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Johann Ch. Student, Albert Mühlum u.a.: Soziale Arbeit in Hospiz und Palliative Care

Cover Johann Ch. Student, Albert Mühlum, Ute Student: Soziale Arbeit in Hospiz und Palliative Care. UTB (Stuttgart) 2016. 3., vollständig überarbeitete Auflage. 171 Seiten. ISBN 978-3-8252-4715-7. D: 16,99 EUR, A: 17,50 EUR, CH: 21,90 sFr.
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Autorin und Autoren

  • Prof. Dr. med. Dr. h. c. Johann-Christoph Student, Deutsches Institut für Palliative Care, Bad Krozingen
  • Prof. Dr. phil. Albert Mühlum, Hospiz-Verein Bergstraße, Bensheim
  • Prof. Dr. med. Ute Student, Deutsches Institut für Palliative Care, Bad Krozingen

Aufbau und Inhalt

Im ersten Kapitel („Selbstverständnis und professionsbezogene Verortung Sozialer Arbeit“) legen die AutorInnen dar, weshalb die Hospizarbeit ein Arbeitsfeld für die Soziale Arbeit ist. Sie nehmen eine Veränderung der Sterbekultur in der Gesellschaft wahr und sehen aufgrund der demographischen Entwicklung sowie der Verlängerung der Lebensläufe eine Notwendigkeit, sich mit den Auswirkungen auf das Gesundheitswesen sowie mit gesamtgesellschaftlich relevanten Fragestellungen auseinander zu setzen. Ausgehend von der Grundannahme der Hospizbewegung, dass Sterben ein Teil des Lebens ist, leiten die AutorInnen die Verbindung der Sozialen Arbeit zur Hospizbewegung her. Hierbei legen sie ein professionelles Selbstbild Sozialer Arbeit im Sinne des DBSH zugrunde (Praxisorientierung, Förderung des sozialen Wandels und des sozialen Zusammenhalts, Gerechtigkeit, Menschenrechte, Vielfalt). Somit ergibt sich im Hospizbereich ein Arbeitsfeld, das sich an eine Randgruppe im weitesten Sinne richtet und im Sinne der Adressaten für selbstbestimmtes Handeln, Wahrung der Menschenwürde und für gesellschaftliche Beachtung eintritt.

Weiter erläutern die AutorInnen im zweiten Kapitel („Strukturbezogene Merkmale hospizlicher Sozialarbeit“) ausgehend von den vier Hauptanliegen Sterbender (nicht alleine sterben, Schmerzfreiheit, Dinge zum Ende bringen, Sinnhaftigkeit von Leben und Tod) die unterschiedlichen Grundlagen von Hospizarbeit und Palliative Care. Aus der Tradition heraus ist die Hospizbewegung eine bürgerschaftliche Bewegung, die den oben genannten Grundbedürfnissen Sterbender Rechnung trägt, ein Sterben im gewohnten Lebensfeld des Menschen ermöglichen möchte und ehrenamtliches Engagement fördert. Der palliative Ansatz richtet sich an Menschen, deren Heilung aus medizinischer Sicht nicht mehr möglich ist und die eine absehbar begrenzte Lebenserwartung haben. Eine scharfe Abgrenzung beider Ansätze lässt sich durch die enge Verknüpfung nicht vornehmen, was auch durch die Umbenennung der Bundesarbeitsgemeinschaft Hospiz in den „Deutschen Hospiz- und PalliativVerband e.V.“ zum Ausdruck kommt.

Die AutorInnen stellen das Netzwerk, das sich um den sterbenden Menschen herum bildet, dar und erläutern die Angebotsformen (stationäre Hospize, ambulante Angebote, spezialisierte Palliativversorgung für Erwachsene/ Kinder und Jugendliche) und die Strukturmerkmale der Palliativversorgung sowie deren Finanzierung.

Nach einem Exkurs in die Grundlagen der Schmerztherapie positionieren die AutorInnen die Soziale Arbeit in einem medizinisch dominierten Arbeitsfeld und sehen Kompetenzen und Zuständigkeiten Sozialer Arbeit durch die generalistisch angelegte Ausbildung, der Fähigkeit zu multiprofessioneller Arbeit, Teambildung und Schnittstellenmanagement zum ehrenamtlichen Engagement, ethische Grundhaltung und Bewusstsein für gesellschaftlich verantwortliche Handeln.

Sehr detailliert geht das dritte Kapitel („Zielgruppen der Hospizarbeit“) auf die Adressaten der Hospizarbeit ein. Die Sterbenden wie auch ihre Angehörigen werden in ihren Voraussetzungen, ihrem Selbstbild und ihren psycho-emotionalen Strukturen dargestellt. Es wird sichtbar, dass sich die Interessenlagen beider Gruppen auseinander entwickeln können. Die besonderen Herausforderungen der Arbeit im Hospizbereich, die erforderlichen beruflichen Qualifikationen und Weiterbildungen sowie ein Einblick in das Arbeitsfeld als Bereich für ehrenamtliches Engagement schließen diesen Abschnitt ab.

