für Finanzen), Wirtschaftsverbände und Organisationen (Industriellenvereinigung, Wirtschaftskammer Österreich, Arbeiterkammer, Wirtschaftskammer Wien, Gewerkschaft der Privatangestellten, österreichischer Gewerkschaftsbund, Bundessozialamt und Arbeitsmarktservice) sowie private Organisationen und NGOs (Hauptverband der Sozialversicherung, österreichische Arbeitsgemeinschaft für Rehabilitation, Caritas Österreich, österreichische Institut für nachhaltige Entwicklung, österreichische Wirtschaftsakademie für nachhaltige Entwicklung).

Nachhaltige Entwicklung wird verstanden als ein Konzept, das eine integrative, gut ausbalancierte Gleichbehandlung von ökonomischen, sozialen und ökologischen Dimensionen vorsieht.

Der Zugang von Unternehmen zu CSR kann auf vier Ebenen beschrieben werden:

  • passiv - das Unternehmen wartet ab, bis der Druck von außen eine Reaktion erzwingt;
  • reaktiv - das Unternehmen reduziert Risiken, die sich negativ auf das Image auswirken können;
  • aktiv - das Unternehmen realisiert, dass CSR strategische Möglichkeiten beinhaltet;
  • proaktiv - das Unternehmen berücksichtigt vorhandene Bedürfnisse und entwickelt nachhaltige Lebensstile und Wirtschaftsweisen zusammen mit den Stakeholdern, um damit einen Wettbewerbsvorteil zu erzielen.

Die überwiegende Mehrzahl der österreichischen Unternehmen sind Klein- und Mittelbetriebe mit weniger als 250 Mitarbeitern, die sich mehr oder weniger sozial engagieren. Insgesamt 81 Prozent der Kleinunternehmen, 58 Prozent der mittelständischen Unternehmen und 49% Großunternehmen unterstützen soziale Organisationen. Das Spektrum der Unterstützung reicht von Geldspenden übers Sponsoring bis hinzu Freiwilligen-Programmen. Zwei Drittel der österreichischen Unternehmen sind sehr zufrieden und zufrieden mit dem Erfolg ihrer Aktivitäten im Bereich CSR. Der Nachhaltigkeitsaspekt wurde in Unternehmen auf verschiedenen Wegen eingeführt. In den 90er Jahren starteten die österreichische Regierung und ihre Verwaltung verschiedene Top-down-Programme, um die Implementierung von Umweltschutz-, Risiko-, Qualitäts-, Gesundheits- und Sicherheitssystemen zu fördern (ISO-Zertifizierung, nachhaltiges Investment, Nachhaltigkeitsberichte, Familienaudit, Frauenförderung, Code of Corporate Governance).

Das Hauptinstrument für eine österreichische CSR Politik ist die "österreichische CSR-Initiative", die im Jahr 2002 gegründet wurde. Die Initiative beschreibt sich selbst als ein Programm der österreichischen Wirtschaft, welches die großen europäischen Visionen (wie die Lissabon Strategie und das Konzept der nachhaltige Entwicklung) unterstützt. Dabei will sie zwei Ziele erreichen: zum einen deutlich machen, wie die österreichische Wirtschaft sich für den Staat und Gesellschaft einsetzt und darüber hinaus Unternehmer motivieren, ihre Anstrengungen im Hinblick auf CSR zu verstärken und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Ein erster Schritt dazu war im Oktober 2002 bis Juli 2003 der Anstoß für eine breite Diskussion zum Thema CSR und damit verbundenen das Entwickeln eines gemeinsamen Verständnisses, ihrer Bedeutung und ihres Nutzens. Der zweite Schritt war das Formulieren der österreichischen CSR Visionen mit den Überschriften: erfolgreiches wirtschaftliches Handeln, Einbeziehen der anderen, Orientierung an der Umwelt und der Zukunft und verstärkte Anstrengungen zur Implementation.

Diskussion und Bewertung

Die zwei oben genannten Beispiele zeigen, dass in Österreich aufgrund des erfolgreichen Zusammenarbeitens von Regierung, Wirtschaft, Gewerkschaften, NGOs und Bürgergesellschaft die Diskussion über CSR und konkrete Auswirkungen der Umsetzung sehr viel weiter fortgeschritten ist als in der Bundesrepublik. In Österreich ist es gelungen, alle wesentlichen Akteure in den CSR Prozess zu integrieren. In Deutschland hat die Diskussion erst begonnen. Die Protagonisten der CSR Idee reiben sich an den vorhandenen Strukturen und sind von einer Integration aller notwendig Beteiligten (vor allem der Gewerkschaften) noch weit entfernt.

Die Sammlung der Beiträge liest sich auch auf englisch sehr flüssig (sieht man einmal von den Artikeln der wirklich englischsprachigen Länder England und Irland ab, bei denen man intensivere Englischkenntnisse benötigt). Leider sind die einheitlichen Gliederungspunkte in den einzelnen Beiträgen nicht immer deutlich auszumachen bzw. wieder zu finden. Lediglich die Überschriften "Einführung" und "Schlussfolgerungen" sind in jedem Beitrag wirklich vertreten. Auf diese Weise fällt es schwer, Inhalte und Ausprägungen von CSR in den verschiedenen Ländern inhaltsanalytisch auszuwerten und zu vergleichen. Andererseits gelingt es auf Grund der fehlenden Gliederungsvorgaben, die Vielfalt und Heterogenität der Zugänge und Ausprägungen von CSR in den einzelnen Ländern in all ihren Facetten darzustellen.

Fazit

Das Buch schafft einen Zugang zu den vielfältigen Spielarten des CSR in Europa. Der bereits sachkundige Leser findet eine große Anzahl von Anregungen aus anderen Ländern in Europa. Leserinnen und Leser, die einen ersten Zugang zum Thema CSR suchen, entdecken in dem Werk unterschiedliche Beispiele, wie sich der CSR-Ansatz unter völlig verschiedenen historischen Voraussetzungen, der Berücksichtigung regionaler Netzwerke und administrativer (länderspezifischer) Vorgaben bzw. rechtlicher Rahmenbedingungen ausgestalten kann. Die Einführung von André Habisch und Jan Jonker eröffnet einen ersten hilfreichen Überblick über gesellschaftspolitische Zusammenhänge, in das das Konzept von CSR eingebettet ist. Besonders positiv hervorzuheben sind die nach den Literaturhinweisen jeweils angeführten Internet Links, die es der Leserin und dem Leser ermöglichen sofort nach weiteren Informationen zu suchen.

Das vorliegende Buch bietet ein abwechslungsreiches, aber leider kein preiswertes Lesevergnügen.

Rezension von
Dr. Winfried Leisgang
Dipl. Soz.-Päd., Master of Social Work (M.S.W.)
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Es gibt 42 Rezensionen von Winfried Leisgang.

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Zitiervorschlag
Winfried Leisgang. Rezension vom 08.03.2005 zu: André Habisch, Jan Jonker, Martina Wegner, René Schmidpeter (Hrsg.): Corporate Social Responsibility Across Europe. Springer (Berlin) 2005. ISBN 978-3-540-23251-3. Texte in englischer Sprache. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/2135.php, Datum des Zugriffs 17.05.2022.


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