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Konrad Obermann, Peter Müller u.a. (Hrsg.): The German health care system

Cover Konrad Obermann, Peter Müller, Hans-Heiko Müller, Bernd Glazinski (Hrsg.): The German health care system. Accessing the German health care market. medhochzwei Verlag GmbH (Heidelberg) 2016. 284 Seiten. ISBN 978-3-86216-293-2. D: 49,99 EUR, A: 51,40 EUR.
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Thema und Zielsetzung

Ziel der Herausgeber und ist es, Menschen, die nicht mit und in dem deutschen Gesundheitssystem aufgewachsen sind, Letzteres zu erklären und die Funktionsweisen sowie Zugänge zu erläutern. Es bereitet damit auf ein Leben in Deutschland sowie die Aufnahme einer (Erwerbs-) Tätigkeit im deutschen Gesundheitssystem vor und soll Missverständnissen im deutschen Gesundheitssystem vorbeugen.

Herausgeber bzw. Autor/en

  • Prof. Dr. med. Dr. rer. pol. Konrad Obermann ist Mediziner und Ökonom. Er studierte Medizin in Bonn und Göttingen sowie Ökonomie in Göttingen und promovierte in beiden Fächern. Nach sehr kurzer klinischer Tätigkeit war er auf dem Feld der theoretischen Medizin tätig. Er veröffentlichte zahlreiche wissenschaftliche Aufsätze, Bücher, etc. in verschiedenen Medien und ist seit 2008 Professor am Mannheimer Institut für Public Health und arbeitet zudem freiberuflich als Berater im Sektor der Medizinökonomie.
  • Dr. Peter Müller ist Journalist und seit 2004 Vorsitzender der Stiftung Gesundheit in Hamburg. Nach einer Dissertation in Kiel ist er seit 2013 Dozent am Touro College in Berlin.
  • Hans-Heiko Müller ist Geschäftsführer des 2009 gegründeten „pfm medical Institute“ in Köln und Gastdozent am Mannheimer Institut für Public Health.
  • Prof. Dr. Bernd Glazinski ist Psychologe und Vorstand der MSA GmbH. Er ist Professor an der (Fach-) Hochschule Köln und Bratislava und Gründer (s)eines An-Institutes für Angewandte Managementforschung in Köln.

Entstehungshintergrund

Ausgangspunkt ist die Überzeugung, Menschen mit Migrationshintergrund einen Überblick und somit Verständnis über das deutsche Gesundheitssystem zu geben, um sie handlungsfähig in der Gesundheitsversorgung zu machen.

Die aktuelle zweite Auflage stellt eine Bearbeitung der ersten Auflage des Buches dar, die nun mehr Details über die Arbeit im deutschen Gesundheitssystem und über die Vermarktung von medizinischen Produkten/ Geräten enthält.

Aufbau

Das Buch von Obermann, Müller, Müller und Glazinski stellt nach zwei kurzen Vorworten von Professor Dr. med. Joachim Fischer, dem Direktor des Mannheimer Institut für Public Health und der Herausgeber selbst in sieben Kapiteln die relevantesten Details des deutschen Gesundheitssystems dar, die auf knapp 300 Seiten passen.

Die Autoren nutzen eine recht hohe Schriftgröße, zahlreichen Abbildungen, Photos, Graphiken und Statistiken in Graphen und Tabellen, die über alle Kapitel verteilt sind und die jeweiligen Informationen prägnant illustrieren. Im Anhang findet der Leser ein Abkürzungsverzeichnis sowie eine Stichwortverzeichnis.