Im vierten Kapitel „Rechtliche und politische Aspekte“ geht es um den gesellschaftlichen Diskurs über Sterbehilfe und Sterbebegleitung. Die AutorInnen plädieren für eine Lebenshilfe im Sinne eines Bestands für den sterbenden Menschen für einen weitestgehenden leidensfreien Übergang in den Tod. Dies juristische Bewertung, was durch das Gesetz erlaubt schließt sich im Folgenden an. Für die Praxisrelevanz des Buches spricht die Darstellung der Vorsorgemöglichkeiten durch Patientenverfügung, Versorgevollmacht und weitere Verfügungen. In der Beratungsarbeit gibt es häufig Nachfragen zu diesen Regelungen. Für die weitere rechtssichere Weiterbegleitung der Adressaten durch die Einrichtungen ist die frühzeitige Klärung des Behandlungsrahmens und der gesetzlichen Vertretung unerlässlich.

Kapitel 5 („Versorgungsstrukturen und Organisationsformen“) bespricht das Angebotsspektrum des Arbeitsfeldes:

  • Ambulante Hospizdienste
  • Ambulante Palliativdienste
  • Stationäre Hospize
  • Palliativstationen
  • Tageshospize
  • Kinderhospizarbeit

Die AutorInnen leiten in Kapitel 6 („Strategien und Handlungskompentenzen“) einen Handlungsauftrag für die Soziale Arbeit in der Hospizarbeit ab. Ausgehend von der Grundannahme, dass sich Soziale Arbeit in Krisenfeldern bewegt, sehen die AutorInnen in der generalistischen Ausbildung der sozial Tätigen die Voraussetzungen zur Erfüllung vielfältiger Aufgaben (z.B. psychosoziale Begleitung, sozialrechtliche Beratung, Trauerbegleitung, Begleitung ehrenamtlicher Helfer, Team- und Gremienarbeit) gegeben. Eine breite Methodenpalette (Empowerment, Case Management, Gemeinwesenarbeit etc.) kommt hierbei zur Anwendung. Darüber hinaus konstatieren die AutorInnen einen weitreichenden Fortbildungsbedarf, tendenziell in Richtung einer Fachsozialarbeit, für die Mitwirkung von Sozialarbeit in der Hospizarbeit.

Kapitel 7 („Ethische Aspekte“) umreißt die philosophische Ebene der Arbeit mit Sterbenden. Die Sinnfragen der Sterbenden und ihrer Angehörigen richten sich an die professionellen Helfer. Diese setzen sich fortlaufend mit ihrer Berufsethik auseinander (Entscheidungsnotstände, Wertkonflikte, Berufsethik etc.). Zuletzt ist die Auseinandersetzung mit dem eigenen Leben und Sterben im Angesicht der Hospizgäste für die Helfer alltäglich.

Das achte Kapitel („Geschichte der Hospizbewegung“) schildert die Anfänge der Hospizbewegung durch Cicely Saunders in Großbritannien. Unterschiedliche Entwicklungen sind in den Vereinigten Staaten/Kanada und Deutschland zu verzeichnen. In Deutschland kam es zu einer zeitlich verzögerten Ausbreitung der Hospizbewegung. Nach 40 Jahren der zögerlichen Entwicklung hat der Gesetzgeber mit dem Hospiz- und Palliativgesetz von 2015 das Ziel eines stetigen Ausbaus der Hospiz- und Palliativversorgung untermauert.

Die beiden letzen Kapitel („Hospizliche Sozialarbeit – Anspruch und Wirklichkeit“ und „Hospiz und Palliative Care am Scheideweg“) nutzen die AutorInnen, um ihre Forderungen an die Soziale Arbeit und die Hospizarbeit zu formulieren. Die Sozialarbeit sei in der Hospiz- und Palliativarbeit unterrepräsentiert und zu vermehrtem Engagement aufgefordert, sie solle ihre Rolle als Partner im multiprofessionellen Team einzunehmen. Seitens der Hospizarbeit sei es wünschenswert, einer möglichen „Industrialisierung des Sterbens“ (Gronemeyer) entgegenzutreten.

Fazit

Für einen thematischen Einstieg in die Hospiz- und Palliativarbeit bietet das Buch eine ausgezeichnete Grundlage. Die AutorInnen verschaffen dem Leser einen ganzheitlichen Überblick in dieses Arbeitsfeld. Zudem weisen sie mehrfach darauf hin, dass es hier für die Soziale Arbeit einen weitreichenden Gestaltungsauftrag gibt und legen zudem die möglichen Entwicklungsfelder dar. Hierfür ist es sehr hilfreich, dass die Darstellung sich an der aktuellen Rechtslage orientiert, internationale Unterschiede darstellt und deutet und zudem sehr genau die personalen Anforderungen für ein Mitarbeiten erläutert. Dies alles ist eingebettet in die Erörterung ethischer, soziologischer und psychologische Fragestellungen zum Themenbereich. In der Gesamtbetrachtung ist dieses Buch eine Einladung an die sozial Tätigen, sich diesem Arbeitsfeld professionell anzunähern.


Rezensent
Bernd Gimmel
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Zitiervorschlag
Bernd Gimmel. Rezension vom 22.12.2016 zu: Johann Ch. Student, Albert Mühlum, Ute Student: Soziale Arbeit in Hospiz und Palliative Care. UTB (Stuttgart) 2016. 3., vollständig überarbeitete Auflage. ISBN 978-3-8252-4715-7. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/21434.php, Datum des Zugriffs 21.08.2019.


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