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Hilde Kammer, Elisabet Bartsch: Jugendlexikon Politik

Rezensiert von Gerd Schneider, 25.01.2005

Cover Hilde Kammer, Elisabet Bartsch: Jugendlexikon Politik ISBN 978-3-499-61699-0

Hilde Kammer, Elisabet Bartsch: Jugendlexikon Politik. 800 einfache Antworten auf schwierige Fragen. Rowohlt Verlag (Reinbek) 2004. Vollst. überarbeitete Auflage. 231 Seiten. ISBN 978-3-499-61699-0. 8,90 EUR.CH: 15,90 sFr.
Reihe: rororo - 61699.

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Autorinnen

Was in Erfahrung zu bringen ist über die Autorinnen, deren Jugendlexikon Politik erstmals 1974 erschien: Sie sind auch die Verfasserinnen eines Lexikons Nationalsozialismus (Rowohlt Verlag 1982, Mitarbeit von Manon Eppenstein-Baukhage), das mehrere Auflagen erlebte, zuletzt 1999. Darin werden die Grundbegriffe der nationalsozialistischen Ideologie erklärt und die zahlreichen Einrichtungen und Organisationen des Regimes erläutert. Daneben gibt es Hinweise auf Dokumente der Zeitgeschichte als Hilfe für die Auseinandersetzung mit Geschichte und Bedeutung des Nationalsozialismus. Auf Anfrage nach weiteren Informationen über Hilde Kammer und Elisabet Bartsch anlässlich der neuen und überarbeiteten Auflage des Jugendlexikons Politik teilt der Rowohlt Verlag erstaunlicherweise mit: "Uns liegen keine weiteren Informationen zu den Autoren vor. Insofern können wir Ihnen hier leider nicht weiterhelfen." Immerhin ist auf erneute Anfrage bei Rowohlt zu erfahren, dass Kammer und Bartsch die Neubearbeitung des Lexikons selbst vorgenommen haben

Zum Inhalt

Geht man durch die Kinder- und Jugendbuchabteilungen der Buchhandlungen, fällt insbesondere seit PISA auf, dass die Anzahl verschiedenartigster Lexika stark gestiegen ist. Die meisten Verlage haben das Programm ihrer Wissenspublikationen ausgeweitet, geben Nachschlagwerke und Sachbücher für alle Altersstufen heraus. Im hier vorgestellten Jugendlexikon Politik finden sich rund 600 alphabetisch angeordnete Stichwörter aus einem Bereich, der großen Raum in der täglichen Berichterstattung ausmacht. Die Zahl 800, wie im Untertitel angegeben, bezieht sich vermutlich darauf, dass man auch in den Grafiken Antworten finden kann oder Erklärungen zu manchen Stichworten mehrere enthalten. Die Begriffe sind im vorangestellten Register des Jugendlexikons aufgelistet bzw. mit Querverweisen verbunden. Das reicht von "Abstimmungsarten" (verweist auf "Bundestag") über "Berliner Blockade" ( findet sich im Beitrag über "Berlin), "Gemeindeverordnung" (unter "kommunal"), über "Kriegsrecht" ("Kriegsverbrechen"), "Nachrichtendienste" ("Geheimdienste"), "Parlamentarismus" ("parlamentarische Demokratie") bis zu "Radikalenerlass" (unter "Extremistenerlass"), "Statistik" ("Statistische Landesämter"), "Zentralbankrat" ("wird unter "Bundesbank" erklärt) und "Zwischenlager" (unter "Kernenergie"). Man erfährt den Unterschied zwischen "paraphieren" und "ratifizieren" und woraus sich das Wort "Agitation" ableitet und wie Gesetze zustande kommen. Über Tarifautonomie wird informiert und ob Nulltarif etwas mit Manteltarif zu tun hat. Es werden die im Buch aufgenommenen politischen Begriffe und Sachverhalte meist kurz erläutert. Längere, teilweise über mehrere Seiten laufende zweispaltige Texte stellen komplexere Zusammenhänge dar, zum Beispiel den Aufbau der ehemaligen DDR, die Parteien im Bundestag, die Organisationen für Sicherheit und Zusammenarbeit OSZE oder informieren über Hintergründe einer Vertrauensfrage im Parlament.

Die Sprache der Erklärungen ist durchweg verständlich, vermeidet politologische Fachtermini.

Tabellen und Grafiken ergänzen die Texte, etwa ein Schema über die Verwaltungsgliederung der Bundesrepublik Deutschland, den Staatsaufbau nach dem Grundgesetz oder die Darstellungen der Modelle der Mitbestimmung.

Kritische Anmerkungen

Keine Frage, diese Publikation ist hilfreich, nicht nur für Jugendliche ab 12 Jahren, denn - um ein Beispiel zu nennen - wer könnte einfach erklären, wie das das komplizierte deutsche Wahlsystem für die Bundestagswahl funktioniert, was genau man unter einer repräsentativen Demokratie versteht oder welche Voraussetzungen für einen Rechtsstaat gegeben sind?

Allerdings muss kritisch angemerkt, dass sich der Verlag bei der Aktualisierung in mancher Hinsicht nicht immer viel Mühe gegeben hat. Das fängt bei der Grafik an. Es sind zum einen für ein junges Publikum viel zu wenig Anschauungsmaterial, keine Farbe, keine Bilder und Fotografien. Die Zeichnungen, Tabellen und Statistiken sind ohne Pfiff und Einfall, wirken trocken wie in amtlichen Verlautbarungen - eben wie in den 70er Jahren, möchte man sagen, als es noch keine Verwendung der Grafikprogramme gab. Natürlich, kann eingewendet werden, das ist alles eine Kostenfrage. Indes hätte man etwas mehr für die optische Präsenz dieses Lexikons tun können, zumal hier ein junges Lesepublikum angesprochen werden soll.

Ein weiterer Kritikpunkt betrifft die Auswahl. Auch darin ist das Datum des ersten Erscheinungsjahres 1974 deutlich zu erkennen, als der Kampf der Systeme, der Kalte Krieg zwischen Ost und West das politische Leben bestimmte. Ausführliche Erwähnung finden daher in dieser Schrift zum Beispiel Themenbereiche um die DDR wie Nationale Front, FDJ, FDGB usw. Der heutige Leser hätte aber auch mehr Erklärung und Stichwörter zum Thema Arbeitsmarkt gebraucht, die heute so oft genannt werden, etwa Hartz, Agenda 2010, Ich-AG Arbeitslosengeld II und vieles andere aus der Reformdiskussion, das in der Neuauflage dieses Lexikons keinen Einzug gefunden hat. Das gilt auch für andere Komplexe. Stellvertretend genannt werden sollen noch Bereiche wie Massenmedien/Neue Medien oder Informationstechnologie, die hier zu kurz behandelt werden, obwohl sie in gesellschaftlicher und damit politischer Diskussion eine große Rolle spielen.

Fazit

Insgesamt also gibt es manches auszusetzen an dieser Neuauflage, obgleich am Schluss nochmals hervorgehoben werden soll, dass die Sprache - und das ist keineswegs leicht bei dieser Thematik - verständlich ist und das Lexikon sicher eine brauchbare Unterrichtshilfe für Schüler und Lehrer darstellt.

Rezension von
Gerd Schneider
Schriftsteller, Drehbuchautor

Es gibt 21 Rezensionen von Gerd Schneider.

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ISSN 2190-9245