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Jennifer Kint: Erfolgspotenziale von Crowdfunding zur Finanzierung sozialer Projekte

Cover Jennifer Kint: Erfolgspotenziale von Crowdfunding zur Finanzierung sozialer Projekte. Diplomica Verlag (Hamburg) 2015. 96 Seiten. ISBN 978-3-95934-640-5. 39,99 EUR.
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Thema

Die Autorin Jennifer Kint untersucht in ihrem Werk die Erfolgspotenziale der alternativen Finanzierungmöglichkeit Crowdfunding für soziale Projekte. Die Autorin verfolgt das Ziel zu erforschen, welche Potenziale die Finanzierungsform Crowdfunding für Nicht-Regierungs-Organisationen (NGOs) und Privatpersonen hat. In der Publikation werden mittels Analyse und empirischer Erhebung neue Erkenntnisse gewonnen, um die Erfolgsquoten für die Crowdfunder zu maximieren.

Autorin

Die Publikation Erfolgspotenziale von Crowdfunding zur Finanzierung sozialer Projekte von Jennifer Kint wurde im Jahr 2015 mit dem Diplomica Verlag in Hamburg veröffentlicht. Die Autorin absolvierte ihren BA in Communications und Marketing und hat einen internationalen Master-Double Degree in Management. Mit ihrem Werk zum Thema Crowdfunding wurde sie als beste Absolventin im Jahr 2014 an der International School of Management ausgezeichnet. Die Arbeit wurde im PR-Magazin veröffentlicht. Die Autorin Kint ist heute im Bereich Digitale Transformation tätig.

Aufbau und Inhalt

Die fünf Kapitel des Buches haben folgende Überschriften:

  1. Einleitung (S.9-12)
  2. Entwicklung des Fundraisings in Deutschland (S.13-25)
  3. Crowdfunding (S.26-46)
  4. Empirische Erhebung (S.47-60)
  5. Schlussfolgerungen und Zukunftsperspektiven von Crowdfunding zur Finanzierung sozialer Projekte (S.61-65)

Die ersten drei Kapitel sind theoretisch erarbeitete Texte und dienen zur Begriffsklärung und wissenschaftlichem Hintergrund des Themas. Der zweite Bereich der Publikation bezieht sich auf die empirische Forschung und den daraus resultierenden Schlussfolgerungen und Zukunftsperspektiven von Crowdfunding:

In dem ersten Kapitel (S.9-12) der Einleitung bezieht sich die Autorin auf die Aktualität und Relevanz des Themas. Nach einer kurzen Einführung wird mittels Zitaten und Schlagzeilen aus der Medienberichterstattung die Aktualität und der ansteigende Erfolg der alternativen Finanzierungsform- Crowdfunding unterstrichen. Außerdem wird zugrunde gelegt, dass die derzeit „gehypte“ Finanzierungsform keinesfalls eine neue Erfindung ist, sondern schon im Jahre 2010 in Deutschland erschien. Die Zahl von Crowdfunding-Projekten stieg in den letzten Jahren an. Dies zeigt eine hohe Relevanz des Themas und die Wichtigkeit, Chancen, Risiken und Erfolgspotenziale zu kennen. Kint verweist auf einen wichtigen probaten Spendengedanken. Menschen investieren, weil sie an die Idee, an den Initiator und an den Erfolg glauben. Im weiteren Verlauf der Einleitung wird geklärt, dass sich die folgende Untersuchung auf soziale Projekte bezieht, deren Erlös dem Gemeinwohl zugutekommt.

Das zweite Kapitel (S.13-25) erarbeitet einen weiteren theoretischen Teil der Publikation und beschreibt die aktuelle Entwicklung des Fundraisings in Deutschland. Nach der Klärung des Begriffs Fundraising geht die Autorin spezifisch auf die Veränderungen des Spendenmarktes und den Ausbau des Online-Fundraisings ein.

Kint untermauert ihre Erkenntnisse zum Spannungsverhältnis von Spender, Organisation und Konkurrent in einer tabellarischen Gegenüberstellung, die sich gegenseitig zur Abwanderung von Erstspendern und einem hohen Kostenaufwand beeinflussen. Weitere Einflüsse des Spendenverhaltens sind auf die Wirtschaftskrise, verschiedener soziologischer Theorien und ökonomischer Ansätze zurückzuführen. „Letztendlich erfolgt die Spendenaktivierung meist durch eine Kombination aus verschiedenen Motiven, die allesamt befriedigt werden.“ (S.14)

Folgend stellt die Autorin Kint die Schätzungen des privaten Spendenvolumens verschiedener Untersuchungen dar und führt die sozialdemographischen Faktoren als unabdingbare Erkenntnisse für Spendensammler sozialer Projekte differenziert auf.

