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Cornelia Gräsel, Kati Trempler (Hrsg.): Entwicklung von Professionalität pädagogischen Personals

Cover Cornelia Gräsel, Kati Trempler (Hrsg.): Entwicklung von Professionalität pädagogischen Personals. Interdisziplinärte Betrachtungen, Befunde und Perspektiven. Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH (Wiesbaden) 2016. 340 Seiten. ISBN 978-3-658-07273-5. D: 49,99 EUR, A: 51,39 EUR, CH: 62,50 sFr.
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Herausgeberinnen

Prof. Dr. Cornelia Gräsel ist Professorin am Institut für Bildungsforschung in der School of Education der Bergischen Universität Wuppertal.

Dr. Kati Trempler ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Bildungsforschung in der School of Education der Bergischen Universität Wuppertal.

Entstehungshintergrund

Dieses Buch ist die Darstellung des Forschungsschwerpunkts „Entwicklung von Professionalität des pädagogischen Personals in Bildungseinrichtungen (ProPäda)“, gefördert durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF). In Einzelbeiträgen werden die empirischen Erkenntnisse, die im Forschungsschwerpunkt erarbeitet wurden, sowie Einordnungen in den Gesamtkontext der Lehrerprofessionalisierung vorgestellt. Das Buch integriert Erziehungswissenschaft, Psychologie, Wirtschaftsdidaktik, Soziologie und Fachdidaktik interdisziplinär.

Aufbau

Nach einer Einleitung der Herausgeberinnen folgen vier Teile mit jeweils zwei bis sechs Aufsätzen verschiedener Autorenteams. Dem schließt sich ein Verzeichnis der Autorinnen und Autoren an, wobei anders als im Text hier die Beiträge durchnummeriert sind und die Autoren jedes Beitrags kurz vorgestellt werden.

Den 15 Beiträgen sind jeweils eine Zusammenfassung sowie die entsprechenden Schlüsselwörter vorangestellt; die Publikation ist also didaktisch aufbereitet und für die neuen Medien vorbereitet worden.

Inhalte

Teil A „Erfassung, Modellierung und Verlauf von Kompetenzen in der Ausbildung pädagogischen Personals.“ Ziel dieses Teils ist das Aufzeigen von Wegen zur Kompetenzerfassung und -modellierung in der Lehrerausbildung. Dieses ist die Vorbedingung dafür, dass die Annahmen zur Struktur professioneller Kompetenzen empirisch geprüft werden können. Hierzu werden sechs Aufsätze vorgestellt:

  • A1 (S. 17-35) „Berufliche Zielorientierungen von Lehrkräften. Entwicklungsbedingungen, Auswirkungen auf berufliche Kompetenzentwicklung, Effekte auf instruktionales Verhalten sowie Lernprozesse und Lernergebnisse von Schülerinnen und Schülern“. Ziel dieses Beitrages ist es, das Konzept der Zielorientierungen empirisch zu überprüfen und die daraus sich ergebenden Potenziale für professionelles Handeln und Kompetenzentwicklung zu beschreiben.
  • A2 (S. 37-54) „Bildungswissenschaftliches Wissen und professionelle Kompetenz in der Lehramtsausbildung. Ergebnisse des Projekts BilWiss“. Hierbei wird die These überprüft, ob bildungswissenschaftliches Wissen durch seine interdisziplinäre Struktur eine umfassende Wissensbasis für Handlungskompetenz im schulischen Leben bildet.
  • A3 (S. 55-74) „Diagnostische Kompetenz von Lehramtsstudenten“. Die diagnostische Kompetenz ist wichtig Voraussetzung für den professionellen Umgang mit Urteilskompetenzen und -fehlern und damit Bestandteil der Handlungskompetenz.
  • A4 (S. 75-92) „SioS-L – Studie zu individuellen und organisationalen Einflüssen auf den Studienerfolg in der Lehrerbildung“. Lehramtsstudenten wurden sechs Jahre lang begleitet, um die individuellen und organisatorischen Einflüsse auf den Studienerfolg zu eruieren.
  • A5 (S. 93-112) „Professionalisierung kindheitspädagogischer Fachkräfte: das Projekt „Ausbildung und Verlauf von Erzieherinnen-Merkmalen (AVE)““. Dieser Beitrag stellt insofern eine Besonderheit dar, als er sich nicht mit dem Lehrpersonal befasst. In einer Längsschnittstudie werden die berufliche Motivation, die Entwicklung von Kompetenzen, Erziehungszielen und Wissensorientierungen sowie das Erleben des Berufseinstiegs betrachtet.
  • A6 (S. 113-130) „Professionswissen in den Naturwissenschaften (ProwiN)“. In diesem Aufsatz werden Testinstrumente vorgestellt, mit denen die Dimensionen Fachwissen, pädagogisches und fachdidaktisches Wissen in einem Modell der professionellen Handlungskompetenz in den Naturwissenschaften erfasst werden können.

