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Klaus Stüwe, Eveline Hermannseder (Hrsg.): Migration und Integration als transnationale Herausforderung

Cover Klaus Stüwe, Eveline Hermannseder (Hrsg.): Migration und Integration als transnationale Herausforderung. Perspektiven aus Deutschland und Korea. Springer VS Verlag für Sozialwissenschaften (Wiesbaden) 2016. 326 Seiten. ISBN 978-3-658-11644-6. D: 49,99 EUR, A: 51,39 EUR, CH: 51,50 sFr.
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Thema

Migration ist kein neues Thema für Deutschland und auch kein neues für die Welt. Wanderungsbewegungen stellten immer eine Reaktion auf Lebensmöglichkeiten und Chancen dar, ebenso wie eine Reaktion auf wirtschaftliche Notwendigkeiten und Veränderungen. Dies gilt sowohl für Auswanderung wie für Einwanderung. Trotz dieser Normalität von Migration variieren Umstände und Bedingungen, unter denen Menschen migrieren oder sich neu etablieren. Deswegen ist es interessant, einen Blick auf diese Verhältnisse in vergleichender Perspektive zu werfen, sowohl historisch vergleichend als auch Länder vergleichend. Besonders interessant ist es beispielsweise, wenn klassische Auswanderungsländer zu Einwanderungsländern werden. Diese vergleichende Perspektive ist Thema des vorliegenden Bandes – es geht um einen Ländervergleich von Deutschland mit Korea.

Aus Korea sind seit den siebziger Jahren viele Menschen migriert. Auch Deutschland hat die Migrationswilligen gezielt rekrutiert für die Pflege und für den Bergbau beispielsweise. Aktuell ist die politisch und wirtschaftlich starke Republik Südkorea aber selber ein Ziel der Migration geworden und hat sich dadurch auch verändert. Die Zahl der Migranten hat sich in Südkorea in den letzten Jahren um ein neunfaches vergrößert. In Zukunft braucht die alternde Gesellschaft Südkorea auch noch mehr Migration, um dem Fachkräftemangel entgegenm zu wirken und um das demographische Gleichgewicht zu erhalten. Vor den gleichen Herausforderungen steht auch Deutschland. Daher ist der Blick auf beide Länder – die beide ehemalige Auswanderungsländer sind und jetzt zu Einwanderungsländern geworden sind, interessant. In dem Band kommen mit Wirtschaftswissenschaften, Kulturgeographen, Erziehungswissenschaften, Politikwissenschaften, Recht und Theologie viele verschiedene Disziplinen zu Wort. Der Band ist zweisprachig -

Entstehungshintergrund

Die Herausgeber kommen aus der vergleichenden Politikwissenschaft. Der Band geht auf eine Reihe von Deutsch-Koreanischen Kolloquien zurück, die seit Oktober 2011 an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt oder in Seoul stattfanden. Sie wurden in Kooperation von der Sogang University in Seoul und von der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt organisiert. Die Kolloquien führten zu einem Forschungsprojekt „Migration und Integration als transnationale Herausforderungen. Deutschland und Korea im Vergleich“, das 2013 bis 2015 vom Deutschen Akademischen Austauschdienst gefördert wurde.

An diesem Projekt nahmen sowohl Professoren, Doktoranden, fünf Masterstudierende und drei Bachelorstudierende beider Universitäten teil und verbrachten dabei jeweils einen Gastaufenthalt an der Sogang University in Seoul bzw. an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt.

Der vorliegende Band enthält nicht nur die Vorträge, die im Rahmen des Kolloquiums von 2011 gehalten wurden, sondern auch Beiträge, die im Rahmen und zum Abschluss dieses Forschungsprojekts entstanden sind.

Aufbau und Inhalt

Der Band ist in mehrere thematische Teile untergliedert.

  1. Im ersten Teil werden rechtliche und integrationspolitische Grundlagen in beiden Ländern einführend dargestellt, beispielsweise „Korea´s Migration Policy and its System“ oder „das Zuwanderungsgesetz und die deutsche Migrationspolitik“. Neben der politischen Situation werden grundlegende Diskurse zu Minderheiten und Multikulturalität in den beiden Ländern rezipiert. So enthält dieser Teil auch ein Kapitel über die sorbische Minderheit in Deutschland.
  2. Der zweite Teil ist den Bereichen Wirtschaft und Soziales gewidmet. Hier geht es beispielsweise um die Arbeitsimmigranten in Korea und ihre Arbeitsverhältnisse, um hochqualifizierte Migranten und deren soziale Integration – was die koreanische Seite betrifft. Für Deutschland wird die Geschichte und Bedeutung der koreanischen Migration nach Deutschland dargestellt. Interessant ist auch der Vergleich zwischen der Integration nordkoreanischer Flüchtlinge in Südkorea mit der Integration ostdeutscher Flüchtlinge in Westdeutschland. Die Teilung ist ja noch ein weiteres Moment, das die Länder Deutschland und Südkorea vereint beziehungsweise verband.
  3. Im dritten Teil geht es um Kirche, Religion, Säkularität und Multikulturalität. Unter dieser Überschrift werden Wertefragen im Kontext von Migration diskutiert, ferner die Bedeutung der Säkularität in der Migration, Integration und Multikulturalität als Herausforderung für Theologie und sowie als Herausforderung für die Menschenrechte.
  4. Im vierten Teil werden Reaktionen von Gesellschaft und Kultur thematisiert, also beispielsweise um die Wahrnehmung von Migration, also geht es beispielsweise um Modelle der Multikulturalität und der Globalen Kultur. Interessant sind auch weitergehende Beiträge, die beispielsweise im Kontext von Migration allgemein nach Formen und Möglichkeiten der Vergesellschaftung fragen oder transkulturelle Identitäten im städtischen Raum beschreiben.

Diskussion und Fazit

Leider sind nicht alle Beiträge exakt in Entsprechung angelegt, sodass eine wirklich vergleichende Perspektive nicht immer deutlich wird. Aber dennoch lassen sich durch die Beiträge interessante Parallelen entdecken. So wird von Südkorea berichtet, dass der Staat im Prinzip eine einwanderungsfeindliche Politik macht, obwohl Einwanderung gesellschaftlich notwendig ist. Das Gleiche ließe sich auch für Deutschland nach der Gastarbeitermigration sagen. Auch werden Ausgrenzungs- und Stigmatisierungsprozesse geschildert, die sich in beiden Ländern ähneln wie Kriminalisierungsdiskurse. Die abschließenden Überlegungen zu Vergesellschaftung heterogenen Gesellschaften sind sicherlich für beide Länder relevant. Damit bietet der Band empfehlenswerte wissenschaftliche Zugänge zu transnationalen wissenschaftlichen Perspektiven.


Rezensentin
Prof. Dr. Nausikaa Schirilla
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Zitiervorschlag
Nausikaa Schirilla. Rezension vom 01.12.2017 zu: Klaus Stüwe, Eveline Hermannseder (Hrsg.): Migration und Integration als transnationale Herausforderung. Perspektiven aus Deutschland und Korea. Springer VS Verlag für Sozialwissenschaften (Wiesbaden) 2016. ISBN 978-3-658-11644-6. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/21372.php, Datum des Zugriffs 15.12.2017.


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