Weiter folgt eine Darstellung der Umsetzung erfolgreicher Fundraising-Strategien, die ebenso wichtig für die NGOs und Privatpersonen zum Sammeln der Spenden sind. Der abschließende Beitrag bezieht sich auf den Ausbau des Online- Fundraisings. Der Anstieg der Internet-Nutzer steigt stetig, sodass eine Befragung zum Bedeutungszuwachs bzw. -verlust verschiedener Fundraising-Instrumente zeigt, dass das Online-Fundraising in Deutschland an Zuwachs gewonnen hat. Dennoch sind die Online-Spenden in Deutschland sehr gering und nur 54% der NGOs sind in diesem Spenden-Feld aktiv. Die Autorin argumentiert für die intensive Auseinandersetzung mit Online-Fundraising und geht im folgenden Text auf die Vorteile dieses Instruments ein. Die sozialen Netzwerke stellt sie als besonders wichtigen Teil der zukünftigen Spender dar. Mit der Online-Fundraising-Idee „Die Gemeinschaft finanziert Projekte, die ihnen im Netz ansprechend präsentiert werden.“ (S.25) wird zu der neuen Finanzierungsform Crowdfunding übergeleitet.

Das dritte Kapitel (S.26-46) Crowdfunding wird als dritter theoretischer Teil mit der Definition eröffnet und stellt vier Arten des Crowdfundings vor:

  1. Crowdsponsoring
  2. Crowdinvesting
  3. Crowdlending
  4. Crowddonating

Crowddonating gewinnt in dieser Publikation eine höhere Gewichtung, da die Erfolgspotenziale zur Finanzierung von sozialen Projekten ermittelt werden. In diesem Kapitel wird dem Leser deutlich, dass Crowdfunding eine neue Form der Finanzierung sozialer Projekte ist. Zudem werden viele Unterschiede zu herkömmlichen Spenden erläutert und die Entstehung sowie Verbreitung des Crowdfundings in Deutschland erklärt. Nach einem kurzen Einblick des Crowdfunding-Prozesses bezieht sich die Autorin Kint auf den Bereich der Crowdfunding-Plattformen. Sie gliedert weitere Unterkapitel und schreibt über die Nutzung, Marktgröße, Kategorien sowie Finanzierung und Erfolgsfaktoren der Plattformen. In dem Unterkapitel Erfolgsfaktoren verbindet die Autorin den Crowdfunding-Prozess mit der Vorgehensweise der Crowdfunding-Plattformen und zeigt wichtige Faktoren zur Erreichung des Erfolgs mit dieser Finanzierungsmethode auf. Spezifischer fasst sie die gewonnenen Erkenntnisse in dem Kapitel Crowdfunding zur Finanzierung sozialer Projekte zusammen „(.) und verdeutlicht, welche Potenziale zukünftige Chancen und Risiken für den Einsatz von Crowdfunding als neuen Fundraising-Kanal bestehen.“ (S.37) In diesem Abschnitt wird der Blick auf die spezielle Art des Crowddonatings geworfen. Kint untermauert ihre Erkenntnisse mit einer Analyse erfolgreich realisierter sozialer Projekte. Für die Analyse wurden alle erfolgreichen Projekte der größten Crowdfunding-Plattform Deutschlands für Soziales, VisionBakery auf verschiedene Kriterien überprüft.

Die Empirische Erhebung wird in Kapitel vier (S.47-60) dargelegt. Kint nutzte für ihre quantitative Forschungsmethode eine Online- Umfrage, die sie mittels der vorangegangenen theoretischen Überlegungen aufstellte. Die Autorin beschreibt alle wichtigen Daten zum Forschungsdesign und zum Fragebogen. Darauf folgt die Auswertung der Online-Befragung. Die Ergebnisse veranschaulicht Kint mit Diagrammen und Tabellen. Die Auswertung wurde in insgesamt 11 Hypothesen gegliedert. Zu diesen wurden die Fragen der Umfrage zugeordnet und mittels der Antworten und vorangegangenen theoretischen Erarbeitung ausgewertet.

