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Winfried Hille: Slow (entschleunigtes Leben)

Cover Winfried Hille: Slow. Die Entscheidung für ein entschleunigtes Leben. Gütersloher Verlagshaus Verlagsgruppe Random House GmbH (Gütersloh) 2016. 191 Seiten. ISBN 978-3-579-08627-9. D: 16,99 EUR, A: 17,50 EUR, CH: 22,90 sFr.
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Thema

„Slow“ bedeutet: „langsam“ und scheint im aktuellen Alltag für viele Menschen eher eine Wunschvorstellung zu sein. Menschen fühlen sich von der Zeit getrieben, weil sie nicht vorhanden scheint, sie fühlen sich ggf. auch von ihr gelebt und beherrscht. Aber wer fordert Menschen dazu auf, sich täglich im Hamsterrad zu drehen? Wer setzt die Aufforderungen, etwas zu müssen und nicht wollen zu dürfen? Wer oder was treibt einen an? Gibt es Möglichkeiten dagegen etwas zu tun? Diese und andere Fragen sind es, die sich jemand stellt, der bereits unter Zeitdruck, Schnelligkeit, Beschleunigung etc. leidet und dem gern ein Ende oder zumindest eine Eingrenzung bereiten möchte.

Autor

Winfried Hille absolvierte eine Banklehre, studierte Germanistik und Erziehungswissenschaften und war viele Jahre in diversen Verlagen in verantwortlichen Positionen tätig. 1998 gründete er die Zeitschrift „bewusster leben“, eine der führenden Zeitschriften für Lebenskunst, die alle zwei Monate in Deutschland, Österreich und der Schweiz erscheint. Seit 2014 publiziert er zusätzlich das Magazin „vegetarisch glücklich“

Entstehungshintergrund

Anstoß für dieses Buch gaben zwei Dinge: zum einen richtet der Autor das Buch an jene, von denen er annimmt, dass sie wissen möchten, wie sie die Zeit verlangsamen und ihr Leben entschleunigen können, um wieder mehr Zeit für sich selbst finden zu können, zum anderen gäbe das gesellschaftlich geprägte Lebensgefühl vom Gehetzt-Sein, der Eindruck der Beschleunigung des Lebenstempos, dringend Anlass, ein Stopp-Zeichen zu setzen.

Aufbau

Die Publikation untergliedert sich nach einer Einleitung in zehn Hauptkapitel und endet mit einem Nachwort. Dabei enden die jeweiligen Kapitel – ab dem Kapitel 3 – mit praktischen Vorschlägen für „Anfänger“.

1. Wie die Zeit entsteht

  • Die Lüge vom Zeitsparen
  • Das Geheimnis der Zeit
  • Die Zeit bin ich
  • Die Verlangsamung der Zeit

2. Die Slow-Revolution

  • Das erschöpfte Ich
  • Slow als Akt der Verweigerung
  • Zurück in die Gegenwart
  • Die Wiederentdeckung des sinnlichen Erlebens
  • Das Glück des langsamen Lebens
  • Verschwende deine Zeit!
  • Sich selbst in der Zeit wiederfinden
  • Komm zu dir

3. Slow for you – Die Kunst der langen Weile

  • Die Kunst, nichts zu tun
  • Ich warte mich
  • Bummeln und trödeln
  • Schwänzen und unterlassen
  • Aktive Ziellosigkeit
  • Nichtstun für Anfänger

4. Slow Walking – Einfach nur gehen

  • Die Geschwindigkeit der Seele
  • Geht doch!
  • Einfach nur gehen
  • Das stille Glück des Wanderns
  • Gehen für Anfänger

5. Slow Loving – Die Wiederentdeckung der Liebe

  • Liebe in schnellen Zeiten
  • Hör auf dich!
  • Liebe braucht Zeit
  • Wecke den Forschergeist
  • Slow Loving für Anfänger

6. Slow Family & Friends – Zeit für Beziehungen

  • Mehr Sein und mehr sein lassen
  • Die schöne Langeweile
  • Irgendwann ist jetzt
  • Schreib mal wieder
  • Slow Family & Friends für Anfänger

7. Slow Food – die Kunst des bewussten Essens

  • Achtsames essen
  • Essen als Ritual
  • Ein Fest der Sinne
  • Slow Food für Anfänger