Inhalt

Das erste Kapitel („How the System Evolved: History, Principles and Reforms“) widmet sich den historischen Hintergründen des deutschen Gesundheitssystems und zeigt, wie sich das deutsche Gesundheitssystem entwickelt hat, auf welchen Prinzipien es beruht und welche Reformen es zu welchen Zeiten gegeben hat sowie deren Inhalten. Hier hat Otto von Bismarck als damaliger Reichskanzler natürlich eine prädominante Stellung mit der Begründung der Sozialgesetzgebung. Ein Zahlenstrahl illustriert anschaulich die Entwicklungsschritte, zahlreiche Bilder der damaligen Protagonisten der Entwicklung des Gesundheitssystems werden gezeigt. Im Anschluss werden die entscheidenden Phasen des deutschen Gesundheitssystems (1900 – 1930, 1950 – 1970, 1970 – 1990), mit ihren charakteristischen Aspekten und Veränderungen aufgezeigt; auch die Erwähnung der unterschiedlichen Entwicklungen in Ost- und West-Deutschland werden kurz skizziert. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die demographische Entwicklung mit ihren konsekutiven Herausforderungen. Danach wird das Solidarprinzip genauer erläutert und skizziert sowie das System der privaten Versicherung erläutert. Im Anschluss daran wird der Leser über die Reformen des Gesundheitssystems („More than 35 years of Reforms“) aufgeklärt. Den Abschluss stellt die Rollentheorie angepasst an die Arzt-Patienten-Beziehung dar.

Das zweite Kapitel („Structures and People“) widmen die Herausgeber der Struktur und den Protagonisten des deutschen Gesundheitssystems. Es ist unterteilt in drei Unterkapitel: „Governmental Structures“, „Self-Govering Structures“ und „Hospital and Professionals“. Das Unterkapitel über die „Governmental Structures“ zeigt die öffentlichen Institutionen von „BfArM“ bis „RKI“. Auch ethisch relevante Institutionen finden Erwähnung. Das zweite Unterkapitel beginnt mit Ausführungen über den G-BA und führt hin zur Rolle des IQWIG, lässt aber den GKV-Spitzenverband und den MDK sowie die KVen nicht unerwähnt. Zentrales Themen des dritten Unterkapitels über „Hospital and Professionals“ sind statistische Zahlen über klinische Einrichtungen und das dort arbeitende Personal. Hier wird der Leser auch über die Zulassung ausländischer Studienabschlüsse aus dem medizinischen Bereich informiert und bekommt einen Überblick über den Verdienst im Krankenhaus.

Im dritten Kapitel („Quality, Outcomes, and Efficacy“) wird zunächst die „Utilization and Quality of Care“ thematisiert. Hier werden der Leser in die wichtigsten Paragraphen des SGB eingeführt bevor er über Maßnahmen zum Qualitätsmanagement informiert wird. Das zweite Unterkapitel über „Managing Processes and Risks“ brührt die Bereiche Arbeitsmedizin und Telemedizin sowie den Bereich des eHealth, um dann die „Krankenkassenkarte“ darzustellen. Das letzte Unterkapitel stellt internationale Vergleiche zum deutschen Gesundheitssystem an und nennt hier Qualitätsindikatoren.

Schließlich wird der Leser im vierten Kapitel über die Finanzierung des deutschen Gesundheitssystems aufgeklärt. Es beginnt mit Ausführungen über „Structures & Principles of Social Security“ und schlägt somit einen weiteren Bogen, womit es angrenzende soziale Bereiche berührt und erwähnt. Erneut wird das Kernprinzip der deutschen Sicherungssysteme, das Solidaritätsprinzip deutlich gemacht. In Abgrenzung dazu findet hier auch das Versicherungsprinzip im Falle der privaten Krankenversicherung Erwähnung. Das Unterkapitel „Current Status of SHI and PHI“ widmet sich den Unterschieden der gesetzlichen und privaten Krankenversicherung dann ausführlicher und greift auch auf den historischen Hintergrund zurück. Im letzten Unterkapitel „Flow of Funds and Spendung Pattern“ widmet sich bereits der Finanzierung des Gesundheitssystems und deren Eigenheiten bzw. Schwierigkeiten und insgesamt eher volkswirtschaftlichen Aspekten.