Die Schlussfolgerung und Zukunftsperspektive zur Finanzierung sozialer Projekte folgt in Kapitel fünf (S.61-65). Kint hebt hervor, dass die Spendenform Crowddonating bisher wenig Beachtung erhält und dass es vor allem in der Wissenschaft an fundierten Erkenntnissen fehlt. Das Wissen im Bereich des Crowddonating beruft sich momentan auf Erfahrungswerte, sodass in diesem Bereich noch viel Forschungsbedarf besteht. Für die Praxis sind die alternativen Finanzierungsmöglichkeiten im Internet vor allem für kleinere Organisationen, die oft wenig Budget zur Verfügung haben, eine wichtige Option Spenden zu sammeln. Kint zeigt klare Chancen für den Bereich des Crowddonating auf. Mit der empirischen Erhebung kann das Erfolgspotenzial der alternativen Finanzierungsform grundsätzlich belegt werden. Da ein großes Potenzial in der Neuspendengewinnung durch Crowdfunding besteht, gibt Kint Handlungsanweisungen für die NGOs und Privatpersonen, die soziale Projekte durch Spenden betreiben möchten. „Die kurz- bis mittelfristigen Erfolgspotenziale von Crowdfunding zur Finanzierung sozialer Projekte sind groß- die langfristigen sind aufgrund der erwähnten Unsicherheitsfaktoren zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht abzuschätzen.“ (S.65)

Diskussion

Die Autorin Jennifer Kint überzeugt mit ihrer unkomplizierten Schreibweise und dem klar strukturierten Aufbau des Buches. Die kurzweilige Publikation vermittelt dem interessierten Leser die Intention und das Ziel Erfolgspotenziale von Crowdfunding für soziale Projekte zu erforschen und führt Risiken und Chancen in dem Bereich der alternativen Finanzierungsform sozialer Projekte auf. Das der Bereich Crowddonating bisher weniger bekannt und ein kaum erforschtes Gebiet ist, bringt der Autorin Kint einen klaren Vorteil. Mit den neu gewonnenen theoretischen Erkenntnissen weckt sie das Interesse bei dem Leser und gibt ihm einen Einblick in die Entstehungsgeschichte sowie der Verbreitung von Fundraising und Crowdfunding in Deutschland. Es folgt eine leicht verständliche, genaue Anleitung für die Durchführung eines Crowdfunding-Prozesses und die Nutzung einer Crowdfunding- Plattform im Internet. Die Autorin Kint ermutigt den Leser, dass jeder für das Gemeinwohl aktiv werden kann, egal ob auf Spender- oder Sammler-Seite. Die Analyse erfolgreicher Crowdfunding-Projekte zeigt, dass die zuvor aufgeführten Erfolgskriterien hinzugezogen werden können und ein förderliches Instrument zur Planung eines sozialen Projekts sind. Zudem unterstützt die Analyse den Erfolg von Crowdfunding-Projekten zu verdeutlichen.

Für die Personen und Organisationen, die Crowdfunding als Finanzierungsalternative nutzen möchten, sind die soziodemographischen Faktoren ein beachtenswerter Bereich, der in diesem Buch kurz angeschnitten wurde und das Interesse weckt, weiterführende Literatur dieses Themenbereichs zu lesen. Für die NGOs und Privatpersonen ist es sehr wichtig, diese Faktoren des deutschen Spendenmarktes zu kennen, um eine Zielgruppe mit ihrem Projekt anzusprechen. Zudem profitieren die NGOs und Privatpersonen aus den Handlungsempfehlungen, die aus der umfangreichen empirischen Erhebung und den theoretischen Erkenntnissen abgeleitet wurden und können die genannten Risiken und Chancen zur Optimierung des Crowdfunding-Prozesses in die Planung einbeziehen.

Fazit

Die Branchenkenner hält Kint mit ihren Erkenntnissen auf dem neuesten Stand und für angehende Crowdfunder kann die Publikation als Grundlage für ein Crowdfunding-Projekt dienen. Auch Laien wird während des Lesens vermittelt, dass sich jeder Mensch als Spender oder Spendensammler gemeinnützig einbringen kann. Der hier gebotene Einblick und die genaue Anleitung für die Durchführung eines Crowdfunding- Projekts ermutigt zumindest, sich auf den genannten Crowdfunding-Plattformen umzusehen und eventuelle Vorurteile und Skepsis abzulegen oder zu bestätigen. Der Einblick in das Buch lässt Crowdfunder auf die Chancen und Erfolgspotenziale, aber auch auf die Risiken ihres Projektes blicken und kann zu dessen Optimierung beisteuern.


Rezension von
Birte Bettges
B.A. Kindheitspädagogik, staatlich anerkannte Sozialpädagogin
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Kommentare

Anmerkung der Redaktion: Die Rezension entstand im Rahmen des Masterstudiengangs Kindheits- und Sozialwissenschaften (MAKS) der Hochschule Koblenz


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Zitiervorschlag
Birte Bettges. Rezension vom 13.12.2016 zu: Jennifer Kint: Erfolgspotenziale von Crowdfunding zur Finanzierung sozialer Projekte. Diplomica Verlag (Hamburg) 2015. ISBN 978-3-95934-640-5. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/21423.php, Datum des Zugriffs 15.07.2020.


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