8. Slow Working – Das Richtige tun

  • Ohne Netz arbeiten
  • Das Tempo herausnehmen
  • Mehr Zeit für das Wesentliche
  • Verweigere dich!
  • Slow Working für Anfänger

9. Slow Travel – die Kunst des langsamen Reisens

  • Ferien im Funkloch
  • Die Entdeckung des Kairos
  • Die Kunst, allein zu reisen
  • Slow Travel für Anfänger

10. Meine Entscheidung für ein entschleunigtes Leben

  • Zeit ist jetzt
  • Woran wir unser Herz hängen können
  • Slow-Rituale für Ihren Alltag

Nachwort

In der Einleitung formuliert der Autor seinen Ausgangspunkt und das Anliegen des Buches und lädt den Leser zum Verweilen ein.

Zu 1. Wie die Zeit entsteht. Unter Bezugnahme auf eigene Kindheitserlebnisse, die Geschichte von Momo, mögliche Glaubensätze, Gedanken bekannter Persönlichkeiten zu diesem Thema und auch Studien, werden die vielen Facetten der Entstehung von Zeit beleuchtet, vor allem aber von Zuschreibungen zur Zeit. Das Kapitel schließt mit möglichen Fragestellungen zum bisherigen Umgang mit Zeit und zu persönlichen Bedeutungsgebungen zur Zeit ab, die sich der Leser selbst stellen kann.

Zu 2. Die Slow-Revolution. Ausgehend von dem Glauben daran, alles schaffen zu können, wenn man nur schneller wird und mehrere Sachen auf einmal bewältigt, wird beschrieben, in welcher Zeit wir heute leben, wie Sprache und Alltag dabei ökonomisch und digital durchdrungen sind und wie notwendig daher eine individuelle Verweigerungsstrategie sei. Der Angst, etwas zu verpassen, wird dabei die Wiederentdeckung sinnlichen Erlebens gegenübergestellt, ohne pauschal eine digitale Welt abzulehnen. So erhält der Leser in diesem Kapitel einen Überblick über die derzeitige Situation in Bezug zum Thema Zeit und erste grundlegende Angebote, die persönliche Einstellung zu beobachten und zu hinterfragen, um ggf. Wiederentdeckungen verlorengegangener Momente eines langsamen Lebens zu machen. Am Ende des Kapitels erhält der Leser wieder Gelegenheit, auf Fragen zu seinem Leben zu antworten und erst einmal auf Suche zu gehen.

Zu 3. Slow for you – Die Kunst der langen Weile. Dieses Kapitel nutzt die entwickelten Inhalte der ersten beiden Kapitel für einen ersten bedenkenswerten Änderungsvorschlag, mit Zeit und damit mit sich selbst umzugehen. Nichtstun wird hierbei als Kunst und als Möglichkeit diskutiert, sich selbst gegenüber achtsam zu verhalten. Enthalten sind hier einige kleine Übungen dazu. Angeregt wird auch der Blick auf Kinder, die häufiger besser „trödeln“ können als Erwachsene. Weitere vom Autor vorgeschlagene und diskutierte Strategien sind hierbei: Schwänzen und unterlassen sowie aktive Ziellosigkeit. Das Kapitel schließt mit Übungsvorschlägen für „Anfänger“ ab.

Zu 4. Slow Walking – Einfach nur gehen. Das Gehen und die Geschwindigkeit der Seele werden hier – unter Rückbesinnung auf den alten Goethe – in einen Zusammenhang gestellt, selbstverständlich auch wieder mit Übungsbeispielen. Und wer dann noch nicht genug von dieser Möglichkeit hat, bekommt noch das Wandern als stilles Glück und abschließende Übungsmöglichkeiten für „Anfänger“ dazu.

Zu 5. Slow Loving – Die Wiederentdeckung der Liebe. Auch für die Liebe sieht der Autor keinen Grund in Panik und schnelle Akte zu verfallen, sondern schlägt in diesem Kapitel, in schnellen Zeiten eine langsame Gangart in Liebesdingen vor. Liebe und Forschergeist werden für den Leser, im Rahmen von entsprechenden Übungen, miteinander verknüpft.

Zu 6. Slow Family & Friends – Zeit für Beziehungen. Was für die Liebe gilt, soll auch für die Beziehung zu Freunden und zur Familie gelten. Dieses Kapitel gibt dafür Anregungen.

