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Johanna Gundula Eder: Homo Crean. Kreativität und Kreativitätsbildung (...)

Cover Johanna Gundula Eder: Homo Creans. Kreativität und Kreativitätsbildung im Kontext transmedialer Kunst. transcript (Bielefeld) 2016. 400 Seiten. ISBN 978-3-8376-3634-5. D: 39,99 EUR, A: 41,20 EUR, CH: 48,70 sFr.
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Autorin

Die Autorin Johanna Gundula Eder (Dr. phil.), geb. 1982, studierte Kunstpädagogik, Kunstgeschichte, Anglistik und Erziehungswissenschaften an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Sie ist als Kunstpädagogin an Hochschulen, Schulen und in der Museumspädagogik sowie als freischaffende Künstlerin tätig. Das vorliegende Buch ist ihre Dissertation an der Ludwig-Maximilians-Universität München.

Aufbau und Inhalt

Einleitend umreißt die Autorin den Begriff Kreativität kurz und erläutert ihre weitere Vorgehensweise, um das komplexe Phänomen der menschlichen Kreativität forschend zu durchdringen und daraus Schlüsse für die künstlerische Kreativitätsbildung im Bereich der Kunstpädagogik allgemein und speziell im Kontext transmedialer Kunst sowie für fachübergreifende Kreativitätsbildung abzuleiten. Ihr Ziel ist es den Homo Creans, den Menschen mit seinem Wesensmerkmal der Kreativität, und seine Lebenswelt mittels transdisziplinärer Artistic Research zu kartographieren.

Die LeserInnen werden im ersten Kapitel zunächst mitgenommen auf eine geschichtliche Reise, die zu den ersten geschichtlichen Zeugnissen des Homo Creans führt wie beispielsweise zu den steinzeitlichen Höhlenmalereien oder den Gilgamesch-Epos bis sie dann auf den Sonderfall des Homo Creans, den/die künstlerische/n VertreterIn dieser Spezies und seine geschichtliche Entwicklung treffen.

Das zweite Kapitel des Buches widmet sich den Grundlagen menschlicher Kreativität aus verschiedenen wissenschaftlichen Perspektiven wie Spieltheorien, ästhetischer Bildung, Lerntheorien, Entwicklungspsychologie und Neurowissenschaften. Die Phasen und Potentiale kreativer Prozesses werden ebenso beleuchtet wie die Charakteristika einer kreativen Persönlichkeit. Zusammenhänge von Kreativität und Intelligenz, das Resilienzpotenzial von Kreativität, aber auch Zusammenhänge von psychischen Erkrankungen und Kreativität rücken hier in den Fokus.

Im dritten Teil des Buches wird die künstlerische Kreativität im Bereich der transmedialen Kunst näher beleuchtet. Anhand von VertreterInnen der klassischen Moderne wie Marcel Duchamps, über KünstlerInnen der 50er bis 70er Jahre des 20.Jahrhunderts wie John Cage, Merce Cunningham, Glenn Gould und Joseph Beuys sowie zeitgenössischen transmedialen KünstlerInnen werden wichtige Aspekte und Bedingungen künstlerisch-kreativer Prozesse beleuchtet. Die Bezeichnung transmediale Kunst definiert dabei keine neue oder besondere Kunstgattung, sondern meint vielmehr ein neues Kunstverständnis, das das interrelationale Wesen von Kunst fokussiert, das Dazwischen und Gemeinsame der Künste ebenso wie das Dazwischen und Miteinander von Produzent, Werk und Rezipient. So wird der Blick besonders auf KünstlerInnen gerichtet, die sich in mehreren künstlerischen Disziplinen wie Musik und Bildende Kunst gestaltend zu Hause fühlen oder sich mit ihren Werken an Schnittstellen zwischen den Künsten bewegen. Aus den Fallbeispielen transmedialer Kunstprozesse Eckpfeiler für eine interrelationale Ästhetik des Homo Creans sowie fünf zentrale kreative Erkenntnispraktiken aus den künstlerischen Strategien abgeleitet: Forschung, Spiel, Komposition, Zufall und Vernetzung.

Der vierte Buchabschnitt setzt historische bildungswissenschaftliche sowie künstlerisch-kunstpädagogische Konzepte der Kreativitätsbildung zu diesen künstlerischen Erkenntnispraktiken in Relation, um aus dieser Verknüpfung wesentliche Aspekte für eine gelingende Entwicklung einer alltäglichen kreativen Grundkompetenz sowie für eine persönlichkeitsbildende kunstpädagogische Kreativitätsbildung abzuleiten.

Das fünfte und abschließende Kapitel widmet sich der Kreativitätsbildung im Kontext transmedialer Kunst. Als Hauptziel wird hier Persönlichkeitsentwicklung durch kreativitätsbildende Kunstpädagogik definiert, als Teilschritte dorthin Selbständigkeit, Genussfähigkeit, Kommunikationsfähigkeit und Beziehungsfähigkeit. Diese Haupt-und Teilziele werden als Maxime einer Kreativitätsbildung im Kontext transmedialer Kunst gesetzt.

Diskussion

Johanna Gundula Eder gelingt es mit diesem Buch gerade durch den ungewöhnlichen epistemologischen Ansatz der transdisziplinären Artistic Research das komplexe Netzwerkphänomen der Kreativität und des Homo Creans durch vielfältige unterschiedliche Perspektiven tief zu durchdringen und diese Perspektiven miteinander zu verweben. Je nach eigener Ausgangsperspektive der/des LeserIn wird diese/r immer wieder verführt, neue und andere Blickwinkel einzunehmen. Dass das nicht immer ohne Brüche von statten gehen kann, liegt fast in der Natur der Sache. So entwickelt der rote Faden des Diskurses manchmal etwas eigen anmutende Gespinste, die aber am Ende doch zum Ziel führen.

Fazit

Das Buch ist eine lohnende Lektüre für alle, die sich tiefer mit dem komplexen Phänomen der Kreativität auseinandersetzen wollen und neue Ansätze für Kreativitätsbildung in unterschiedlichen Disziplinen gewinnen wollen. Der erkenntnisleitende Ansatz dieser Forschungsarbeit, die transdisziplinäre Artistic Research, schafft ungewöhnliche Einblicke aus heterogenen wissenschaftlichen und künstlerischen Blickwinkeln, vernetzt Sichtweisen, verdichtet Beobachtungen und Erkenntnisse zu zeitgemäßen Maximen für eine (kunst)pädagogische Kreativitätsbildung.


Rezensentin
Prof. Dr. Birgit Dorner
Katholische Stiftungsfachhochschule München, Fachbereich Soziale Arbeit
Professorin für Kunstpädagogik in der Sozialen Arbeit
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Zitiervorschlag
Birgit Dorner. Rezension vom 25.08.2017 zu: Johanna Gundula Eder: Homo Creans. Kreativität und Kreativitätsbildung im Kontext transmedialer Kunst. transcript (Bielefeld) 2016. ISBN 978-3-8376-3634-5. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/21445.php, Datum des Zugriffs 13.12.2017.


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