Das fünfte Kapitel fokussiert auf der Remonerierung der im Gesundheitssystem tätigen Protagonisten bzw. Leistungserbringer („Paying Providers and New Model of Providing Care“) und ist ebenfalls in drei Unterkapitel unterteilt: „Paying Hospitals“, „Oaygin Private Practitioners“ und „New Models of Providing Care“. Hier wird zunächst das ICD-10 eingeführt, um daran die Remonerierung von Krankheitsdiagnosen bzw. den daran orientierten Leistungen aufzuzeigen. Auch das DRG-System findet hier Erwähnung der Krankenhausfinanzierung. In Abgrenzung zur stationären Versorgung wird anschließend die Remnonerierung im ambulanten Sektor besprochen sowie die Remonerierung im Falle von bestehenden privatversicherten Patienten erläutert. Auch potentielle zukünftige Optionen fehlen in den Erläuterungen der Herausgeber nicht. Auch „intelligenten“ Systemen zur Sicherung der Gesundheit im Haushalt werden erwähnt.

Das letzte Kapitel widmet sich „The Health Care Industry“ und gliedert sich in die Unterkapitel „German Health Care Business“ und „Legal Framework“. Hier werden zunächst die verschiedenen Kliniktypen mit ihren wirtschaftlichen Spezifika erwähnt, um dann auf die Finanzierung von Hilfs- und Heilmitteln einzugehen. Die Pharmaindustrie findet hier ebenso Erwähnung wie weitere Details (z.B. Rabattverträge). Diverse Interessensverbände werden am Ende des Unterkapitels vorgestellt. Das letzte Unterkapitel „Legal Framework“ stellt schließlich die gesetzlichen Rahmenbedingungen dar.

Im Appendix befindet sich ein Abkürzungsverzeichnis sowie ein Stichwortverzeichnis und zudem ein Referenz-Verzeichnis.

Zielgruppe

Die Zielgruppe erschließt sich bereits durch die Sprache, auf der das Buch geschrieben wurde. Es wurde in englischer Sprache verfasst und bietet somit eine große internationale Verständlichkeit. Es richtet sich damit an Menschen, die nicht mit und in dem deutschen Gesundheitssystem aufgewachsen sind und bereitet damit auf ein Leben in Deutschland sowie auf die Aufnahme einer (Erwerbs-) Tätigkeit im deutschen Gesundheitssystem vor.

Diskussion und Fazit

Das Buch „The German Health Care System“ liefert einen sehr gut verständlichen und sehr umfangreich illustrierten Einblick in das deutsche Gesundheitssystem. Nicht zuletzt durch die Nutzung einer leicht verständlichen englischen Sprache, sondern auch durch die Nutzung von zahlreichen Graphiken, Abbildungen und Statistiken in Graphen und Tabellen ist das Buch ein idealer Begleiter für Menschen, die versuchen, sich als Klient/ Patient aber auch als Leistungserbringer im deutschen Gesundheitssystem zurechtzufinden. Es vereinfacht das Verständnis für das deutsche Gesundheitssystem, indem es die wichtigsten Aspekte des Gesundheitssystems skizziert, die der Leser dann in weiter führender Literatur vertiefen kann bzw. je nach Interesse und beruflicher Notwendigkeit muss.


Rezensent
Prof. Dr. med. et Dr. disc. pol. Andreas G. Franke
M.A. Professur für Medizin in Sozialer Arbeit, Bildung und Erziehung. Hochschule der Bundesagentur für Arbeit Mannheim
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Zitiervorschlag
Andreas G. Franke. Rezension vom 11.01.2017 zu: Konrad Obermann, Peter Müller, Hans-Heiko Müller, Bernd Glazinski (Hrsg.): The German health care system. Accessing the German health care market. medhochzwei Verlag GmbH (Heidelberg) 2016. ISBN 978-3-86216-293-2. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/21400.php, Datum des Zugriffs 23.08.2019.


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