Zu 7. Slow Food – die Kunst des bewussten Essens. Bewusst und langsam essen wäre im Sinne des Autors ein weiterer Teil der Achtsamkeit. Dabei wird auf Möglichkeiten der Ritualisierung eingegangen. Das Kapitel schließt am Ende wieder mit entsprechenden Übungen ab.

Zu 8. Slow Working – Das Richtige tun. Einfach offline bleiben, um zu erfahren wie es ohne Netz ist, das Tempo im Job herausnehmen oder sich mit professionellem Nichtstun beschäftigen, sind die Inhalte dieses Kapitels.

Zu 9. Slow Travel – die Kunst des langsamen Reisens. Wie kann ein Ausflug oder wie können Ferien auch in einem Funkloch zum Genuss und zur intensiven Erfahrung werden? Wie ist es möglich, auch allein reisend, nur mit seinen Gedanken und Empfindungen als Begleitung unterwegs, glücklich zu sein? Diese Fragen und natürlich auch entsprechende Übungen werden in diesem Kapitel vorgestellt.

Zu 10. Meine Entscheidung für ein entschleunigtes Leben. Abschließend kommt der Autor noch einmal auf ganz persönliche Intentionen für die Entscheidung für ein entschleunigtes Leben zurück.

Nachwort. Hier werden die Situationen, in denen die wichtigsten Ideen zum Buch entstanden sind, geschildert. Und wie kann es anders sein, am meisten ist der Autor dabei in der Natur gegangen.

Diskussion und Fazit

Mit diesem Buch eröffnet sich die Möglichkeit, über den eigenen Alltag und persönliche Entscheidungen, mit Zeit umzugehen, nachzudenken, und wenn sich dann keine Ambivalenzen einstellen, sich auch mit den vorgeschlagenen Übungen zu beschäftigen. Gleichzeitig kann es aber auch dazu führen, dass Fragen entstehen, die sich beim Lesen ergeben, die nicht immer befriedigend und im Einklang mit dem Buch gelöst werden können. Wenn z.B. eine ältere Dame mit ihrem Rollator auf die andere Straßenseite wechseln möchte und die Ampelschaltung aber nur für junge schnelle Leute getaktet ist, so bleibt die Frage, wie einem dann Slow behilflich oder eher auch gefährlich werden kann? Das zielt auf die Frage von Eigendynamiken und -logiken von Lebensumwelten ab, die nur bedingt vom einzelnen steuer- oder auch veränderbar erscheinen. Der Mensch ist aber Teil dieser Logiken. Und wenn er seine Zugänge, seine Teilhabe am gesellschaftlichen Leben nicht verlieren will, kann solch ein Buch eher eine Anleitung zum Träumen bleiben, wie es wäre, wenn… Basaler Mangel (ein Dach über dem Kopf, jeden Tag genug zu essen, Zugehörigkeit / Geborgenheit, (Lebens-)Krisen und ihre Bewältigung etc.) sind sicher nicht allein über Formen der Achtsamkeit kompensierbar. Es bleibt also die Frage, an welche Zielgruppe, mit welchen erforderlichen Rahmenbedingungen richtet sich das Buch? Die „Schwäche“ des Buches ist aber gleichzeitig auch seine Stärke, denn Hille spricht weniger darüber, was man nicht ändern kann. Eher regt er das Nachdenken und Tun beim Einzelnen an und trifft somit den Rahmen, in dem ein Mensch etwas bewirken, beeinflussen und entscheiden kann.

Wer Möglichkeiten hat oder Möglichkeiten entdecken möchte, sich im Zeitalter der Beschleunigung und Leistungsanforderung, entschleunigend neu zu erfinden, findet mit diesem Buch einige wertvolle Anregungen.


Rezensentin
Dr. phil. Oda Baldauf-Himmelmann
Ausgebildete systemische Therapeutin / Familientherapeutin, Sozialarbeiterin/Sozialpädagogin und Kulturwissenschaftlerin. Arbeitet als Akademische MA an der Brandenburgisch-Technischen Universität Cottbus/Senftenberg (BTU CS)
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Zitiervorschlag
Oda Baldauf-Himmelmann. Rezension vom 23.03.2017 zu: Winfried Hille: Slow. Die Entscheidung für ein entschleunigtes Leben. Gütersloher Verlagshaus Verlagsgruppe Random House GmbH (Gütersloh) 2016. ISBN 978-3-579-08627-9. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/21375.php, Datum des Zugriffs 10.12.2018.


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ISSN 2190-9245

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