Teil B „Lehrefortbildung erfolgreich gestalten“. Wie die Überschrift aussagt, wird die erfolgreiche Gestaltung von Lehrerfortbildungen thematisiert.

  • B7 (S. 133-152) „Kompetenzen des Klassenmanagements (KODEK). Entwicklung und Evaluation eines Fortbildungsprogramms für Lehrpersonen zum Klassenmanagement“. Dieses ist die Beschreibung eines videobasierten Trainings in der Fortbildung.
  • B8 (S. 153-171) „Professionalisierung von Lehrkräften zur Förderung des Leseverständnisses: Implikationen komplexer Instruktionskonzepte“. Es zeigt sich, dass mit der Fortbildung auch Wissenszuwächse und Entwicklungen im Bereich der Selbstregulation bei den Lehrkräften einhergehen.

Teil C „Interventionsstudien mit dem Ziel, die Lernstrategien und Selbstregulationsstrategien von Schülern zu stärken“. In diesem Teil geht es darum, welche Einfluss pädagogische Professionalität auf die Kompetenzen und Strategien Lernender hat. Es werden Interventionsstudien vorgestellt, mit denen die Selbstregulationsstrategien bei Schülern gestärkt werden.

  • C9 (S. 175-194) „Interventionen bei expansivem Problemverhalten in der Grundschule“. Hierbei handelt es sich um einen therapeutischen Interventionsansatz bei Grundschülern mit expansivem Problemverhalten.
  • C10 (S.195-214) „Entwicklung und empirische Prüfung einer Lehrkräftefortbildung zur Förderung von Selbstregulationskompetenz und mathematischer Kompetenz bei Schülerinnen und Schülern der Haupt- und Werkrealschule („Lernen mit Plan“)“. Es sollte eine Lehrerfortbildung entwickelt werden, die es Lehrern ermöglicht, selbstreguliertes Lernen bei leistungsschwachen Schülern in Mathematik zu fördern.
  • C11 (S. 215-236) „Interventionsstudie mit angehenden Lehrkräften zur Förderung von Modellkompetenz im Unterrichtsfach Biologie“. Mit Modellen sollen in der Biologie die Vermittlung von Fachwissen medial unterstützt und grundlegende Phänomene erklärt werden.
  • C12 (S. 237-259) „Clever lernen. Professionalisierung von Lehrkräften in Bezug auf die Förderung lernstrategischer Schlüsselkompetenzen von Schülerinnen und Schülern“. Da Lernstrategien eine zentrale Rolle für den Wissenserwerb spielen, wurde der Frage nachgegangen, ob lernstrategische Schlüsselkompetenzen gefördert werden können.

Teil D „Lehrerkompetenzen und Auswirkungen auf den Unterricht (Videoanalysen)“. Alle Beiträge dieses Teils basieren auf Videostudien.

