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Peter Faiß, Helmut Kreidenweis: Geschäftsprozess­management in sozialen Organisationen

Cover Peter Faiß, Helmut Kreidenweis: Geschäftsprozessmanagement in sozialen Organisationen. Leitfaden für die Praxis. Nomos Verlagsgesellschaft (Baden-Baden) 2016. 107 Seiten. ISBN 978-3-8487-0366-1. D: 39,00 EUR, A: 40,10 EUR.
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Thema

„Alles fließt“ war ein Hauptmotiv der vorsokratischen Philosophie und meinten damit die Bewegung und die doch immer wiederkehrende Gestalt der Welt. Diese Sichtweise des Flusses ist auf unternehmerischer Ebene weniger eine philosophische, sondern eher die des nüchternen Geschäftsprozessmanagements. Die prozessorientierte Sichtweise der Organisation ergänzt die aufbauorganisatorische Sicht um die sachlogische Abfolge der Aufgaben.

Das Umdenken des Managements von Hierarchien hin zu Abläufen und Wertschöpfungsketten hat in der Theorie und vielen Wirtschaftszweigen in den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts begonnen. Im Sozial- und Gesundheitswesen fand das Prozessdenken durch das Qualitätsmanagement Einzug. Im Prinzip waren auch sozialarbeiterische oder pflegerische Methoden schon immer „Wertschöpfungsprozesse“, ohne dass sie es wussten oder sein wollten.

Das Buch von Faiß und Kreidenweis ist die erste Publikation, die sich mit Geschäftsprozessen im Sozialwesen auseinandersetzen (im Krankenhausbereich gibt es hier bereits Publikationen). Sie legen dabei den Fokus auf die Verknüpfung mit IT-Einsatz und Optimierung.

Autoren

Peter Faiß ist erfahrener Prozessmanager und in verschiedenen Branchen tätig. Helmut Kreidenweis ist Professor an der Katholischen Universität Eichstätt und Unternehmensberater im IT-Bereich

Aufbau und Inhalt

In einem ersten Zugang definieren die Autoren Geschäftsprozessmanagement und beschreiben die verschiedenen Perspektiven hierauf. Insbesondere unterscheiden sie „Prozesse“ (ein Bündel von Aktivitäten in einer zeitlichen Reihenfolge) und „Geschäftsprozesse“ (sind wertschöpfend, also befriedigen die Bedürfnisse interner und externer Kunden). Sie unterscheiden Kernprozesse (enden beim Kunden), Unterstützungsprozesse (unternehmensinterne Dienstleistungen) und Managementprozesse. Am Ende steht der Nutzen des Geschäftsprozessmanagements in Form eines „magischen Dreiecks“: Kosten senken, Qualität steigern, Laufzeiten reduzieren. Dieser Abschnitt ist mit einer breiten Literatursicht zum Thema versehen.

Anschließend wird der Stand des Geschäftsprozessmanagements in der Sozialwirtschaft beschrieben auf der Basis des IT-Reports (einer breiten empirischen Erhebung) und auf der Basis der persönlichen Erfahrung der Autoren. Hier gehen die Autoren vertieft auf den Nutzen im Sozialbereich ein und beschreiben auch den Nutzen für Klienten, Angehörige, Sozialraum, Leistungsträger und Mitarbeiter. Dabei grenzen die Autoren auch ab, dass die Kernprozesse der sozialen und pflegerischen Arbeit mangels Standardisierbarkeit nicht vom Geschäftsprozessmanagement mit IT-Unterstützung erfasst werden. Sie entwickeln einen allgemeinen Referenzrahmen für Geschäftsprozesse in der Sozialwirtschaft.

Im nächsten Schritt gehen die Autoren dann auf die Methoden des Geschäftsprozessmanagements ein. Sie beschreiben hier verschiedene Methoden zur Identifikation von Prozessen, zur Prioritätensetzung, zur Modellierung von Prozessen und zur Optimierung. Einzelne Methoden werden ausführlich behandelt, andere werden nur benannt. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf der Frage der Parallelität von Prozessmanagement und IT-Einführung. Dieser Abschnitt ist geprägt von vielen praktischen Hinweisen und auch Instrumenten zur Umsetzung.

Diskussion

Nach der Lektüre des Buches fühlte ich mich über den aktuellen Literaturstand zum Thema gut informiert. Die Stärke des Buches liegt jedoch darin, dass die beiden Autoren sich mit der Praxis der Sozialwirtschaft gut auskennen: Bei so mancher Situationsschilderung habe ich meine Erfahrungen wiedererkannt (und dann auch einordnen können).

Ich hätte mir an verschiedenen Stellen noch eine vielfältigere Methodenbeschreibung gewünscht. Es werden zahlreiche Methoden benannt – es wäre jedoch auch anregend, weniger bekannte Methoden für das Prozessmanagement kennen zu lernen um so die Potenziale für das aufkeimende Geschäftsprozessmanagement in der Sozialwirtschaft beurteilen zu können.

Fazit

Das Buch dürfte von besonderem Wert sein für Geschäftsführer/innen, IT-Verantwortliche und mit Organisationsentwicklung befassten.

Ich wünsche dem Buch bald eine zweite Auflage, in der dann auch das Potenzial von Geschäftsprozessmanagement in unmittelbar sozialarbeiterischen und pflegerischen Prozessen, aber auch das strategische Potenzial durch die Neugestaltung von Wertschöpfungsketten breiteren Raum findet.


Rezensent
Prof. Dr. Klaus Schellberg
Evangelische Fachhochschule Nürnberg
Homepage www.prof.schellberg.net
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Zitiervorschlag
Klaus Schellberg. Rezension vom 13.09.2016 zu: Peter Faiß, Helmut Kreidenweis: Geschäftsprozessmanagement in sozialen Organisationen. Leitfaden für die Praxis. Nomos Verlagsgesellschaft (Baden-Baden) 2016. ISBN 978-3-8487-0366-1. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/21401.php, Datum des Zugriffs 22.01.2018.


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