  • D13 (S. 263-281) „Diagnostische und didaktische Kompetenz von Lehrkräften zur Förderung der Text-/Bild-Integrationsfähigkeit bei Schülerinnen und Schülern der Sekundarstufe I (DIKOL)“. Können didaktische und diagnostische Kompetenzen durch Trainings gefördert werden oder spielt die Berufserfahrung eine stärkere Rolle – dieser Frage geht diese Studie nach.
  • D14 (S. 283-302) „Lernrelevante Situationen im Unterrichts beschreiben und interpretieren. Videobasierte Erfassung professioneller Wahrnehmung von Klassenführung und Lernunterstützung im naturwissenschaftlichen Grundschulunterricht.“ In dieser Studie wird ein standardisiertes Diagnoseverfahren entwickelt und gleichzeitig die Konstruktion und Validierung skizziert.
  • D15 (S. 303-322) „Der Einsatz von Videovignetten in der wirtschaftspädagogischen Forschung: Messung und Förderung von fachwissenschaftlichen und fachdidaktischen Kompetenzen angehender Lehrpersonen.“ Die Autoren haben ein Instrument für die Erfassung der Qualität von Handlungen in authentischen Situationen anhand von Videovignetten entwickelt.

Diskussion

Die Publikation ist im Rahmen des vom BMBF geförderten Forschungsschwerpunkts „Professionalisierung pädagogischen Personals in Bildungseinrichtungen (ProPäda)“ erschienen. Professionalisierung wird hier als die berufliche Entwicklung, bei der Wissen, Fähigkeiten und Einstellungen erworben werden, verstanden. Für die Untersuchung dieses Phänomens wurde ein Kompetenzmodell der Handlungskompetenz von Lehrkräften, das Baumert & Kunter 2006 entwickelt hatten, zugrunde gelegt: „Cognitive Activation in the Classroom (COACTIV)“. Die daraus resultierende Stringenz und Logik der einzelnen Studien ist unbestritten; es handelt sich vielfach um Muster bildungswissenschaftlicher Forschung.

Fazit

Es ist vom Ansatz her problematisch, ein Fazit über ein Buch mit 15 unterschiedlichen Aufsätzen zu ziehen. Zumal wenn es letztendlich der Abschlussbericht eines umfassenden bildungswissenschaftlichen Projekts ist. Die beiden Herausgeberinnen hatten sicherlich eine Mammutaufgabe zu bewältigen. Daher haben sich auch kleine Fehler eingeschlichen wie die fehlende Beschreibung von zwei Aufsätzen in der Einleitung. Insgesamt aber ist diese Publikation eine Fundgrube an neuen Erkenntnissen für interessierte Leser. Insofern bietet sich dieses Buch insbesondere für Wissenschaftler der Bildungsforschung und in der Lehreraus- und -fortbildung Tätige an.

Ein besonderes Verdienst dieses Buches ist es, die notwendige Professionalität des Lehrpersonals eindrucksvoll nachzuweisen und darzustellen. Dieses auch auf dem Hintergrund, dass der Auf- und Abbau von Lehrerpopulationen politisch oft nur fiskalisch und kurzfristig entschieden wird – gute qualifizierte und motivierte Lehrer können aber nicht im Schnelldurchgang „produziert“ werden und sind auch keine politische Verfügungsmasse. Die sogenannten „Mikätzchen“ des nordrhein-westfälischen Kultusministers Paul Mikat Anfang der 1960er Jahre waren und werden nie ein zielführendes Modell sein, wie diese Studien nachdrücklich belegen.


Rezensent
Prof. Dr. Rüdiger Falk
em. Professor für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Human Resource Management und Berufsbildung sowie Sportmanagement an der Hochschule Koblenz
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Zitiervorschlag
Rüdiger Falk. Rezension vom 07.12.2016 zu: Cornelia Gräsel, Kati Trempler (Hrsg.): Entwicklung von Professionalität pädagogischen Personals. Interdisziplinärte Betrachtungen, Befunde und Perspektiven. Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH (Wiesbaden) 2016. ISBN 978-3-658-07273-5. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/21385.php, Datum des Zugriffs 20.10.2019.


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